German Institute for International Educational Research (DIPF)

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    "Arbeit, nicht Mitleid!". Ziele Wiener Sonderschulerziehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts

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    Die 1920er und 1930er Jahre in Österreich sind in Bezug auf Sonderschulerziehung interessant, da sie mit der „Entwicklung einer staatlich verantwortlichen Fürsorge für Krüppel“ (Fuchs 1999, o. S.) in Verbindung stehen. Die Situation in Wien sticht durch Glöckels Schulreform heraus, welche mit verschiedenen Formen der Versuchsschule arbeitete und sowohl strukturell als auch methodisch an einer gemeinschaftsorientierten Bildungs- und Erziehungsarbeit interessiert war. Die Zeitschrift „Der Krüppel“ erschien in den Jahren 1927 bis 1938 im sogenannten Roten Wien. Sie stellt als Mitteilungsblatt der „Ersten österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft“ ein Organ von Menschen mit Behinderungen dar, die über ihre Situation berichteten. Im Rahmen einer Analyse von Einzelbeiträgen des Sonderschuldirektors Radl wird deutlich, welche Erziehungsziele die Wiener Sonderschule verfolgte und inwieweit Erziehungsfragen für Kinder mit Behinderungen an Institutionen, gesellschaftliche Verhältnisse und politische Positionen geknüpft waren. Erwerbsfähigkeit durch Gemeinschaftserziehung sticht als das große Erziehungsziel für Kinder mit Behinderungen heraus. Dies wird bereits durch das Motto der Zeitschrift „Arbeit, nicht Mitleid! Arbeit, nicht Siechenhaus!“ deutlich. Die gesellschaftliche Teilhabe behinderter Menschen sollte durch Erwerbstätigkeit sichergestellt werden. Insbesondere durch die Institution Schule sollte für die Erziehung in die Gemeinschaft gesorgt werden. (DIPF/Orig.)The 1920s and 1930s in Austria are interesting for questions about special school education, as they are associated with the „development of state-responsible care for cripples“ (Fuchs 1999, n. p.). The situation in Vienna stands out due to Glöckel‘s school reform, which worked with various forms of experimental school and was interested in community-oriented educational work both structurally and methodically (cf. Engelbrecht 1995, 287). The magazine „Der Krüppel“ was published between 1927 and 1938 in the socalled Red Vienna. As a newsletter of the „Ersten österreichischen Krüppelarbeitsgemeinschaft“, it was an organ of people with disabilities who reported on their situation. An analysis of individual articles by special school director Radl reveals the educational goals pursued by the Viennese special school and the extent to which educational issues for children with disabilities were linked to institutions, social conditions, and political positions. Earning capacity through community education stands out as the major educational goal for children with disabilities. This is reflected in the magazine‘s motto „Arbeit, nicht Mitleid! Arbeit, nicht Siechenhaus!“. The social participation of disabled people should be ensured through gainful employment. The institution of school was to provide education in the community. (DIPF/Orig.

    (Reformpädagogische) Schulversuche in der bundesdeutschen Nachkriegszeit (1945–1959). Inklusion in sozialer und intersektionaler Perspektive

