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    Das Amtliche Wörterverzeichnis 2023. Barometer von Schreibgebrauch und Norm

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    Das Amtliche Wörterverzeichnis ist ein wesentlicher Teil des für Schulen und Behörden verbindlichen Amtlichen Regelwerks, dem wissenschaftlichen Referenzwerk für die deutsche Orthografie. Dem Wörterverzeichnis kommt eine entscheidende Funktion zu: Es exemplifiziert anhand einzelner Lemmata die Anwendung der Regeln und kodifiziert darüber hinaus Einzelfälle, die aus dem Regelteil nicht eindeutig ableitbar sind. Im vorliegenden Beitrag wird die auf der Basis empirischer Schreibbeobachtung erarbeitete Neukonzeption vorgestellt, die mit der Konzentration auf prototypische Fallbeispiele repräsentative orthografische Zweifelsfälle im gegenwärtigen Wortschatz des Deutschen aufgreift, sie mit Bezug auf die geltende Norm und den Schreibgebrauch klärt, in der neuen digitalen Fassung auch visualisierend veranschaulicht und auf diese Weise aktuellem Nutzungsverhalten Rechnung trägt

    Kognitive Pretests und Empirie. Methodik, Zielgruppenspezifik und Nutzungsverhalten

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    Kognitive Pretests oder auch kognitive Interviews sind semi-standardisierte Interviews, die durchgeführt werden, um Einblick in die kognitiven Prozesse zu bekommen, die Befragte beim Beantworten von Fragen durchlaufen, und wie sie zu ihrer Antwort kommen. Innerhalb der sozialwissenschaftlichen Umfrageforschung werden kognitive Interviews insbesondere zu zwei Zwecken eingesetzt: (a) in der Fragebogenentwicklung und (b) in der Übersetzung von Fragebögen. Im Rahmen der Fragebogenentwicklung wird durch Interviews mit Befragten der Zielpopulation versucht, Hinweise auf unterschiedlichste Frageprobleme zu erhalten. So kann man beispielsweise herausfinden, wie Befragte bestimmte Wörter oder Begriffe verstehen, wie schwierig oder einfach sie eine Frage finden oder wie sie ihre Antwort auf eine Frage bilden. In der Übersetzung von Fragebögen kann man beispielsweise untersuchen, ob eine übersetzte Frage so verstanden wird wie die entsprechende Frage in der Ausgangssprache oder welche gewünschten bzw. unerwünschten Konnotationen bestimmte Übersetzungen haben. Innerhalb der Orthographieforschung ließe sich diese Methode auf die Entwicklung von Kriterien zur Festlegung von Rechtschreibregeln oder zur Prüfung ihrer Akzeptanz anwenden: In kognitiven Interviews eingesetzte Techniken wie „Probing“, also gezieltes Nachfragen, oder Lautes Denken könnten genutzt werden, um zu prüfen, wie Rechtschreibregeln angewendet werden oder wie sie zielgruppenspezifisch und nutzungsfreundlich ausgestaltet werden müssten, damit sie größtmögliche Akzeptanz in weiten Teilen der Bevölkerung finden. So könnte man intuitive Entscheidungen bei Worttrennung oder Getrennt- und Zusammenschreibung untersuchen

    Normreflexion und Schreibgebrauch als Spiegel gesellschaftlichen und orthografischen Wandels

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    Das Verhältnis von Norm und Schreibgebrauch bestimmt die Orthografieforschung und den orthografischen Diskurs nicht erst seit der Recht­schreibreform 1996. Wurde der Normbegriff lange Zeit als relativ statische Größe verortet, so erhielt er durch im 21. Jahrhundert verstärkt zu beobachtende Schreibwandelprozesse signifikante Impulse für Modifikationen, die eine offe­nere Entwicklung einleiteten. Besonders deutlich ist dies an Fremdwörtern und insbesondere an Fremdwort­-Neologismen abzulesen. So belegt die empirische Beobachtung von Anglizismen, wie soziokulturelle Entwicklungen Sprach­ und Schreibveränderungen bewirken. Mit Bezug auf das Amtliche Regelwerk wird gezeigt, wie ein neu herausgebildeter Usus zur Modifizierung einzelner Regeln und Schreibungen führen kann und damit auch zu einem flexibleren, dynami­scheren Normbegriff

