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Ich bin hierher gekommen, weil mein Mann ein guter Mensch ist – Migration und die Entscheidung für ein paarbezogenes Familienmodell
Das 1,5-stündige Interview findet in der Wohnung der Informantin Sevim (SV) statt. Während des Gesprächs bin ich mit ihr allein, der Ehemann ist mit dem kleinen Sohn im Stadtzentrum, damit wir uns ungestört unterhalten können.
Sevim ist zum Zeitpunkt des Interviews Mitte 30, verheiratet und hat einen zweijährigen Sohn. Nach Deutschland kam sie wegen ihres Ehemannes. Ich lernte sie vor ungefähr drei Jahren in dem von mir geleiteten multinationalen Integrationskurs kennen. Sie fiel mir auf, weil sie sehr bemüht war, Deutsch zu lernen und sich aktiv am Unterricht beteiligte. Im Gegensatz zu den übrigen türkischen Kursteilnehmerinnen, die nur über eine Pflichtschulbildung verfügten, hatte sie einen Lise-Abschluss. Sie distanzierte sich von den anderen Türkinnen und suchte den Kontakt zu anderssprachigen Teilnehmerinnen, mit denen sie Deutsch praktizieren konnte. Sevim glich aufgrund ihres Kleidungs- und Lebensstils den modisch gekleideten Großstadtfrauen in der Türkei. Sie betonte mehrfach, dass sie nicht aus finanziellen Gründen nach Deutschland kam, da sie aus einer wohlhabenden Familie stammt. Sie kam wegen ihres Ehemannes.
Hinweise auf einen Lebensstil, der modischen Trends folgt, gab sie mit kurzen Erlebnisschilderungen im Rahmen des Deutschunterrichts: Sie feierte mit ihrem Ehemann Silvester in einem vornehmen Hotel in Istanbul und sie machte mit ihrem deutsch-türkischen Freundeskreis Skiurlaub in Kitzbühel.
Sevim fragte mich oft nach geeigneten Musik- oder Theaterkursen für Kinder, in die sie ihren Sohn schicken könnte. Dabei orientierte sie sich an den Bildungsangeboten, die in den Großstädten der Türkei üblich sind. Während eines Türkeiaufenthalts schickte sie ihren Sohn für zwei Wochen in den Kindergarten ihrer Nichte, damit er von den dortigen Angeboten profitiert. Sie ist bemüht, das Kind optimal zu fördern.
Ziel meiner Analyse ist es, zu zeigen, wie Sevim die Phasen ihrer Biografie rekonstruiert, die im Zusammenhang mit ihrer Migration nach Deutschland stehen: das Leben in ihrer Herkunftsfamilie, das Kennenlernen des Ehemannes, die Eheschließung, die Migration nach Deutschland und das Leben in Deutschland. Sevim stellt sich im gesamten Interview als gepflegte, moderne Städterin dar, die keineswegs den Heiratsmigrantinnen gleicht, die sie umgeben. An vielen Stellen des Interviews grenzt sie sich überaus deutlich von der Kategorie „Heiratsmigrantin“ ab, wie sie sie täglich in Mannheim erlebt. Von analytischem Interesse ist, wie sie den Kontrast herstellt, welche biografischen Ereignisse für sie dabei von Relevanz sind, und welche Eigenschaften und Handlungsweisen sie zur Kontrastherstellung und für die Selbst- und Fremddarstellung verwendet.
Die Analyse geht folgenden Fragen nach:
–– Wie stellt Sevim ihre Herkunftsfamilie dar? Was sind die Gründe für ihre
Migration?
–– Wie kam die Beziehung zu ihrem Mann zustande, wie verlief der Ehe-
Anbahnungsprozess und was ist für Sevim wichtig?
–– Wie positioniert Sevim sich in Relation zu anderen Heiratsmigrantinnen
und über welche Eigenschaften? Welche sprachlichen Mittel und Verfahren
verwendet sie zur Selbst- und Fremdkategorisierung?
