Zeitschrift für Soziologie
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    Soziale Netzwerke und Jobfindung von Hochschulabsolventen – Die Bedeutung des Netzwerktyps für monetäre Arbeitsmarkterträge und Ausbildungsadäquatheit

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    This article investigates the effect in terms of vocational advantages of the use of social capital in searching for a job among recent graduates of higher education in Germany. In contrast to previous studies, we extend the analysis and distinguish between different types of networks that are used in job searches. In accordance with the literature that concentrates on the impact of social capital as a resource per se, our findings do not indicate any effects on monetary returns. However, in contrast to Franzen & Hangartner (2005, 2006) we also do not find any positive effects on job adequacy. Finding jobs via social networks even increases the risk of overqualification. The differentiation of social capital into various types of network contacts, such as those established while working during one's studies or via parents and friends, leads to a fundamentally different picture: the impact of social networks on job characteristics depends to a large extent on the type of network contacts and on the type of outcome under consideration. Hence, we conclude that there is no homogeneous effect of social capital on labor market outcomes, in particular in the case of graduates of higher education. Studies which explore the heterogeneous effects of networks that offer access to different kinds of resources promise to be more conclusive.In diesem Artikel untersuchen wir den Einfluss sozialer Netzwerke bei der Jobfindung auf berufliche Erträge von Hochschulabsolventen beim Berufseinstieg in Deutschland. Im Gegensatz zu früheren Studien erweitern wir die Analyse, indem wir zwischen verschiedenen Typen von zur Jobfindung verfügbaren Netzwerken unterscheiden. In Übereinstimmung mit der Literatur, die sich auf den Einfluss von Beziehungskapital per se konzentriert, finden wir in unseren Analysen keine Effekte auf monetäre Erträge. Entgegen der Studie von Franzen & Hangartner (2005, 2006) ergeben sich jedoch in unseren Ergebnissen auch keine positiven Effekte auf die Adäquatheit der Stelle. Jobfindung über soziale Netzwerke erhöht sogar das Risiko einer Überqualifikation. Differenzieren wir soziales Kapital dagegen nach mehreren Arten von Netzwerktypen, z. B. danach ob Kontaktstrukturen durch berufliche Tätigkeiten während des Studiums, vermittelt über Eltern oder durch Freundschaften entstehen, ergibt sich ein vollkommen anderes Bild: Der Einfluss sozialer Netzwerke auf Eigenschaften der Arbeitsstelle unterscheidet sich in erheblichem Maße je nach der Art des Netzwerks und der Art des untersuchten Ertrags. Daraus schließen wir, dass ein homogener Effekt von Sozialkapital auf Arbeitsmarkterträge, insbesondere bei Hochschulabsolventen, nicht ersichtlich ist und folglich Studien aufschlussreicher sind, die sich auf die Wirkung bestimmter Netzwerkarten bzw. -ressourcen fokussieren

