Institut für Höhere Studien - Institute for Advanced Studies
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Berücksichtigung der Effective Carbon Rate bei der CO2-Bepreisung
Die im Oktober 2022 implementierte CO2-Bepreisung soll dazu beitragen, Österreich bei den EU-Klimazielen endlich auf Schiene zu bringen. Der explizite CO2-Preis tritt jedoch nicht in einen luftleeren Raum ein, sondern ist Teil einer Reihe an ökologischen Steuern und Abgaben auf der einen und Subventionen, die den Klimaschutzbestrebungen konträr entgegenstehen, auf der anderen Seite. Aufbauend auf den Policy Brief 1 von Laa et al. (2023) zur angemessenen Höhe des CO2-Preises beschäftigt sich dieser Policy Brief nun mit der Net Effective Carbon Rate (Net-ECR) im internationalen Vergleich und den CO2-relevanten Steuern sowie klimaschädlichen Subventionen in Österreich im Detail.
Die Net Effective Carbon Rate bezeichnet den Gesamtpreis auf CO2-Emissionen, der sich neben Elementen der expliziten CO2-Bepreisung (CO2-Steuern und Emissionshandelszertifikate) auch aus Steuern auf den Verbrauch von Brennstoff zusammensetzt und von dem zusätzlich Förderungen auf fossile Brennstoffe abgezogen werden (OECD, 2021). Im internationalen Vergleich liegt Österreich mit der Net-ECR im oberen Mittelfeld. Zudem wird ersichtlich, dass ist der Anteil der expliziten CO2-Bepreisung in Form von ETS-Zertifikatspreisen und CO2-Steuern allgemein sehr gering. Die Net-ECR wird also zumeist stark von Brennstoffsteuern getrieben, die nicht auf Basis einer Emissionsreduktionslogik eingeführt wurden, aber trotzdem eine lenkende Wirkung entfalten können. In einem deutlich genaueren Blick auf Österreich werden im nächsten Schritt auf Basis einer IHS-Studie die Energie- und Verkehrssteuern sowie 14 als klimaschädlich identifizierte Subventionen (Schnabl et al., 2021) und deren Verteilung zwischen den Wirtschaftssektoren und den privaten Haushalten analysiert.
Der Policy Brief argumentiert, dass jeder explizite CO2-Preis, sei es in Form einer Steuer oder eines Emissionshandelssystems, stets im Kontext bereits bestehender fiskalischer Instrumente betrachtet werden sollte. Ein stufenweiser und international koordinierter Abbau der klimaschädlichen Subventionen in Kombination mit sozialen Begleitmaßnahmen wird empfohlen. Ein breiter Diskurs beim Thema CO2-Bepreisung, mehr Transparenz bei den relevanten Subventionen, ernsthafte politische Gespräche mit dem Ziel einer internationalen Annäherung der Net Effective Carbon Rate und ein koordiniertes Fade-out klimaschädlicher fiskalischer Anreize würden einen wertvollen Beitrag zur Energiewende leisten
Progressionsbericht 2023. Schätzung der kalten Progression als Grundlage für Maßnahmen zur Inflationsabgeltung für das Jahr 2024
Endbericht. Ursachenstudie zu Ambivalenzen und Skepsis in Österreich in Bezug auf Wissenschaft und Demokratie
Energiewende und Arbeitsmarkt. Fachkräftepotenziale von Frauen und Migrant:innen in der Lehrberufsgruppe „Elektrotechnik/Elektronik“
Für die Energiewende wird eine große Anzahl an Fachkräften mit einem technischen Lehrabschluss benötigt. Diese Nachfrage kann in Österreich durch das derzeitige Fachkräfteangebot nicht gedeckt werden. In der Lehrberufsgruppe (LBG) „Elektrotechnik/Elektronik“, die für die Energiewende besonders relevant ist, ist die Anzahl der Lehrlinge von rund 13.100 (2011) auf rund 10.800 im Jahr 2022 gesunken (WKO, 2023a) und entspricht in etwa dem allgemeinen Trend für alle Lehrberufsgruppen. Dies ist einerseits auf die demografische Entwicklung, andererseits auf Faktoren wie beispielsweise das zunehmende Streben nach höheren Bildungsabschlüssen bzw. das Image der Lehre zurückzuführen.
Frauen sind in technischen Lehrberufen, insbesondere in solchen mit Bezug zur Energiewende − wie der LBG „Elektrotechnik/Elektronik“ −, stark unterrepräsentiert. Der Anteil der Migrant:innen (Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft) in „Elektrotechnik/Elektronik“ entsprach im Jahr 2022 etwa dem berufsübergreifenden Durchschnitt. Allerdings sind die Anteile der Lehrabbrüche und der negativen Lehrabschlussprüfungen unter den Migrant:innen höher als jene der Lehrlinge mit österreichischer Staatsbürgerschaft. Bei Frauen kommt es in der LBG „Elektrotechnik/Elektronik“ auch häufiger zu Lehrabbrüchen als bei männlichen Lehrlingen (WKO, 2023a).
