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Integration und Abwehr. Standardsprachlichkeit als zentrales Moment bürgerlicher Selbstdefinition im 19. Jahrhundert*
Im Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft, einer in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Emst Dohm und Julius Rodenberg herausgegebenen und an bildungsbürgerliche Kreise gerichteten Literatur- und Kunstzeitschrift, erscheint im Oktober 1869 eine Erzählung des Publizisten, Theatermannes und Schriftstellers Paul Lindau mit dem Titel: „Die Liebe im Dativ“.* Wie der Titel verspricht, handelt es sich um eine linguistische Geschichte, und sie zeigt exemplarisch, in welchem Ausmaß sich das Bürgertum des 19. Jahrhunderts über einen bestimmten sprachlichen Habitus und vor allem über „Standardsprachlichkeit“ definierte. Deshalb sei die Geschichte im Folgenden etwas ausführlicher nacherzählt
Deutsch in Europa. Vielfalt, Sprachnormen und Sprachgebrauch. Vierter Bericht zur Lage der deutschen Sprache
Wo in Europa wird Deutsch gesprochen? Wie kam es dazu? Welchen gesellschaftlichen Status hat die deutsche Sprache in Europa? Wie gestaltet sich der Kontakt mit anderen Sprachen? Wie fügt sich Deutsch in ein mehrsprachiges Repertoire ein? Wie ist die Vitalität des Deutschen einzuschätzen? Diesen und anderen Fragen widmet sich der Vierte Bericht zur Lage der deutschen Sprache. Der erste Teil umfasst 15 Länder-Portraits, in denen wichtige Informationen zur Stellung des Deutschen (z.B. als Amts- oder Minderheitensprache) zusammengetragen werden. Diese >>Steckbriefe<< dienen als Grundlage für die sechs Themenfelder, die im zweiten Teil die Vielfalt des Deutschen über die Ländergrenzen hinweg darstellen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der gegenwärtigen Situation (z.B. im Hinblick auf den Deutschunterricht in mehrsprachigen Konstellationen, den Sprachkontakt und die Einstellungen zur deutschen Sprache), es werden aber immer wieder auch Bezüge zur Geschichte der deutschsprachigen Minderheiten hergestellt. Im Ganzen präsentiert sich so ein facettenreiches Bild des Deutschen in Europa - im Wechselspiel von Vielfalt, Sprachnormen und Sprachgebrauch
Sprachen in Deutschland. Aktuelle Ergebnisse aus dem Mikrozensus. Amtliche Statistiken über Sprachen in Deutschland: Folge 3
Im deutschen Mikrozensus werden Daten über die Bevölkerung in Deutschland erhoben. Seit 2017 werden darin auch Informationen über die Sprache abgefragt. Die Erhebung von Sprache knüpft dabei an eine lange Tradition von Sprachfragen in deutschen Volkszählungen an: Diese Tradition beginnt in Preußen im 19. Jahrhundert und endet mit der letzten Erhebung in der Volkszählung von 1950. In dieser SPRACHREPORT-Reihe „Amtliche Statistiken über Sprachen in Deutschland“ werden die vom Statistischen Bundesamt und den Statistischen Landesämtern erhobenen Daten über Sprache in zugänglicher Weise präsentiert und ausgewertet. In dieser dritten Folge stehen die aktuellen Ergebnisse der Mikrozensuserhebung 2024 im Fokus
Reste des Westjiddischen im niederdeutschen Sprachgebiet
Neue Quellenfunde zeigen, dass die jüdischen Gemeinschaften Ostfrieslands bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine eigene, auf dem Westjiddischen basierende Varietät zur inneijüdischen Kommunikation verwendeten. Der vorliegende Artikel beschreibt diese Quellen, präsentiert erste Analyseergebnisse und gibt einen Überblick über den soziolinguistischen Hintergrund einer ländlichen jüdischen Sprachgemeinschaft im niederdeutschen Sprachgebiet. Die Sprache der Auricher Juden zeigt Spuren von Sprachkontakt mit der in der Region dominanten gesprochenen Sprache Niederdeutsch sowie dem an Einfluss gewinnenden Standarddeutschen. Die Varietät, so zeigt sich, hatte spezifische kommunikative Funktionen in einer mehrsprachigen