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Tracking the acceptance of neologisms in German: Psycholinguistic factors and their correspondence with corpus-linguistic findings
Neologisms, i.e., new words or meanings, are finding their way into everyday language use all the time. In the process, already existing elements of a language are recombined or linguistic material from other languages is borrowed. But are borrowed neologisms accepted similarly well by the speech community as neologisms that were formed from “native” material? We investigate this question based on neologisms in German. Building on the corresponding results of a corpus study, we test the hypothesis of whether “native” neologisms are more readily accepted than those borrowed from English. To do so, we use a psycholinguistic experimental paradigm that allows us to estimate the degree of uncertainty of the participants based on the mouse trajectories of their responses. Unexpectedly, our results suggest that the neologisms borrowed from English are accepted more frequently, more quickly, and more easily than the “native” ones. These effects, however, are restricted to people born after 1980, the so-called millenials. We propose potential explanations for this mismatch between corpus results and experimental data and argue, among other things, for a reinterpretation of previous corpus studies
Digital Health und ihre Auswirkungen auf die Interaktion zwischen Patient*innen, Angehörigen und Ärzt*innen
Hintergrund: Die digitale Transformation prägt gesellschaftliche Systeme weltweit. Digital Health umfasst verschiedene Bereiche, wie z. B. die Verfügbarkeit und Auswertung von Daten, die Möglichkeit der Vernetzung innerhalb der eigenen Berufs- oder Betroffenengruppe und die Art, wie Patient*innen, Angehörige und Behandler*innen miteinander kommunizieren.
Ziel der Arbeit: Digital Health wird mit ihren Auswirkungen auf die Beziehung und die Kommunikation zwischen Patient*innen, Angehörigen und Behandler*innen beleuchtet. Veränderungen, die bereits erkennbar sind, werden beschrieben und Perspektiven aufgezeigt.
Methoden: Das Thema wird aus sozialphilosophischer, sprachwissenschaftlicher und ärztlicher Perspektive in folgenden Bereichen exploriert: digitale vs. analoge Kommunikation, Narration vs. Datensammeln, Internet und soziale Medien als Informationsquelle, Raum für Identitätsbildung und Veränderung der Interaktion von Patient*innen, Angehörigen und Behandler*innen.
Ergebnisse: Die Erweiterung der Interaktion zwischen Patient*innen und Ärzt*innen auf digitale und Präsenzformate sowie die asynchrone und synchrone Kommunikation erhöhen die Komplexität, aber auch die Flexibilität. Die Fokussierung auf „objektive“ Daten kann den Blick auf die Person mit ihrer individuellen Biografie beeinträchtigen, während digitale Räume die Möglichkeiten zur Identitätsbildung aufseiten der Patient*innen und für die Interaktion deutlich erweitern.
Diskussion: Bereits jetzt zeigen sich Vorteile der Digitalisierung (z. B. besseres Selbstmanagement) und Nachteile (Fokussierung auf Daten statt auf die Person). Für den kinder- und jugendärztlichen Bereich bestehen die Notwendigkeiten, professionelle kommunikative Kompetenzen und professionelle Gesundheitskompetenz zu erweitern sowie die Organisation seiner Versorgungseinrichtungen weiterzuentwickeln
Layers of assertive clauses: propositions, judgements, commitments, acts
The present article proposes a syntactic and semantic analysis of assertive clauses that comprises their truth-conditional aspects and their speech act potential in communication. What is commonly called “illocutionary force” is differentiated into three structurally and functionally distinct layers: a judgement phrase, representing subjective epistemic and evidential attitudes; a commitment phrase, representing the social commitment related to assertions; and an act phrase, representing the relation to the common ground of the conversation. The article provides several pieces of evidence for this structure: from the interpretation and syntactic position of various classes of epistemic, evidential, affirmative and speech act-related operators, from clausal complements embedded by different types