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Dekoloniales Denken in der Lehrer:innenbildung. Neue Perspektiven und Herausforderungen für die Professionalisierung
Wie können Lehrer:innenbildung und Bildung gerechter gestaltet werden? Dieses Buch macht auf die Kontinuität kolonialen Denkens in Lehrer:innenbildung und Unterricht aufmerksam und nimmt gegenüber Machtstrukturen, epistemischen Hegemonien und kulturellen Legitimationen post- oder dekoloniale Perspektiven ein. Beiträge aus Sprachbildung, Philosophie-, Geschichts- und Geographiedidaktik und anderen Disziplinen bieten vielfältige Ansätze, um Agency und Perspektivenvielfalt in der Lehrer:innenbildung zu stärken. Der Band zeigt, wie eine Transformation der Professionalisierung gelingen kann, die Diversität anerkennt und hegemoniale Strukturen aufbricht – notwendig um Professionalisierung neu zu denken. (DIPF/Orig.
Generative AI and teacher education
Ausgehend von einer Gegenüberstellung nähern sich die Autorinnen den Herausforderungen gegenwärtiger Aneignung digitaler Technologien. Im Lichte der Erwartungen aktueller Bildungspolitik zeigen sie auf, dass einseitige Perspektivnahmen auf das Lernen mit Medien zu kurz greifen, weil diese eine „Urgency of Practice“ erzeugen. Entsprechend perspektivieren sie ein „mondiales Lehramtstudium“, das in der Lage sein könnte, sich „jenseits“ technologischer Dringlichkeiten zu bewegen und den Blick auch auf das Lernen über Medien zu richten. Das nimmt nicht nur politisch gefärbte Diskussionen rund um das Lehramtsstudium auf – es avisiert auch, „einen Schritt von Lernzielen und Kompetenzerwerb zurückzutreten“. (DIPF/Orig.)Teacher education is changing as generative AI has become widely embedded in everyday practices. This article describes current approaches to teacher education in this configuration: One approach emphasizes ‘learning with AI’, focusing on the integration of generative AI into teaching practice. A second prioritizes ‘learning about AI’, encouraging critical reflection on its broader ethical, planetary, cultural, neocolonial, political, and economic dimensions. The latter approach suspends what is often felt as an urgency of practice to create a ‘mondial’ university that values experimental world-making over instrumental outcomes. Teacher education often sits at the nexus of practical skills (e.g., prompt engineering) and deeper critique (e.g., questioning AI’s societal role). Ultimately, when designing teacher education programs for engaging with generative AI, the very purpose of education is at stake. (DIPF/Orig.
Mein Wohl als Gemeinwohl: Lobbyismus in der ökonomischen Bildung
Im Feld ökonomischer Bildung feiern Lobbyisten erstaunliche Erfolge. Sie haben einen Glaubenssatz in Medien und Öffentlichkeit platziert: Man brauche mehr ökonomische Bildung in den Schulen, denn ökonomisches Wissen sei besonders mangelhaft und besonders wichtig. Dieser Gemeinplatz ist ebenso populär wie falsch. Er steht für einen kolossalen kommunikationspolitischen Erfolg der Wirtschaftslobby und ihrer Unterstützerszenen. Ihr Lobbying beginnt in den 1990er Jahren. Der dominante Diskurs über ökonomische Bildung und ein Separatfach Wirtschaft ist im Wesentlichen ein Produkt des unternehmensnahen Lobbyismus. Deshalb widmet sich dieser Beitrag den Verflechtungen zwischen Lobby, Bildungspolitik und Öffentlichkeit. Zunächst zeichnet der Autor das organisierte Agenda-Setting nach, das ökonomische Bildung als politisches Problem propagierte. Im zweiten Kapitel strukturiert er mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Konzepte das Feld des Lobbyismus in der ökonomischen Bildung, seine Netzwerke und Koalitionen, seine Mission und Strategien. Im dritten Kapitel analysiert er die umfassende Durchdringung von Schulen und Unterricht durch Lobbyakteure der Unternehmen, Kapitaleigentümer und ihrer Interessenverbände. Das letzte Kapitel entwickelt eine Legitimation für die kompensatorische Bevorzugung schwacher Interessen in der ökonomischen Bildung. Der Beitrag schließt mit Vorschlägen, wie man das schulbezogene Lobbying eindämmen kann. Um eins vorwegzunehmen: Die Verantwortung dafür tragen zuallererst die Bildungsministerien, also die Politiker und nicht die Lobbyisten. (DIPF/Orig.)Lobbyists are celebrating astonishing successes in the field of economic education. They have established a belief in the media and the public: more economic education is needed in schools because economic knowledge is particularly lacking and particularly important. This platitude is as popular as it is false. It represents a tremendous success in communication policy for the business lobby and its supporters. Their lobbying began in the 1990s. The dominant discourse on economic education and a separate subject for economics is essentially a product of business-friendly lobbying. This article therefore examines the interrelationships between lobbying, education policy and the public sphere. First, the author traces the organised agenda setting that promoted economic education as a political issue. In the second chapter, he uses social science concepts to structure the field of lobbying in economic education, its networks and coalitions, its mission and strategies. In the third chapter, he analyses the comprehensive penetration of schools and teaching by lobbyists representing companies, capital owners and their interest groups. The final chapter develops a justification for the compensatory preference for weak interests in economic education. The article concludes with suggestions on how to contain school-related lobbying. To anticipate one point: the responsibility for this lies first and foremost with the education ministries, i.e. the politicians, not the lobbyists. (Author
