GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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Mit Rat zur Tat? Eine Momentaufnahme von staatlich geförderter Wiedereinstiegsberatung an der Schnittstelle von Care- und Erwerbsarbeit
Der Aufsatz thematisiert den beruflichen Wiedereinstieg von Frauen und Männern nach einer familienbedingten Erwerbsunterbrechung. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise von 2008 haben das BMFSFJ und die Bundesagentur für Arbeit veranlasst, dass Wiedereinstiegsprozesse gezielt von externen Beratungseinrichtungen begleitet werden. Auf Basis von Diskursanalysen, Interviews mit den Wiedereinsteigenden und Teilnehmender Beobachtung von Beratungsgesprächen soll nachvollziehbar gemacht werden, wie Wiedereinstiegsprozesse politisch gelenkt werden und welche Anforderungen sie dabei an die Wiedereinsteigenden stellen. Dabei wird vor allem ersichtlich, dass Carearbeit eine Arbeit bleibt, die auch heute noch unentlohnt neben Erwerbsarbeit geleistet werden soll und innerhalb von Geschlechtern umverteilt wird
The Engagement of Iraqi Women in NGOs
What role do women play in civil society in post-conflict Iraq, what kind of challenges do arise and how do they regard their own engagement relating to Iraqi society? Until now, research on Iraq post 2003 has focussed on the aftermath of war, processes of political institution building and democratization. International peacebuilding efforts in Iraq have been widely criticised by practitioners and academics. Without neglecting these critiques, I elaborate how external intervention has also created spaces for Iraqi women to exercise different forms of agency. Critical approaches in peace and conflict studies often limit so-called “local” agency to resisting liberal agendas, assuming persistent binaries between local and international spaces. I seek to outline a concept of gendered agency that integrates a relational conceptualisation of space into the hitherto applied understandings of agency. Drawing on empirical evidence from Iraq, I elaborate how a relational theory of space contributes to grasping hybrid realities and notions of agency on the ground. Beyond analysing spaces of agency for women in (post-) conflict Iraq, I discuss the value of incorporating a relational understanding of space into critical peacebuilding studies
Der langeWeg zur Lehrerin als Frauenberuf
Unter den Lehrkräften im Schuldienst sind in Deutschland Frauen in der Mehrzahl – fast drei Viertel aller LehrerInnen sind weiblich. Doch das war nicht immer so. Im Gegenteil: Wie Gisela Notz mit einem Blick in die Geschichte des Lehrerberufs zeigt, war es ein langer Weg bis dahin
Beiträge zur ersten gemeinsamen internationalen Konferenz der Fachgesellschaften für Geschlechterforschung/-studien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Sammelband mit Aufsätzen der ersten gemeinsamen Tagung der deutschen Fachgesellschaft Geschlechterstudien, der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung und der Schweizerischen Gesellschaft für Geschlechterforschung unter dem Titel „Aktuelle Herausforderungen der Geschlechterforschung“. Die Konferenz wurde vom 28. bis zum 30. September 2017 von GeStiK – Gender Studies in Köln an der Universität zu Köln ausgerichtet. Sie wurde gemeinsam mit und für die Fachgesellschaften konzipiert und vorbereitet
Die Macht zu gestalten – die Mutterschutzrichtlinie im legislativen Bermuda-Dreieck der Europäischen Union
Zum Selbstbild der Europäischen Union (EU) gehört, dass sie sich als gleichstellungspolitisch progressive Polity sieht. Es wird allerdings vielfach bezweifelt, dass diese Selbsteinschätzung auch den Praxistest besteht. In der letzten Dekade sind die gleichstellungspolitischen Aktivitäten – zumindest in legislativer Hinsicht – marginal gewesen. Der Beitrag untersucht die Mutterschutzrichtlinie (Mutterschutz-RL) von 1992 und die Bemühungen der letzten Jahre, diese zu reformieren. Diese Reform scheiterte 2015 mit dem Rückzug des Richtlinienvorschlags durch die EU-Kommission. Mit Hilfe des Verfahrens der Prozessanalyse wird der legislative Vorschlag und der Gesetzgebungsprozess hinsichtlich der Gestaltungsoptionen durch die legislativen Institutionen Europäische Kommission, Rat der EU und Europäisches Parlament untersucht. Im Ergebnis zeigt sich, dass mehr Kompetenzen für eine zentrale Gleichstellungsakteur*in – hier das EP und insbesondere der FEMM-Ausschuss – nicht ausreichen, um Fortschritte in diesem Politikfeld durchzusetzen. Das Beispiel verweist auf die sich in der letzten Dekade veränderten politischen Opportunitäten für Gleichstellungspolitik. Auch für die Zukunft sind hier im Bereich „hard law“ keine Fortschritte zu erwarten