of predicates, from embedded root clauses, and from anaphora referring to different clausal projections. The syntactic assumptions are phrased within X-bar theory, and the semantic interpretation makes use of dynamic update of common ground, differentiating between informative and performative updates. The object language is German, with particular reference to verb final and verb second structure.Der Artikel entwickelt eine syntaktische und semantische Analyse von assertiven Sätzen, welche deren wahrheitsfunktionalen Aspekte und deren Sprechaktpotenzial umfasst. In der „illokutionäre Kraft“ solcher Sätze werden drei strukturell und funktional unterschiedene Ebenen identifiziert: die Judgement-Phrase, die Commitment-Phrase und die Aktphrase. Auf diesen Ebenen werden unterschiedliche Sprechaktadverbiale und Kopfmerkmale realisiert, insbesondere subjektiv-epistemische und evidenziale Operatoren, commitment-spezifizierende Ausdrücke sowie Adverbiale, welche dem Sprechakt selbst bestimmte Funktionen zuweisen. Die drei unterschiedlichen Phrasentypen treten auch als Komplementsätze von jeweils verschiedenen einbettenden Prädikaten auf. Syntaktische Annahmen werden in der X-bar Theorie formuliert; die semantische Modellierung beruht auf dem dynamischen Modell der sukzessiven Veränderung des Common Grounds, wobei informative und performative Updates unterschieden werden
Open Science and language data: Expectations vs. reality. The role of research data infrastructures
Language data are essential for any scientific endeavor. However, unlike numerical data, language data are often protected by copyright, as they easily meet the threshold of originality. The role of research infrastructures (such CLARIN, DARIAH, and Text+) is to bridge the gap between uses allowed by statutory exceptions and the requirements of Open Science. This is achieved on the one hand by sharing language data produced by research organisations with the widest possible circle of persons, and on the other by mutualizing efforts towards copyright clearance and appropriate licensing of datasets
Allusion
The term allusion generally refers to something that has been conveyed inexplicitly in interaction
Schriftsysteme in Kontakt. Eine Studie zu spontan verschriftetem Unserdeutsch
Oralität ist gegenüber Literalität historisch primär, und der Übergang hin zur Literalität ist sprach- wie kulturwissenschaftlich einschneidend. Unserdeutsch (Rabaul Creole German), eine erst knapp über 100 Jahre junge, originär ausschließlich mündlich verwendete Kreolsprache, befindet sich gegenwärtig an der Schwelle hin zur Verschriftung. Eine Sammlung von rund 180 spontan schriftlich produzierten Äußerungen dieser noch auf allen Ebenen unnormierten Sprache zeigt von den Unserdeutsch-SchreiberInnen intuitiv zugrunde gelegte Graphem-Phonem-Korrespondenzen. Die Schriftbelege lassen dabei Rückschlüsse zu auf graphematische Kontakteinflüsse sowie auf die mentale Repräsentation von Wörtern bei den SprecherInnen. Diese Erkenntnisse sind, neben ihrer sprachtheoretischen Relevanz, vor allem auch für die noch ausstehende Erarbeitung einer Orthographie von Unserdeutsch von Bedeutung.Orality is historically primary in comparison to literacy, and the transition to literacy is momentous from the point of view of both linguistics and cultural studies. Unserdeutsch (Rabaul Creole German), a Creole language that is only just over 100 years old and originally was used exclusively orally, is currently on the threshold of writing. A collection of around 180 spontaneously written expressions of this language, which is not standardized on any level yet, shows grapheme-phoneme correspondences intuitively used by the writers of Unserdeutsch. The written evidence allows us to draw conclusions about graphematic contact influences and the mental representation of words by the speakers. In addition to their relevance to language theory, these findings are of particular importance for the still pending development of an orthography of Unserdeutsch
Kommunikative Misserfolge im Deutschen für ukrainische Deutschlerner aus interkultureller Sicht