    Cosi fan tutte: Information, Beliefs, and Compliance with Norms

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    Social norms help to solve collective dilemmas. In addition to the internalization of norms, social control, rational calculation, and rational acceptance, this paper analyzes the role of information in regard to compliance with norms. We predict that people will cooperate if they believe that others will cooperate as well, and that they will defect if they believe that others will defect. Each reaction respresents a rational course of action. Beliefs about the validity of norms are influenced by information, whether public (as obtained from the media) or private (gained from personal experience), with which individuals update their beliefs. Complementing existing explanations of norm compliance, this paper studies the effect on norm compliance of information which allows individuals to adjust beliefs about whether a norm is valid. The empirical findings based on a multilevel analysis of survey data from 24 countries strongly confirm the prediction that collectively held beliefs about the validity of norms are a major factor in determining compliance, comparable in its strength to the internalization of norms.Soziale Normen helfen bei der Lösung von kollektiven Dilemmata. Zusätzlich zu den Erklärungsfaktoren Internalisierung, soziale Kontrolle, rationales Kalkül und rationale Akzeptanz analysiert dieser Aufsatz den Effekt von Informationen auf die Befolgung von Normen. Individuen, so wird argumentiert, befolgen soziale Normen, solange sie überzeugt sind, dass die Norm gültig ist, d. h. sich auch alle anderen daran halten. Wenn die Norm hingegen nicht mehr als gültig angesehen wird und das Individuum nicht mehr von die Gültigkeit der Norm überzeugt ist, wird es die Norm missachten. Beide Reaktionen lassen sich als Ergebnis einer rationalen Wahl auffassen. Überzeugungen hinsichtlich der Gültigkeit von Normen werden durch Informationen beeinflusst, und zwar sowohl durch öffentliche Informationen (etwa aus den Medien) als auch durch private Erfahrungen. Individuen korrigieren und aktualisieren ihre Überzeugungen hinsichtlich der Gültigkeit von Normen auf der Grundlage dieser Informationen. In Ergänzung der vorliegenden Ansätze zur Erklärung von Normbefolgung testet dieser Aufsatz die Relevanz von Informationen. Die empirischen Ergebnisse zeigen basierend auf einer Mehrebenenanalyse von Umfragedaten aus 24 Ländern eine starke Evidenz dafür, dass die gesellschaftliche Verbreitung von Überzeugungen hinsichtlich der Gültigkeit von Normen ein wichtiger Faktor für ihre Befolgung sind, der in seiner Stärke mit dem Effekt der Internalisierung von Normen vergleichbar ist

    Können Examensnoten verglichen werden? Eine Analyse von Einflüssen des sozialen Kontextes auf Hochschulprüfungen

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    Grading in higher education as an indicator of the individual performance or of the teaching performance of a university would be worthless if grading were systematically biased. The following article is based on data from German higher education statistics. A number of systematical grading differences are identified here with respect to various aggregation levels and social contexts over the last fifteen years and beyond. Theoretical explanations and existing survey data are used to investigate and explain the variety of types of impact.Examensnoten wären als Indikatoren für die individuelle Lernleistung oder die Lehrleistung einer Hochschule wertlos, wenn sie systematisch durch andere Einflüsse verzerrt würden. In diesem Beitrag werden auf der Grundlage von Daten aus der Hochschulstatistik einige systematische Notenunterschiede an deutschen Hochschulen nachgewiesen, sowohl in Bezug auf verschiedene Aggregationsniveaus und soziale Kontexte als auch im zeitlichen Verlauf der letzten 15 Jahre und über diese hinaus. Dazu werden theoretische Erklärungen und vorhandene empirische Untersuchungen herangezogen, um die verschiedenen Einflüsse zu identifizieren und zu erklären

    Social Networks and Tertiary Graduates' Job Search (Online Appendix)

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    The Validity of the Individualization Thesis. A Critical Systematization of Empirical Testing Criteria

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    This article discusses and evaluates conceptual premises in testing empirically Ulrich Beck’s much disputed individualization thesis. Five empirical criteria are described and characterized with regard to their utility in assessing individualization processes. Most particularly, criteria and concepts which try to assess the liberating or disembedding aspects of individualization are indicated as inexpedient for empirical research. Future research should attempt to follow more complex empirical approaches and a number of heuristic approaches are offered.Der Beitrag systematisiert Kriterien, mittels derer die – nach wie vor umstrittene – Individualisierungsthese nach Ulrich Beck bislang empirisch überprüft wurde und diskutiert, wie diese zu bewerten sind. Zu diesem Zweck werden fünf Kriterien vorgestellt und anschließend unter theoretischen und empirisch-konzeptionellen Aspekten auf ihre Zweckmäßigkeit für die Überprüfung von Individualisierungsprozessen hin diskutiert. Ein zentrales Ergebnis lautet, dass insbesondere solche Kriterien wenig zweckmäßig sind, die sich allein auf die Freisetzungsdimension der Individualisierungsdiagnose richten. Folglich ist ein komplexerer Ansatz der empirischen Überprüfung anzustreben, wozu der Beitrag heuristische Orientierungen anbietet

