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Kriterien für die Bewertung von Sprachberatung. Sprachberatung als kommunikatives Ereignis
Ausgangspunkt für die Bewertung von Sprachberatung ist die Definition der Sprachberatung als einer von drei möglichen Modi der Sprachkultivierung (Sprachpflege). Dieser „konsultative” Modus wird zwischen der schulischen und massenmedialen Sprachkultivierung lokalisiert. Für die Bewertung von Sprachberatung sind vorrangig die Interessen der Ratsuchenden einerseits und der Beratenden andererseits von Bedeutung. Als Materialgrundlage, um zu Feststellungen über diese Interessen zu kommen, ist man allerdings einseitig auf Materialien der Sprachberatungsinstanzen angewiesen. Für die Bewertung von Sprachberatung ist das seitens der Berater vorgegebene Sprachpflegeziel, z.B. „Schärfung des sprachkritischen Vermögens des Sprachbenutzers”, wichtig. Die von Sprachberatern/innen selbst formulierten Anforderungen an die Sprachberatung offenbaren ein Dilemma: Die dem wissenschaftlichen Selbstverständnis verpflichtete Auffassung, bestehende Sprachnormen nicht festzuschreiben, steht dem massiven Bedürfnis der Ratsuchenden nach normativer Klärung entgegen. Die Überlegungen werden in dem Versuch einer Kriteriologie der Bewertung von Sprachpflege gebündelt
Wie nehmen Menschen in Deutschland Veränderungen im Sprachgebrauch wahr und was haben sie selbst verändert? Sprache in Zahlen: Folge 16
Sprichwort und Redensart: Gemeinsamkeiten und Unterschiede - theoretisch und textuell, synchron und diachron betrachtet
Seit Antike und Mittelalter werden Sprichwort und Redensart - unter wechselnden Titeln - als eng verwandte sprachliche Formen angesehen, in einem Kontext mit Sentenz, Maxime, Zitat, ohne dass die Typen auch nur einigermaßen konsistent voneinander abgegrenzt wären (vgl. dazu die detaillierte Studie von Hallik 2007). Heute sind es vor allem Sprichwort und Redensart, die in einschlägigen, vor allem parömiologischen, Studien in einem Atemzug genannt und untersucht werden, während Formen wie Sentenz oder Maxime kaum mehr Objekt parömiologischer/phraseologischer Analyse werden. Häufig werden in Arbeiten zum ‘Sprichwort’ stillschweigend auch Redensarten mit einbegriffen. (In nahezu jedem Band von Proverbium findet man Beispiele dafür.) Das Umgekehrte gilt nicht im gleichen Maße.
Im Folgenden werde ich nur einleitend einige terminologische bzw. klassifikatorische Überlegungen anstellen. Eigentliches Ziel des Artikels ist es, der Frage nachzugehen, inwieweit es berechtigt ist, die beiden phraseologischen Kategorien in enger Nachbarschaft zu sehen, wenn man ihr Auftreten in konkreten Texten miteinander konfrontiert
Duanzhuang Zheng (2023): Untersuchungen zu Verbpartikel-Verb-Komplexen im Deutschen. Tübingen: Stauffenburg. [Rezension]
Verstohlene Blicke. Fotografien aus der Zeit der nationalsozialistischen Besatzung 1939-1945 in Poznan/Posen und Umgebung
Der Beitrag befaßt sich mit der nationalsozialistischen Besatzungspolitik in den polnischen Westgebieten unter kultur- und fotografiegeschichtlichem Gesichtspunkt. Es wird der Versuch unternommen, anhand von in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlichten Fotos aus Poznan und Umgebung einen etwas anderen Blickwinkel auf das historische Ereignis zu öffnen, das die tiefsten Wunden in den deutsch-polnischen Beziehungen hinterließ. Im Zentrum der Beschreibungen steht das rassistische Verhalten der deutschen Besatzer in den okkupierten westpolnischen Gebieten, die weitreichende Zerstörung polnischer Kultur und der sich auch in den Fotos manifestierende Widerstand der Polen gegen den Versuch der Dezivilisierung ihrer Nation. Es wird Einblick gewährt in die Systematik der Entpolonisierung, die den Alltag der polnischen Bevölkerung grundlegend bestimmte: Alles, was an die politische oder kulturelle Existenz und Geschichte der polnischen Nation erinnern konnte, wurde von den deutschen Besatzern in der ihnen eigenen Schnelligkeit und Gründlichkeit eliminiert. Den neuangesiedelten Deutschen und Deutschstämmigen wurde so vorgespielt, daß sie sich zu Recht in deutschem Stammesgebiet niedergelassen hätten. Für sie sollte der Eindruck erweckt werden, das Gebiet sei zu jeder Zeit vom Deutschtum kulturell bestimmt gewesen und sie selbst würden daher ein legitimes Erbe antreten. Anhand von privaten Fotografien von Deutschen und Polen wird der von der rassistischen deutschen Gewaltherrschaft geprägte Alltag unter verschiedenen Aspekten dargestellt, wobei der Leser für die Selektivität und Perspektivität der bildlichen Darstellungen sensibilisiert wird
