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Grammatikalisierung und Subjektivität. Der am-Progressiv in Mündlichkeit und Schriftlichkeit
Häufig wird angenommen, dass Sprachveränderungen in mündlichen, informellen Alltagsinteraktionen mit nur geringem normativem Druck beginnen. Der Beitrag untersucht vor diesem Hintergrund, welchen Aufschluss speziell mündliche Daten über derzeit stattfindende Grammatikalisierungsprozesse geben können. Als Fallstudie dient der sog. am-Progressiv, dessen mündlichen und schriftlichen Gebrauch wir in Bezug auf den jeweils erreichten Grammatikalisierungsgrad der Konstruktion vergleichen. Zweitens betrachten wir semantisch-pragmatische Aspekte der untersuchten Entwicklung, die in der Literatur häufig als zunehmende Sprecher- bzw. Sprechereignisorientierung („Subjektivierung“) betroffener Konstruktionen beschrieben werden. Wir zeigen, dass in diesem Sinne subjektive (z. B. intensivierende oder bewertende) Verwendungen auch für den deutschen am-Progressiv charakteristisch sind. Drittens schließlich überprüfen wir einen möglichen Zusammenhang von Grammatikalisierung(sgrad) und Subjektivität in (sowohl medialer als auch konzeptioneller) Mündlichkeit einerseits und Schriftlichkeit andererseits
Investigating OKAY across genres, modes and languages: A corpus-based study on German and French
In our study, we used the spoken language corpus FOLK and the Wikipedia corpus family, provided by the Institute for the German Language (IDS) in Mannheim, to examine the usage of OKAY in various spelling and pronunciation variants across genre types (Wikipedia articles vs. talk pages), across modes (transcribed spoken vs. written language), and across languages (German vs. French Wikipedia talk pages). Our comparison of German Wikipedia talk and article pages made evident that OKAY is used far more frequently in the CMC-like Wikipedia talk pages than in the text-like Wikipedia articles. The comparison of the CMC data with the FOLK corpus of transcribed spoken language revealed interesting differences in the distribution of functional and topological features. The results suggest the emergence of particular functions and usage patterns for OKAY in written CMC that differ from the patterns observed in spoken interaction. The comparison of German and French Wikipedia talk pages yielded common usage patterns in both languages, e.g. the preference for "speedy" spelling variants (ok, OK, Ok) and a similar distribution of topological features, but also differences in the distribution of functional features
Causing, staging, and negotiating disruption. Language thematisations in political debates on immigration
Einwanderungsdiskurse sind kontroverse und disruptive Diskurse, in denen ideologische Fragen rund um den Schutz oder die Zerstörung bestehender sozialer und politischer Ordnungen diskutiert werden. Diese Debatten drehen sich zunehmend um den politischen Sprachgebrauch selbst. Störungen werden in den Debatten nicht nur auf der Ebene der gesellschaftspolitischen Implikationen der Einwanderung, sondern auch auf der kommunikativen Ebene festgestellt. Ein relevantes kommunikatives Mittel ist dabei öffentlich-politische Sprachkritik, die in Sprach(gebrauchs)thematisierungen geäußert wird. Methodisch geht es um die Analyse von kommunikativen Störungen (d. h. eine Wortwahl oder Formulierung wird nicht als störungsfrei verwendbar erkannt oder durch metakommunikative Markierung als kritikwürdig oder problematisch hervorgehoben) oder von Inszenierungen von Störungen (d. h. Strategien der Inszenierung von politischem Wettbewerb und der Zuordnung und Zuordnung). Verweigerung der Autorität auf der Grundlage bemerkenswerter sprachlicher Beweise, um gegensätzliche Ideologien zu entkoppeln und zu delegitimieren) und Unterbrechungen der laufenden Interaktion zum Verhandeln Der Sprachgebrauch erfolgt auf Basis einer interaktional-pragmatischen Diskursanalyse. Dabei werden die Instanzen als strategisch eingesetzte sprachliche Thematisierungspraktiken und Versuche der (Ent-)Klärung innerhalb mediatisierter öffentlich-politischer Kommunikationskontexte konzeptualisiert.Immigration discourses are controversial and disruptive discourses within which ideological questions around the protection or destruction of existing social and political orders are discussed. These debates are increasingly revolving around political language use itself. Disruptions are identified in the debates not only on the level of