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    Eine neue Zeitschrift

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    Die antike Philosophie beschreibt den Menschen als gesellschaftliches Wesen, als animal sociale, oder, in der aristotelischen Formulierung, als zoon politikon. Zugleich ist der Mensch – auch dies in der Tradition von Aristoteles – das animal loquens, das sprachbegabte Wesen. Natürlich ist beides miteinander verknüpft, die Sprache fungiert als eines der Werkzeuge zur Herstellung und Gestaltung von Gesellschaft. Doch Sprache ist nicht nur Werkzeug, sondern zugleich auch Objekt gesellschaftlichen und politischen Agierens. In diesem Sinne bezieht sich Sprachpolitik oder Sprachenpolitik auf alle Formen und Facetten politischen Handelns mit Bezug auf oder mit Konsequenzen für Sprache und Sprachen – und ist als solches auch Gegenstand verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen. Neben der Sprachwissenschaft und der Politologie gehören dazu auch die Soziologie, die Geschichtswissenschaft, die Rechtswissenschaft, die Bildungswissenschaften und andere. Sprach(en)politik findet statt, auf vielen Ebenen, implizit und explizit, intendiert oder kontingent; sie vollzieht sich innerhalb eines gegebenen legislativen Rahmens, wobei auch die Nichtexistenz gesetzlicher Regelungen eine Form von Sprach(en)politik darstellt. Sprach(en)politik erfolgt institutionalisiert in Organisationen, Gremien, Verbänden, Vereinen, in staatlichen (und teils überstaatlichen) Zusammenhängen in Exekutive und Verwaltung – hier spielt zweifellos der Bildungsbereich eine herausragende Rolle – ebenso wie in nichtstaatlichen Instanzen, etwa in Wirtschaftsunternehmen. Nicht zuletzt gibt es (viel implizites) sprach(en)politisches Entscheiden und Handeln auf individueller Ebene bei jedem Einzelnen oder beispielsweise in Form von Familiensprachenpolitiken

    Deutsch im europäischen Sprachraum - Stand und Perspektiven. 62. Jahrestagung des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache, 10. bis 12. März 2026, Congress Center Rosengarten Mannheim. Abstracts

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    Die Stellung und Funktion des Deutschen im europäischen Sprachraum lassen sich auf unterschiedlichen Ebenen untersuchen: in strukturellen und lexikalischen Eigenschaften, in interaktionalen und diskursiven Mustern sowie in seiner gesellschaftlichen und institutionellen Verankerung. Die Analyse des Deutschen im europäischen Kontext eröffnet damit sowohl vergleichende als auch kontextualisierende Perspektiven und macht die Wechselwirkungen zwischen sprachlichen Systemen, Gebrauchspraktiken und soziopolitischen Rahmenbedingungen sichtbar. Mehrere Arbeiten, die thematisch in diese Fragestellungen hineinreichen, wurden im Programmbereich Grammatisches Wissen und Sprachgebrauch unter der Leitung von Dr. Marek Konopka erarbeitet. Sie stehen exemplarisch für eine empirisch fundierte Auseinandersetzung mit grammatischen Strukturen der deutschen Gegenwartssprache in geschriebener und gesprochener Form sowie für deren Einordnung in größere systematische und historische Zusammenhänge. Wir möchten an dieser Stelle an Dr. Marek Konopka erinnern, der im Dezember 2025 plötzlich und unerwartet verstorben ist. Im weiteren Fokus stehen diskursanalytische, soziolinguistische und sprachpolitische Perspektiven auf das Deutsche in Europa. Berücksichtigt werden dabei seine plurizentrische Ausprägung ebenso wie seine Rolle als Minderheiten-, Amts- und Wissenschaftssprache sowie als kommunikative Ressource in mehrsprachigen gesellschaftlichen Kontexten. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Wechselwirkungen zwischen Sprache, institutionellen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichem Wandel. Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf der vergleichenden Sprachforschung. Im Zentrum stehen Fragen nach geeigneten tertia comparationis für kontrastive Analysen, nach typologischen Schnittstellen zwischen europäischen Sprachen sowie nach methodischen Zugängen zur empirischen Erhebung und Auswertung sprachlicher Daten. Die vergleichende Perspektive ermöglicht differenzierte Einsichten in konvergente und divergente Entwicklungen innerhalb europäischer Sprachräume und trägt zur Systematisierung und Modellierung sprachlicher Variation mit besonderem Blick auf das Deutsche bei. Dabei werden unter anderem die folgenden Themenbereiche diskutiert, die Eigenschaften, Vergleichsperspektiven und gesellschaftliche Rahmenbedingungen des Deutschen im europäischen Sprachraum betreffen: • Strukturelle, lexikalische, interaktionale und diskursive Eigenschaften des Deutschen im europäischen Kontext • Plurizentrik des Deutschen und seine Funktionen in mehrsprachigen Gesell- schaften • Deutsch als Minderheiten-, Amts- und Wissenschaftssprache • Diskursanalytische, soziolinguistische und sprachpolitische Zugänge • Vergleichende Sprachforschung: typologische Schnittstellen und Methodi