Russisch in der zweiten Generation. Zur Sprachsituation von Jugendlichen aus russischsprachigen Familien in Deutschland
Das Russische ist in Deutschland derzeit eine vitale Sprache; sie wird - bei einigen Verwendungsmöglichkeiten außerhalb der Kemfamilie - in allererster Linie innerhalb von Familien verwendet, die aus russischsprachigen Ländern stammen. In Bezug auf die sprachliche und auch soziokulturelle Integration kann die Immigrationsgeneration als der entscheidende Faktor betrachtet werden: In der zweiten Generation findet ein Integrationsschub in die aufhehmende Gesellschaft statt, der sich auch in der sprachlichen Situation widerspiegelt. Dieser Prozess wird im zweiten Teil dieses Beitrags auf der Grundlage einer empirischen (Pilot-)Studie untersucht, an der 17 in Deutschland lebende 15- bis 18-jährige Jugendliche aus russischsprachigen Familien teilnahmen. Die Studie ergab, dass das Russische für die untersuchten Jugendlichen ausnahmslos eine wichtige ideelle Rolle spielt und die Sprache der Loyalität darstellt. Für die bis zum Alter von 10 Jahren immigrierten Jugendlichen ist jedoch Deutsch die eindeutig stärkere Sprache, während die Russischkenntnisse demgegenüber deutlich schwächer sind. Dies spiegelt sowohl die Selbsteinschätzung der Jugendlichen als auch die Auswertung einer Sprachprobe wider. Für das Russische in Deutschland lässt sich auf dieser Grundlage die Hypothese aufstellen, dass in Zukunft von der ersten zur zweiten Generation mit einem deutlichen Rückgang dieser Sprache zu rechnen ist.Russian is currently a vibrant language in Germany. It is used first and foremost within families from Russian-speaking countries, with some possible uses outside the nuclear family. With regard to linguistic and socio-cultural integration, the immigrant generation can be considered the decisive factor. In the second generation a strong move towards integration into the host society takes place, which is also reflected in the linguistic situation. This process is examined in the second part of the article on the basis of an empirical (pilot) study involving seventeen 15-18-year-olds from Russian-speaking families living in Germany. The study revealed that Russian invariably plays an important role at the level of principle for the young people surveyed and is the language of loyalty. For those who immigrated up to the age of 10 years, however, German is clearly the stronger language, while the command of Russian has noticeably deteriorated. This is reflected in both the self-assessment of the young people and the evaluation of a speech sample. On this basis, we can hypothesise that in the future a considerable decline in the position of Russian in Germany is to be expected from the first to the second generation of speakers
Bilinguale Schulbildung in der Migrationsgesellschaft am Beispiel der türkisch-deutschen Grundschulklassen in Hamburg
Üblicherweise werden Migrantensprachen in Deutschland nur im Rahmen des herkunftssprachlichen Unterrichts gefördert. Bilinguale Modelle beziehen sich meist auf das Deutsche und so genannte Weltsprachen wie Englisch, die für die Schülerinnen und Schüler zumeist Fremdsprachen sind. Evaluationen von bilingualen Modellen in den USA, in denen neben der Amtssprache in einer Migrantensprache unterrichtet wird, zeigen, dass und wie diese Art der bilingualen Erziehung zu sprachlichen bzw. schulischen Lernerfolgen führt. Auf Grund diverser bildungspolitischer und soziokultureller Differenzen lassen sich die Modelle allerdings nicht eins zu eins auf den bundesdeutschen Kontext übertragen. Der Beitrag thematisiert den Fall des Hamburger Schulversuchs Bilinguale Grundschule. Zunächst wird der Schulversuch unter Nutzung von Analysen der wissenschaftlichen Begleitung vor allem am Beispiel der türkisch-deutsch bilingualen Klassen vorgestellt. Anschließend wird gezeigt, welche Herausforderungen die bilinguale schulische