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„Das muss Konsequenzen haben“. Die Schiffshavarie der Pallas als umweltpolitische Diskursdisruption
Im Rahmen der Plenardebatten setzt sich der Deutsche Bundestag regelmäßig mit umweltrelevanten Störfällen und Unglücken auseinander. So wurde am 12. November 1998 zum ersten Mal die Havarie des vor Amrum auf Grund gelaufenen Frachtschiffs „Pallas“ thematisiert. Der eigentliche Vorfall lag zu diesem Zeitpunkt mehr als zwei Wochen zurück und hatte sich infolge medialer Berichterstattung mit besonderem Fokus auf Fragen des Krisenmanagements diskursiv etabliert. Die bundespolitisch-institutionelle Aufarbeitung knüpft damit an einen bereits bestehenden umweltpolitischen Teildiskurs an. Als Störfall stellt die „Pallas“ ein Referenzobjekt mit einem öffentlichen Positionierungs- und Inszenierungspotenzial dar, das sich in Form strittiger Verantwortungszuschreibungen entlädt. Daraus ergibt sich eine Trias aus behandelter Störung (Disruption), den daraus abzuleitenden Konsequenzen (Verantwortlichkeit) und den zur Umsetzung aufgerufenen Akteuren (Verantwortlichen). Die vorliegende Studie kombiniert qualitativ-hermeneutische und quantitativ-distributionelle Zugänge am Beispiel der „Pallas“-Havarie, um Aushandlungsprozesse zu politischer Verantwortung im Kontext bundesdeutscher Umweltpolitik genauer zu beschreiben.The German Bundestag regularly deals with environmentally relevant incidents and accidents during plenary debates. On 12 November 1998, the accident involving the cargo ship ‘Pallas’, which ran aground off Amrum, was discussed for the first time. The actual incident had been more than two weeks in the past and had established itself in public discourse as a result of media coverage focussing in particular on questions of crisis management. The federal political-institutional reappraisal thus ties in with an existing environmental policy sub-discourse. As an incident, ‘Pallas’ represents a reference object with the potential for public positioning and staging, which is discharged in the form of controversial attributions of responsibility. This results in a triad of the disruption dealt with, the consequences to be derived from it (responsibility) and the actors called upon to implement it (responsible parties). This study combines qualitative-hermeneutic and quantitative-distributive approaches using the example of the ‘Pallas’ accident in order to describe negotiation processes on political responsibility in the context of German environmental policy in more detail
Formen und Funktionen von Moralisierungen in der Gesundheitskommunikation
Die Coronapandemie hat uns als Gesellschaft deutlich gemacht, wie wichtig die Kommunikation von gesundheits- und krankheitsbezogenen Themen ist, vor allem wenn sie weitreichende Regulierungen in allen gesellschaftlichen Bereichen zur Folge hat. Bor et al. (2023) weisen in diesem Zusammenhang auf einen wichtigen, bisher weitgehend unbeleuchteten Aspekt der Gesundheitskommunikation hin, indem sie die Rolle von Moralisierungen in der Coronapandemie aus psychologischer Perspektive untersuchen. Moralisierungen sind diskursive Strategien, bei der mittels des Verweisens auf allgemeingültige moralische Werte bestimmte Forderungen oder Standpunkte unterstützt werden (zur ausführlicheren Beschreibung vgl. Kap. 2). Bor et al. resümieren, dass es v. a. in Demokratien von großer Bedeutung ist, für Restriktionen im Privatleben in der Bevölkerung mittels des Verweisens auf moralische Werte Verständnis zu erlangen. Solche Restriktionen alleinig top-down zu bestimmen, könne zu ihrer Ablehnung führen, weshalb es sehr viel sinnvoller sei, mittels moralischer Argumente die Einsicht der Bürger:innen zu erlangen, um die Einhaltung, aber auch die Legitimation der Maßnahmen zu erreichen (Bor et al. 2023: 258). Werden die Regeln und Normen als moralisch richtig dargestellt, werden Menschen persönlich involviert (Bor et al. 2023: 259), was sich u. a. daran zeige, dass sie die vorgegebenen Regulationen einhielten und gleichzeitig deren Missachtung verurteilten (Bor et al. 2023: 270)
Domain adaptation with linked encyclopedic data: A case study for historical german
This paper outlines a proposal for the use of knowledge graphs for historical German domain adaptation. From the EncycNet project, the encyclopedia-based knowledge graph from the early 20th century was borrowed to examine whether text-based domain adaptation using the source encyclopedia’s text or graph-based adaptation produces a better domain-specific model. To evaluate the approach, a novel historical test dataset based on a second encyclopedia of the early 20th century was created. This dataset is categorized by knowledge type (factual, linguistic, lexical) with special attention paid to distinguishing simple and expert knowledge. The main finding is that, surprisingly, simple knowledge has the most potential for improvement, whereas expert knowledge lags behind. In this study, broad signals like simple definitions and word origin yielded the best results, while more specialized knowledge such as synonyms were not as effectively represented. A follow-up study was carried out in favor of simple contemporary lexical knowledge to control for historicity and text genre, where the results confirm that language models can still be enhanced by incorporating simple lexical knowledge using the proposed workflow
Deutsch im Wandel. Bericht von der 61. Jahrestagung des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache, Mannheim, 11. - 13. März 2025
Kreativität als gemeinsame Hervorbringung – über die interaktive Herstellung einer Aufführung in Theaterproben
LDV-Info 1
Die Arbeitsstelle Linguistische Datenverarbeitung (LDV) innerhalb der Abteilung Zentrale Wissenschaftliche Dienste (ZWD) am Institut für deutsche Sprache (IdS) hat die Aufgabe, maschinenlesbare Textkorpora zur gesprochenen und geschriebenen deutschen Sprache der Gegenwart einschließlich der Korpusaufbereitungen (Register, KWIC-Indizes, etc.) bereitzustellen und Textverarbeitungs- und Analyseprogramme zu entwickeln.