    Der adverbale Genitiv im Umbruch. Sprachwandel an der Schnittstelle von Valenz, Muster und Konstruktion

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    Der Beitrag thematisiert im Rahmen eines konstruktions- und valenz-grammatischen Zugangs den Sprachwandel des adverbalen Genitivs, d. h. des Objektsgenitivs und des Genitivadjunkts, vom Mittelhochdeutschen bis zur Gegenwartssprache, der als Kontinuum modelliert wird. Die Skala reicht vom Erhalt des Genitivs in idiomatischen Wendungen und komplexen syntaktischen Strukturen mit unterschiedlichen Graden an Idiomatisierung bis hin zum Abbau von Genitivadjunkten und Ersatz von Genitivobjekten bei ausgewählten Verben. Während in bisherigen Arbeiten primär der Objektsgenitiv im Althochdeutschen fokussiert wurde, ist sein Wandel als sprachdynamischer Prozess, der Abbau, Ersatz und Erhalt in unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf der Grundlage von Analysen aus sprachhistorischen Korpora gleichermaßen umfasst, bislang nicht erforscht

    Dialektentstehung, Dialektwandel. Alemannisch im traditionell rätoromanischen Sprachgebiet

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    In jüngerer Zeit hat sich in einigen Gebieten des Schweizer Kantons Graubünden ein Sprachwechsel vom Romanischen hin zum Schweizerdeutschen vollzogen. Dieser Sprachwechsel ist insofern bemerkenswert, als dass sich etwa in der Region Heinzenberg/Domleschg im Zug des Sprachwechsels ein neuer schweizer-deutscher Dialekt herausgebildet hat. Die anfänglichen Stadien dieses Dialektes sind anhand von Daten aus den 1980er-Jahren nachvollziehbar. Jüngere Daten von 2024 weisen weiter darauf hin, dass sich dieser neue Dialekt nach seiner Herausbildung an bestehende Dialekte der Region angeglichen hat

    Neologismen und (Neo-)Diskurse der 2020er-Jahre bis 2025 (aus der Rubrik "Wörter und Wörterbücher")

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    Sprachreport Jg. 42 (2026), Heft 1

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    IDS aktuell. Neues aus dem Leibniz-Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Jg. 2026, Heft 1

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    Fallstudien

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    In diesem Kapitel beschreiben wir in fünf Fallstudien Beispiele für Untersuchungen, wie sie sich im Rahmen von wissenschaftlichen Hausarbeiten, Bachelor- und Masterarbeiten unter Verwendung existierender oder selbst erhobener Korpora durchführen lassen. Wir haben vergleichsweise einfache Beispiele ausgewählt, an denen sich zeigen lässt, wie Korpusuntersuchungen aufgebaut sind, und in denen reflektiert wird, wie im Forschungsprozess mit den Korpusdaten umgegangen wird. Die Fallstudienkapitel lassen sich unabhängig voneinander lesen. Untersucht werden Phänomene, die sich, ausgehend von charakteristischen Mustern auf Wort‑, Konstruktions- und Zeichenebene, gut in Korpora recherchieren lassen. In den Fallstudien begegnen einerseits qualitative Analysezugänge, indem die Korpusbelege für die untersuchten Einheiten unter Einbeziehung des sprachlichen und sequenziellen Kontexts hinsichtlich ihres Beitrags zum sprachlichen Handeln (pragmatisch) und/oder hinsichtlich der Konstruktionsmuster untersucht werden, in die sie im Verwendungszusammenhang eingebettet sind. Andererseits gibt es quantifizierende Analyseschritte, in denen die Verteilung von Merkmalsausprägungen in den untersuchten Korpusstichproben untersucht wird, um daraus Aussagen über präferierte Gebrauchsmuster und ‑kontexte abzuleiten. Jede der Studien kombiniert qualitative und quantitative Zugänge, dies allerdings in z. T. unterschiedlicher Gewichtung

    Spracherwerbsgrundlagenforschung in der gesellschaftspolitischen Verantwortung – Wissenschaftliche Ergebnisse für den Transfer übersetzt, Handlungsempfehlungen ausformuliert … und dann?

