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Geleit des Vorsitzenden des Vereins zur Förderung des Landesarchivs Schleswig-Holstein
Was ist Historische Gerechtigkeit? In dem vorliegenden Buch sind Beiträge aus des geschichtswissenschaftlicher, juristischer, theologischer und archivwissenschaftlicher Perspektive versammelt, in denen die Autorinnen und Autoren eine Annäherung an das Thema der Historischen Gerechtigkeit aus ihrem jeweiligen Blickwinkel wagen und sich dabei methodischen Herausforderungen und inhaltlichen Fragen stellen: Wie kann in der Retrospektive überhaupt methodisch sauber umschrieben werden, was Unrecht war und was nicht? Wie weitreichend kann ein Konzept von historischer Gerechtigkeit als Grundlage historiographischer Arbeiten sein kann? Auf welchen theoretisch-methodischen Grundannahmen basiert ein solches Konzept? Lassen sich Vorstellungen von Historischer Gerechtigkeit gleichermaßen auf verschiedene Epochen anwenden? Und welche Rolle können Archive in diesem Zusammenhang spielen? Dabei wird der zeitliche Bogen von der Frühen Neuzeit bis in das 21. Jahrhundert gespannt.What is historical justice? This book brings together contributions from historical, legal, theological and archival perspectives, in which the authors venture to approach the topic of historical justice from their points of view and, in doing so, address methodological challenges and new questions: How can we describe in retrospect in a methodologically accurate way what was wrong and what was not? How far-reaching can a concept of historical justice be as a basis for historiographical work? On what theoretical and methodological assumptions is such a concept based? Can ideas of historical justice be applied equally to different epochs? And what role can archives play in this context? The texts cover a period from the 16th to the 21st century
Historische Un/Gerechtigkeiten in Bezug auf Recht und Geschlecht
Der Beitrag befasst sich mit den Folgen der Erweiterung der Freiheitsrechte im 19. Jahrhundert unter dem Aspekt des Geschlechts. Eine Betrachtung der Genese der bürgerlich-patriarchalen Familie und deren Verrechtlichung, der Bürokratisierung der staatlichen Verwaltung durch Einrichtung der Standesämter sowie der Entwicklung des deutschen Staatsangehörigkeitsrechts ergibt, dass historische Gerechtigkeiten für Männer bei näherem Hinsehen insbesondere für Frauen, aber auch für andere (teils neue) historische Ungerechtigkeiten mit sich brachten. Das Personenstandsrecht reglementiert Zugehörigkeiten – und damit auch Nichtzugehörigkeiten; dem NS-Regime diente es zur Ausführung der „Nürnberger Gesetze“. Eine Anpassung des Staatsangehörigkeitsrechts an die im Grundgesetz von 1949 verbürgten Gleichheitsrechte zog sich über mehrere Jahrzehnte hin. Der Querblick – in diesem Fall durch die Geschlechterbrille – auf nur scheinbar distinkte Rechtsgebiete zeigt, wie schwer Strukturen zu verändern sind, wenn verborgene Verwobenheiten nicht mitbedacht werden.The article deals with the consequences of the expansion of civil liberties in the 19th century from the perspective of gender. Looking at the emergence of the bourgeois-patriarchal family and its juridification, the bureaucratization of the state administration through the establishment of registry offices, and the development of German citizenship law shows that, on closer inspection, historical improvements of legal rights for men entailed (partly new) historical injustices, especially for women, but also for other people. Civil status law regulates inclusions – and thus also exclusions; the Nazi regime used it to implement the “Nuremberg Laws”. The adaptation of citizenship law to the equal rights guaranteed in the Basic Law of 1949 dragged on for several decades. A cross view – in this case through gender glasses – at only seemingly distinct areas of law shows how difficult it is to change structures if the hidden interdependencies are not taken into account
Gewissensfreiheit statt „Zwangskonversion“!
