Kirchlicher Dokumentenserver
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Mit Aimé Césaire gegen Israel? (Dis-)Kontinuitäten des israelbezogenen Antisemitismus in antikolonialer und postkolonialer Theorie
Aktuelle postkoloniale Theorien beziehen sich oft auf ihre antikolonialen Vordenker und erwecken dabei den Eindruck, auf eine lange Tradition israelfeindlicher Narrative zurückzugreifen. Insbesondere nach den Ereignissen des 7. Oktober werden immer wieder Verbindungen zum Werk des martinikanischen Dichters und Denkers Aimé Césaire hergestellt, der mit Über den Kolonialismus in den 1950er Jahren einen bedeutenden Text für die anti- und postkoloniale Theoriebildung verfasste. Der Beitrag beleuchtet, wie zeitgenössische postkoloniale Theoretiker_innen Césaires Werk nutzen, um eigene israelfeindliche Positionen zu stützen, und kontrastiert diese mit Césaires eigenen Thesen zum sogenannten Nahostkonflikt
Umbrüche in der Ambulanten (Kranken)Pflege in Bayern zwischen 1945 und 1995 : Einblicke in das Wirken von katholischen Ordensschwestern.
In der Studie werden die Entwicklung und Transformation der ambulanten (Kranken)pflege in Bayern zwischen 1945 und dem Beginn der Pflegeversicherung, mit besonderem Fokus auf das Wirken katholischer Ordensschwestern, untersucht. Die Arbeit verbindet pflegewissenschaftliche und pflegehistorische Perspektiven und nutzt als Analyseraster das Modell der „Patterns of Knowing in Nursing“ nach Barbara Carper, erweitert um soziopolitische und emanzipatorische Dimensionen.
Anhand von Archivmaterial, gedruckten Quellen und 28 qualitativen Interviews mit Zeitzeuginnen aus vier katholischen Frauenorden (Barmherzige Schwestern, Mallersdorfer Schwestern, Niederbronner Schwestern, Drittordensschwestern) werden Veränderungen in Aufgabenfeldern, Pflegeverständnis, Ausbildung, Dokumentation und Rahmenbedingungen rekonstruiert.
Die Ergebnisse zeigen, dass Ordensschwestern ein ganzheitliches Pflegeverständnis lebten, das pflegerische, soziale und spirituelle Aspekte vereinte. Die ambulante Pflege war geprägt von Nähe zur Bevölkerung, Eigenverantwortung und religiöser Motivation. Die pflegerische Versorgung fand oft unter herausfordernden Bedingungen statt, war aber durch hohe persönliche Identifikation und ethisches Engagement getragen.
Mit dem gesellschaftlichen Wandel, dem Rückgang von Berufungen und der Einführung der Pflegeversicherung veränderten sich die Strukturen und Anforderungen der ambulanten Pflege. Tätigkeitsfelder wie die Wochenbettpflege verschwanden, neue Aufgaben wie die Schulung von Ehrenamtlichen in Hauspflegekursen entstanden. Die zunehmende Bürokratisierung wurde als Belastung empfunden, während Sterbebegleitung fortwährend als selbstverständlicher Teil der pflegerischen Versorgung galt. Die Dokumentation wurde unterschiedlich bewertet und spiegelte verschiedene Pflegeverständnisse wider. Die Aus- und Weiterbildung der Schwestern war stark durch die jeweiligen Ordensstrukturen geprägt, wobei informelle Lernprozesse eine zentrale Rolle spielten.
Die Rolle der Sozialstationen, die ab den 1970er Jahren als neue Versorgungsform entstanden, veränderten die ambulante Pflege in der Perspektive der Ordensfrauen. Sie führten zu einer stärkeren Professionalisierung und Öffnung gegenüber weltlichen Pflegepersonen, was von den Ordensschwestern ambivalent bewertet wurde. Zudem veränderten sich das Pflegeverständnis und die Perspektive auf die ambulante Pflege durch die Aufbruchsstimmung im Kontext des II. Vatikanischen Konzils.This study examines the development and transformation of outpatient (nursing) care in Bavaria between 1945 and the introduction of long-term care insurance, with a particular focus on the work of Catholic nuns. It combines nursing science and nursing history perspectives and uses and uses Barbara Carper's ‘Patterns of Knowing in Nursing’ model as an analytical framework, expanded to include socio-political and emancipatory dimensions.
Using archival material, printed sources, and 28 qualitative interviews with contemporary witnesses from four Catholic women’s religious orders (Sisters of Mercy, Mallersdorf Sisters, Niederbronn Sisters, Third Order Sisters), changes in areas of responsibility, understanding of nursing, training, documentation and framework conditions are reconstructed.
The results show that nuns lived a holistic understanding of nursing that combined nursing, social and spiritual aspects. Outpatient care was characterised by proximity to the population, personal responsibility and religious motivation. Nursing care often took place under challenging conditions, but was marked by strong personal identification and ethical commitment.
