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Kranksein als psycho-sozio-somatische Vertrauenskrise
Ein Kind, das infolge einer chronischen Erkrankung plötzlich über längere Zeit hinweg die Schule nicht besuchen kann, erlebt eine Situation tiefgreifender Unsicherheit und Abhängigkeit von anderen – ein zentrales Moment dieses Beitrags. Im Folgenden werden Zusammenhänge zwischen dem Konzept des epistemischen Vertrauens als Bestandteil der Mentalisierungstheorie und neueren psychosomatischen Zugängen herausgearbeitet. Daraus ergeben sich drei Hypothesen, in denen Kranksein als Vertrauenskrise gefasst und in Beziehung zu Kindern, Jugendlichen sowie – in Ansätzen – zu Schule und Lernen gesetzt wird. Der Beitrag verwendet die Begriffe „psychosomatisch“ und „psycho-sozio-somatisch“ synonym, um die Bedeutung sozialer Interaktionen zu betonen. Kranksein wird dabei als etwas Ernstzunehmendes, potenziell Lebensbedrohliches und damit Behandlungsbedürftiges verstanden, wobei zwischen psychischen, somatischen und psychosomatischen Ursachen nicht weiter differenziert wird. Eine adäquate psycho-sozio-somatische Behandlung erscheint insbesondere im Kindes- und Jugendalter – nicht zuletzt im Hinblick auf die statistisch zu erwartende Lebensspanne – alternativlos. Abschließend wird die Gestaltung des therapeutischen und pädagogischen Umfelds als notwendig hervorgehoben – im Sinne einer vertrauensbildenden Pädagogik bei Krankheit. (DIPF/Orig.
Mehrsprachigkeit als Schlüssel für historisches Lernen in heterogenen Klassen. Das Beispiel des komparativen Begriffslernens
Vor dem Hintergrund der (erst)sprachlichen Heterogenität in vielen Schulklassen sowie der Tatsache, dass Sprache und historisches Lernen eng verwoben sind, präsentiert dieser Beitrag didaktische Implikationen für zwei-und mehrsprachiges historisches Lernen im Sachunterricht. Die Unterrichtsvorschläge basieren auf geschichts-, fremdsprachen- und mehrsprachigkeitsdidaktischen Erkenntnissen sowie einer aktuellen Pilotstudie. Sie widmen sich dem begriffskomparativen Lernen etwa mittels der Kontrastierung der Begriffe story und history. (DIPF/Orig.
Schulen gestalten: Begabungen fördern – Erfahrungen teilen – Transfer initiieren. Befunde und Impulse aus dem Projekt Begabungsförderung, Schulentwicklung und Transfer (BeST)
Im Zentrum des Projekts Begabungsförderung – Schulentwicklung – Transfer (BeST) (2020–2024) steht zum einen die Frage, wie sich eine „begabende“ Schulkultur nachhaltig gestalten lässt. Zum anderen wird untersucht, wie sich daraus abgeleitete Impulse der Begabungs- und Begabtenförderung wirksam in andere schulische Kontexte transferieren lassen. Aufbauend auf dem Projekt Karg Campus Schule Bayern (KCSB) (2014–2017) untersucht BeST, welche kulturellen, strukturellen und professionellen Entwicklungsprozesse in acht Gymnasien mit Hochbegabtenförderung – den sogenannten Kompetenzzentren für Begabtenförderung (KompeZBF) – angestoßen und verstetigt wurden. Dabei wird Schulentwicklung nicht als technische Reform, sondern als kultureller Wandel verstanden, der auf personorientierte Bildungsprozesse, pädagogische Haltungen und gemeinschaftlich getragene Werte zielt. Darüber hinaus werden die Transferaktivitäten der KompeZBF im Sinne von Professionalisierungs- und Austauschformaten für Kolleg*innen umliegender Gymnasien in den Blick genommen. Transfer wird nicht als Kaskade, sondern als dialogischer Prozess betrachtet; als Begegnung, in der etwas Neues entstehen kann. Der Arbeit in BeST liegt ein dynamisches, inklusives und personorientiertes Begabungsverständnis zugrunde, das Begabungsförderung als Recht aller Kinder und Jugendlichen begreift. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte über einen partizipativen, reflexiven Forschungsansatz. Damit liefert BeST wichtige empirische Befunde und praxisrelevante Erkenntnisse über den Transfer von Impulsen zur Begabungs- und Begabtenförderung sowie den Verlauf schulischer Gestaltungsprozesse hin zu einer begabenden Schule, die auf Bildungsgerechtigkeit, Teilhabe und die Stärkung individueller Potenziale aller Lernenden zielt. (DIPF/Orig.