Partizipative Gestaltung zukunftsorientierter Lernräume. Potenziale und Herausforderungen
Der Beitrag reflektiert die Entwicklung zukunftsorientierter Lernräume im Projekt „FHNW Learning Spaces“. Nach einem Schlaglicht auf aktuelle Forschungserkenntnisse zu Lernerfolg und -engagement in flexiblen Lernumgebungen werden vier allgemeine Rahmenbedingungen für die Lernraumentwicklung im Hochschulkontext benannt. Deren konkrete Ausprägung lässt sich an drei Fallbeispielen zu den gestalterischen Methoden „Skizze“, „Lego“ und „Schablone“ darstellen. Abschließend richtet sich der Blick auf die Potenziale und Herausforderungen dieser partizipativen Gestaltungsmethoden. (DIPF/Orig.
Teaching generative AI competencies. A university teaching case study for future adult educators
Die zunehmende Verbreitung generativer KI-Programme birgt das Potenzial, zu einer digitalen Spaltung der Gesellschaft zu führen. Dieser AI Divide war für den Autor Ausgangspunkt, ein agiles und didaktisch fundiertes Seminarkonzept zu entwickeln, bei dem die Teilnehmenden KI-Literalität erwerben können. KI-Literalität umfasst das Wissen über und das Verstehen von KI-Programmen, die spezifische Anwendung sowie das Evaluieren und Kreieren von KI-Tools – wie ein vom Autor zitierter Literatur-Review aus zwölf Ländern zusammenfasst. Für den Lernerfolg seines Seminars betont der Autor die starke Orientierung am Subjekt und dessen Lebenssituation. Dafür fand er im pädagogischen Ansatz von Paulo Freire taugliche didaktische Hinweise. Er bezieht daher Vorerfahrungen, Sorgen und Wünsche in Bezug auf die Verwendung generativer KI wie auch die zukünftigen Berufswünsche der Studierenden mit ein. Erst nach der Erhebung persönlicher Zugänge wählt er tätigkeitsbezogene gKI-Programme aus. In diesem Beitrag beschreibt der Autor den konkreten Seminarablauf sowie Veränderungen des didaktischen Designs, die sich durch erste Erfahrungen ergaben. Das Seminar umfasst die Klärung von Begriffen wie Machine Learning, LLM oder Deep Learning, das Erlernen von KI-Interfaces bis hin zu Methoden wie Prompt-a-thon oder BrAInstorm. Beispielaufgaben dafür werden im Beitrag vorgestellt und der Autor reflektiert seine eigenen Learnings aus der Arbeit mit Studierenden der Erwachsenenbildung an den Universitäten Hamburg und Münster. So zeigte sich beispielsweise, dass Teilnehmende mit wenig Vorerfahrung von ersten Text- oder Bildausgaben so beeindruckt waren, dass sie sich bei der weiteren Bearbeitung in eine Richtung lenken ließen, die sie nicht intendiert hatten. (DIPF/Orig.)The increasing spread of generative AI programmes holds the potential to lead to a digital divide in society. The author takes this AI divide as a starting point for developing an agile and didactically sound seminar concept in which participants can acquire AI literacy. AI literacy includes knowledge about and understanding of AI programmes, the specific application and the evaluation and creation of AI tools—as summarized in a literature review study of twelve countries that the author cites. For the learning outcome of his seminar, he emphasizes the strong orientation to the subject and his or her living situation. He found suitable didactic references to this in Paulo Freire’s pedagogic approach. He incorporates prior experiences, concerns and wishes related to the use of generative AI as well as the students’ future career aspirations. Only after enquiring into personal approaches does he choose generative AI programmes related to the students’ professional activities. In this article, the author describes the concrete seminar schedule and changes to the didactic design that were made following initial experiences. The seminar includes the clarification of concepts such as machine learning, LLM or deep learning, the learning of AI interfaces and methods such as Promptathons or BrAInstorms. The author introduces examples of tasks and reflects on what he has learned from work with adult education students at the universities of Hamburg and Münster. For instance, it appeared that participants with little prior experience of AI-generated texts or images were so impressed that they were guided in a direction that they hadn’t intended to take as they continued their work. (DIPF/Orig.
