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Evidence-based teacher education as the basis for a national research initiative? Critical questions about the institutional demands of a research programme
Der Beitrag kritisiert die Annahme, dass eine Evidenzbasierung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung vielversprechende Perspektiven sowohl für ein Nationales Forschungsprogramm zum Thema «Bildung» als auch für die Wissenschaftsförderung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung bietet – eine Annahme, die in zwei aktuellen Papieren der Kammer Pädagogische Hochschulen von swissuniversities zum Element strategischer Ambitionen erhoben wurde. Kritisiert wird vor allem, dass der zentrale Ausdruck «Evidenzbasierung» begriffliche Konfusionen schafft und eine Relevanz für die Wissenschaften an Pädagogischen Hochschulen reklamiert, die sich bei einem genaueren Verständnis von Evidenz nicht halten lässt. (DIPF/Orig.)The article criticises the assumption that evidence-based teacher education offers promising prospects both for a national research programme on the topic of «Bildung» and for the promotion of science in teacher education – an assumption that has been elevated to an element of strategic ambition in two recent papers by the Chamber of Universities of Teacher Education of swissuniversities. The main criticism is that the central term «Evidenzbasierung» [no exact translation possible] creates conceptual confusion and claims a relevance for the sciences at universities of teacher education that cannot be maintained with a more precise understanding of evidence. (DIPF/Orig.
Inklusive Bildung in Österreich – ein starker Beginn mit offenem Ausgang
Dieser Beitrag setzt sich zum Ziel, die Entwicklung der Inklusiven Bildung in Österreich vom Beginn der 1980er-Jahre bis heute aus menschenrechtlicher und pädagogischer Perspektive nachzuzeichnen und die Initiativen und Maßnahmen, die im Zuge der Ratifizierung der UN-BRK von Österreich gesetzt wurden, im Hinblick auf ihre Wirkung zu diskutieren. Dazu werden u. a. die bundesweiten Evaluationsstudien zur Zeit der Schulversuche, die Ergebnisse des Forschungsprojekts QSP, die Fallstudien zur Inklusiven Modellregionen sowie Studien und Stellungnahmen des Unabhängigen Monitoringausschusses zum Nationalen Aktionsplan Behinderung 2012– 2020 herangezogen. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum sich die schulische Inklusion zu Beginn der Umsetzung quantitativ so stark entwickeln konnte und welche Gründe für das gegenwärtige Stagnieren verantwortlich sein könnten. (DIPF/Orig.)The aim of this article is to trace the development of inclusive education in Austria from the early 1980s to the present day from a human rights and pedagogical point of view and to describe the initiatives and measures that Austria has taken to implement the UN CRPD and to discuss their effects. Nationwide evaluation studies at the time of the school trials, the results of the QSP research project, the case studies on inclusive model regions as well as studies and statements of the Independent Monitoring Committee on the National Disability Action Plan 2012–2020 are used for this purpose. The focus is on the question of why school inclusion was able to develop so strongly at the beginning of its implementation and which reasons could be responsible for the current stagnation. (DIPF/Orig.
Historische und bildungshistorische Perspektiven auf Inklusion und Heterogenität in Erziehung, Bildung und Schule
Die Beiträge in diesem Band brechen im Sinne einer Zeitkapsel aus der bildungswissenschaftlichen Perspektive der letzten 25 Jahre aus und eröffnen explizit historische Einsichten in die Auseinandersetzung mit Inklusion und Heterogenität. So werden Konzepte, Modelle, Theorien und Entwicklungen aus dem 19. Jahrhundert sowie neuzeitliche, aufklärerische und humanistische Verständnisse präsentiert. Die historische Betrachtung von Inklusion und Heterogenität erfolgte bislang nahezu ausschließlich in der Erziehungswissenschaft, den Fachwissenschaften und den zugehörigen Fachdidaktiken. Der Band überwindet disziplinäre Grenzen und beleuchtet Inklusion und Heterogenität aus historischer und bildungshistorischer Perspektive sowie trans-, inter- und intradisziplinär. Damit würdigt er einen bislang eher randständig betrachteten historischen Diskursabschnitt. (DIPF/Orig.