–– Welchen Lebensstil führt Sevim mit ihrem Mann in Deutschland? An welchem
Familienmodell orientieren sich die beiden
Introduction to the Special Section of Papers from the 6th GLOBALEX Workshop on Lexicography and Neology
This special section of Lexikos focuses on lexicographic neology and neological lexicography, featuring seven of the papers presented at the sixth Globalex Workshop on Lexicography and Neology (GWLN-6),1 which was held in conjunction with the 28th International Conference of the African Association for Lexicography, AFRILEX 2024, at the University of Pretoria, South Africa
Konfliktstoff Kopftuch: Symbolisierungen im Alltags- und Mediendiskurs
Das Kopftuch ist mehr als ein Stück Stoff – das zeigen die Alltags- und Mediendiskurse über dieses Kleidungsstück. Analysiert man diese Diskurse, wird deutlich, dass der Streit um das Kopftuch als Stellvertreterdebatte angesehen werden muss. Das Kopftuch ist ein Symbol mit polysemem Symbolwert. Die Alltags- und Mediendiskurse über das Kopftuch sind dabei vor allem durch kulturkonträre Symbolisierungen gekennzeichnet: So gilt beispielsweise für die einen das Kopftuch als Symbol der Unterdrückung, für die anderen ist es dagegen ein Symbol der Befreiung. Symbolisierungen, die mit dem Kopftuch in den Diskursen transportiert werden, wirken als Diskussionsblockaden: Im augenblicklichen Kopftuchstreit stehen sich Kulturpositionen unvereinbar gegenüber. Der Beitrag gibt jedoch auch Hinweise, wie der scheinbar unauflösbare Konflikt zwischen den bipolaren Positionen aufgeweicht werden könnte
Sachliche Kritik und persönlicher Angriff in Rezensionen. Spielräume im Umgang mit einer kommunikativen Norm
Der Beitrag untersucht am Beispiel einer 1900 veröffentlichten Literaturgeschichte R.M. Meyers, welche Mittel die Rezensenten verwenden, um die ihnen in der Sache gebotene Kritik je nachdem entweder polemisch zu verschärfen oder zur Schonung des rezensierten Autors abzumildern. Insbesondere wird gefragt, ob besagte Mittel im Sinne der bekannten Unterscheidung eher „sachlich“ oder eher „persönlich“ sind
Das getilgte Ich und sein Stil
In seinen Erinnerungsbänden schreibt Peter Wapnewski, er wolle sein Ich „tilgen“. Er tut dies auch auf verschiedenste Weise. Aber durch seinen Stil stellt er sich indirekt auch als ganz besonderes Ich dar
Implikationen technischer Arbeitsgeräte für die Koordination und Ko-Orientierung in einer Arbeitsbesprechung
In den vergangenen Jahren ist in der Gesprächsforschung ein steigendes Interesse an multimodalen Aspekten von Interaktion festzustellen, d.h. an der Untersuchung, wie Interaktionsteilnehmer sich neben verbaler auch verschiedenster anderer Ressourcen bedienen, um gegenseitiges Verstehen zu sichern (Schmitt (Hg.) 2007, Mondada/Schmitt (Hg.) 2010). Zu diesen unterschiedlichen Ressourcen gehören neben ‘embodied actions’ auch Artefakte und räumliche sowie temporale Aspekte. Wie die Interaktanten den Einsatz dieser unterschiedlichen Ressourcen koordinieren und sich am Einsatz derselben orientieren, soll Fokus der vorliegenden Untersuchung sein. Hierbei liegt das Augenmerk auf der Frage, wie das Zurverfügungstehen bestimmter technologischer Hilfsmittel in Arbeitssitzungen (hier: ein Laptop mit Computerprojektion) für die Gesprächsteilnehmer eine Ressource zur gegenseitigen Koordinierung ihrer unterschiedlichen Handlungen darstellt. Insbesondere wird verfolgt werden, in welchen sequenziellen Positionen sich die Gesprächsteilnehmer aneinander orientieren und wann bestimmte koordinative Aktivitäten zum Einsatz kommen
“Spotting languages”: searching for regional or international languages for symbolic, practical, and educational purposes