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    Die soziale Inklusion aller Kinder im Rahmen einer möglichst langen gemeinsamen Schulzeit war ein wesentliches Ziel sozialdemokratischer Bildungspolitik der Nachkriegszeit. Im Ringen um bessere Bildungschancen für Kinder aus sozial benachteiligten Gruppen spielten u.a. Vertreter*innen reformpädagogischer Ideen der Weimarer Republik eine Rolle. Obschon sich die Forschungszugriffe auf Reformpädagogik in den letzten Jahrzehnten diversifiziert haben, ist das integrative Potenzial reformpädagogischer Schulen über ihren programmatischen Anspruch hinaus bislang eine Leerstelle der Historiografie. Vor diesem Hintergrund wird am Beispiel der reformpädagogischen Schulfarm Insel Scharfenberg in Berlin in einer praxeologischen Perspektive untersucht, welche Formen der Auslese am Übergang zur weiterführenden Schule im Zeitraum von 1945 bis 1959 zur Anwendung kamen. Anknüpfend an die erziehungswissenschaftliche Entscheidungsforschung, die Auslese als Wechselspiel der An-, Auswahl und Erwählung versteht, werden sowohl die elterlichen Motive der Bewerbung für ihre Wunschschule analysiert als auch die schulischen Auswahlverfahren untersucht. Die Analyse zeigt auf, dass die Auswahlverfahren so konzipiert waren, dass sie eine größtmögliche Passung mit den pädagogischen Idealen und dem körperlichen wie kognitiven Leistungsanspruch zu erzielen erlaubten. Bildungsaufstiege waren unter diesen Bedingungen vor allem für Mädchen vermutlich nur eingeschränkt möglich. (DIPF/Orig.)The social inclusion of all children within the framework of the longest possible joint schooling was a key goal of social democratic education policy in the postwar period. In the struggle for better educational opportunities for children from socially disadvantaged groups, representatives of progressive educational ideas from the Weimar Republic played a role. Although research approaches to progressive education have diversified in recent decades, the integrative potential of the schools beyond their programmatic claim has so far been a blank space in historiography. Against this background, the example of the progressive Schulfarm Insel Scharfenberg in Berlin is used to examine from a praxeological perspective which forms of selection were used at the transition to secondary school in the period from 1945 to 1959. According to the educational decision research, selection can be understood as an interplay of choice, selection and election. That is why, both the parental motives for applying for their preferred school and the school selection procedures are analysed in this arcticle. As an result it is shown that the selection procedures were designed to achieve the best possible fit with pedagogical ideals and physical and cognitive performance requirements. Under these conditions, educational advancement was presumably only possible to a limited extent, especially for girls. (DIPF/Orig.

    Multi-, inter- oder transdisziplinär lehren und lernen – Schlüsselrolle Philosophieren

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    Mit Blick auf aktuelle Herausforderungen wird gegenwärtig an vielen Stellen im Bildungsbereich die Forderung nach multi-, inter- oder transdisziplinären Lehr- und Lernkontexten laut. Ein grundlegender und systematischer Diskurs darüber, wie Lehr- und Lernprozesse disziplinenübergreifend gestaltet werden können sowie die Entwicklung unterrichtspraktischer Instrumente entspricht einer dringlichen Forderung. Ziel dieses Aufsatzes ist es daher, anhand des Themas der Künstlichen Intelligenz aufzuzeigen, wie durch philosophische Reflexionsprozesse Bildungsprozesse insbesondere um eine moralische und epistemische Dimension erweitert werden können. Daran anknüpfend folgt die Vorstellung eines ersten Leitfadens für multi-, inter- und transdisziplinäres Lehren und Lernen. Anhand der Unterrichtsmethode des Stationenlernens wird dieser so ausgearbeitet, dass er für Lehr- und Lernsettings praktisch anwendbar ist. Den Abschluss bildet die Vorstellung der philosophiedidaktischen Drehscheibe als ein unterrichtspraktisches Instrument, das sowohl mit Schüler:innen als auch in der Lehrendenbildung vielseitig eingesetzt werden kann, um sich inter- und transdisziplinär mit Problemstellungen auseinanderzusetzen und diese reflexiv zu bewerten. (DIPF/Orig.

    Demenz und Bildung. Eine Biographieanalyse von Lern- und Bildungserfahrungen unter den Bedingungen einer Alzheimerdemenz

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    Lern- und Bildungsprozesse von Menschen mit Alzheimerdemenz sind bisher aus einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive nicht empirisch untersucht. Finden Lern- und Bildungsprozesse unter den Bedingungen einer beginnenden Alzheimerdemenz statt und, wenn ja, wie gestalten sich diese? Mithilfe der biographischen Erzählanalyse zeichnet die Autorin Erleidens-, Lern- und Bildungsprozesse von Menschen mit Alzheimerdemenz empirisch nach, um das Ineinandergreifen von Krankheit und Lebensführung zu verstehen. Es zeigen sich Bedeutungsverschiebungen beim Lern-Arrangement-Prozess mit der Krankheit, Bemühungen um die Aufrechterhaltung von Bildung und der Umgang mit schwindenden Fähigkeiten. (DIPF/Orig.

