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Wirklich wahre Wirklichkeit VL 00
Dietrich Leder/ Hans Ulrich Reck
Wirklich wahre Wirklichkeit – Über Reali(sm)en
Theorie Film/ Kunst/Medien GS
3st
MO 14 Uhr bis 18 Uhr
Beginn: 21. Oktober 2013
Ort: Aula
Die mit Dietrich Leder gemeinsam konzipierte und Schritt für Schritt in Feinabstimmung
durchgeführte Lehrveranstaltung bietet Vorträge, Gespräche, Demonstrationen,
Auseinandersetzungen von/ mit/ zu einem Thema, das quer durch die Zeiten und
medialen Praktiken und Strategien unterschiedlich thematisiert worden ist.
Regulativ soll gelten: Wirklichkeit, die uns als eigentliche oder wahre, zumindest als
evident 'reale' erscheint, ist immer eine, die den Modalitäten unserer Erfahrungen und
damit auch den Bedingungen (oder: dem Apparatebau) unserer Wahrnehmung und
Kognition entspricht. Sie ist also nie abbildend, sondern immer mit-konstruierend. Für die
Inszenierungen von Wahrheit als Wirklichkeit hat das Auswirkungen. 'Wahr' ist keine
einfache Referenz auf Wirklichkeit, sondern eine funktionale, je perspektivierende
Modellierung.
Es sollen Konzepte – aus Philosophie und Literatur, bildender Kunst und
Kinematographie, Television und Werbung, Zivilisation, Bildmedien und Alltagskultur –
erörtert werden, Werke und Beispiele, die sich der einfachen Opposition von
'dokumentarisch' versus 'fiktiv' entziehen. Es ist das vielgliedrige Prinzip Realismus, zu
dem wir arbeiten, uns auseinandersetzen und austauschen. Es geht nicht um eine, sondern
um viele Weisen des Wirklichkeitsbezugs und der Inszenierung von Wirklichkeiten.
'Realismus' ist ein Begriffsgefüge, dem je nach historischer Situation verschiedenes, immer
aber ein Anspruch auf 'Wahrheit' und nicht nur Empirie und Fakten innewohnt.
Qualifikationsanforderungen: Ausgebaute, nachrecherchierte Protokolle mit
Quellenverzeichnis
Biological machines and the mechanization of life
During its long history from antique hand-operated instruments to modern information processing automata the notion of the machine has several times received a shift in meaning. Today the concept of the machine has completely lost its attachment to any concrete material and is instead characterized by its functional behavior. Symbolic machines, i.e. the mathematical idea to mechanically operate with symbols, became a fundamental skill in many different scientific disciplines. In this paper we take a look on synthetic biology from the computational point of view and especially address the question whether it will once more challenge the notion of the machine. One obvious consequence of future biotechnologies is that we cannot any longer draw a strict line between technique and life. In the past machines did not assemble, maintain and reproduce themselves, they had to be fabricated by man and required human monitoring and directing. Through the technical use of biological processes this hallmark of the living becomes untenable. Self-strategies and especially self-referential functional descriptions like self-assembly, self-reproduction, and self-modification are at the center of the convergence of the natural and the artificial. Conversely the adoption of life-like qualities by technical artifacts will also challenge our image of life and organisms and our understanding of what aliveness could mean
Kap Europa
Die letzte Vorlesung im Zyklus WestOstOstWest beginnt Hans Ulrich Reck mit Ausführungen zu Begriffen der Zivilisation. Er integriert Exkurse zu Jacques Derridas »Das andere Kap. Die vertagte Demokratie« und Paul Valérys »Die Krise des Geistes«. Des Weiteren widmet sich Reck dem türkischen Autor Orhan Pamuk und dessen Bezügen zu Istanbul. Zivilisationstheorie und politische Diskurse zum Verhältnis von Europa und der Türkei werden anhand von Texten von Claus Leggewie und Bassam Tibi erörtert. Außerdem spricht Reck über arabo-andalusische Musik sowie musikalische Ausdrucks- und Lebensformen eines rund ums Mittelmeer migrierenden Proletariates und Subproletariates (Fado, Rembetika, cante jondo), die in verschiedenen Tonbeispielen exemplarisch zu Gehör gebracht werden. Abschließend thematisiert Reck noch die Orientreise von Le Corbusier aus dem Jahre 1911, welche dieser in zahllosen Skizzen dokumentiert und mit eigenen architektonischen Auffassungen und Vorschlägen mischt. - Audiolectures 04,11
Wirklich wahre Wirklichkeit VL 05
VL 5: 18. 11. 2013
Diverse Montagen/ Konzepte, Begriffe: eingreifende funktionale Realitätsmontagen
In der fünften Vorlesung entfaltet Hans Ulrich Reck das zunächst klassische Panorama der
visuellen Montagen, wie sie besonders als Agitationsform in den1920er Jahren und der so
genannten Weimarer Republik eine wichtige Rolle im öffentlichen Leben und den
politischen Kämpfen, in Sonderheit als gegen-hegemoniale Strategie des linken
Radikalismus spielten.