“Spotting” languages is a habit known by many people: humans tend to notice or even explicitly search for varieties that have a particular meaning to them. In this vein, also linguistic landscape (LL) research has occasionally focused on a specific variety in a territory, e.g. on the local roles of English, Italian as a symbol of fashion or cuisine, or specific minority languages. In this light, our chapter discusses different conceptualizations and aims of language “spotting”. First, the “Spot German” approach searches for German as a language of broader relevance in some parts of the world, but only marginal importance in many others. Second, we will focus on Latgalian in Latvia as an example of searching for a regional minority language. Based mostly on research conducted in the Baltic states, the chapter shows how “spotting” may provide important insight into societal multilingualism, functions of a language in different domains, discourses, and language prestige. In addition, we show examples of how “spotting languages” can be applied to different educational purposes
Argumentidentifikation und handlungsbezogene Bedeutung. Indirekte Redewiedergabe mit "sagen" und "fragen" im Deutschen und Italienischen
Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung ist die Beobachtung, dass in bestimmten Sprachen allgemeine Äußerungs- und Frageverben typischerweise auch als Auffordernsverben (im engeren und weiteren Sinne) fungieren und dann als propositionale Komplementausdrücke bevorzugt oder ausschließlich Infinitivkonstruktionen anstelle von finiten Satzstrukturen selegieren. Korpusuntersuchungen zeigen, dass die deutschen Verben sagen und fragen im Vergleich zu ihren Übersetzungsäquivalenten nur sehr selten als Auffordernsverben fungieren. Anhand des Vergleichs mit dem Italienischen wird gezeigt, dass Form, illokutiver Typ und Kontext der Äußerungen, auf die im Rahmen der Redewiedergabe referiert werden soll, im Deutschen spezifischere Voraussetzungen erfüllen müssen, um auf sie mit sagen oder fragen Bezug nehmen zu können. Erkennbar ist in diesem Zusammenhang, dass die Argumentrealisierung und -identifikation in entsprechenden Satzgefügen sprachübergreifend einem Muster folgt, das sich als konstitutiv für eine handlungsbezogene Bedeutung von Redewiedergabeverben herausstellt und auf das auch die marginalen Instanzen von sagen und fragen als Auffordernsverben zurückgreifen
Radiopredigtenkorpus
The first corpus of German radio sermons comprises over 29,000 fully digitized and annotated manuscripts of modern radio sermons from the years 2010–2024 and 267 manuscripts of historical radio sermons from the Nazi era (1933–1939) and 96 texts from GDR radio (1950–1960).
The modern radio sermons are the final versions of the manuscripts that were recorded in the studio and then broadcast on various German stations. The radio sermons come from RBB, HR, WDR, SWR, BR, and SR, covering the entire German broadcasting area. Texts from an average of ten years are available from each station.
The historical Catholic radio sermons from the Nazi era were collected from the diocesan archives in Münster. They were broadcast between 1933 and 1938 on Reichssender Köln. The historical Protestant radio sermons come from the State Church Archive of the Evangelical Lutheran Church in Bavaria (LAELKB) in Nuremberg and were broadcast between 1933 and 1939 on Reichssender München.
The radio sermons from the GDR regime cover the years 1950–1960 and were broadcast on GDR radio. The Catholic texts were taken from the publication Pfeiffer, Ernst (1962): Frohbotschaft in Rundfunkansprachen. Leipzig: St. Benno-Verlag GmbH, while the Protestant radio sermons were taken from the publication Wagner, Heinz (1973): Annahme einer Nachricht. Predigten im Rundfunk. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt.
