Zeitschrift für Soziologie
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Determinantes for Respondents' Susceptibility to Social Desirability Bias. A Comparison of Predictions from Rational Choice Theory and the Model of Frame-Selection
Die Rational-Choice Theorie und deren Generalisierung im Modell der Frame Selektion beanspruchen beide eine vollständige und die Interdependenz der Entstehungsfaktoren berücksichtigende Erklärung des sozial erwünschten Antwortverhaltens in Umfragen. Die hierbei vorhergesagten Erklärungsfaktoren wurden bisher nur unvollständig und oft mit widersprüchlichen Ergebnissen empirisch untersucht. Der vorliegende Beitrag überprüft daher theorievergleichend zentrale Vorhersagen der beiden Ansätze am Antwortverhalten über Einstellungen zu Ausländern. Die Ergebnisse bestätigen im ersten Schritt die Vorhersagen der "reinen" Rational-Choice Theorie, wonach mit sozial erwünschtem Antwortverhalten nur dann zu rechnen ist, wenn die motivationalen, kognitiven und sozialen Vorbedingungen gleichzeitig erfüllt sind. Diese bereits sehr differenzierte Prognose erweist sich allerdings bei der Analyse der im Modell der Frame-Selektion zusätzlich angenommenen kulturellen Faktoren als unvollständig. Mit diesen Determinanten einer "kooperativen" Rahmung der Interviews lässt sich die vollständige Ausschaltung instrumentell rationaler Anreize durch soziale Erwünschtheit vorhersagen. Die Gültigkeit der Rational-Choice Theorie ist demnach auf wichtige, aber eben nur spezielle und im Rahmen des Modells der Frame-Selektion vorhersagbare Bedingungen beschränkt.Rational choice theory and its generalization in the model of frame-selection both claim to be exhaustive explanations of socially desirable response behavior in surveys, which allows researchersto take the interaction of explanatory factors into account. The determinants predicted in these approaches have been tested only incompletely and, in part, with inconsistent results. The following article analyzes some of the main hypotheses of both approaches, using responses about attitudes towards ethnic outgroups. In the first step the analysis confirms the predictions from straightforward rational choice theory. Accordingly, socially desirable response behavior only is to be expected when the motivational, cognitive and social preconditions are fulfilled simultaneously. This already very differentiated explanation proved to be incomplete when the additional cultural factors assumed in the model of frame-selection were analyzed in a second step. These determinants for the respondents' tendency toward a "cooperative" framing of the interview permits an identification of those conditions when instrumentally rational incentives are completely eliminated by the factor of social desirability. According to our results the validity of rational choice theory is restricted to important but specific conditions which are predicted in the model of frame-selection
Findings from the Readers' Survey on the "Zeitschrift für Soziologie"
Kein Abstract vorhandenNo abstract availabl
Unintended Consequences - A Fundamental Concept of Sociology or an Inessential Idea?