    Die ästhetische Wahrnehmung der deutschen Sprache im europäischen Raum

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    Ist Deutsch eigentlich die hässlichste Sprache Europas? Dieser Beitrag analysiert, wie die deutsche Sprache im europäischen Raum ästhetisch wahrgenommen wird und was hinter dieser Wahrnehmung sprachwissenschaftlich gesehen steckt. Die Studie kombiniert qualitative und quantitative Forschungsmethoden miteinander. So werden auf der einen Seite Sprachurteile dokumentiert und analysiert. Auf der anderen Seite wird die durchgeführte europaweite Befragung mit über 2000 Proband*innen ausgewertet, was gleichzeitig einen methodischen Ausgangspunkt für weitere Erhebungen festlegt. Überwiegt die Wahrnehmung des Deutschen als „harte“ Sprache wirklich? Ist „hart“ denn direkt „hässlich“? Und ist die Wahrnehmung mancher Sprachen als besonders reizlos tatsächlich nur gesellschaftlich konstruiert, wie der bisherige Stand der Forschung nahelegt, oder spielen universelle kognitive Prozesse doch eine größere Rolle als gedacht? Basierend auf einem beträchtlichen Datensatz wirft diese Studie neues Licht auf eine der umstrittensten und methodisch herausforderndsten Kontroversen der Linguistik

    Manual for the coding of question types and questioning sequences in coaching (QueSCoM)

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    This manual serves to describe and evaluate a coaching-specific typology of questions and, building on this, of questioning sequences. Based on an interdisciplinary, psychological and linguistic/conversation analytical approach, a rating instrument has been developed in order to qualitatively and quantitatively capture questions and questioning sequences in the coaching process. The aim is to distinguish between more and less successful sequences. It is assumed that successful sequences contribute to the overall success of the coaching conversation.The success of the questioning sequences is evaluated by examining the responsiveness of coach and coachee. Responsiveness refers to the verbal actions of both participants in the conversation (Graf & Dionne 2021) and is understood in this manual both at the level of individual sequence positions as well as the entire questioning sequence. The responsiveness of the participants in the conversation and the success of the questioning sequences are considered in relation to the organizational structure of the coaching conversation. The manual is based on dyadic coaching conversations between coaches and coachees from the area of business/work-related coaching. Coaches' questions serve as a starting point (target action) (Peräkylä 2019) for a questioning sequence

    Moralisierung als sprachliche Praxis

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    In diesem Beitrag beschäftigen wir uns mit moralisierenden Sprachhandlungen, worunter wir diskursstrategische Verfahren verstehen, in denen die Beschreibung von Streitfragen und erforderlichen Handlungen mit moralischen Begriffen enggeführt werden. Auf moralische Werte verweisendes Vokabular (wie beispielsweise „Freiheit“, „Sicherheit“ oder „Glaubwürdigkeit“) wird dabei verwendet, um eine Forderung durchzusetzen, die auf diese Weise unhintergehbar erscheint und keiner weiteren Begründung oder Rechtfertigung bedarf. Im Fokus unserer Betrachtungen steht dementsprechend das aus pragma-linguistischer Sicht auffällige Phänomen einer spezifischen Redepraxis der Letztbegründung oder Unhintergehbarkeit, die wir als Pragmem auffassen und beschreiben. Hierfür skizzieren wir zunächst den in der linguistischen Pragmatik verorteten Zugang zu Praktiken der Moralisierung, betrachten sprachliche Formen des Moralisierens und deren strukturelle Einbettung in den Satz oder den Text (also kotextuelle und pragmasyntaktischen Struktureinbettungen), um anschließend Hypothesen zu kontextuellen Wirkungsfunktionen aufzustellen. Darauf basierend leiten wir schließlich anhand von exemplarischen Korpusbelegen Strukturmuster des Moralisierens ab, die wir in dem philosophisch-linguistischen Fachterminus ‚Pragmem‘ verdichten und mittels qualitativer und quantitativer Analysen operationalisieren.This paper deals with moralizing speech acts. Moralizing speech acts are discourse-strategic procedures in which the description of contentious issues and necessary actions are linked to moral terms. Various vocabulary referring to moral values (such as, “freedom,” “security,” or “credibility”) are used to enforce a claim whereby there appears to be no requirement for further justification or rationale. Accordingly, this paper focuses on the phenomenon of specific speech practice of ultimate justification or irreducibility that is evident from a pragmatic linguistic perspective. The paper will describe this phenomenon, which is construed here as a pragmeme. To do so, we first outline the approach to practices of moralizing located in linguistic pragmatics by considering the linguistic forms of moralization and their structural embeddedness in the sentence or text (i. e., cotextual and pragma-syntactic structural embeddings). We are then able to hypothesize about the contextual functions of the efficacy of these linguistic forms. From here, we finally derive structural patterns of moralization based on exemplary textual evidence, which will then be consolidated into the philosophical and linguistic concept of pragmeme and operationalized by means of qualitative and quantitative analysis