The corpus thus comprises texts from three exemplary periods in the 100-year history of radio sermons (1924–2024), which were created under three different political systems. The radio sermons from the Nazi era and the GDR period were subject to strict censorship before they were broadcast.
This allows for both diachronic linguistic analyses and synchronic analyses of radio sermons from different stations. The addition of metadata (station, denomination, author, date, title) enables linguistic analyses from regional or denominational perspectives, for example. It is also possible to conduct studies of radio sermons by specific authors or from specific times/periods (e.g., during the pandemic).Das erste Korpus deutscher Radiopredigten umfasst über 29.000 vollständig digitalisierte und annotierte Manuskripte moderner Radiopredigten aus den Jahren 2010–2024 und 267 Manuskripte historischer Radiopredigten aus dem Nationalsozialismus (1933–1939) sowie 96 Texte aus dem DDR-Rundfunk (1950–1960).
Bei den modernen Radiopredigten handelt es sich um die Endfassungen derjenigen Manuskripte, die dann im Studio eingesprochen und anschließend in verschiedenen deutschen Sendern ausgestrahlt worden sind. Die Radiopredigten stammen aus dem RBB, HR, WDR, SWR, BR und SR, sodass sie das gesamtdeutsche Rundfunkgebiet abdecken. Aus jedem Sender liegen Texte aus durchschnittlich zehn Jahren vor.
Die historischen katholischen Radiopredigten aus dem Nationalsozialismus wurden im Bistumsarchiv Münster erhoben. Sie wurden zwischen 1933–1938 im Reichssender Köln gesendet. Die historischen evangelischen Radiopredigten stammen aus dem Landeskirchlichen Archiv der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (LAELKB) in Nürnberg und wurden von 1933–1939 im Reichssender München ausgestrahlt.
Die Radiopredigten aus der Zeit des DDR-Regimes umfassen die Jahre 1950–1960 und wurden im DDR-Rundfunk gesendet. Die katholischen Texte wurden der Publikation Pfeiffer, Ernst (1962): Frohbotschaft in Rundfunkansprachen. Leipzig: St. Benno-Verlag GmbH entnommen, die evangelischen Radiopredigten der Publikation Wagner, Heinz (1973): Annahme einer Nachricht. Predigten im Rundfunk. Berlin: Evangelische Verlagsanstalt.
Damit umfasst das Korpus die Texte aus drei exemplarischen Zeiträumen aus der 100-jährigen Geschichte der Radiopredigten (1924–2024), die unter drei verschiedenen politischen Systemen entstanden sind. Die Radiopredigten aus dem Nationalsozialismus und aus der DDR-Zeit unterlagen vor der Ausstrahlung einer strengen Zensur.
Damit sind sowohl diachrone sprachlichen Analysen möglich, als auch synchrone Analysen unter den Radiopredigten der verschiedenen Sender. Durch die Anreicherung mit Metadaten (Sender, Konfession, Autor:in, Datum, Titel) sind z. B. Sprachanalysen unter regionalen oder konfessionellen Aspekten möglich. Auch Untersuchungen von Radiopredigten bestimmter Autor:innen oder Zeitpunkten/-räumen (z. B. Pandemiezeit) können durchgeführt werden
Alexa, you are too slow! Invariant turn-transition times and conversational flow in natural human–voice agent interaction
A corpus of naturally occurring interactions of first-time users with their voice agent is analysed with respect to the voice agent’s turn timing and its knock-on effects on the conversational flow and ensuing adaptations of users in their communicative behaviour. Across 1077 analysed turn transitions, turn timing by the voice agent has been found to be atypically slow and largely invariant, stripping human – voice agent interaction of a layer of naturalness. Users are found to quickly adapt to the observed characteristics of voice agents’ communication, adjusting both their expectations about the voice agent’s output as well as the timing of their own verbal contributions. The consequences for human – voice agent interaction are discussed, showing that major improvements in user experience hinge upon more naturalistic timing abilities in dialogue systems