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Forschungsdatenmanagement und Data Sharing qualitativer Daten - eine Handreichung
Die vorliegende Handreichung adressiert die besonderen Herausforderungen des Forschungsdatenmanagements (FDM) qualitativer Daten. Sie benennt zentrale Aspekte, die sowohl bei der Planung und Durchführung der Forschung als auch bei der Vorbereitung der Daten für die wissenschaftliche Nachnutzung berücksichtigt werden sollten. Ausgangspunkt sind die Besonderheiten qualitativer Forschung, die die Anwendung standardisierter und generischer FDM-Vorlagen häufig an ihre Grenzen führt.
Die Handreichung beleuchtet zentrale Schritte des FDM wie die frühzeitige Einbindung von FDZ, die Gestaltung der informierten Einwilligung, die Entwicklung datensatzspezifischer Anonymisierungskonzepte und die umfassende Kontextualisierung der Daten. Sie befürwortet ein flexibles Instrumentarium, welches den offenen, iterativen Charakter qualitativer Forschung widerspiegelt und bietet Forschenden eine strukturierte Vorgehensweise für das FDM qualitativer Daten. Ein zentrales Anliegen ist die Förderung einer Kultur des Data Sharing, die die wissenschaftliche Nachnutzung qualitativer Forschungsdaten ermöglicht, die Rechte aller Beteiligten wahrt und forschungsethischen Anforderungen entspricht
Lexikalisierung, Grammatikalisierung, Konstruktionalisierung. Im Spannungsfeld zwischen Beschreibung, Erklärung und Vorhersage
In diesem Beitrag wird die Verflechtung der Begriffe Grammatikalisierung, Lexikalisierung und Konstruktionalisierung thematisiert. Obwohl diese Konzepte in vielerlei Hinsicht Ähnlichkeiten und Überschneidungen aufweisen und aus ähnlichen theoretischen Traditionen stammen, fokussieren sie unterschiedliche Aspekte des Sprachwandels. Fallstudien zu drei unterschiedlichen Phänomenen des Deutschen dienen als empirische Grundlage für die Diskussion: komplexe Präpositionen, Funktionsverbgefüge und Nomen-PartizipII-Komposita. Es zeigt sich, dass die konstruktionsgrammatische Ausrichtung wichtige Perspektiven eröffnet, indem sie durch eine Kombination der traditionellen und der neueren Ansätze im Rahmen eines gebrauchsbasierten Modells vielversprechende Möglichkeiten bietet, die komplexen Prozesse des Sprachwandels zu modellieren
Sprachmittlungspolitiken in öffentlichen Einrichtungen in Deutschland
Dieser Beitrag beleuchtet das Thema „Sprachmittlungspolitiken“ aus einer angewandten linguistischen Perspektive. Basierend auf Spolskys Unterscheidung von Praktiken, Vorstellungen und Maßnahmen der Sprachpolitik wird untersucht, wie in mehrsprachigen Kontexten mit Sprachbarrieren umgegangen wird. Nach einer Begriffsklärung, die das spezielle Anforderungsprofil von Sprachmittlern skizziert und ihre zentrale Rolle als Vermittler zwischen den primären Kommunikationspartnern verdeutlicht, gibt ein kurzer Überblick über Arbeiten aus soziolinguistischen, translations und sozialwissenschaftlichen Kontexten Aufschluss darüber, wie Sprachmittlungspolitiken verstanden werden und in welchem Verhältnis sie zu übergeordneten sprachpolitischen Ansätzen stehen. Anschließend werden der Bedarf an Sprachmittlung sowie die rechtlichen Anspruchsgrundlagen in Deutschland erörtert, gefolgt von einem Überblick über verschiedene Praktiken auf Bundes, Länder und Kommunalebene. Abschließend werden die Potenziale maschineller Sprachmittlung zur Überwindung von Sprachbarrieren diskutiert.This article examines the topic of “linguistic mediation policies” fromm an applied linguistic perspective. Based on Spolsky's categorisation of language policies as practices, ideas and measures, it explores how language barriers are overcome in multilingual settings. After clarifying the terminology and outlining the specific requirements of language mediators, the article highlights their central role as intermediaries between primary communication partners. An overview of sociolinguistic, translation, and social
science research then provides insight into how language mediation policies are understood and how they relate to overarching language policies. This is followed by a discussion of the need for, and legal basis of, language mediation in Germany. Finally, it provides an