Die Bedeutung des Begriffs der unbeabsichtigten Folgen ist umstritten. Eine Arbeitsgruppe des Deutschen Soziologentages hat sich 1980 mit Poppers These auseinander gesetzt, die Untersuchung unbeabsichtigter Folgen sei die Hauptaufgabe der Soziologie, und ist zu dem Schluss gekommen, es handele sich im Gegenteil um ein verzichtbares Konzept. Diese bislang nicht wieder aufgegriffene Argumentation soll widerlegt, ein Vorschlag zur Begriffsklärung vorgelegt und die Bedeutung unbeabsichtigter Folgen für die Soziologie diskutiert werden.The meaning of the concept of unintended consequences is controversial. A working group at the German Sociology Congress of 1980 discussed Popper's claim that tracing unintended consequences is the principal task of sociology. The group came to the conclusion that this concept is, in fact, an inessential one. This article re-examines and refutes the group's conclusion, provides some clarification of the concept itself, and discusses its importance for sociology
"On the Origin of Inequality Among Men". About the Past and Present of a Key Sociological Question
Obwohl soziale Ungleichheit ein zentrales Forschungsgebiet der Soziologie darstellt, sieht es nicht danach aus, als verfüge das Fach über eine schlüssige und allseits anerkannte Theorie, die erklärt, warum es Ungleichheit gibt. Insbesondere fehlt es an einer Theorie der Einkommensungleichheit in Marktwirtschaften. Rousseaus "Discours sur l´inegalité" steht am Anfang einer kontroversen Diskussion. Auch wenn Rousseaus Abhandlung sich über weite Strecken in Rhetorik erschöpft, enthält sie zwei wichtige Fingerzeige für die Beantwortung der Frage nach dem Ursprung der Ungleichheit. Sie entsteht zum einen durch Abweichungen von einem ursprünglichen Zustand der Gleichheit; diese Abweichungen beruhen zum anderen auf "Landnahme", d.h. der Monopolisierung eines nicht beliebig vermehrbaren Produktionsfaktors. Diese beiden Ideen aufgreifend möchte der Aufsatz zeigen, daß Entlohnungsunterschiede in Marktwirtschaften sich ausschließlich aus Wettbewerbsbeschränkungen ergeben. Im Konkurrenzgleichgewicht gibt es keine Entlohnungs-, sondern allenfalls Ausstattungsunterschiede. Die vollständige Konkurrenz würde differentielle Faktorentlohnungen eliminieren und sicherstellen, daß die Erträge strikt proportional zu den Investitionen sind. Wettbewerbsbeschränkungen hingegen bilden die Grundlage für die Zahlung ökonomischer Renten an den von der Marktschließung begünstigten Personenkreis. Solche Renteneinkünfte, d.h. Zahlungen über den Betrag hinaus, der erforderlich ist, die Abwanderung von Produktionsfaktoren in eine andere Verwendung zu verhindern, bedingen eine strukturelle, also nicht lediglich auf individuellen Qualifikationsunterschieden fußende Einkommensungleichheit.Although social inequality is a central area of research in sociology it does not look as if the discipline is able to provide a conclusive and generally accepted answer to the question about the sources of inequality. In particular, a theory of income inequality in market societies is not available. Rousseau's "Discours sur l´inegalité" inaugurated a long-standing controversial debate. Although it amounts, for long stretches, to nothing more than rhetoric, it, nevertheless, contains two important suggestions for answering the question: inequality arises by deviating from an original state of equality; these deviations originate in enclosures, i.e. the appropriation of resources whose supply is limited. In taking up these ideas this paper sets out to demonstrate that differences in remuneration in market societies result exclusively from processes of monopolistic closure. In competitive equilibrium there are no differences in compensation but only differences in endowment. Perfect competition eliminates the differential remuneration of factors of production thus guaranteeing that returns are strictly proportional to investments. Restraints of trade, however, are the social basis for the payment of economic returns to groups advantaged by the closure of markets. Economic returns beyond the amount necessary to keep a factor of production in its present condition of employment, represent a structural inequality of income not reducible to individual skill differences
Studies on Max Weber's Sect as an Ideal Type and the Genesis of the Rational Way of Life. The Example of Mennonite Peasant Families in Southwest Germany (1632-1850)