With societal change, declining vocations, and the introduction of long-term care insurance, the structures and demands of outpatient care shifted. Fields of activity such as postnatal care disappeared, while new responsibilities like training volunteers in home care courses emerged.
The increasing bureaucratisation was perceived as a burden, while end-of-life care continued to be regarded as a natural part of nursing care. Documentation was assessed differently and reflected different understandings of care. The training and further education of the sisters was strongly influenced by the respective religious order structures, with informal learning processes playing a central role.
The role of social welfare centres, which emerged as a new form of care in the 1970s, changed the perspective of the sisters on outpatient care. They led to greater professionalisation and openness towards secular nursing staff, which was viewed with ambivalence by the nuns. In addition, the understanding of nursing and the perspective on outpatient care changed as a result of the spirit of optimism in the context of the Second Vatican Council
Gesundheitskompetenz und assoziierte Gesundheitsindikatoren unter den Studierenden der SRH-Hochschule in Nordrhein-Westfalen
Hintergrund
Gesundheitskompetenz (GK) ist eine wichtige Ressource zur Erhaltung der Gesundheit und zur Förderung der Lebensqualität. Bezüglich der GK von Studierenden ist in Deutschland bisher eine geringe Evidenz zu beobachten. Die Erforschung der GK der Studierenden im Zusammenhang mit ausgewählten Gesundheitsindikatoren kann bedeutsame Erkenntnisse für Gesundheitsförderung im Setting Hochschule liefern.
Ziel der Arbeit
Erfassung der GK und ausgewählter Gesundheitsindikatoren von Studierenden und Ermittlung des Einflusses der GK sowie ausgewählter sozialer Merkmale auf Gesundheit und Gesundheitsverhalten der Zielgruppe.
Material und Methode
Allgemeine GK der Studierenden (n = 120) wurde mittels deutschsprachiger Kurzform HLS19-Q12 erfasst. Durch uni-, bi- und multivariate statistische Analysen wurden die Zusammenhänge zwischen der GK, ausgewählten Gesundheitsindikatoren sowie sozialen Variablen berechnet.
Ergebnisse
Eine geringe GK wurde bei 43,6 % der Studierenden festgestellt. Ca. 60 % der Studierenden waren unabhängig vom Level der GK von starker psychosozialer Stressbelastung betroffen. Ungünstige Werte hinsichtlich des subjektiven Gesundheitszustandes, der allgemeinen Lebenszufriedenheit, der Ausdaueraktivität und des Ernährungsverhaltens wurde bei Studierenden mit niedriger GK häufiger beobachtet.
Schlussfolgerung
Die Studienergebnisse belegen, dass positive Werte hinsichtlich der Gesundheit und des Gesundheitsverhaltens bei Studierenden mit hoher GK häufiger beobachtet wurden als bei Studierenden mit geringer GK. Diese Aspekte sprechen dafür, bei der Gestaltung von gesundheitsfördernden Hochschulen die GK der Studierenden stärker zu berücksichtigen
Hochschule und Praxis als Akteurinnen im Kinderschutz. Einblicke in ein innovatives Veranstaltungsformat zur Qualifizierung für die Soziale Arbeit im Kinderschutz für Studierende und Fachkräfte des ASD
Professionalität von Sozialarbeiter_innen erfordert die Bezugnahme auf vielfältige Wissensbestände und eine einzelfallbezogene Transformation und Relationierung ebendieser, womit – insbesondere vor dem Hintergrund des Abstraktionsgrades wissenschaftlichen Wissens – komplexe Anforderungen an die (angehenden) Fachkräfte einhergehen. Um den Grundstein für eine so verstandene Professionalität legen zu können, müssen im Rahmen des Studiums Erfahrungs‑, Erprobungs- und Reflexionsräume für diese Transformations- und Relationierungsprozesse bereitgestellt werden. Der Beitrag gibt Einblicke in ein innovatives Lehrkonzept, das diese Anliegen aufgreift, skizziert hier gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse sowie Impulse für eine professionalitätsfördernde Qualifizierung von Sozialarbeiter_innen
Comprehensive Sex Education as Empowerment and Prevention of Child Sexual Abuse
This paper explores the critical issue of Child Sexual Abuse (CSA) in Zimbabwe and Germany, emphasising the necessity of Comprehensive Sex Education (CSE) as a vital tool for empowerment and prevention of CSA. The authors, one from Zimbabwe and the other from Germany, are seasoned educationists with long-standing academic and advocacy interests in education, children's rights and child protection.
The authors explore the prevalence and dynamics of CSA in Zimbabwe and Germany, highlighting the stark contrasts and similarities between the two contexts. Despite international legal frameworks, such as the UN Convention on the Rights of the Child, global high rates of CSA persist, fuelled by factors such as entrenched patriarchy, cultural beliefs, economic hardship and inadequate legal protections. The study also examines the gender disparities in victimisation, with girls disproportionately affected.
Comprehensive Sex Education (CSE) is offered as one of the vital preventive measures against CSA in both countries. By dismantling misconceptions surrounding sex education, the paper argues that CSE equips children with the knowledge and skills necessary to protect themselves from abuse.