Fall einer Entführung von drei Kindern durch katholische Glaubensaktivisten im Vorfeld der Revocation (1685) des Toleranzeiktes von Nantes in der Dauphiné. Der Widerstand der als Dienstbotin auswärts arbeitenden Mutter gegen den Großvater, der die Kosten für die Betreuung der Enkel sparen will, wird von den Gemeindeältesten massiv unterstützt. Der Prozess geht über das Parlement in Grenoble bis zum Kronrat in Paris und endet mit einem Erfolg der Calvinisten.Case of abduction of three children by catholic activists a decade before the revocation of the edict of Nantes (1685) in Dauphiny. The grandfather intended to get rid of the costs of caring for the three whereas the mother of the children was working as a maidservant in Lyons. The elder of the local calvinist community supported decidedly the resistance of the mother against a planned forced conversion of her children. The legal action went all way up to the privy council and ended with a victory of the calvinist side
Christliche Judenmission im deutschen Kaiserreich
Am Rande Hamburg, in Wandsbek, etablierte sich in den 1870er eine sehr aktive Gruppe von christlichen Judenmissionen. Unterstützt und finanziert wurde sie von der Londoner Judenmissionsgesellschaft. Das eigens errichtete Haus in Wandsbek bot 20-30 jungen Männern die Gelegenheit, sich auf ihre Taufe vorzubereiten. Dazu gehörte allerdings die Bereitschaft, alle Verbindungen ins Judentum zu kappen. Die jungen Männern erhielten meist eine handwerkliche Ausbildung und wurden dazu angeleitet, die Idee der Judenmission zu verbreiten. Da sie oftmals vor Pogromen im Osten Europas geflohen waren, sicherte ihnen die Mission auch das physische Überleben - bei Preisgabe ihre jüdischen Glaubens.Today almost unknown there existed from the 1870s to the beginning of the Nazi time a missionary institution in Wandsbek, very close to Hamburg. Mainly young jewish men could live here for some months or until one or two years - if they agreed for being prepared to be batized and give up all jewish roots. As many of them came from Russia, there were in urgent need for help. Today there is nothing left to remain at this house and their enormous activities, hosting thousands of people in evangelisation campaigns. The missionaries wanted to bring the jews to conversion, but they needed the christian networking help
Was wir von den leistungsstärksten Schüler:innen lernen können
Seit einigen Jahren lassen sich insbesondere als Reaktion auf das Abschneiden Deutschlands in großangelegten Schulvergleichsstudien wie TIMSS oder PISA vermehrt Forderungen seitens Politik und Wissenschaft nach einer stärkeren Förderung leistungsstarker Schüler:innen in Deutschland erkennen. Um Ansatzpunkte für eine adäquate Förderung leistungsstarker Schüler:innen identifizieren zu können, braucht es jedoch zunächst ausreichendes Wissen über (relevante) Charakteristika dieser speziellen Schülergruppe, das bisher nicht in ausreichendem Maße vorliegt. An diesem Punkt setzt die vorliegende Dissertation an.
Am Beispiel der Naturwissenschaften wird untersucht, welche Merkmale von Schüler:innen, Unterricht und Lehrkräften dazu beitragen, dass Schüler:innen am Ende der Grundschulzeit besondere Leistungsstärke aufweisen. Grundlage der Untersuchung bilden die Daten der Trends in International Mathematics and Science Study 2019 (TIMSS 2019), die es ermöglichen, repräsentative Aussagen für die Schüler:innen in Deutschland zu treffen. Durch die Untersuchung relevanter Prädiktoren im Kontext der Grundschule bieten die Erkenntnisse dieser Arbeit die Möglichkeit, frühzeitig und passgenau in der schulischen Laufbahn von Schüler:innen anzusetzen und so dafür zu sorgen, dass nicht schon in frühen Jahren entscheidende Kompetenzrückstände entwickelt werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit zeigen, dass insbesondere das fachbezogene Selbstkonzept der Schüler:innen, ihre kognitiven Fähigkeiten sowie das Ausmaß konstruktiver Unterstützung, das Schüler:innen im Unterricht erleben, bedeutsame Prädiktoren besonderer Leistungsstärke sind. Potenzielle Förderungen sollten somit primär an diesen drei Merkmalen ansetzen.In recent years, there have been increasing calls for greater support for high-achieving students in Germany, particularly in response to the results of international large scale assessments such as TIMSS and PISA. However, more knowledge about the characteristics of this group of students is required in order to develop suitable approaches to promote high achievement. This dissertation investigates exemplarily for science which characteristics of students, teaching and teachers contribute to the particular achievement at the end of primary school. The results show that the subject-related self-concept, cognitive abilities and teacher support are significant predictors. Measures to promote high achievement should therefore focus on these three aspects