Den Ausgangspunkt des Aufsatzes bildet die Frage, ob und inwiefern die These von der protestantischen Ethik Max Webers und der von ihm entwickelte Sektentypus als geeignete Interpretamente anzusehen sind, um das religiöse Selbstverständnis sowie das Sozial- und Wirtschaftsverhalten mennonitischer Bauernfamilien im linksrheinischen deutschen Südwesten zwischen 1632 und 1850 plausibel zu rekonstruieren und zu analysieren. Auf der Grundlage einer kritischen Würdigung des religionssoziologischen Ansatzes Max Webers und unter Berücksichtigung neuerer Forschungsansätze der Täuferforschung werden die Grade der Abweichung der mennonitischen Glaubensgemeinschaften im deutschen Südwesten vom Idealtypus der Sekte in den Bereichen Bekenntnisentwicklung, Organisations- und Ämterstruktur, familiäre und verwandtschaftliche Verankerung der Glaubensgemeinschaft und soziale Differenzierung vorgestellt und erläutert. Im Ergebnis wird der von Max Weber allen Mitgliedern protestantischer Sekten unterstellte Individualismus und Habitus rationaler Lebensführung, der als wesentlicher mentaler Faktor für die Ausprägung des kapitalistischen Geistes anzusehen ist, weitgehend auf bestimmte Mitglieder eingeschränkt, die informelle und formelle Führungsaufgaben übernahmen. Die Genese rationaler Lebensführung wird hypothetisch als das Produkt dialektischer Prozesse endogener und exogener Faktoren beurteilt. Zu den endogenen Faktoren gehören Abkehr von Mission, Anerkennung der Obrigkeit, kirchenähnliche Gemeindebildung, Schärfung der Kirchenzucht und Intensivierung innerweltlicher Askese sowie Zuwachs zentraler Aufgaben bei einzelnen Mitgliedern, zu den exogenen Faktoren sind tolerantere Religionspolitik und wachsende Bedeutung ökonomischer Zielvorgaben der Obrigkeiten, verbesserte Rechtslage für Minderheiten sowie Verdichtung und Dynamisierung von Marktbeziehungen zu zählen.This article starts from the question, if and to what extent MaxWeber's thesis of the Protestant Ethic and his ideal type of the sect are suitable for analysing the religious mentality and social and economic behavior of Mennonite peasant families in South West Germany on the left bank of the Rhine between 1632 and 1850. After a critical appreciation of Weber's approach and a consideration of new concepts in the research on Mennonites the differences between Mennonites in South West Germany and the ideal type of the sect are pointed out and explained in respect to religious group formation, the structure of the organization and its offices, family roots and relationships in the religious community, and social inequality. The conclusion is that individualism and the rational way of life, which Max Weber attributed to all members of Protestant sects and which he thought be a crucial mental factor for the spirit of capitalism, was limited to group members with formal and informal leadership functions. The article puts forward the hypothesis that the genesis of a rational way of life results from dialectical processes involving endogeneous and exogeneous factors. Some of the endogeneous factors are the renunciation of mission, the acceptance of secular authority, community formation similar to church organization, a sharpening of sect discipline, intensified asceticism, and the concentration of central tasks on special members. Exogenous factors, in contrast, include more tolerant religious policies, the increasing importance of economic goals on the part of the authorities, the improved legal position of minorities, and more dynamic and denser market relations
General Theory of Action? Inconsistencies in Hartmut Esser's Action Theory
In dem Beitrag wird Hartmut Essers Anspruch, eine "general theory of action" vorgelegt zu haben, kritisch untersucht. Im Ergebnis zeigt sich, dass Essers Handlungstheorie behebbare Inkonsistenzen aufweist, die sich auf die Modellierung der theoretischen Aussagen beziehen. An dieser Stelle wird der Einsatz von Fuzzy-Logic für eine angemessenere und einfachere Modellierung vorgeschlagen. Grundsätzlich wird in Frage gestellt, ob die mit dem Framing-Konzept einhergehende "Psychologisierung der Soziologie" der richtige Weg für eine Soziologie ist, die an der Erklärung sozialer Aggregationen interessiert ist.In this article Hartmut Esser's claim to have designed a "general theory of action" is analyzed critically. This reveals is that Esser's action theory contains remediable inconsistencies due to the modeling of the theoretical statements. The application of fuzzy-logic is proposed to provide for more adequate and simpler modeling. Basically it is questionable whether the "psychologization of sociology," which is a consequence of his framing-concept, is the right way for a sociology that is interested in explaining social aggregations
Who Gets How Much Profit?. A Theory of Exchange Networks and Its Applications