Bildungsmedien als Spiegel der Gesellschaft? Nachhaltigkeit als Thema in vorkaiser- und kaiserzeitlichen Schulbüchern unter dem Eindruck der sich formierenden Naturschutzbewegung
Der Autor arbeitet heraus, ob und in welchen thematischen Bezügen in Schulbüchern der Vor-Kaiser- und der Kaiserzeit in Deutschland der Begriff der Nachhaltigkeit verwendet wird und wann er im Kontext von Umweltschutz thematisch geworden ist. Es zeigt sich zunächst eine Verwendung im Sinne von „nachdrücklich“ bzw. „von dauerhafter Wirkung“, wenn etwa verlässliches menschliches Handeln – z. B. in kriegerischen Auseinandersetzungen, in Arbeitsverhältnissen – beschrieben wird. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts lassen sich auch Verwendungen mit Blick auf die Beziehung des Menschen zur Umwelt ausmachen, wenn auch weiterhin noch im traditionellen Wortsinn von „dauerhaft“ oder „auf längere Sicht“. (DIPF/Orig.)Against the background of discourses on modernity and nature conservation in the early 20th century, this article examines the topic of sustainability in educational media. Two strands are pursued analytically: On the one hand, a currently completely overloaded term such as that of sustainability requires a semantic definition, which shows that there are quite surprising contemporary uses of the word. On the other hand, it is important to trace where and how – in view of a growing awareness of the relationship between humans and the environment over the period – this topic was included in educational media. (DIPF/Orig.
Changing climates. Representations of climate change in Berlin geography textbooks (1990–2021)
Dieser Beitrag untersucht den Wandel der Darstellung des Klimawandels in Geographieschulbüchern der Sekundarstufe I in Berlin im Zeitraum von 1990 bis 2021. Mittels einer Inhaltsanalyse erfolgte die Evaluation von vor und nach der Lehrplanreform von 2015 benutzten Schulbüchern. Die Analyse konzentrierte sich auf die acht Kategorien fossile Energieträger, Gletscher, Wälder, Golfstrom, Energieversorgung, tropische Regenwälder, Küstenschutz und Landwirtschaft. Die Ergebnisse zeigen einen Wandel von einer beschreibenden Klimatologie hin zur Darstellung eines zunehmend anthropogen geprägten Klimawandels. Dies geht mit einer Verknüpfung geographischer Inhalte mit einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) sowie einer stärkeren Betonung der Rolle von anthropogenen Einflussfaktoren einher. Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel und physisch-geographische Grundlagen des Klimawandels werden hingegen wenig beleuchtet. Darüber hinaus weisen die nach 2015 benutzten Schulbücher eine alarmistische Sprache auf, die potenziell kontraproduktiv für den Aufbau von Handlungskompetenz sein kann. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit eines ausgewogenen, systemischen Ansatzes im Umgang mit dem Klimawandel und formuliert mögliche (fachdidaktische) Forschungsfragen zu diesem. (DIPF/Orig.