Ausbildungs- und Berufswahl sind hochkomplexe Prozesse, die neben den Tätigkeitsprofilen der einzelnen Berufe von Faktoren wie z. B. den (gesetzlichen) Rahmenbedingungen, der individuellen Ausbildungs- und Berufsorientierung, den Arbeitsbedingungen oder der sozialen Herkunft beeinflusst werden. Um mehr Frauen und Migrant:innen für technische Lehrberufe zu gewinnen, ihren erfolgreichen Lehrabschluss und sodann ihren Verbleib im erlernten Lehrberuf zu fördern, bedarf es effektiver Maßnahmen der Betriebe, der Interessenvertretungen und der öffentlichen Hand. Diese betreffen insbesondere die folgenden Bereiche: Information/Orientierung, Sensibilisierung, Attraktivierung der Lehrberufe, Unterstützung (z. B. Lernhilfe, Coaching, Mentoring), finanzielle Förderungen, Arbeitsorganisation/-flexibilität, Ausbau der Betreuungsinfrastruktur (Kinder, Ältere) und Weiterbildungsmöglichkeiten.
The energy transition requires a large number of skilled workers with a technical apprenticeship qualification. This demand cannot be met by the current supply of skilled workers in Austria. Especially in the occupational field „Electrical engineering / electronics”, which is particularly relevant for the energy transition, the number of apprentices has fallen from around 13,100 (2011) to around 10,800 in 2022 (WKO, 2023a) and corresponds approximately to the general trend for all occupational fields. On the one hand, this is due to demographic developments, on the other hand it is due to factors such as increasing interest in higher educational qualifications or the image of apprenticeship.
Looking at specific groups we noticed that women are strongly underrepresented in technical apprenticeship occupations, especially in fields related to the energy transition, such as „Electrical engineering / electronics”. The proportion of migrants – persons without Austrian citizenship – in the field „Electrical engineering / electronics” in 2022 was about the same as the average for all occupations. However, the share of apprenticeship drop-outs and negative final apprenticeship examinations are higher among migrants than among apprentices with Austrian citizenship. Female apprentices also have higher drop-out rates than male apprentices in the field „Electrical engineering / electronics” (WKO, 2023a). Educational and career choices are highly complex processes that are influenced not only by the profiles of individual occupations, but also by factors such as (legal) framework conditions, individual educational- and career orientation, working conditions or social background. With the aim to attract more women and migrants to technical apprenticeships, to promote their successful graduation and to encourage them to stay in the occupation according to their qualification, effective measures by companies, advocacy groups of enterprises and of employees as well as by the government on national and regional level are needed. These relate to the following areas: Information/orientation, awareness-raising, enhancing the attractiveness of apprenticeships, various kinds of assistance (e. g. learning assistance, coaching, mentoring), financial support, organization and flexibility of work, deployment of care infrastructure (children, older people) and further training opportunities
Smart Working. Frauen in Führungspositionen stärken
Ziel des Projektes war die Entwicklung von Smart Working-Strategien, die zu einer besseren Work-Life-Balance für Führungskräfte führen und damit Zugangsbarrieren für Frauen in Führungspositionen abbauen. Unter „Smart Working“ verstehen wir den reflektierten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) für eine flexible, standortunabhängige Zusammenarbeit. Auf Basis von Unternehmens-erfahrungen aus dem verstärkten Einsatz von IKT während der Corona-Pandemie entwickelten wir partizipativ mit Unternehmen technische, organisatorische und rechtliche Richtlinien zur Nutzung von IKT, um Homeoffice und Führung auf Distanz ohne Anspruch auf jederzeitige Verfügbarkeit umzusetzen. Die Ergebnisse wurden in einer abschließenden Fachtagung und einem handlungsanleitenden Strategiepapier für Arbeitnehmer:innen, Betriebsräte, Gewerkschaften und Unternehmen zur Diskussion gestellt und medial durch einen Podcast zusammengefasst.
The goal of the project was to develop smart working strategies that lead to a better work-life balance for managers and thus reduce access barriers for women in management positions. By "Smart Working" we mean the reflected use of information and communication technologies (ICT) for flexible, location-independent cooperation. Based on company experiences from the increased use of ICT during the Corona pandemic, we developed technical, organisational and legal guidelines for the use of ICT in a participatory approach with companies in order to improve home office and distance leadership. The results were discussed in a concluding symposium and an action-oriented strategy paper for employees, works councils, trade unions and employers, and summarized in the form of a podcast