    Zur Emergenz des Sozialen bei Niklas Luhmann

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    The article discusses Niklas Luhmann’s concept of communication as an emergent phenomenon. The first goal of this paper is to show that despite recent objections it is possible to reconstruct Luhmann as a social emergentist theorist. Secondly, the intention is to shed some light on general problems and presuppositions of an emergentist social theory. For this purpose I first sketch the opposing camps of reductionism and emergentism within sociology, and I demonstrate to what extent Luhmann’s theory is actually emergentist. This is followed by a characterization of the way in which emergent communication is seen as an autonomous social phenomenon and how it allegedly is related to an individual basis. Subsequently, I introduce some conditions of adequacy from the philosophy of science thus criticizing Luhmann’s concept of emergence and clarifying the preconditions for a plausible emergentist theory within sociology. Finally, I consider a (more) promising concept of social emergence.Der Artikel diskutiert Niklas Luhmanns Konzeption von Kommunikation als emergentem Phänomen. Erstens soll gezeigt werden, dass sich Luhmann, entgegen jüngster Einwände, in der Tat als sozialer Emergentist rekonstruieren und als solcher in die aktuelle Debatte um Reduktion und Emergenz des Sozialen einordnen lässt. Zweitens soll dadurch Licht auf die generellen Probleme und Voraussetzungen einer emergentistischen Soziologie geworfen werden. Um diese Ziele zu erreichen, wird zunächst geklärt, welche Positionen sich in der Soziologie grundsätzlich gegenüber stehen und auf welcher Grundlage Luhmann als Emergentist einzuordnen ist. Anschließend soll die Emergenz der Kommunikation als eigenständiges soziales Phänomen erläutert und ins Verhältnis zum Individuum gesetzt werden. Schließlich wird Luhmanns Konzeption mit Hilfe einiger Adäquatheitsbedingungen aus der allgemeinen Wissenschaftsphilosophie als unzureichend kritisiert. Ziel ist dabei auch die Klärung der Bedingungen für eine plausible Emergenztheorie innerhalb der Soziologie. Nach einer abschließenden Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse soll ein Ausblick auf eine aussichtsreiche soziologische Emergenzkonzeption geboten werden

    Karl Martin Bolte (1925–2011)

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    Financial Market Capitalism and Technological Innovation

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    Gegenstand des vorliegenden Beitrages ist der wechselseitige Zusammenhang zwischen den Verlaufsformen technologischer Innovationen und gewandelten Finanzmarktbedingungen. Aufgegriffen wird damit das Zusammenspiel zentraler Strukturbedingungen und Entwicklungsmomente kapitalistischer Gesellschaften, die in der gesellschaftstheoretischen Debatte um die Dynamik und Transformation des Kapitalismus bislang relativ unverbunden nebeneinander stehen. Dabei handelt es sich einerseits um die auf Schumpeter zurückgehende sozialwissenschaftliche Innovationsforschung, andererseits um die neuere wirtschaftssoziologische Debatte um das Aufkommen eines neuen Produktionsregimes, dem sog. Finanzmarktkapitalismus. Beide Argumentationsstränge werden im Beitrag miteinander verknüpft und relevante Veränderungstendenzen von Prozessen technologischer Innovationen im Kontext der Internationalisierung des Finanzmarktes in Deutschland werden herausgearbeitet. Der Beitrag hat explorativen Charakter und zielt auf eine erste Analyse des Gegenstandsbereichs und die Generierung von Hypothesen über relevante Zusammenhänge.In this paper the interrelation between patterns of technological innovation and the changing structures of financial markets is discussed. This interrelation strongly influences the dynamics of capitalist societies but has been widely overlooked in the socio-scientific debate on the development of capitalist societies. This paper thus takes up two previously unrelated fields of discussion: firstly, results of socio-scientific innovation research, which are traced back to Schumpeter, and secondly, the current debate in economic sociology on the emergence of so-called financial market capitalism. Findings in both areas of research are combined in order to identify implications for the German innovation system. The paper is based on an in-depth literature research in the fields of economic sociology and innovation studies and on an additional analysis of the public debate regarding the prospects of contemporary economic development. In exploring the issue of financial market capitalism und technological innovation, the paper aims primarily at the generation of hypotheses for further research