Differentiated instructional practices of traditionally qualified and alternatively qualified teachers at special education schools with a focus on intellectual development
Der Beitrag analysiert binnendifferenzierendes Unterrichtshandeln von grundständig qualifizierten Lehrkräften sowie von Quer- und Seiteneinsteiger:innen an Förderschulen im sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung (SPS GE). Innerhalb dieses sonderpädagogischen Schwerpunkts gilt binnendifferenzierende Förderung als unabdingbar. Angesichts einer vermehrten Einbindung von Seiteneinsteiger:innen im Schulsystem ist die Untersuchung des Unterrichtshandelns dieser Lehrkräfte aufgrund einer unzureichenden empirischen Befundlage von hoher Bedeutung. Die vergleichende Betrachtung des binnendifferenzierenden Unterrichtshandelns von Seiteneinsteiger:innen und grundständig qualifizierten Lehrkräften an dieser Schulform erscheint daher besonders relevant. Im Rahmen der Studie „Evaluation der Förderschulen mit dem Sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung im Land Brandenburg“ nahmen N = 179 Lehrkräfte an einer Fragebogenerhebung teil. In der Analyse wurden die Häufigkeit binnendifferenzierender Aufgaben, der Umgang mit Lernzieldifferenzierung sowie die Vielfalt angewandter Unterrichtsformen untersucht. Die Ergebnisse zeigen hoch ausgeprägtes binnendifferenzierendes Handeln in beiden Lehrkräftegruppen und keine signifikanten Unterschiede in den untersuchten Dimensionen zwischen grundständig qualifizierten Lehrkräften und Seiteneinsteiger:innen. Eine multivariate Varianzanalyse (MANOVA) ergab, dass die Berufserfahrung der Lehrkräfte den Umgang mit binnendifferenzierenden Lernzielen signifikant beeinflusst, jedoch nicht die Häufigkeit der Anwendung binnendifferenzierender Aufgaben. Kooperative Teamteaching-Strukturen wirken sich sowohl auf die Häufigkeit binnendifferenzierender Aufgaben als auch auf den Umgang mit binnendifferierenden Lernzielen signifikant positiv aus. Die Ergebnisse verdeutlichen die Gemeinsamkeiten binnendifferenzierender Unterrichtspraktiken verschieden qualifizierter Lehrkräftegruppen und werden vor dem Hintergrund des bestehenden Lehrkräftemangels diskutiert. (DIPF/Orig.)This study analyzes differentiated instructional practices of fully qualified teachers and alternatively qualified teachers in special schools focused on intellectual development. Differentiated instruction is essential in this context. Given the increasing integration of alternatively qualified teachers into the school system, examining their teaching practices is crucial due to limited empirical evidence. A comparative analysis of the two groups\u27 differentiated teaching practices appears particularly relevant. As part of the project "Evaluation of Special Education Schools with the Intervention Focus Intellectual Development in the State of Brandenburg", 179 teachers participated in a survey. The analysis examined the frequency of differentiated tasks, the use of differentiated learning goals, and the variety of teaching methods. Results show high levels of differentiated teaching in both groups with no significant differences in the examined dimensions. A multivariate analysis of variance analysis (MANOVA) revealed that teaching experience significantly affects the use of differentiated learning goals, but not the frequency of differentiated tasks. Team teaching has a positive impact on both the frequency of use of differentiated tasks and the use of differentiated learning goals. The findings highlight commonalities in differentiated instructional practices among groups of teachers with different qualifications and are discussed in the context of the current teacher shortage. (DIPF/Orig.
Der Wert von Auslandsstudienphasen im Wandel der Zeit. Studentische Nutzeneinschätzungen zwischen 1984 und 2015
Trotz zahlreicher politischer Initiativen zur Erhöhung der studentischen Auslandsmobilität gibt es Hinweise darauf, dass die Quote Studierender mit temporären studienbezogenen Auslandsaufenthalten in Deutschland in den letzten 20 Jahren zunächst stagnierte und dann rückläufig war. Aus theoretischer Sicht stellen Nutzeneinschätzungen einen zentralen Ansatzpunkt zur Erklärung dieser Entwicklung dar. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir auf Basis von Daten des Konstanzer Studierendensurveys für die Jahre 1984 bis 2015, (i) wie die Einschätzungen des persönlichen und des beruflichen Nutzens von Auslandsstudienphasen mit der Auslandsstudienabsicht zusammenhängen, (ii) wie sich diese Nutzeneinschätzungen im Zeitverlauf entwickelt haben und (iii) welche Unterschiede sich hinsichtlich dieser Entwicklungen nach Geschlecht und sozialer Herkunft zeigen. Abschließend diskutieren wir die wissenschaftlichen und hochschulpolitischen Implikationen der Befunde. (DIPF/Orig.