Darlegungen zu John Heart"eld und George Grosz werden ergänzt durch Exkurse zum
Dadaismus und zur Pop Art. Die Beispiele werden zudem eingebettet in theoretische
Überlegungen zur Werberhetorik/ zu PR, zu Vorgängen der Imitationen, Strategien der
Fiktionalisierung, Täuschung und Selbsttäuschung.
Texte:
– Hugh Kenner, Von Pope zu Pop. Kunst im Zeitalter von Xerox, München 1969 (wieder
aufgelegt 1995 als Fundus-Buch im Verlag der Kunst Dresden/ Basel)
– Karl Corino (Hrsg.), Gefälscht! Betrug in Literatur, Kunst, Wissenschaft, Musik und Politik,
Nördlingen 1988
– Umberto Eco, Fakes and Forgeries, in: Versus. Quaderni di studi semiotici, Milano 1987,
Nr. 46 'Fakes, Identity and the Real Thing', S. 3 f
Wirklich wahre Wirklichkeit VL 01
VL 1: 21. 10. 2013
Anhand von Buñuel und Pasolini
In der ersten Vorlesung bietet Hans Ulrich Reck eine kurze Einführung und
Erläuterungen dar der Inhalte, Formen, Arbeitsweisen und Anforderungen. Behandelte
Themen: Luis Buñuel, Surrealismus, Buñuel/ Dali, 'Ein andalusischer Hund'; Exkurs zu
Pier Paolo Pasolini ('Sopraluoghi' und 'Appunti'; Auszüge aus der 'afrikanischen Orestie'
und zu Palestina).
Texte:
– Stichworte 'Film und Traum' und 'Surrealismus' (versch. Eintragungen in:) Hans Ulrich
Reck, Traum. Enzyklopädie, München 2010, S. 421-432 und 623-640
– Hans Ulrich Reck, 'Dunkle Erkundungen eines verstummenden Echos' Natur und
surrealistischer Film, in: Hans Ulrich Reck, Spiel Form Künste. Zu einer Kunstgeschichte des
Improvisierens, Hamburg 2010,. S. 115-153
– Karin Orchard/ Jörg Zimmermann (Hrsg.), Die Er!ndung der Natur. Max Ernst, Paul Klee,
Wols und das surreale Universum, Ausstellungskat. Sprengel Museum Hannover, Freiburg,
1994
– Hans Ulrich Reck, Pier Paolo Pasolini, München: Fink (Reihe 'directed by') 2010, bes. S.