Historische Gerechtigkeit für die Matrosen von 1918
Was ist Historische Gerechtigkeit? In dem vorliegenden Buch sind Beiträge aus des geschichtswissenschaftlicher, juristischer, theologischer und archivwissenschaftlicher Perspektive versammelt, in denen die Autorinnen und Autoren eine Annäherung an das Thema der Historischen Gerechtigkeit aus ihrem jeweiligen Blickwinkel wagen und sich dabei methodischen Herausforderungen und inhaltlichen Fragen stellen: Wie kann in der Retrospektive überhaupt methodisch sauber umschrieben werden, was Unrecht war und was nicht? Wie weitreichend kann ein Konzept von historischer Gerechtigkeit als Grundlage historiographischer Arbeiten sein kann? Auf welchen theoretisch-methodischen Grundannahmen basiert ein solches Konzept? Lassen sich Vorstellungen von Historischer Gerechtigkeit gleichermaßen auf verschiedene Epochen anwenden? Und welche Rolle können Archive in diesem Zusammenhang spielen? Dabei wird der zeitliche Bogen von der Frühen Neuzeit bis in das 21. Jahrhundert gespannt.What is historical justice? This book brings together contributions from historical, legal, theological and archival perspectives, in which the authors venture to approach the topic of historical justice from their points of view and, in doing so, address methodological challenges and new questions: How can we describe in retrospect in a methodologically accurate way what was wrong and what was not? How far-reaching can a concept of historical justice be as a basis for historiographical work? On what theoretical and methodological assumptions is such a concept based? Can ideas of historical justice be applied equally to different epochs? And what role can archives play in this context? The texts cover a period from the 16th to the 21st century
Colonial Heroism in German, British and Tanzanian Commemorative Culture
Das Gedenken an heroisierte Persönlichkeiten aus der Geschichte eines Landes ist oft ein sensibler nationaler symbolischer Akt. Um diese historischen Figuren ranken sich meist Mythen und Legenden, und es kann ein schwieriges Unterfangen sein, die ausgeschmückten Geschichten zu durchschauen. Manchmal kann es notwendig sein, die Mythen zu demontieren und die wahre und manchmal unheroische Geschichte zu erzählen, die hinter der Legende steckt. In seiner vergleichsweise kurzen Kolonialgeschichte hat Deutschland, wie jede andere imperiale Macht auch, eine Menge sogenannter Kolonialhelden hervorgebracht. Für viele von ihnen wurden in Deutschland Denkmälern errichtet oder ihnen Plaketten und Gebäude gewidmet, die oft – wenn auch nicht in dem hier untersuchten Fall – bis heute bestehen blieben. Im Gegensatz zu Deutschland wurden und werden in Tansania diejenigen als Helden und Heldinnen geehrt, die den Mut aufbrachten, sich gegen koloniales Unrecht in Deutsch-Tanganjika zu wehren und dabei ihr eigenes Leben riskierten.Während Denkmäler aus der deutschen wie aus der britischen Kolonialzeit zum Gegenstand öffentlichen Widerstands wurden, erfuhren diejenigen, die afrikanische Kolonialhelden ehrten, nach der Unabhängigkeit Tansanias viel öffentliche Anerkennung. Um sich mit den gegensätzlichen räumlichen Dimensionen der kolonialen Erinnerungslandschaft auseinanderzusetzen, untersucht dieser Beitrag Fälle aus Deutschland, Großbritannien und Tansania.Remembering heroic figures in one country’s history is often a sensitive national symbolic act. Usually myths and legends are generated around these historic figures and it can be a difficult endeavour to try looking behind the embellished stories. Sometimes it can be necessary to dismantle the myths and tell the true and sometimes unheroic story which lies behind the legend. In its comparatively short colonial history, Germany, like any other imperial power has spawned a lot of so-called colonial heroes. Many of them were depicted in monuments and put on buildings or pedestals, where they stood – albeit not in every case – undisturbed to this day. Contrary to the situation in Germany, those who gathered courage to oppose colonial injustices in German Tanganyika, hence risking their own lives, were and still are honoured as heroes and heroines in Tanzania. Whereas colonial monuments in Germany together with those erected in British Tanganyika became the object of public opposition, those which honoured African colonial heroes received much public recognition after Tanzanian independence. In addressing such contrasting spatial dimensions of colonial memory landscape, this paper cites examples from Germany, Britain and Tanzania