Korpora und Programme dienen in erster Linie zur Unterstützung der grammatischen und lexikographischen Arbeitsvorhaben des IdS. Sie stehen darüber hinaus auch der germanistischen Sprachwissenschaft im In- und Ausland zur Verfügung. Um potentielle externe Interessenten mit den Diensten vertraut zu machen, die die Arbeitsstelle LDV anbieten kann, haben wir uns entschlossen, eine Informationsschrift unter dem Titel LDV-INFO herauszugeben, die in unregelmäßiger Folge über Möglichkeiten der maschinellen Textverarbeitung, über Programmbibliotheken und Korpora sowie deren Auswertungsmöglichkeiten und über unsere Rechenanlage berichtet.
Im LDV-INFO 1 möchten wir uns Ihnen verstellen und Sie über das "Mannheimer Korpus 1", das "Freiburger Korpus" sowie einige Auswertungsprogramme informieren, die an unserem Institut zur Verfügung stehen
Phrasenkomposita im gesprochenen Deutsch an der Schnittstelle von Wortbildungs- und Gesprächsforschung
Phrasenkomposita wie Wir-machen-lange-auf-Tag werden im vorliegenden Beitrag erstmals hinsichtlich ihres Gebrauchs im gesprochenen Deutsch untersucht. Durch die Kombination von Untersuchungsmethoden aus der Wortbildungs- und Gesprächsforschung wird in unserer auf dem FOLK-Korpus basierenden Studie der Frage nachgegangen, welche Rolle der Bildungstyp in der gesprochenen Sprache spielt und inwiefern sich Charakteristika des mündlichen Gebrauchs (kommunikative Einbettung, intersubjektive Aushandlung von Bedeutung) herausarbeiten lassen. Indem die Ergebnisse unserer Studie explizit zu einer umfassenden Untersuchung von Phrasenkomposita in der medialen Schriftlichkeit in Bezug gesetzt werden, wird eruiert, ob sich die in der gesprochenen Sprache verwendeten Phrasenkomposita von den in der Schriftsprache gebrauchten Bildungen unterscheiden. Insgesamt deuten die Ergebnisse der Pilotstudie darauf hin, dass die Kombination von Wortbildungs- und Gesprächsforschungsperspektive für beide Disziplinen gewinnbringend ist
Pragmatische Aspekte der Bedeutung von Sprichwörtern aus dem kognitiven Feld SCHWEIGEN am Beispiel des Sprachenpaares Deutsch – Spanisch
Anhand des onomasiologisch angeordneten deutsch-spanischen SCHWEIGEN / CALLAR -Korpus aus dem Forschungsprojekt FRASESPAL1 wird im ersten Teil des Aufsatzes auf die Konzeptualisierung des Schweigens mittels Phraseologismen und Sprichwörtern und deren Unterschiede auf denotativer und nichtdenotativer Ebene eingegangen. Die Notwendigkeit der pragmatischen Analyse in der kontrastiven Parömiologie soll im zweiten Teil der Arbeit gezeigt werden. Untersuchungsgegenstand sind die Sprichwörter Reden ist Silber, Schweigen ist Gold und En boca cerrada no entran moscas, die als interlinguale funktionale Äquivalente im Deutschen und Spanischen gelten.
Durch die Analyse werden für die kontrastive Parömiologie zu beachtende Unterschiede im textuellen Verhalten, in der Art der illokutiven Funktionen, in der sozialen Funktion, in den kognitiven Konzepten und in der Typologie der Modifikationen beider Sprichwörter aufgedeckt. Darüber hinaus werden die argumentativen und kommunikativen Funktionen beider Sprichwörter vor dem Hintergrund einer Differenzierung zwischen konzeptioneller Schriftlichkeit und Mündlichkeit anhand einer Vielzahl von Beispielen näher bestimmt
Satzverknüpfung in Kontakt: Italienisches che im Walserdeutschen
Das Interessante in der Sprachkontaktperspektive liegt darin, dass der Kontakt fast wie ein chemisches Reaktionsmittel wirkt, indem er die Strukturen beider teilnehmenden Sprachen (deren Asymmetrien, Hierarchien, Lücken) sichtbar(er) macht, so dass die Resultate der Kontaktforschung letzten Endes auch zu einer breiteren Kenntnis der Sprache führen können. Die Entlehnung von che in deutschen Dialekten wird daher zeigen, wie die verschiedenen Funktionen untereinander geordnet sind, aber auch inwiefern die beobachteten Kontaktsituationen unterschiedlich sind