71-106 (Kapitel 'Arbeitsweise: Film und Kino als kinematographische Untersuchungen zu
einer Semiotik des Realen')
– Film-Traum-Bild bei Pasolini, in: Hans Ulrich Reck, Traum. Enzyklopädie, München
2010, S. 432-43
Wirklich wahre Wirklichkeit VL 03
VL 3: 4. 11. 2013
Technische Bilder als Studienmaterial (und zur Normierung) des Realen – Eadweard
Muybridge (und Harun Farocki)
In der dritten Vorlesung rekapituliert zunächst Hans Ulrich Reck die Positionen, Thesen
und Konsequenzen des Themas der Bilderkriege. Sodann erörtert Dietrich Leder am
Beispiel der Reihenbilder von Eadweard Muybridge (ab 1878), die dieser selbst zum
Laufen brachte und als Kürzest"lme öffentlich vorführte, die technischen und historischen
Bedingungen, Voraussetzungen und Chancen solcher zu wissenschaftlichen Studien
entwickelten fotogra"scher Bilderreihen und visuellen Sequenzen. Es geht um den
Leistungsfähigkeit eines Empirismus, der nicht zuletzt die Körper eroberte und zugleich
modellierte, und der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts technischer Apparate
wie Fotokamera und Röntgengerät bediente, die ein subjektunabhängiges und also
realistisches Abbild der Körper boten, zugleich aber Subjektspinnereien wie
Geistererscheinungen/ Geistersehen zu dokumentieren hatten.
Primärmaterial: Reihenbilder von Muybridge.
Sekundärliteratur: Bernd Stiegler: Philologie des Auges. Die photographische Entdeckung der
Welt im 19. Jahrhundert. München 2001.
Dietrich Leder: Der sexualisierte Blick der technischen Medien. In: Daniela Schaaf/Jörg-Uwe
Nieland (Hg.): Die Sexualisierung des Sports in den Medien. Köln 2012. S. 81 ff
Die Sizilianischen Förster
Zwei Jahre nach Erscheinen seiner mathematisch verfassten Arbeit „KYBERNETIK, oder Regelung und Kommunikation bei Tier und Maschine“ veröffentliche Norbert Wiener auf Drängen einiger Freunde ein weiteres Buch, das seine Theorien auch Laien zugänglich machen sollte. In diesem zweiten Buch verschwinden alle mathematischen Zeichen, dafür werden von Wiener die sozialen Folgen der Kybernetik herausgearbeitet. Das neue Buch trägt im Original den Titel „The Human Use of Human Beings (Cybernetics and Society)“. Die deutsche Übersetzung verzichtet auf den gesellschaftlichen Anspruch und titelt schlicht „Mensch und Menschmaschine“. Wiener macht deutlich, dass durch das neue Maschinenzeitalter »die unmittelbare Zukunft der menschlichen Gesellschaft von düsteren Gefahren umgeben ist und wir unseren Kurs anhand von Seekarten der Fortschrittsidee verfolgen, auf denen die drohenden Untiefen nicht verzeichnet sind«. Auch wenn die Gefahren heute andere sind als 1950, so sind doch die Seekarten nach denen Politik und Wirtschaft in Bezug auf die Technik navigieren die alten. Und Wieners Frage »Was sollen wir nun in dieser Lage tun?« ist ohnehin zeitlos. Im Bewusstsein der Gefahr, leicht in die Nähe alter ideologischer Fahrwasser der Kybernetik zu geraten oder verschrobenen Phantasien nachzuhängen ganze Gesellschaften ließen sich als riesiger Homöostat modellieren und simulieren, soll im Rahmen eines kleinen Workshops im Juli 2013 trotzdem erneut die Frage gestellt werden, was das Zusammendenken von Kybernetik und Gesellschaft in der aktuellen Problemlage leisten könnte. Können kybernetische Begriffe und damit verbundene Methoden wie Feedback, Blackbox, Information, Homöostase, blinder Fleck, Selbstreferenz, Selbstorganisation, Autonomie, strukturelle Kopplung und Autopoiese überhaupt etwas zum Verständnis sozialer Strukturen beitragen? Die Kybernetik ist mathematisch und abstrakt. Wo bleiben die Werte, nach denen eine Gesellschaft sich ausrichtet? Liegen diese nicht immer jenseits systemtheoretischer Möglichkeiten? Ist es vielleicht trotzdem möglich, Orientierungshilfen auf den abstrakten Fundamenten neuerer kybernetischer Erkenntnisse zu gründen? Warum soll es nicht wenigstens kybernetisch--‐motivierte Handlungsstrategien geben, die sich in vernetzten Sozialstrukturen als überaus brauchbar erweisen? Was taugt zum Beispiel Luhmanns soziologische Systemtheorie als Bedienungsanleitung? Oder lassen sich Gesellschaftsdynamiken grundsätzlich nicht vollständig modellieren? Der folgende Text stellt keine Antworten vor, sondern versucht zunächst aus subjektiver Perspektive die Problemlage zu umreißen
Filmabend: "Microphone"
Zusätzlich zum Vorlesungszyklus WestOstOstWest wird hier der Film „Microphone“ von Ahmad Abdallah präsentiert. Einführend und anschließend sprechen und diskutieren Hans Ulrich Reck und Amin Farzanefar, der Journalist und exzellenter Kenner der iranischen Filmszene ist und der diesen Film als Element einer vierteiligen Reihe zu Subkulturen in der islamischen Welt ausgewählt hat.