    Argumentstrukturmuster und valenzgrammatisch orientierte Information im deutsch-spanischen Kontrast. Exemplarische Analyse der Lexikalisierungsmöglichkeiten des Konzepts 'Entführen'

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    In diesem Beitrag wird in erster Linie untersucht, welche Probleme ein Wörterbuchbenutzer bei der Suche nach Bezeichnungsmöglichkeiten und bei der Verwendung von Wörtern in freien fremdsprachlichen Produktionssituationen hat. Es soll gezeigt werden, dass die herkömmlichen zweisprachigen Wörterbücher im deutsch-spanischen Kontext nicht genügend Informationen für die Produktionssituation in der jeweiligen Fremdsprache anbieten, da u.a. dort zu wenig Informationen zu der Bedeutungs- und Lesartdisambiguierung angeboten werden. Darüber hinaus sollen Vorschläge gemacht werden, die dazu beitragen können, die aufgeführten Probleme zu überwinden

    Kodieren und Auswerten von Kategorien in der Interaktionalen Linguistik

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    Der vorliegende Artikel thematisiert das Zusammenspiel von qualitativen, interpretativen Praktiken und quantifizierenden Methoden in der Interaktionalen Linguistik. Dieser Forschungsansatz arbeitet mit Daten aus gesprochenen Interaktionen, die in Korpora aufbereitet sind. Die Auswertung der Korpusdaten umfasst sowohl Schritte, die aus der Analyse von Schriftkorpora bekannt sind, als auch solche Schritte, die spezifisch für die Analyse mündlicher Daten sind. Ein zentraler Prozess, der sowohl bereits interpretativ ist als auch der eigentlichen Ergebnisinterpretation vorausgeht, ist die Kodierung der Korpusbelege. Kodiert werden in der Interaktionalen Linguistik sowohl klassische sprachwissenschaftliche, z.B. syntaktische Kategorien als auch für Ansätze zur gesprochenen Interaktion spezifische Kategorien, z. B. im Bereich der Prosodie und der verbalen Handlungen. Der Artikel stellt zunächst vorhandene Korpora, typische Fragestellungen und methodische Vorgehensweisen der Interaktionalen Linguistik vor. Anschließend wird anhand zweier Beispiele aus eigenen interaktionslinguistischen Untersuchungen zur verbalen Pseudo-Koordination im Deutschen (Sie können sich nicht hinstellen und sagen: »Das geht nicht.«) gezeigt, welche interpretativen Herausforderungen Kodierkategorien und Quantifizierungen im Bereich der Prosodie und Pragmatik bergen. Abschließend wird reflektiert, inwiefern der Begriff der Hermeneutik für die diskutierten interpretativen Prozesse passend ist.This paper addresses the interplay of qualitative, interpretive practices and quantitative methods in Interactional Linguistics. This linguistic approach uses data from corpora containing spoken interactions. The analysis of the corpus data comprises steps known from the work with written corpora as well as steps that are specific to the analysis of spoken data. One central process, which is interpretive, but also precedes the interpretation of the final results, is the coding of instances of a phenomenon. Coding in Interactional Linguistics includes classical categories from linguistics, for example syntactic ones, as well as categories that are specific to approaches investigating spoken interactions, for example prosodic or pragmatic categories. The paper first introduces available corpora, typical research questions and methods in Interactional Linguistics. Then, two examples from the author’s own research on verbal pseudo-coordination in German (Sie können sich nicht hinstellen und sagen: »Das geht nicht.« – ›You cannot stand up and say: »That is not okay.«‹) are given to show which interpretive challenges the coding and quantification prosodic and pragmatic categories offer. Finally, the usefulness of the concept hermeneutics for the interpretive processes that the article describes will be discussed

    Building bridges. Reconstructing implicit information in argumentative texts using commonsense knowledge

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    In many argumentative texts a substantial amount of knowledge remains implicit. This implicit knowledge is often crucial for a deep understanding and correct interpretation of arguments. In this work we investigate how to automatically reconstruct implicit knowledge in argumentative texts, and how the reconstruction of implicit knowledge can help in improving computational argument analysis. We point out that knowledge which stays implicit can in most cases be framed as commonsense knowledge, which has been shown to be helpful for solving many Natural Language Processing (NLP) tasks. However, it has not yet been leveraged for an in-depth analysis of arguments. This work closes this research desideratum by integrating commonsense knowledge in computational argument analysis. We explore ways to fill implicit knowledge gaps in arguments automatically by utilizing commonsense knowledge, in order to build bridges between argumentative sentences – with the ultimate goal of improving argument analysis

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