Ausgehend von exogen vorgegebenen Verhandlungsnetzwerken erklären soziologische Tauschtheorien bilaterale Aufteilungen von festgelegten Überschüssen (z. B. Kuchen, Geld) als Folge der strukturellen Einbettung der Tauschpartner. Entsprechend der verfügbaren experimentellen Befunde konzentrieren wir uns auf einfache Tauschnetzwerke und legen ein formales Modell zur Vorhersage der Profitaufteilung in solchen Strukturen vor. Im Gegensatz zu anderen Ansätzen verbinden wir die generalisierte Nash-Verhandlungslösung aus der Spieltheorie mit der Annahme, dass sowohl relationale Eigenschaften als auch Netzwerkpositionen die Tauschergebnisse beeinflussen. Die resultierenden Punktvorhersagen für Profitaufteilungen stimmen gut mit experimentellen Befunden von Cook et al. (1983), Lovaglia et al. (1995), Markovsky, Willer und Patton (1988), Simpson und Willer (1999), Skvoretz und Fararo (1992), Skvoretz und Willer (1993) sowie Yamagishi, Gillmore und Cook (1988) überein.Starting from exogenously given negotiation networks, sociological exchange theories explain bilateral divisions of fixed surpluses (e.g. cake, dollars) as consequences of the partners' structural embeddedness. In accordance with the available experimental evidence, we focus on simple exchange networks and present a formal model for predicting profit distribution from such structures. In contrast to other approaches, we combine the generalized Nash bargaining solution from game theory with the assumption that both relational features and network positions affect exchange outcomes.The resulting point predictions for profit distribution correspond closely with experimental results obtained by Cook et al. (1983), Lovaglia et al. (1995), Markovsky, Willer, and Patton (1988), Simpson and Willer (1999), Skvoretz and Fararo (1992), Skvoretz and Willer (1993) as well as Yamagishi, Gillmore, and Cook (1988)
Employment Regulations between Exclusion and Inclusion. An International Comparison of Labor Market Institutions
In den angelsächsischen Ländern und in Skandinavien haben sich inklusive Beschäftigungsordnungen entwickelt, während die kontinental- und südeuropäischen Länder durch exklusive Beschäftigungsordnungen gekennzeichnet sind. Dies ist das Ergebnis unterschiedlicher institutioneller Rahmenbedingungen: Die Einbeziehung der erwerbsfähigen Bevölkerung ins Erwerbsleben hängt in erheblichem Maß von den industriellen Beziehungen, der Sozial- und Steuerpolitik, den Mustern privater Lebensführung und dem Bildungssystem ab. Der relative Einfluss dieser Faktoren wird am Beispiel von 19 entwickelten OECD-Ländern für die 80er und 90er Jahre überprüft. Es zeigt sich, dass eine expansive Bildungspolitik, eine beschäftigungsorientierte Steuerpolitik, eine offensive Familienpolitik und eine Flexibilisierung von Arbeitszeitordnungen den beschäftigungspolitisch eher negativen Auswirkungen eines ausgebauten öffentlichen Dienstes und entwickelter sozialstaatlicher Absicherungen entgegenwirken können. Die Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung verschiedener Altersgruppen und Geschlechter sind sehr unterschiedlich: Von einem starken Kündigungsschutz und einer stärkeren Lohnspreizung profitieren vor allem Männer, während die Erwerbstätigkeit von Frauen durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, familienbezogene Dienstleistungen und Zahlungen und ein höheres Ausbildungsniveau befördert wird. Ältere Arbeitnehmer profitieren von Altersteilzeit und einer stärkeren Lohnspreizung. Während die süd- und kontinentaleuropäischen Länder eher durch industriell geprägte Normalarbeitsverhältnisse geprägt sind, begünstigen die arbeitsmarktregulierenden Institutionen in den skandinavischen und angelsächsischen Ländern eine Ausweitung persönlicher und sozialer Dienstleistungen.While Anglo-Saxon and Scandinavian countries are characterized by inclusive employment regulations, Continental and Southern European countries have developed more exclusive employment regulations. This is the result of different institutional frameworks: Inclusion in employment depends to a considerable extent on national economic and institutional structures, for example, on the systems of industrial relationships, on social and taxation policies, on the patterns of private and family life, and on the educational system. The relative impact of these factors is verified on the basis of cross-national data for 19 OECD countries from the 1980s and 1990s. It can be shown that a dynamic educational policy, employment-centered taxation policies, an active family policy, and more flexible working-time arrangements can counteract the rather negative employment impact of strongly developed social security