Gesundheit und Krankheit durch die kulturelle Linse. Multiperspektivische Einblicke für Pädagoginnen und Pädagogen
Gesundheit und Krankheit sind nicht allein biologische oder biomedizinische Zustände, sondern tief in kulturelle Kontexte eingebettet. Wie Menschen mit Erkrankungen umgehen, was sie als gesund empfinden oder wie sie Hilfe in Anspruch nehmen, wird maßgeblich durch ihre kulturellen Prägungen, sozialen Erfahrungen und soziokulturellen Rahmenbedingungen beeinflusst. Besonders im Kontext von Migration zeigt sich, dass kulturelle Diversität eine zentrale Herausforderung, aber auch Potenzial für Bildungs- und Gesundheitsinstitutionen darstellt (Spallek & Razum 2021). Im schulischen Setting rücken damit Fragen in den Fokus, wie Lehrpersonen, Sozialarbeit oder Pflegekräfte in Bildungseinrichtungen den spezifischen gesundheitlichen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen gerecht werden können – insbesondere dann, wenn diese durch Migration oder soziale Benachteiligung zusätzlich belastet sind. Pädagogische Fachkräfte agieren dabei an der Schnittstelle zwischen Bildung, Betreuung und psychosozialer Begleitung – und sind zunehmend gefordert, nicht nur fachlich, sondern auch interkulturell kompetent zu handeln (Gundolf 2024; Reuner & Gräßer 2023). Der vorliegende Beitrag nähert sich dieser Thematik aus einer interdisziplinären Perspektive. Er beleuchtet, wie kulturelle Hintergründe das Verständnis von Gesundheit und Krankheit prägen, welche strukturellen Hürden den Zugang zu Gesundheitsleistungen für migrierte Kinder und Jugendliche erschweren und wie interkulturelle Kommunikation in Bildungs- und Gesundheitssettings gelingen kann. Abschließend wird diskutiert, wie durch die Verknüpfung pädagogischer und gesundheitlicher Ansätze Brücken gebaut werden können – hin zu einer inklusiveren, gerechteren Versorgung für alle. (DIPF/Orig.
Betroffene zu Beteiligten machen. Partizipation von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen in der Schule
Ein zentrales Anliegen inklusionspädagogischer Arbeit bei chronischen Erkrankungen ist die vollständige Partizipation betroffener Kinder und Jugendlicher. Während in vorherigen Kapiteln theoretische Grundlagen, Herausforderungen und praxisorientierte Ansätze umfassend thematisiert wurden, soll dieses Kapitel explizit den Perspektiven derjenigen gewidmet sein, um die es tatsächlich geht: den betroffenen Schülerinnen und Schülern selbst. Ausgehend von aktuellen empirischen Arbeiten werden zentrale Erkenntnisse zusammengetragen, und es wird diskutiert, wie echte Partizipation im schulischen Alltag umgesetzt werden kann. Ziel ist es, nicht nur über Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen zu sprechen, sondern sie als Expertinnen und Experten ihres Alltags zu Wort kommen zu lassen und ihre Perspektiven für die Weiterentwicklung pädagogischer Praxis fruchtbar zu machen. (DIPF/Orig.
Aus der Geschichte lernen? Narration und Neugier
Der Artikel führt in den aktuellen Stand der Geschichtsdidaktik ein, indem er das Paradigma des narrativen Konstruktivismus entfaltet. Ziel und Methode historischen Lernens ist Kritikfähigkeit, die sich im Umgang mit Überlieferung und eigenen Narrationen beweist. Neu und weiterführend ist der Versuch, über Neugier und das Pathos leerer Vergangenheit Möglichkeitsräume für historisches Denken zu öffnen, die es erlauben, konventionelle Denkmuster zu transzendieren. (DIPF/Orig.
Führungs-Shadowing in Best-Practice-Schulen
Schulleitungen sind zentral für die Schulentwicklung und benötigen gezielte Qualifizierung, über die abseits gängiger Formate, wie Workshops, nur wenig bekannt ist. Dieser Beitrag untersucht das Shadowing als innovative Form des beruflichen Lernens. Die Daten von 29 Personen zeigen, dass das Shadowing u. a. zur Beobachtung des Führungshandelns der besuchten Schulleitung genutzt wurde und insgesamt positiv bewertet wird. Es inspirierte zur Schulentwicklung und Reflexion des eigenen Handelns. Der Beitrag ordnet Shadowing als Lernformat für Schulleitungen ein und diskutiert dessen Potenziale. (DIPF/Orig.