Through a narrative review of existing literature and reports, the authors advocate for tailored interventions, including community involvement, the strengthening of perpetrator prevention and parental-led safety programs, to effectively combat CSA. By addressing misconceptions about sex education and promoting CSE, the paper argues for a proactive approach to safeguarding children, ultimately aiming to create informed and resilient future generations and to educate adults in their attitudes and perceptions so that they will not become perpetrators or bystanders.
Additionally, the research emphasises the importance of community involvement, parental engagement, and culturally sensitive educational approaches to combat CSA effectively. The findings underscore the urgent need for comprehensive intervention strategies that address the root causes of CSA while empowering children and communities to foster safer environments
Lehrer*innen der Zukunft
Was forschen unsere Lehrer*innen der Zukunft? Welche Themenbereiche interessieren die Junglehrpersonen? So vielfältig wie die Pflichtschüler*innen an Österreichs Schulen sind, so breit gefächert sind auch die Forschungsinteressen in der empirischen Bildungsforschung. Im Rahmen dieser Forschungsarbeit werden die Forschungsinteressen der Junglehrpersonen bzw. Lehramtsstudierenden an der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz (PHDL) aufgezeigt und so die Schnittstelle vom Berufseinstieg der Masterstudierenden und ihres Studienabschlusses an der PHDL näher beleuchtet. Eine qualitative Erhebung behandelt die Forschungsschwerpunkte von Masterarbeiten von Absolvent*innen der Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz anhand folgender Fragestellung: Welche Forschungsschwerpunkte setzen Masterstudent*innen an der PHDL bei ihren Masterarbeiten und welche Gründe führen zur Themenwahl dieser Forschungsarbeiten? In der Erhebungsphase wurden sämtliche eingereichte Masterarbeitsanträge und Abstracts der PHDL seit 2020 (N=315) gelesen und codiert. Diese Codierung führte zu einem umfangreichen Kategoriensystem, das mithilfe des Programms MAXQDA strukturiert wurde. Anschließend wurde ein Fokusgruppensetting mit Studierenden aus der Zielgruppe durchgeführt. Die Ergebnisse liefern Einblick in die Themenfindung bei Masterarbeiten und die Schnittstelle Hochschule und Beruf
Entwicklungslinien für Bildung in der Pflege. Mehr als Kompetenzen
Wie können die berufsbezogenen professionellen Standards in der Pflege mit der subjektiven Entwicklung von Auszubildenden und Studierenden hin zu einer verantwortungsvollen Persönlichkeitsbildung integriert werden? Die Berufsfähigkeit (Utilität) bedarf neben der organisationalen, juristischen und ökonomischen Bedingungen im konkreten Vollzug der Beachtung der Würdehaftigkeit aller beteiligten Personen und eines wertschätzenden Miteinanders. Diese Care-Perspektive erfordert die Aufnahme von differenzierten Entwicklungslinien, die in diesem Buch anhand zentraler Themen ausgeführt werden
Identitätsentwicklung von queeren Personen
Die Autorinnen haben sechs Interviews mit jungen queeren Erwachsenen erhoben, um ihre Forschungsfrage zu beantworten. Mit dieser Arbeit zeigten sie die Dringlichkeit der Auseinandersetzung mit queersensiblen pädagogischen Ansätzen in der Praxis und die Verantwortung der pädagogischen Fachkräfte auf. Die Studentinnen haben durch ihre Arbeit deutlich gemacht was queere Kinder brauchen um ihr Leben gut beschreiten zu können und so sein zu können wie sie sind. Mit dieser Arbeit wurde ein für die Kindheitspädagogik hoch relevantes und viel zu selten beachtetes Thema in den Fokus gerückt
Vom Kulturrelativismus zum Antizionismus. Der ideologische Impact der Islamischen Republik Iran im Westen vor und nach 10/7
Spätestens seit der Ausrufung des ‚kritischen Dialogs‘ mit der Islamischen Republik Iran durch die deutsche Bundesregierung und die EU in den 1990er Jahren und dem zeitgleichen Branding verschiedener Fraktionen des iranischen Regimes als ‚pragmatisch‘ und ‚reformorientiert‘ stiegen die iranischen Djihadisten zu Dialogpartnern des Westens auf. Seitdem haftete ihnen in Europa und selbst in den USA deutlich weniger der Nimbus fremdartiger Barbaren an als sunnitischen Islamisten. Dieser Text beleuchtet anhand iranischer Quellen und im Lichte westlicher etablierter, linker und rechtsradikaler Reaktionen auf die Politik des Regimes im Iran Komponenten der relativen politischen und ideologischen Erfolge der Islamischen Republik. Davon ausgehend wird gezeigt, in welcher Weise sich die politischen Konstellationen zwischen dem Westen, der Region des Mittleren Ostens und dem Iran seit dem Überfall der aus Teheran unterstützten Islamisten von Hamas und Palästinensischem Islamischem Djihad vom 7. Oktober 2023 auf Israel verändert haben