Lern- und Arbeitsprozesse im Wandel. Transformation gewerblich-technischer Facharbeit und Berufsbildung
Der vorliegende Sammelband dokumentiert die 23. gtw-Herbstkonferenz, die am 10. und 11. Oktober 2024 an der Universität Siegen stattfand. Unter dem Leitthema „Lern- und Arbeitsprozesse für die Transformation gewerblich-technischer Facharbeit" versammelt die Publikation über 20 wissenschaftliche Beiträge der gewerblich-technischen Wissenschaft und ihrer Didaktik (gtw), die sich mit den tiefgreifenden Wandlungsprozessen in der gewerblich-technischen Facharbeit, der Berufsbildung und der Lehrerbildung auseinandersetzen. Im Zentrum stehen Herausforderungen und Chancen, die u.a. durch Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz entstehen - drei Megatrends, die die berufliche Bildung grundlegend verändern. Die Beiträge spiegeln sowohl (berufs)wissenschaftliche Analysen als auch praxisorientierte Konzepte wider und sind in vier thematische Bereiche gegliedert: (1) Berufsgestaltung und Qualifizierungsansätze, (2) Nachhaltigkeit und Energiewende, (3) Digitale Transformation und (4) Bildungspersonal. Der erste Bereich beleuchtet Strukturfragen der Berufsbildung, neue Berufslaufbahnkonzepte und Qualifizierungsansätze, etwa im Kontext der Metall- und Elektroberufe oder der Mikro- und Nanotechnologie. Der zweite Bereich widmet sich der beruflichen Bildung für nachhaltige Entwicklung (BBNE) und analysiert u.a. die Qualifizierungsanforderungen in der Batteriezellenproduktion. Im dritten Teil werden didaktische und organisationale Konzepte zur digitalen Transformation vorgestellt - mit Fokus auf KI-gestützte Lernumgebungen und deren Integration in Bildungssysteme. Im vierten Bereich rückt das Bildungspersonal in den Fokus, das als Schlüsselakteur der Transformation gilt. (DIPF/Orig.
Vielfältig mehrheimisch. Diversität unter Fachkräften in der Jugendarbeit
In diesem Beitrag werden zwei Biografien von Fachkräften in der Jugendarbeit genauer beleuchtet. Es zeigt sich, dass diese als vielfältig mehrheimisch gelesen werden können. Dabei spielen Erlebnisse in der Kindheit, familiale Migrationsgeschichten sowie Lern- und Bildungsprozesse eine besondere Rolle. Ebenso wird die Bedeutung widerständiger und reflexiver Umgangsweisen mit erfahrener gesellschaftlicher und sozialer Ausschließung deutlich, die in den biografischen Erzählungen eindrücklich thematisiert werden. Alltagspraxen und Strategien zur Behauptung gegen Diskriminierungen und Rassismen sowie Migrations- und Sozialisationserfahrungen werden als Schlüsselkompetenzen für die soziale Arbeit und pädagogische Tätigkeiten exemplarisch sichtbar gemacht und als mehrheimisch interpretiert. Nach eingehender Diskussion plädiert dieser Beitrag dafür, diesen vielfältigen, mehrheimischen Erfahrungen in Erziehung und Bildung mehr Aufmerksamkeit zu widmen und sie breiter zu diskutieren. Im Fazit wird zudem dafür plädiert, sich in der Theorie- und Praxisentwicklung eingehender mit dem positiven Einfluss von diversitätsbewussten Perspektiven auf die Jugendarbeit in der postmigrantischen Gesellschaft zu beschäftigen.This article examines two biographies of youth workers, demonstrating how they can be interpreted as examples of diverse, multifaceted local connections. The role of childhood experiences, family migration histories and learning and educational processes is particularly important. The article also highlights the importance of taking a reflective and critical approach to social exclusion. Everyday practices and strategies for overcoming discrimination and racism, and migration and socialisation experiences are presented as vital skills for social work and educational activities. After discussing these issues, the article concludes by arguing that these diverse, multi-belonging and postmigration experiences should be given greater attention in education and training, and that they should be discussed more broadly. Finally, it calls for a more in-depth examination of the positive influence of diversity-conscious perspectives on youth work in postmigration societies in terms of both theory and practice
Moving towards the desired occupation? Compromises at the transition to vocational education and training among students with reduced individual learning objectives
Mit Längsschnittdaten aus der Schweiz wird in der vorliegenden Studie untersucht, inwiefern Lernende mit reduzierten individuellen Lernzielen (RILZ) in Berufsausbildungen eintreten können, die den Anforderungen ihres Wunschberufs entsprechen. Die Resultate zeigen, dass Lernende mit RILZ systematisch häufiger schulisch weniger anforderungsreiche Ausbildungen aufnehmen als vergleichbare Lernende ohne RILZ. (DIPF/Orig.)Using Swiss longitudinal data, this study examines the extent to which students with reduced individual learning objectives (RILO) can enter vocational education and training programmes that match the academic demands of their desired occupation. The results show that students with RILO are systematically more likely to start programmes that are academically less demanding than comparable students without RILO. (DIPF/Orig.