systems and public services. The effects on the labor market participation of different age groups and sexes are very different: Above all, men profit from strong employment protection legislation and stronger wage differentiation while the labor market participation of women is facilitated by a better balance between work and family life, family services and cash benefits, and a higher education. Older employees profit from part-time work and stronger wage differentiation. While the Mediterranean and Continental European countries are shaped by industrial employment relationships, the labor market institutions of Scandinavian and Anglo-Saxon countries facilitate the expansion of personal and social services
Child Care and Fertility in Germany
Eine zentrale Rolle in der Diskussion um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielt die Versorgung mit bedarfsgerechter Kinderbetreuung. Eine umfassendes Angebot an Betreuungsplätzen fördert jedoch nicht nur die Müttererwerbstätigkeit, sondern könnte sich auch positiv auf Fertilitätsentscheidungen auswirken. Im vorliegenden Beitrag untersuchen wir auf Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik den Einfluss der regionalen Verfügbarkeit von Kinderbetreuung auf das Geburtenverhalten west- und ostdeutscher Frauen in den Jahren 1996 bis 2000. Zentrales Ergebnis unserer Analyse ist, dass in den östlichen Bundesländern die Verfügbarkeit institutioneller Kinderbetreuung den Übergang zum ersten Kind positiv beeinflusst, während sich in den westlichen Bundesländern allein die Verfügbarkeit informeller Betreuung durch Großmütter als statistisch signifikant erweist. Verantwortlich hierfür dürfte in erster Linie das unterschiedliche Niveau der öffentlichen Betreuungsinfrastruktur in Ost und West sein, was sich insbesondere bei der Versorgung im Krippen- und Hortbereich sowie bei der Verfügbarkeit von Ganztagsplätzen zeigt.The provision of child care plays a crucial role in the current discussion about higher compatibility of family with employment. The availability of day-care for children may not only support the employment of mothers, but may also have a positive effect on fertility decisions. In this paper, we use data from the German Socio-Economic Panel (SOEP) as well as official statistics to investigate the influence of the regional supply of child care on East vs. West German women's childbearing behavior in the years 1996 to 2000. The main result of our analysis is that the availability of public day-care has a positive impact on the transition to the first child in the East, while only the availability of informal care by grandmothers has a statistically significant effect in the West. The primary reason for this is likely to be the very different levels of child care provision in East and West, particularly as regards the day-care infrastructure for toddlers and school-age children and the availability of full-time care
Peer Review Research - Reviewed
Der Aufsatz bietet einen Überblick über die Hauptfelder der Peer Review Forschung, also jenes Segments der Wissenschaftsforschung, das sich mit dem zentralen Evaluationsverfahren wissenschaftlicher Praxis befasst. Er kommt zu einem kritischen Befund: Die Peer Review Forschung ist auf verquere Weise in eben die Evaluationspraxis verstrickt, die sie doch professionell beobachten müsste. Der Grund ist ein Mangel an soziologischer Durchdringung des Gegenstands. Der Aufsatz plädiert daher für eine theoretische Neuorientierung von Personen auf soziale Prozesse, von Reliabilitätsmessung auf Dissensanerkennung, von Kognition auf Sprech- und Schreibpraxis sowie von Publikationszählungen auf Kommunikationsforschung. Denn der Peer Review ist kein wissenschaftliches Messverfahren für die Güte von Publikationen, sondern eine soziale Einrichtung zur Kalibrierung der Lesezeit einer Disziplin.Peer review research is the sphere of academic studies dealing with the central mechanism of the self-evaluation of scholarly practice. This article offers a critical review of practices. It seems that peer review research is deeply involved in the selfsame evaluative process which it should be observing with professional distance. The reason is a lack of sociological conceptualization of this activity. The article pleads for a theoretical reorientation from persons to social processes, from measures of reliability to acknowledgement of dissent, from cognition to speech and writing practices, and from publication counts to research in communication. Peer review is not a scientific measurement of the quality of publications, but a social institution for the calibration of reading time within a discipline