overview of various practices at federal, state and local levels. The potential of machine translation to overcome language barriers is then discussed
Die deutsche Sprache im Land X: Bosnien-Herzegowina als Beispiel für die Neuausrichtung der Forschung von Deutsch im Kontext umfangreicherer Mehrsprachigkeitskonstellationen
Grammatik, Text, Register? Intraindividuelle sprachliche Variation bei Martin Luthers Relativsätzen
Martin Luthers Relativsätze sind durch Variation geprägt. Durch der/die/ das + da eingeleitete Relativsätze haben oft die Funktion, Subordination eindeutig zu markieren. Andere Einleitungen können ein Zusammentreffen gleichlautender Wortformen (die, so statt die, die) verhindern, allerdings ist dieser Effekt wenig ausgeprägt. In Abhängigkeit vom Text sind unterschiedliche Typen von Relativsätzen mehr oder weniger häufig. Durch der/die/das + da eingeleitete Relativsätze sind gegen die bisherige Auffassung nicht „bibelsprachlich“, sondern besonders typisch für das Neue Testament. Bestimmte Relativsatzeinleitungen charakterisieren bestimmte Textsorten, allerdings zeigen sich auch innerhalb von Texten Unterschiede. Zu deren Erklärung bietet sich der Register-Begriff an
„Newbies“ und Alteingesessene. Ein Multimethodenansatz zur Untersuchung von Neologismenakzeptanz und deren Wandel
Wir untersuchen die Akzeptanz von entlehnten sowie rein mit deutschem Material gebildeten Neologismen mithilfe einer Kombination aus Korpusstudie, Verhaltensexperiment und Umfragestudie. Im Rahmen der Korpusstudie steht die Gebrauchshäufigkeit der Neologismen sowie deren Markierung über linguistische „Flags“ im Mittelpunkt. Daraus abgeleitete Hypothesen werden im Verhaltensexperiment anhand der Analyse von Maustrajektorien überprüft. Interessanterweise widersprechen die Ergebnisse des Experiments gröβtenteils den aus den korpuslinguistischen Ergebnissen abgeleiteten Hypothesen. Wir stellen einen Erklärungsansatz für diese Inkongruenz vor. Zuletzt berichten wir Ergebnisse einer Umfragestudie, in der sich die Teilnehmenden zwischen einem neologistischen Lehnwort und dem nativen Pendant entscheiden mussten. Aus der Gesamtschau der Ergebnisse leiten wir eine Charakterisierung eines „prototypischen“ gut akzeptierten Neologismus im Deutschen ab und folgern, dass ein solcher Multimethoden-Ansatz eine attraktive Methode darstellt, ein linguistisches Konzept aus möglichst vielen Blickrichtungen zu beleuchten
Bedeutungswandel bei Grammatikalisierungsprozessen
Vor der Folie grundlegender Faktoren semantischer Veränderungsprozesse wird grammatikalisierungsrelevanter Bedeutungswandel als funktionaler Subtyp definiert und von anderen Fällen des Bedeutungswandels abgesetzt. Als distinktives Kriterium wird die Herausbildung und paradigmatische Integration einer indexikalischen Relation in ein grammatisches Paradigma hervorgehoben. Ferner werden diachrone Szenarien der Abfolge bestimmter Kontexttypen bei grammati-kalisierungsrelevantem Bedeutungswandel diskutiert. Als Beispiel für diesen Prozess wird die Integration von man in das Paradigma der Dialogrollen skizziert
Standardising language data through the conversion pipeline TEIWorLD
The conversion of data into a standard format is a crucial step in many research workflows. Standardisation enables data exchange, reuse, and analysis, which are essential for advancing knowledge in various fields. In this publication, we describe the conversion pipeline TEIWorLD (TEI Workflow for Language Data) that transforms written and spoken language data into standardised formats, specifically I5/TEI P5 XML for written data and ISO/TEI Transcriptions of Spoken Language for spoken data. The pipeline leverages existing tools to convert specific formats into these standards, with an additional transformation step for written data into the archival I5 (short for IDS TEI P5) format used at the Leibniz Institute for the German Language (IDS). We also present two use cases that demonstrate the practical application of standardisation with our conversion pipeline TEIWorLD in language data management on a corpus consisting of more than one format, enabling researchers to efficiently analyse and share their data