    Konstellationen und Transformationen. Zwischen alter und neuer Kritischer Theorie

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    In acht Beiträgen thematisiert der Band Konstellationen der Kritischen Theorie über Geschichte und Genealogie, Rationalität und Rationalitätskritik, Rechte und Rechtskritik sowie Theorie und Praxis. Auf Grundlage einer Rekonstruktion von Transformationen zwischen ›alten‹ und ›neuen‹ Ansätzen wendet er sich gegen das öffentlichkeitswirksame Narrativ der Unumkehrbarkeit von Paradigmenwechseln in der Geschichte der Frankfurter Schule. Stattdessen plädieren die Beiträge für die Relevanzen von philosophischen Einsichten gerade der Gründergeneration mit Blick auf aktuelle und gesellschaftlich virulente Fragestellungen von kritischen Theorien. (DIPF/Orig.

    Engagement im Zwiespalt. Erfahrungen ehemaliger Engagierter in Wohlfahrtsverbänden, Kirchengemeinden, Sportvereinen und Umweltinitiativen

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    Anhand von narrativen Interviews und Gruppendiskussionen mit Engagierten werden bindende und abträgliche Erfahrungen sowie die Relevanz von Engagementfeldern für Engagementdynamiken rekonstruiert. Mit dem Fokus auf die Erfahrungen der Engagierten und den Zwiespalt zwischen bindenden und abträglichen Erfahrungen im Engagement betritt dieser Band in mehrfacher Hinsicht wenig erforschtes Terrain: Er beschreibt die alltäglichen Herausforderungen, mit denen sich Engagierte auseinandersetzen müssen. Er erforscht spezifische Spannungsverhältnisse je nach Engagementfeld und zeigt, wie relevant dieser Kontext für das Verständnis von Engagementdynamiken ist. Er untersucht Engagement in seiner Prozesshaftigkeit. Analysiert werden auch die Verletzlichkeit im Engagement sowie unterschiedliche Vorstellungen von Kooperation. (DIPF/Orig.

    Was wirkt wie und warum? Wirkungsevaluationen in pädagogischen Handlungsfeldern für Demokratie und gegen Extremismus

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    Programme und Projekte zur Förderung von Demokratie und gegen Extremismus formulieren in der Regel ambitionierte Wirkungserwartungen. Der Nachweis, inwieweit sich diese erfüllen, ist anspruchsvoll. Die Beiträge des Sammelbandes diskutieren grundlegende Fragen von Wirkungsevaluationen und beschreiben und reflektieren anhand ausgewählter Beispiele, wie Wirkungen in den verschiedenen Handlungsfeldern angemessen untersucht werden können. Der Band richtet sich an Evaluierende und Evaluationsforscher:innen, an Auftraggebende und die pädagogische Fachpraxis. (DIPF/Orig.

    Repairing our attitude!? Zur Bedeutung einer dekolonialen Haltung für die Lehrer*innenbildung

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    Dekolonisierung erfreut sich seit einiger Zeit großer Beliebtheit, bleibt gleichzeitig aber auch vielfach unbeachtet. Um dem Fortwirken der Kolonialität von Bildung in der Lehrer*innenbildung und einer Re-Kolonisierung unserer Denk- und Handlungsmuster in der Bildungspraxis entgegenzuwirken, wird in diesem Beitrag, anhand zweier Strategien, eine Dekolonisierung als Haltung vorgeschlagen. Diese richtet sich nicht an eine spezifische Didaktik, sondern kann als bedeutsame kritisch-emanzipatorische Haltung für die unterschiedlichen Unterrichtspraxen verstanden werden. (DIPF/Orig.