Begriffe, die meist als nulläquivalente Lexik (Lakunen) für ukrainische Deutschlerner gelten und somit Schwierigkeiten bereiten sowie im Allgemeinen zu Misserfolgen zwischen Kommunizierenden führen können, stehen im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen. Um sie zu vermeiden, werden einige Themen und Aufgaben zur Erweiterung der sozial-kommunikativen und interkulturellen Kompetenzen vorgeschlagen
Dialekt – Standard – Variation. Formen und Funktionen von Sprachvariation in einer mittelschwäbischen Schulklasse
Die Studie untersucht die Formen, Funktionalität und Relevanz von binnensprachlichen Variationsphänomenen im schwäbischen Dialektraum anhand der Sprachgebrauchspraktiken in einer neunten Klasse eines Gymnasiums in Ulm. Im Mittelpunkt stehen der Gebrauch koexistenter sprachlicher Formen mit unterschiedlicher Nähe oder Distanz zu den Polen Standard und Dialekt des sprachlichen Kontinuums und daraus ableitbare Hinweise auf die Varietätentektonik im untersuchten Sprachraum. Durch die Kombination von quantitativ und qualitativ orientierten Analyseverfahren werden die Zusammenhänge von formalen Mustern und funktionalen Möglichkeiten von Sprachvariation greifbar gemacht. Dabei wird deutlich, dass der variative Gebrauch der sprachlichen Formen bei den untersuchten Sprechern strukturiert ist und als interaktionskonstitutive linguistische Ressource in Bezug zu unterschiedlichen situativen Kommunikationsanforderungen an die Lehrer und Schüler steht
Die Längenhierarchie in Hand- und Unterschriften
Dieser Beitrag stellt einen Versuch dar, ein graphematisches Prinzip auf Handschriften anzuwenden und argumentiert, dass die Betrachtung von Handschriften unterstützende Evidenzen für graphematische Theorien liefern kann. Exemplarisch wird dazu die graphematische Längenhierarchie ausgewählt. Die Längenhierarchie ist ein gut beschriebenes Phänomen in der deutschen Schriftsprache. Bislang wurde sie jedoch nur für Druckschriften aufgestellt. Der vorliegende Artikel untersucht die Möglichkeit, eine Längenhierarchie für Handschriften aufzustellen und stützt sich dabei besonders auf die Schulausgangsschriften. Insbesondere werden Unterschriften betrachtet, die als eine Extremform der Handschriftlichkeit interpretiert werden. Ich gehe davon aus, dass nichts so häufig handgeschrieben wird wie die eigene Unterschrift und dass deshalb dort Prinzipien eines „ökonomischen Schreibens“ am deutlichsten auftreten werden, d.h. dass die Schreibungen, die besonders wichtig für das Lesen sind auch besonders deutlich geschrieben werden und die rezeptiv vernachlässigbaren Strukturen weniger deutlich. Hierzu wird die Alltagsbeobachtung analysiert, dass in Unterschriften oft die langen Buchstaben besonders deutlich und die kompakten Buchstaben eher undeutlich produziert werden, sie werden nivelliert. Es zeigt sich, dass die Häufigkeiten der Nivellierungen jedes Buchstabens auf eine skalare Verteilung der Buchstaben hindeuten. Damit wird die Idee einer Längenhierarchie und einer graphematischen Silbe als Leseerleichterung gestützt.This article attempts to apply a graphematic principle to handwriting and argues that the analysis of handwriting can offer evidence in support of graphematic theories. The graphematic length hierarchy is chosen as an example of this. The length hierarchy is a well-described phenomenon in German written language, but it has only been applied to block letters. This article examines the possibility of establishing the length hierarchy for hand written letters, based principally on the official German handwriting samples for schools. In particular, the article analyses signatures as an extreme form of handwriting. The assumption is that nothing is written by hand as frequently as signatures, and that therefore mechanisms of ‘economic writing’ will be most visible in these. This implies that elements which are important for reading are written more distinctly and legibly than elements which are receptively negligible. The article analyses the common observation that in signatures, long letters are often written more distinctly than compact letters, which tend to be levelled. In fact, the frequencies of such levellings indicate a scalar distribution of letters, which supports the idea of a length hierarchy and the structure of a graphematic syllable as an aid to reading