Focus on adaptive learning and usability. An elearning course to build up AI literacy
Wie kann Künstliche Intelligenz den Lernerfolg nachhaltiger machen und die Motivation beim Lernen steigern? Die Autoren zeigen, wie Individualisierung und Personalisierung durch die Integration Künstlicher Intelligenz praktisch gelingen können: Lernende können dabei das Lerntempo selbst wählen und die inhaltlichen Module eines Kurses werden in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden angeboten. Das vermeidet Über- und Unterforderung und ermöglicht Lernenden eine flexible Gestaltung von Lerneinheiten auf Basis ihrer Bedürfnisse und Zeitressourcen. Avatare und Chatbots können darüber hinaus zur Interaktion anregen. Regelmäßige Erfolgskontrollen und Wiederholungen stärken das Vertrauen der Lernenden in ihre eigenen Fähigkeiten, so die Einschätzung der Autoren. Dies alles wird im Bildungsprojekt „KI in der Praxis“ umgesetzt, das in Kooperation von Hochschule Burgenland und Wirtschaftskammer Österreich für die betriebliche Erwachsenenbildung entwickelt wurde. Es handelt sich um einen Kurs für Fach- und Führungskräfte mit einer intuitiv gestalteten Benutzungsoberfläche, die strukturiertes Lernen unterstützt und einen kognitiven Overload vermindert. Neben der guten Usability betonen die Autoren die Wichtigkeit didaktischer Konzepte, die auch Austausch und Diskussion ermöglichen, und plädieren für einen hohen Datenschutzstandard. Empfehlungen aus diesem Projekt sind die partizipative Entwicklung von KI-Lösungen durch Technik und Erwachsenenbildung sowie das regelmäßige Einbeziehen der Erfahrungen von Teilnehmenden. (DIPF/Orig.)How can artificial intelligence make learning outcomes more sustainable and increase one’s motivation to learn? The authors show how individualization and personalization through the integration of artificial intelligence can succeed in practice: Learners can choose their learning tempo by themselves and course content modules are offered in different degrees of difficulty. This avoids making too many and too few demands on learners and enables them to flexibly organize learning units according to their needs and time resources. In addition, avatars and chatbots can prompt them to interact. According to the authors, regular assessment of progress and repetition increase the learners’ confidence in their own abilities. All of these points are being implemented in the “AI in Practice” educational project, which was developed in cooperation with the University of Applied Sciences Burgenland and the Austrian Chamber of Commerce for in-company professional development. This course for professionals and leaders has an intuitive user interface that supports structured learning and avoids cognitive overload. Along with good usability, the authors stress the importance of didactic concepts that also facilitate exchange and discussion and argue for a high standard for data protection. This project recommends the participatory development of AI solutions through technology and adult education as well as regular inclusion of the participants’ experiences. (DIPF/Orig.
ANKOMMEN - Biografiebezogene Gruppenintervention für Jugendliche zum Umgang mit der eigenen Fremdunterbringung. Manual für Gruppenleitende und Workbook für Jugendliche. Mit Online-Materialien
Eine Fremdunterbringung ist für Betroffene ein kritisches Lebensereignis. Biografiearbeit kann bei der Bewältigung der Herausforderungen einer Fremdunterbringung hilfreich sein. Um den Zugang zu Biografiearbeit für Jugendliche in stationären Jugendhilfeeinrichtungen zu verbessern, wurde das manualisierte Gruppenprogramm ANKOMMEN entwickelt. Das ANKOMMEN-Programm umfasst acht Gruppensitzungen, die von Mitarbeitenden von Jugendhilfeeinrichtungen anhand des vorliegenden Manuals selbstständig durchgeführt werden können. ANKOMMEN wurde umfangreich wissenschaftlich evaluiert und dabei zeigten sich positive Effekte auf die psychische Gesundheit der Teilnehmenden und eine hohe Akzeptanz der Inhalte bei den Teilnehmenden und Durchführenden. Das Online-Material umfasst eine angepasste Version des Workbooks für Kinder zwischen 7 und 11 Jahren. (DIPF/Orig.