    Dritter Sein. Einige Überlegungen im Anschluss an Gesa Lindemanns ‚Emergenzfunktion des Dritten‘

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    This contribution deals with several current proposals on employing the notion of a third actor as elementary to the genesis of social order not only in the domain of general social theory but also within the theory of functional differentiation. This project fails in its re-interpretation of the concept of a third actor in classical sociological texts, and it also fails in reconstructing the complexity of functional differentiation in terms of a sociology of different types of third actors. More particularly, the aim of establishing microfoundations for a theory of functional differentiation in terms of general concepts of dyadic or triadic relations as suggested recently in this journal by Gesa Lindemann fails because it insinuates a continuum of sorts between social theory and the theory of society. Alternatively, the present contribution suggests giving up on attempts to derive a theory of society from microfoundations to be established by a more elementary form of social theory.Der Beitrag reagiert auf einige aktuelle Vorschläge, eine Theorie und Soziologie des Dritten nicht nur in die grundbegriffliche Anlage der Soziologie einzubauen, sondern die Figur dieses Dritten auch gesellschaftstheoretisch für eine Analyse der funktional differenzierten Sinnuniversen der modernen Gesellschaft zu nutzen. Neben einigen Hinweisen auf die selektive Rezeption dieser Figur in der soziologischen Klassik und grundsätzlicher Skepsis bezüglich des faktischen Analysereichtums einer Theorie des Dritten führt der vorliegende Beitrag zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Relation von Sozial- und Gesellschaftstheorie, wie sie Gesa Lindemann zuletzt in dieser Zeitschrift vorgeschlagen hat. Diese Auseinandersetzung mündet in den alternativen Vorschlag, die Mikrofundierung der Gesellschaftstheorie durch eine vorgeschaltete Sozialtheorie insgesamt aufzugeben

    Das Konzept der Aneignung in der qualitativen Rezeptionsforschung. Eine wissenssoziologische Präzisierung im Anschluss an die und in Abgrenzung von den Cultural Studies

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    This paper discusses the currently very popular concept of appropriation in (especially German) media and audience studies, which is being developed by cultural studies and focuses on the creativity and self-will of spectators. Despite the fact that cultural studies researchers have, in this way, accomplished pioneering work in terms of qualitative reception studies, there have been tendencies to romanticize and idealize audience activity. In contrast to such (poststructuralistic and interactionistic) positions and in continuation of approaches in cultural studies which conceptualize appropriation as a specific practice of reception this article proposes a specification inspired by the sociology of knowledge and by the author’s empirical findings. This leads to a differentiation of productive vs. reproductive appropriation that is able to further illuminate Stuart Hall’s reading-triad: dominant; negotiated; oppositional.Dieser Beitrag diskutiert das in der (vor allem deutschsprachigen) sozialwissenschaftlichen Medienund Rezeptionsforschung populäre Konzept der Aneignung, das insbesondere auf Arbeiten aus dem Bereich der Cultural Studies zurückgeht, welche die Aktivität, Kreativität und den Eigensinn von RezipientInnen akzentuieren. Die Cultural Studies haben damit Pionierarbeit für eine qualitative resp. rekonstruktive Rezeptionsforschung geleistet. Es finden sich jedoch Tendenzen einer Romantisierung und Idealisierung der Aktivität des Zuschauers, die eine inflationäre Verwendung des Aneignungskonzepts nahelegen. In Abgrenzung von diesen – vorrangig poststrukturalistisch und interaktionistisch geprägten – Positionen und im Anschluss an Ansätze innerhalb der Cultural Studies, die Aneignung als spezifische Praxis der Rezeption begreifen, schlägt der Beitrag eine wissenssoziologische Präzisierung des Aneignungskonzeptes vor dem Hintergrund eigener Studien vor. Dies führt zu einer Differenzierung in eine produktive und reproduktive Aneignung, welche die Lesarten-Typologie nach Stuart Hall (dominant, ausgehandelt, oppositionell) weiterführt und differenziert

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