Grußwort der Vizepräsidentin der Universität Hamburg
Die Anfänge der Jiddistik als universitäre Disziplin gehen auf die Jiddisch-Kurse zurück, die Salomo Birnbaum (1891–1989) seit dem Wintersemester 1922/23 an der Hamburgischen Universität gegeben hat. 100 Jahre später erinnerten im September 2022 die Universität Hamburg und die Salomo-Birnbaum-Gesellschaft an diesen wissenschaftsgeschichtlichen Meilenstein und an den Fachvertreter, der 1933 als Jude von den Nationalsozialisten vertrieben wurde, womit die kurze Blütezeit der Jiddistik in Hamburg endete. Dieser Band dokumentiert die bei der Festveranstaltung gehaltenen Reden, die der Biographie Birnbaums ebenso nachgehen wie der Fachgeschichte der Jiddistik und dabei auch die Versäumnisse der Hamburger Universität benennen. Einen besonderen Akzent bildet der kurze Text einer Videobotschaft, mit der Birnbaums jüngster Sohn David (geb. 1933) aus Toronto die Veranstaltung bereichert hat.The beginnings of Yiddish studies as a university discipline can be traced back to the Yiddish courses that Salomo Birnbaum (1891–1989) taught at Hamburg University from the winter semester of 1922/23. 100 years later, in September 2022, the University of Hamburg and the Salomo Birnbaum Society commemorated this milestone in the history of science and the subject representative who, as a Jew, was expelled by the National Socialists in 1933, ending the brief heyday of Yiddish studies in Hamburg. This volume documents the speeches given at the ceremony, which examine Birnbaum\u27s biography as well as the history of Yiddish studies, and also identify the failings of Hamburg University. The short text of a video message with which Birnbaum\u27s youngest son David (born 1933) from Toronto enriched the event is a special highlight
About my father – a video message from Toronto
Die Anfänge der Jiddistik als universitäre Disziplin gehen auf die Jiddisch-Kurse zurück, die Salomo Birnbaum (1891–1989) seit dem Wintersemester 1922/23 an der Hamburgischen Universität gegeben hat. 100 Jahre später erinnerten im September 2022 die Universität Hamburg und die Salomo-Birnbaum-Gesellschaft an diesen wissenschaftsgeschichtlichen Meilenstein und an den Fachvertreter, der 1933 als Jude von den Nationalsozialisten vertrieben wurde, womit die kurze Blütezeit der Jiddistik in Hamburg endete. Dieser Band dokumentiert die bei der Festveranstaltung gehaltenen Reden, die der Biographie Birnbaums ebenso nachgehen wie der Fachgeschichte der Jiddistik und dabei auch die Versäumnisse der Hamburger Universität benennen. Einen besonderen Akzent bildet der kurze Text einer Videobotschaft, mit der Birnbaums jüngster Sohn David (geb. 1933) aus Toronto die Veranstaltung bereichert hat.The beginnings of Yiddish studies as a university discipline can be traced back to the Yiddish courses that Salomo Birnbaum (1891–1989) taught at Hamburg University from the winter semester of 1922/23. 100 years later, in September 2022, the University of Hamburg and the Salomo Birnbaum Society commemorated this milestone in the history of science and the subject representative who, as a Jew, was expelled by the National Socialists in 1933, ending the brief heyday of Yiddish studies in Hamburg. This volume documents the speeches given at the ceremony, which examine Birnbaum\u27s biography as well as the history of Yiddish studies, and also identify the failings of Hamburg University. The short text of a video message with which Birnbaum\u27s youngest son David (born 1933) from Toronto enriched the event is a special highlight
Zum wissenschaftlichen Werk von Albrecht Zeuner – Zivilprozessrecht
Karsten Schmidt, von 1977 bis 1997 Zeuners Kollege an der Fakultät, später Präsident der Bucerius Law School und heute dort Affiliate Professor für Unternehmensrecht, befasst sich mit dem Schwerpunkt Zivilprozessrecht in Zeuners Werk und konzentriert sich hier insbesondere auf die 1959 erschienene Habilitationsschrift „Die objektiven Grenzen der Rechtskraft im Rahmen rechtlicher Sinnzusammenhänge“ und ihre Langzeitwirkung als Grundlagenwerk.Karsten Schmidt, Zeuner’s colleague at the faculty from 1977 to 1997, later President of the Bucerius Law School and now Affiliate Professor of Corporate Law there, examines the focus on civil procedural law in Zeuner’s work, concentrating in particular on his habilitation thesis “The Objective Limits of Legal Force in the Context of Legal Contexts,” („Die objektiven Grenzen der Rechtskraft im Rahmen rechtlicher Sinnzusammenhänge“) published in 1959, and its long-term impact as a fundamental work