Variants of praxeological perspectives on professionalization. An attempt at contrast
Die Konjunktur von als praxeologisch gekennzeichneten Konzeptionen zur Professionalität und Professionalisierung von Lehrer:innen bildet den Ausgangspunkt des Beitrags. In ihm werden zwei differente Zugänge zur beruflichen bzw. professionellen Praxis von Lehrer:innen einander gegenübergestellt und auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten hin untersucht. Ziel des Beitrags ist eine kontrastierende Schärfung der Vorstellung, Professionalisierung als Prozess der Subjektivierung in den Praktiken von Bildungsorganisationen zu fassen und auf dieser Basis Prozesse der Professionalisierung empirisch fassen und rekonstruieren zu können. (DIPF/Orig.)The high level of attention to concepts for the professionalism and professionalization of teachers characterized as ‘praxeologic’ forms the starting point of the article. In it, two different approaches of conceptualization of and research on the professional practice of teachers are compared and examined for differences and similarities. The aim of the article is the contrastive clarification of the idea of grasping professionalization as a process of subjectification in the practices of educational organizations. A second aim is to grasp and reconstruct processes of professionalization on this basis empirically. (DIPF/Orig.
Documentary research on the professionalization of teachers. A study review
Das Studienreview zur Dokumentarischen Forschung zur Professionalisierung von Lehrpersonen nimmt systematisierend in den Blick, welchen Beitrag die Dokumentarische Methode für die professionstheoretische Forschung zu Lehrpersonen leistet, d. h. welches erkenntnisgenerierende Potenzial, aber auch welche entsprechenden Limitationen mit diesem methodisch-methodologischen Zugang einhergehen. Dafür wird zunächst skizzenhaft ein Überblick über die professionstheoretische Forschung zum Lehrer:innenberuf insgesamt gegeben, um daran anschließend der praxeologischen – konkreter der praxeologisch-wissenssoziologischen – Perspektive und der damit verbundenen Dokumentarischen Methode als rekonstruktivem Forschungszugang vertieft nachzugehen. Auf der Datengrundlage von 236 thematisch anschlussfähigen, publizierten Texten aus den Jahren 2002 bis 2023 beinhaltet das Studienreview eine systematische Synopse, um das Gegenstandsfeld für die deutschsprachige Forschung zu kartieren. Resümierend ergeben sich aus den Ergebnissen Implikationen für anstehende Forschungen. (DIPF/Orig.)The study review on documentary research in teacher professionalization systematically examines the contribution of the Documentary Method to the research on teacher professional theory, elucidating both its epistemic potential and inherent limitations within this methodological framework. Initially, a schematic overview of the overall professional theory research pertaining to the teaching profession is presented. Subsequently, a thorough analysis of the praxeological – specifically, the praxeological-sociological – perspective is undertaken, with a focused examination of the Documentary Method as a reconstructive research approach. Drawing on data from 236 thematically relevant publications spanning the years 2002 to 2023, the review study provides a systematic synopsis aimed at mapping the research landscape within the German-speaking academic context. In summary, the findings offer significant implications for future research. (DIPF/Orig.
Do ChatGPT and the DIN SPEC for plain language promote participation in education?
In diesem Beitrag werden Fragen diskutiert, die im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Entwurfs der DIN SPEC (Specification) für Leichte Sprache in den Fokus gerückt sind. Diskutiert wird, welche Chancen und Risiken eine DIN für Sprache in Verbindung mit künstlicher Intelligenz (KI) mit sich bringen kann. Kritisch wird hinterfragt, ob die DIN SPEC für Leichte Sprache das von George Orwell beschriebene Neusprech Realität werden lässt. Diskutiert wird, ob eine DIN SPEC für Leichte Sprache und KI basierte Tools zur Texterstellung einen Beitrag zur Verbesserung der Teilhabe an Bildung und zur Entlastung von Lehrkräften leisten kann. (DIPF/Orig.)This article discusses questions that have come into focus in connection with the publication of the draft DIN SPEC (Specification) for easy-to-read language. It discusses the opportunities and risks that a normification for language in connection with artificial intelligence (AI) can bring. It is critically examined whether the DIN SPEC for easy-to-read language will make Newspeak as described by George Orwell in 1984 a reality. It is discussed whether a DIN SPEC for easy-to-read language and AI-based tools for text creation can contribute to improving participation in education and reducing the workload of teachers. (DIPF/Orig.