Organisationsentwicklung für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Ein gestuftes Rahmenkonzept für Weiterbildungseinrichtungen
Im Beitrag wird über eine pragmatische Klassifikation von Weiterbildungseinrichtungen nach dem Grad der Integration von Nachhaltigkeit in die Organisation sowie ein Prozess-Schema zur Organisationsentwicklung berichtet. Auf dieser Grundlage werden ausgewählte Handlungsfelder (z. B. Programm- und Angebotsentwicklung, Veranstaltungsplanung) dargestellt, Vorschläge zur Weiterentwicklung gemacht und Hinweise auf weiterführende Literatur gegeben. (DIPF/Orig.)The article reports on a pragmatic classification of adult and continuing education institutions according to the degree of integration of sustainability into the organization, as well as a process scheme for organizational development. On this basis, selected fields of action (e. g. program development and planning) are presented, suggestions for further development are made and references to further literature are given. (DIPF/Orig.
Blessed are the dispossessed?! Explorations toward a classism-reflective religious education. Introduction to the section on the topic
Tagungsdokumentation der Jahrestagung 2025 der Gesellschaft für wissenschaftliche Religionspädagogik zum Thema „Selig sind die Besitzlosen?! Erkundungen zu einer klassismus-reflexiven Religionspädagogik“ (Augsburg-Leitershofen, 12.-14.09.2025) [...] „Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer“ (Lk 6,20, LU 17) lautet die eindringliche Seligpreisung aus der lukanischen Feldrede. Das Thema „Armut und Reichtum“ durchzieht das gesamte Lukas-Evangelium und steht damit in einer biblischen Tradition, die Armut problematisiert, wenn es z.B. in 5Mose 15,4 heißt: „Es sollte überhaupt kein Armer unter euch sein.“ In allen Evangelien wird eine jesuanische Ethik zum Ausdruck gebracht, die Besitz kritisch thematisiert, was Menschen in der Nachfolge Jesu immer wieder herausfordert. Das zeigt sich z.B. im Bildwort, dass ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr gehe, „als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme“ (Lk 18,25 par., LU 17). Doch es wäre zu leicht, würden die biblischen Texte bloß auf ein Armutsideal reduziert. Die Vielstimmigkeit zu diesem herausfordernden Thema zeigt sich nicht nur innerbiblisch, wie in der Diskussion um die „Salbung in Bethanien“ (Joh 12,1-13), sondern auch auf exegetischer Ebene, wenn z.B. Christfried Böttrich herausstellt, dass „Lukas […] nicht – wie lange behauptet – ein Armutsideal [vertritt]. Vielmehr lautet seine Position: Armut soll es nach Gottes Willen nicht geben. Er ergreift Partei für die Notleidenden und mahnt die Reichen“ (Böttrich, 2014, 11). Es kommt als weitere hermeneutische Schwierigkeit in der Auseinandersetzung mit den Armut thematisierenden biblischen Texten hinzu, dass das Verständnis von Armut kontextuell geprägt ist. Es stellt sich die Frage, was Armut im 21. Jahrhundert in Westeuropa, Armut im sog. „Globalen Süden“ oder Armut in Galiläa zur Zeit Jesu bedeutet und wie diese unterschiedlichen Erfahrungen und Verständnisse die Interpretation der Texte mitbestimmen: Inwiefern verschließen sich dadurch Zugänge, inwiefern tun sich neue auf, die jedoch ganz anders gelagert sein können als die hergebrachten Verständnisse des Textes? Ein gegenwärtiger Zugang, der biblische Perspektiven auf Armut infrage stellen kann, ist ein differenztheoretisch reflektierter, inklusionsorientierter Ansatz, der u.a. problematisiert, dass gerade das Lukasevangelium zwar Marginalisierte in den Blick nimmt, dabei Differenzen aber erhält und nicht überwindet, da die Marginalisierten lediglich als Bildmaterial für die Privilegierten fungieren (Neumann, 2017). In einer solchen differenzsensiblen, machtvolle Unterscheidungen kritisierenden Linie ist auch der Diskurs um Klassismus zu verorten, der in die Debatte um Armut und Reichtum und zur Frage nach sozialer Gerechtigkeit eigene Akzente einbringt. (DIPF/Orig.)Documentation of the conference proceedings of the annual meeting of the Society for Academic Religious Education 2025 on the topic “Blessed Are the Dispossessed?! Explorations Torward a Classism-Reflective Religious Education” (Augsburg-Leitershofen, 12th to 14th of September 2025). (DIPF/Orig.