Gemeinschaft in einer Zeit des sozialen und linguistischen Umbruchs.Sources discovered recently indicate that Jewish communities of the East- Frisian peninsular in Northwest Germany used а vemacular derived ffom Western Yiddish for in-group communication well into the 20th Century. This article introduces the sources, presents first results of the analysis and provides an overview of the sociolinguistic background of а rural Jewish community in the Low-German speaking language area. The vemacular spoken by Jews in the East-frisian town of Aurich showed traces of language contact with the dominant spoken variety Low German and the emerging Standard language German. It appears that the variety had distinct functions in the communicative setup of а multilingual speech community in а period of social and linguistic change
A new attribute class for annotating syntactic dependency relations
Language corpora, used as data for linguistic research and machine learning, are traditionally annotated with lemmas, part-of-speech tags, and, possibly, morphosyntactic categories. As a lightweight, inline, representation of such (mostly automatic) annotations, the TEI Guidelines provide the att.linguistic class with @lemma, @lemmaRef, @pos, @msd, and @join attributes (cf. Bańskiet al., 2018). Increasingly, corpora are also annotated with syntactic parses in terms of dependency relations between tokens, as a basis for syntactic queries or inferences. A de facto standard for that, supported by a wide array of tools, is the Universal Dependencies framework (UD; cf. Marneffe et al., 2021) with its CoNLL-U format. The present contribution outlines a potential extension of the TEI Guidelines for annotations of syntactic dependency relations, in the form of a new attribute class called att.linguistic.dependency, which extends att.linguistic with the attributes @head and @deprel and several conventions
IDS aktuell. Neues aus dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Jg. 2025, Heft 5
Zur Herstellung von Situationseröffnungen in Arbeitsgruppen
Dieser Beitrag befasst sich mit der komplexen multimodalen Struktur der Anfangsphase in einem Ausbildungskontext, für den intensive Teamarbeit charakteristisch ist. Untersucht wird dabei nicht nur die ‘Situationseröffnung’ im engeren Sinne, d.h. die formale Eröffnungs- und Begrüßungssequenz durch einen Moderator sowie die Bearbeitung eines „first topic“ (Schegloff 1968). Vielmehr werden auch die davor stattfindenden Interaktionen zwischen den im Arbeitsraum eintreffenden bzw. bereits befindlichen Beteiligten als unterschiedliche Phasen der ‘Situationsherstellung’ konzeptualisiert. Diese Phasen sind der formalen sprachlichen Eröffnung, die meist durch eine offizielle Begrüßung realisiert wird, grundsätzlich vorgelagert und immer mit der Einrichtung des Sitzplatzes und der Herstellung des zur Arbeit nötigen Arrangements verbunden. Der im Rahmen dieser Vorbereitungsaktivitäten stattfindende verbale Austausch der Beteiligten ist inhaltlich-thematisch gesehen noch nicht unmittelbar arbeitsbezogen.
Die folgende Analyse von drei Ausschnitten, die dem offiziellen Start unterschiedlich nahe bzw. entfernt sind, wird verdeutlichen, welche Ressourcen die Interaktionsteilnehmer wie einsetzen, um sich wechselseitig anzuzeigen, in welcher Phase der Situationsherstellung sie sich befinden und welche Implikationen mit ihren Verhaltensweisen in den verschiedenen Phasen verbunden sind
Englisches in der deutschen Wortbildung
Gegenstand dieses Beitrags ist der gegenwärtige Einfluss des Englischen auf das Deutsche, und zwar speziell auf die Wortbildung des Deutschen. Es wird gefragt, in welchem Maße das Wortbildungssystem englischem Einfluss unterliegt, wie sich dieser Einfluss äußert und wie man die entsprechenden Erscheinungen systematisieren kann