socio-political implications of immigration, but also on the communicative level. A relevant communicative means hereby is public political language criticism voiced in language (use) thematisations. Methodologically, the analysis of communicative disruptions (i.e. a word choice or formulation is not recognized as usable without disruption or is highlighted as worthy of criticism or problematic through metacommunicative marking) or stagings of disruptions (i.e. strategies of staging political competition and assigning and denying authority on the basis of notable linguistic evidence to decouple and delegitimize opposing ideologies) and interruptions of ongoing interaction to negotiate language use is carried out on the basis of an interactional-pragmatic discourse analysis. Thus, the instances are conceptualised as strategically employed language thematisation practices and attempts at (dis)clarification within mediatised public political communication contexts
Latvia, English in
This entry provides an overview of contemporary roles of English in Latvia. English is relatively new to the Latvian ecolinguistic system, with Latvian, Russian and German being the most widespread three local languages throughout history. The importance of English has, however, grown rapidly since the reestablishment of Latvian independence in 1990/1991. Today, English is learned by almost all children at school, and competences and use are high in international communication among the post-Soviet generation. At the same time, English is seen in some discourses as a threat to Latvian on the lexical, structural and functional levels
Über Eigennamen und nicht kanonische definite Beschreibungen in populärwissenschaftlichen Texten
Das Thema dieses Beitrags sind definite Beschreibungen, die in nicht ganz kanonischer Weise zur Wiederaufnahme von Diskursreferenten verwendet werden, welche zunächst mit Eigennamen eingeführt worden sind. Es wird vorgeschlagen, definite Beschreibungen mit nichtrestriktiven Erweiterungen als eine Variante der nicht kanonischen Wiederaufnahme zu analysieren. In einem abschließenden Abschnitt wird eine diskursfunktionale Erklärung dieser Form der Wiederaufnahme, die nicht zuletzt in populärwissenschaftlichen Texten zu beobachten ist, angedeutet
Language, Nation and Identity in the German-speaking Countries
Als Bezeichnung der Nationalität ist das Adjektiv deutsch potenziell zweideutig, weil es auf Sprecher einer bestimmten Sprache (Deutsch) oder Bürger eines bestimmten Staates (Deutschland) bezogen werden kann. Dieser Umstand lässt sich zum Teil historisch erklären, weil die Grenzen eines Staates mit dem Namen Deutschland in der Praxis nie mit der Verbreitung deutscher Muttersprachler in Europa zusammengefallen sind. Nationalistische Ideologen im neunzehnten Jahrhundert setzten eine linguistische Basis für die nationale Identität der Deutschen voraus und nahmen an, dass ein echter deutscher Nationalstaat ausschließlich aus der Gesamtheit der Deutschsprechenden bestehen würde (bzw. sollte), aber in Wahrheit war das Kleindeutschland Bismarcks weit entfernt von dieser Idealvorstellung. Auch heute, nach der Wende, sind etwa 15% der Deutschsprechenden nicht Bürger eines Staates, der sich Deutschland nennt. In diesem Artikel wollen wir die verschiedenen deutschsprachigen Gruppen außerhalb Deutschlands etwas näher betrachten, und zwar in Luxemburg, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz, sowie die deutschsprachigen Minderheiten in anderen westeuropäischen Ländern. Dabei soll auch analysiert werden, wie diese Gruppen ihre Identität im Verhältnis zur übrigen deutschen Sprachnation empfinden. Des Weiteren wird erörtert, wie sich Auffassungen einer deutschen Identität in Deutschland seit der Wende geändert haben, und ob die angeblichen sprachlichen Unterschiede aus der Zeit, in der es zwei deutsche Staaten gab, auch nach 1990 weiter bestehen. Danach wird auf der Basis neuerer Untersuchungen gezeigt, dass das sprachliche Verhalten deutlicher mit politischen Gebilden in Verbindung gebracht werden kann, so dass die verschiedenen Staaten, in denen Deutsch als Muttersprache gesprochen wird, zunehmend charakteristische sprachliche Merkmale aufweisen. Diese wachsende Differenzierung innerhalb der gemeinsamen Sprache entlang der politischen Grenzen könnte als Zeichen dafür aufgefasst werden, dass die nationale Identität ihre Basis zunehmend in politischen Gebilden hat statt in der Sprache.As an adjective