Final report on the DFG-Project ConnectedKids - Socialisation in a changing media environment (ConKids)
The project examines the process of child and adolescent socialisation in the context of a rapidly transforming media environment, utilising a longitudinal research approach. The present study contributes to the further development of traditional perspectives on socialisation by incorporating the constructivist approach of communicative figurations and taking various social actors into account (e.g. family, peers and school). Within the conceptual framework of the communicative figurations approach, actors are regarded as socially constructed “social domains”, with media occupying an increasingly prominent role in various aspects of communication, entertainment, and information. The theoretical framework necessitates a dual qualitative and longitudinal approach. The qualitative panel study utilised two cohorts to reconstruct evolving media repertoires and communicative practices. The focus of this research is on significant life transitions, developmental tasks, and negotiation processes with other social actors and domains. The study comprises two funding phases (2018-2021 and 2021-2025). Of the original 32 families, all four survey waves could be realised with a total of 26 families from the greater regions of Hamburg and Nuremberg. The inclusion of two distinct cohorts, with the children either commencing their schooling or transitioning from primary to secondary education at the time of the initial survey, enabled the consideration of the impact of institutional transitions on media practices. To understand the role of the media repertoire and the significance of media in different social relationships, age-appropriate survey instruments were developed (semistandardised guided interviews, visualisation of the "media-actor relationship", media diaries). To obtain a comprehensive picture of the interactive socialisation process, both the perspectives of the children and those of the parents interviewed were included. The study provided results on media-related negotiation processes between adolescents and the social domains of family, peers and school. These results can be understood in terms of the dimensions of autonomy and heteronomy, proximity and distance, as well as belonging and distinction. Furthermore, it was possible to trace how the processing of developmental tasks with and via media is changing. Digital communication with peers is significant. It becomes evident that the media socialisation of children and young people is not solely influenced by media ensembles and the associated attitudes and values, but also by, on a macro level, the evolving media environment. (DIPF/Orig.)Das Projekt untersucht das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen unter den Bedingungen einer sich wandelnden Medienumgebung in einer längsschnittlichen Perspektive. Durch den Einbezug des konstruktivistischen Ansatzes der kommunikativen Figurationen leistet die Studie einen Beitrag zur Weiterentwicklung traditioneller Perspektiven auf Sozialisation, indem verschiedene soziale Akteure berücksichtigt werden (z.B. Familie, Peers und Schule). Vor dem Hintergrund des Ansatzes der kommunikativen Figurationen werden Akteure als kommunikativ-konstruierte „soziale Domänen“ betrachtet, in denen Medien eine immer wichtigere Rolle einnehmen (z. B. für Kommunikation, Unterhaltung und Information). Der theoretische Rahmen bedingt sowohl eine qualitative als auch eine längsschnittliche Herangehensweise. Die qualitative Panelstudie rekonstruierte anhand zweier Kohorten sich wandelnde Medienrepertoires und kommunikative Praktiken. Der Fokus liegt dabei auf wichtigen Übergängen im Leben, auf Entwicklungsaufgaben sowie auf Aushandlungsprozessen mit anderen sozialen Akteur*innen und Domänen. Die Studie umfasst zwei Förderphasen (2018-2021 und 2021-2025): Von ursprünglich 32 Familien konnten alle vier Erhebungswellen mit insgesamt 26 Familien aus den Großräumen Hamburg und Nürnberg realisiert werden. Durch den Einbezug zweier Kohorten (die Kinder hatten bei der ersten Erhebung entweder die Einschulung oder den Übergang von der Grundschule auf die weiterführende Schule gemeistert) konnte der Einfluss institutioneller Übergänge auf Medienpraktiken berücksichtigt werden. Um die Rolle des Medienrepertoires und die Bedeutung der Medien in unterschiedlichen sozialen Beziehungen verstehen zu können, wurden altersangemessene Erhebungsinstrumente (weiter-)entwickelt (teilstandardisierte Leitfadeninterviews, Visualisierung von „Medien-Akteurs-Relation“, Medientagebücher). Für ein umfassendes Bild des interaktiven Sozialisationsprozesses wurden sowohl die Perspektiven der Kinder als auch die der befragten Elternteile mit einbezogen. Die Studie lieferte Ergebnisse zu medienbezogenen Aushandlungsprozessen zwischen Heranwachsenden und den sozialen Domänen Familie, Peers und Schule, welche sich anhand der Dimensionen Autonomie und Heteronomie, Nähe und Distanz sowie Zugehörigkeit und Abgrenzung nachzeichnen lassen. Zudem konnte nachgezeichnet werden, wie sich die Bearbeitung von Entwicklungsaufgaben mit und über Medien verändert. Insbesondere der (digitalen) Kommunikation mit Gleichaltrigen kommt eine wichtige Rolle zu. Deutlich wird dabei, dass die Mediensozialisation von Kindern und Jugendlichen nicht nur von den Medienensembles und den damit verbundenen Einstellungen und Werten beeinflusst wird, sondern dass auch – auf der Makroebene – die sich wandelnde Medienumgebung weitreichende Veränderungen für deren Medienpraktiken mit sich bringt. (DIPF/Orig.