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    Der Beitrag diskutiert die gesellschaftspolitische Verantwortung der Spracherwerbsgrundlagenforschung, wissenschaftliche Erkenntnisse in Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis zu übersetzen. Dabei steht sie vor substantiellen Herausforderungen bei der Implementierung. Trotz etablierter Ergebnisse zu mehrsprachigem Spracherwerb fehlen vielen Kindern beim Schuleintritt ausreichende Kompetenzen – eine Lücke zwischen Forschung und Praxis. Am Beispiel des Leibniz-Zentrums für Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS), des Berliner Interdisziplinären Verbundes für Mehrsprachigkeit und der Zusammenarbeit mit dem Berliner Senat werden Transferstrategien beleuchtet: Mehrsprachige Flyer mit Empfehlungen für Eltern und Fachkräfte, Veranstaltungen mit politischen Akteuren sowie Popularisierungskampagnen. Zentrale Erfolgsfaktoren sind interdisziplinäre Zusammenarbeit, gezielter Dialog zwischen Wissenschaft und Politik sowie ein Monitoring der Umsetzung. Beispiele wie das Transferprogramm „Leibniz-Labs“ zeigen, wie wissenschaftliche Institutionen gemeinsam mit Akteuren aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft evidenzbasierte Entscheidungen entwickeln, um praxistaugliche Lösungen für große gesellschaftliche Herausforderungen zu finden. Dennoch endet die Verantwortung nicht bei Empfehlungen, sondern umfasst Begleitung und Reflexion des nachhaltigen Wirkungskreislaufs. Systematische und nachhaltige Impulse können die sprachliche Förderung benachteiligter Kinder im Deutschen wirksam verbessern, insbesondere bei mehrsprachigen und monolingualen Kindern aus bildungsfernen Familien. Das Ziel wäre: Kein Kind soll mit Sprachdefiziten in die Schule kommen

    Minderheitensprache, heritage language oder Familiensprache? Überlegungen zur Sprachbegrifflichkeit am Beispiel des Nordfriesischen

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    Sprachen und ihre Varietäten werden unterschiedlich benannt und kategorisiert, oft abhängig davon, in welchen Kreisen die benennende oder kategorisierende Person verkehrt oder welches Ziel sie mit der Benennung oder Kategorisierung verfolgt. Arbeitet die benennende Person zum Beispiel in der Politik, werden Begriffe benutzt, die in politischen Kreisen üblich sind, arbeitet sie als Sprachwissenschaftler:in, sind es möglicherweise andere Begriffe. Es kann dann jedoch vorkommen, dass diese Begriffe von der Sprecher:innengruppe selbst nicht benutzt werden oder sich die Sprecher:innengruppe von den Begriffen oder Kategorisierungen ihrer Sprache gar nicht angesprochen fühlt. Fachjargon und gruppenspezifische Begriffe werden zudem nicht unbedingt von Fachper-sonen und Laien oder von Mitgliedern unterschiedlicher Gruppen gleich verstanden. Weiter verkompliziert wird die Situation durch Übersetzungen von Fachbegriffen, die auf den ersten Blick dasselbe zu bedeuten scheinen, bei näherer Betrachtung jedoch unterschiedliche Interpretationen beinhalten. Am Beispiel des Nordfriesischen erläutern wir einige Benennungsunterschiede und -schwierigkeiten auf drei verschiedenen Ebenen: der politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Ebene. Der Artikel soll dazu anregen, dass wir als Sprachwissenschaftler:innen, aber auch als Mitglieder unterschiedlicher Ebenen, reflektiert mit Benennung und Kategorisierung umgehen und den Sprachgebrauch auf anderen Ebenen berücksichtigen.Languages and their varieties are named and categorized differently, often depending on the position or perspective of the person naming or categorizing, or what goal they pursue with the naming or categorization. For example, if the person naming works in politics, they will use terms common in political circles; if they work as a linguist, they may use different terms. However, it can happen that these terms are not used by the speaker group itself, or that the speaker group does not feel addressed by the terms or categorizations of their language at all. Additionally, technical jargon and group-specific terms are not necessarily understood the same way by experts and laypeople, or by members of different groups. The situation is further complicated by translations of technical terms that, at first glance, seem to mean the same thing, but upon closer inspection contain different interpretations. Using North Frisian as an example, we illustrate some naming differences and difficulties on three different levels: the political, scientific, and societal levels. This article aims to encourage us, as linguists but also as members of these different levels, to reflect on naming and categorization practices and to be considerate of the language used at other levels

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