of nationality, the term ‘German’ is potentially ambiguous, since it can denote the Speaker of а particular language or the Citizen of а particular state. The reasons for this are partly historical, since the borders of а state called ‘Germany’ have never coincided with the distribution of people whose first language is German. Nineteenth Century nationalists assumed а linguistic basis for German national identity and assumed that а German nation state would include all Germans, defined linguistically, but the ‘Little Germany’ which emerged in 1871 was in practice far removed from this aspiration. Even now, after the second unification of 1990, there are significant numbers of German-speakers who are not citizens of а state called ‘Germany’. This article looks at the various Germanspeaking groups in westem Europe outside Germany, including Luxembourg, Austria and Germanspeaking Switzerland as well as minority groups in other countries, and analyses how they perceive their identity in relation to the rest of the German Sprachnation. It then goes on to consider how perceptions of identity have changed within Germany since 1990 (and whether the alleged linguistic divisions from the time when there were two German States have persisted since unification) and to show how recent studies have concluded that linguistic behaviour is becoming more associated with political entities, with distinctive features emerging in each state where German is spoken. This growing differentiation within the common language corresponding to political divisions seems to indicate that national identity is now being perceived as having а political rather than а linguistic foundation
Named entity recognition and entity linking
Named Entity Recognition (NER) and Entity Linking (EL) are crucial tasks in Natural Language Processing (NLP) that enable the extraction and disambiguation of named entities in text data. NER involves identifying and labelling named entities, such as persons, locations, and organizations, while EL links these entities to external knowledge bases, providing additional context and information. NER and EL systems employ a range of techniques, including statistical and state-of-the-art neural approaches like transformer-based architectures, to recognize, disambiguate, and link entities to knowledge bases. The application of NER and EL has numerous use cases for automatic text analysis and information retrieval, and is generally useful to engage with text data in the area of digital humanities. This chapter provides an overview of NER and EL, including their tasks, techniques, relevant data formats, and applications, as well as some guidance on how to apply these technologies to raw data sets
Variation and Change in Colloquial (Standard) German - The Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA) Project
Die fundamentalen Veränderungen im Varietätengefüge des Deutschen im letzten Jahrhundert haben die Aufmerksamkeit der SprachwissenschaftlerInnen verstärkt auf Variation und Wandel im Standard und in der standardnahen Alltagssprache des Deutschen gelenkt. Die offensichtlichen Mängel in den Grammatiken und den meisten Wörterbüchern des Deutschen hinsichtlich der Darstellung und/oder Untersuchung regionaler Varianten machen die Notwendigkeit deutlich, diese Variation immer wieder neu zu erfassen und zu dokumentieren. Der Beitrag stellt das Projekt Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA) vor, in dem seit 2003 das Internet genutzt wird, um a) auf breiter empirischer Basis aktuelle Daten zu erheben und b) die erhobenen Daten auf Sprachkarten zugänglich zu machen. Ausgewählte Ergebnisse der ersten drei Erhebungsrunden werden präsentiert und diskutiert.The fundamental changes in the architecture of varieties in German during the last Century have drawn the attention of linguists to Variation and change in Standard and colloquial Standard German. However, the noticeable deficit in the documentation and/or examination of regional variants to be found in grammars and most dictionaries of German demonstrates the need for continuous empirical studies on such Variation. This paper describes the project Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA), which has been utilising the internet to a) collect data on а broad empirical basis and b) make these data available via an online atlas since 2003. The paper presents and discusses selected results from the first three rounds of questionnaires