    Cross-platform AI recommendation system in a digitalization training programme for adult education trainers

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    Die Autorinnen berichten über ein Pilotprojekt, in dem eine KI für :DTrain, ein Digitalisierungstraining für Lehrende in der Erwachsenenbildung, entwickelt wurde. Die Grundlage für :DTrain ist ein kompetenzorientiertes Curriculum, das berufsbezogene Digitalkompetenzen beschreibt. In diesem Digitalisierungstraining erstellt eine KI Lernsequenzen und greift dabei auf Daten verschiedener Lernplattformen zu. Dabei kommt ein pädagogisch orientiertes Multiagentensystem zum Einsatz. Sogenannte Agenten sind Softwareprogramme, die Aufgaben planen und auch bewerten, ob diese erfolgreich erledigt wurden. Das System kann aufgrund korrekter oder inkorrekter Antworten veränderte Lernsequenzen generieren. Dazu werden technische Schnittstellen benötigt und die entwickelte KI muss Daten aus den verschiedenen Speicherorten durch sogenanntes Datenmapping miteinander in Einklang bringen. Die Autorinnen erläutern in diesem Beitrag detailliert die technischen Voraussetzungen, damit Lernende reibungslos zwischen den Systemen wechseln können. Sie erklären z.B. sogenannte Middleware, die eine Übersetzungsfunktion zwischen Lernmanagementsystemen übernimmt, oder Authentifizierungsmechanismen, die die Identität von Benutzer*innen beim Wechsel von Plattformen prüfen. Für das Bildungsprogramm werden das Lernmanagementsystem EULE des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) und die vhs.cloud des Deutschen Volkshochschulverbandes (DVV) eingesetzt. Als Voraussetzungen für solche KI-basierten Angebote in der Erwachsenenbildung nennen die Autorinnen offene Standards, eine hohe Qualität der Metadaten, große Datenmengen und eine entsprechende technische Infrastruktur. (DIPF/Orig.)The authors report on a pilot project in which AI for :DTrain, a digitalization training programme for adult education trainers was developed. The basis for :DTrain is a skillsoriented curriculum that describes professional digital skills. In this digitalization training programme, an AI application produces learning sequences by accessing data from different learning platforms. An education-oriented multiagent system is used. Agents are software programmes that plan tasks and also evaluate whether they have been successfully completed. On the basis of correct or incorrect responses, the system can generate modified learning sequences. This requires technical interfaces, and the developed AI application must harmonize data from different storage locations through socalled data mapping. In this article, the authors explain the technical requirements in detail so that learners can alternate between the systems smoothly. For example, they explain middleware, which functions as a translator between learning management systems, or authentication mechanisms, which check the identity of users as they change platforms. The educational programme makes use of the EULE learning management system of the German Institute for Adult Education (DIE) and the vhs.cloud of the German Adult Education Association (DVV). As prerequisites for such AIbased offerings in adult education, the authors mention open standards, highquality metadata, large amounts of data and a suitable technical infrastructure. (DIPF/Orig.

    "Before I was introduced to Universal Design for Learning, I could only imagine designing my future lessons inclusively to a limited extent.". Analysis of reflective memos from pre-service teachers

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    Zur Umsetzung von Inklusion braucht es Professionalisierungsmaßnahmen für Lehrkräfte. Der Artikel stellt Ergebnisse der Auswertung reflexiver Memos vor, die von Studierenden in An­schluss an eine Videoanalyse von Unterrichtsvideos mit dem UDL als Analyserahmen erstellt wurden. Es wird untersucht, inwiefern eine Entwicklung des Wissens, der Einstellungen und der Darstellung von inklusionsbezogener Selbstwirksamkeitserwartung dargestellt wird und wie die Studierenden argumentieren. Die Ergebnisse zeigen, dass das UDL als Analyserahmen beson­ders aufgrund seiner ausführlichen Guidelines als geeignetes Instrument eingeschätzt wird und die Professionalisierungsprozesse der Studierenden unterstützen kann. (DIPF/Orig.)Teachers need to be professionalized in order to implement inclusion. The article presents the results of the evaluation of reflective memos produced by pre-service teachers following a video analysis of classroom videos using the UDL as a framework for analysis. It examines the extent to which a development of knowledge, attitudes and the representation of inclusion-related self-efficacy expectations is presented and how the students argue. The results show that the UDL as an analytical framework is considered a suitable instrument, particularly due to its detailed guidelines, and can support students\u27 professionalization processes

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