Inhaltsangabe von Amin Farzanefar: Erst ein paar Jahre alt und als „Film zur Revolution“ schon ein Klassiker: „Microphone“ gewann Hauptpreise der arabischen Festivals, weil er - kurz vor dem „arabischen Frühling“ - eine Zäsur innerhalb des ägyptischen Kinos darstellt. Die Story: Khaled, ein heimgekehrter Exilant verzweifelt mit seinen neuen Ideen am Beamtenapparat. Erst der Kontakt mit der Szene der Skater, Graffitikünstler, Rapper und Videofilmer in den Straßen Alexandrias gibt ihm wieder Hoffnung. Das Aufeinanderprallen von offizieller und Underground-Kultur prägt auch das Produktionsumfeld: Regisseur Abdallah entstammt einer Gruppe unabhängiger Filmemacher, die wenig später als Akteure der Revolution an vorderster Stelle standen. - Audiolectures 04,12
Nachklänge des Ornamentalen
In dieser Vorlesung vertieft sich Hans Ulrich Reck in die Thematik des Ornaments. Besonders geht er auf Art Nouveau am Beispiel der 'Schule von Nancy' ein. Dabei spielen der französische Künstler und Architekt Émile André, seine ausführlichen Orientreisen, der Wandel des bürgerlichen Geschmacks in der Kulturelite der Stadt Nancy und die hier stilprägend werdenden Bemühungen um die Reform von Architektur, Design, Ausstattung, Interieurs und Objektkultur zur fin-de-siècle-Zeit um 1900 eine besondere Rolle. In die Erörterung der Reformbewegungen für einen gewandelten Nutzen (kulturelle Geschmacksevolution), aber auch im Bereich der Ausbildung von Techniken und Gestaltungspraktiken für die angewandten Künste integriert Reck einen Exkurs zum „Orientalismus“ im 19. Jahrhundert. - Audiolectures 04,9
OstWestOst
Im Rahmen der »Term Start Lectures« an der KHM – einer Veranstaltungsreihe, bei der verschiedene Lehrende aus ihren aktuellen Forschungsschwerpunkten berichten, insbesondere zum Ertrag aus Forschungsfreisemestern und künstlerischen Entwicklungsvorhaben – – stellt Hans Ulrich Reck hier Überlegungen zu Kulturtransfers vor, welche die Verbindungen zwischen Orient und Okzident verdeutlichen. Mit den Formulierungen aus dem Ankündigungstext zum öffentlichen Vortrag: "Zauber der Poesie, Lockungen eines 'sinnlichen' Orients' – Klischee über Klischee. Aber hinter den Kulissen viel Reales: Der ost-westliche Kunst- und Kulturtransport ist wirksam nicht nur in der Malerei, sondern auch der Stadtgestaltung und Architektur. So ist beispielsweise der 'weiße Würfel' von Le Corbusier und Gropius ein Import aus dem Maghreb bzw. dem südlichen europäischen, vor allem aber dem nordafrikanischen Mittelmeerraum. Besonders eindringlich sind Wirkungen und Faszinationen im Bereich der Aneignung, Appropriation und Anleihen beim orientalischen Ornament." - Audiolectures 04,2a