Erziehung in Deutsch und einer Migrantensprache enthält und welche didaktisch-methodischen Strategien erfolgversprechend sind. Die Analysen der wissenschaftlichen Begleitung stützen sich vor allem auf die Datenerhebungen in den türkisch-deutsch-bilingualen Klassen des Schulversuchs, die sich über einen Zeitraum von vier Jahren erstreckten. Erhoben wurden Daten zur mündlichen und schriftlichen Sprachentwicklung, zu familialen Rahmenbedingungen und Schulleistungen sowie den didaktisch-methodischen Aspekten des Unterrichts.In Germany, migrant languages are usually promoted only in the context of home language instruction for migrants. Bilingual models usually refer to German and so-called world languages such as English, which are mostly the foreign languages learned by pupils at school. Evaluations of bilingual models in the USA, in which instruction is given in a migrant language as well as in the official language, show that and how this kind of the bilingual education leads to successful learning in language and in school in general. However, because of various political, educational and sociocultural differences the models cannot be transferred one to one to the German context. The article discusses the Bilingual Primary School experiment in Hamburg. First this experiment is described with particular reference to the Turkish-German bilingual classes, drawing on the analyses of the accompanying evaluation study. This is followed by a discussion of the challenges confronting a bilingual school education in German and a migrant language and of promising strategies and teaching methods. The analyses of the accompanying evaluation study are based mainly on data collected in the Turkish-German bilingual classes of the experiment, covering a period of four years. Data were collected on the development of spoken and written language, on the family backgrounds and performance at school and on aspects of the teaching methods used
Die typischen Verwendungen in elexiko
In vielen Wörterbüchern gibt es einen Angabebereich, der ein Stichwort in phrasen- oder satzartigen Verwendungen zeigt. Je nach zugrunde gelegter Konzeption wird dieser Bereich unterschiedlich, häufig aber „Beispiel(e)“ genannt.
Zwei Beispiele aus anderen Online-Wörterbüchern sollen dies verdeutlichen. So arbeitet die Betaversion des DWDS (Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jahrhunderts) mit dem Terminus „Beispiel“. Hierunter finden sich sowohl Zweierkombinationen, komplexere Verbindungen als auch Sätze.
In ELDIT (Elektronisches Lernerwörterbuch Deutsch-Italienisch/Dizionario elettronico per apprendenti Italiano-Tedeschi ) gibt es pro Einzelbedeutung eines Wortes einen Angabebereich, der „Verwendung“ heißt. Darin finden sich unter der Überschrift „Wörter verbinden“ sowohl Zweierkombinationen (Fußball spielen im Artikel calcio/Fußball in der Bedeutung ‘Mannschaftsspiel’) und komplexere Verbindungen (der italienische, europäische, [...] Fußball ) als auch Wortbildungsprodukte (ein Fußballspiel oder eine Fußballmannschaft).
Die Form der Muster in elexiko ist der aus dem DWDS-Wortartikelausschnitt und manchen Verbindungen aus dem Angabebereich „Verwendung“ in ELDIT sehr ähnlich. Die typischen Verwendungen in elexiko orientieren sich in erster Linie an einem statistisch geprägten Kollokationsbegriff. Er wird von der „computerlinguistischen Kollokationsanalyse bestimmt“ (Storjohann 2005, S. 236), unterscheidet sich aber auch von der binären Definition von Kollokation wie sie z. B. in Hausmann (2004) beschrieben wird (vgl. Storjohann 2005, S. 236). Die Rubrik „Typische Verwendungen“ in elexiko – bei der Benennung wird hier bewusst nicht mit den Begriffen „Beispiel“ oder „Kollokation“ gearbeitet – umfasst „prototypische, usuelle phrasale Muster mit konkreten korpusbasierten Lexemelementen, sprich mehrgliedrige, lexiko-syntaktische Realisierungen“ (ebd.). Die Auswahl und Struktur der typischen Verwendungen (Abschnitt 2.1) sowie die Sortierung und Präsentation (Abschnitt 2.2) sollen vor dem Hintergrund der konzeptionellen Veränderungen im Verlauf der Wörterbucharbeit von elexiko beschrieben werden. Die inhaltliche Vernetzung der typischen Verwendungen mit anderen Angabebereichen wird in Abschnitt 3 thematisiert