Pflegekarenz und Pflegeteilzeit in Österreich: Eine Neuausrichtung im Langzeitpflegeregime? Folgen, Potenziale und Grenzen einer Maßnahme zur ‚Vereinbarkeit‘ von Erwerbsarbeit und Care
2014 wurde mit der Einführung einer bezahlten Pflegekarenz/-teilzeit in Österreich erstmals eine Maßnahme beschlossen, die explizit auf die Förderung einer parallelen Vereinbarkeit bzw. eines nur kurzen Ausstiegs aus der Erwerbstätigkeit aufgrund von Angehörigenpflege abzielt. Angesichts der rezenten Einführung liegen bislang noch kaum Befunde zu Nutzung und Implikationen dieser Maßnahme vor. Im vorliegenden Beitrag liefern wir eine erste vertiefende Untersuchung der Pflegekarenz/-teilzeit. Dabei führen wir zwei Analyseperspektiven zusammen: zum einen eine politikwissenschaftliche Analyse zum Design der Maßnahme sowie ihrer widersprüchlichen Einbettung in das österreichische Langzeitpflegeregime, zum anderen Ergebnisse qualitativer empirischer Fallstudien mit pflegenden Angehörigen
Zur familienpolitischen Reproduktion gesellschaftlicher Ungleichheit
Der Beitrag analysiert Ungleichheitseffekte des 2007 eingeführten Elterngelds. Wir zeigen, dass die familienpolitische Einführung der Ressource Elterngeld die Einkommensungleichheiten der Produktions- bzw. Erwerbssphäre auf die Reproduktions- bzw. Familiensphäre übertragen hat. Das Elterngeld trägt damit aber zumindest bislang nicht (wie angedacht) zur Aufhebung der asymmetrischen Aufteilung von (entlohnter) Erwerbsarbeit und (nicht-entlohnter) Sorgearbeit zwischen Elternteilen bei. Stattdessen verdeutlicht unsere räumlich orientierte Untersuchung des Elterngeldbezugs ungleiche Muster in den Bewältigungsmöglichkeiten kinderbezogener Sorgearbeiten. Die an der ungleichen Geographie des Elterngelds deutlich werdende Ausdifferenzierung von Bearbeitungschancen von Elternschaft interpretieren wir als Ausdruck von sozialen Spaltungstendenzen auf dem Gebiet der Reproduktion, die von der familienpolitischen Einführung des Elterngelds forciert worden sind
Überlegungen zu künstlerischen Repräsentationen von weiblichen Genitalien und ihren Kontexten
Theorien, Wirkungszusammenhänge, Einflussfaktoren und exemplarische empirische Evidenz
Im Jahr 2014 lebten rund 20,4 Millionen Paare in Deutschland, darunter waren rund 17,5 Millionen Ehen und rund 2,9 Millionen Lebensgemeinschaften. Von den Paaren waren etwa 11,69 Millionen Paare kinderlos. Unter den Ehen stellen kinderlose Paare mit etwa 9,7 Millionen gut die Hälfte der Paare, unter Lebensgemeinschaften dominierten sie mit rund 2,0 Millionen Paaren (Statistisches Bundesamt 2016). Die in Paaren getroffenen Entscheidungen stellen die Grundlage für das Handeln von Haushalten bzw. Familien als Akteure in Marktprozessen sowie als Analyseeinheit wohlfahrtsstaatlicher Programme dar. Entscheidungen zur Zeitverwendung bilden dabei einen Schwerpunkt. Über die Entscheidungen zu arbeitsteiligen Prozessen im Haushalt wird nicht nur die aktuelle Wohlfahrtsposition der Partnerinnen und Partner, sondern auch Entwicklungschancen für individuelles soziales Kapital und sowie Humankapital bestimmt. Es ist daher nicht überraschend, dass die Arbeitsteilung
in Paaren ein vielbeforschtes Feld der Sozialwissenschaften ist. Diese Expertise hat zum Ziel, einen Überblick über die Theorien, Wirkungsmechanismen und Einflussfaktoren der Arbeitsteilung im Paar zu geben. Sie dient explizit nicht dem Ziel, den Forschungsstand zu den Einflussfaktoren arbeitsteiliger Prozesse in Haushalten zu reproduzieren oder auch nur zusammenzufassen. Dies wäre im gegebenen Expertise-Rahmen vermessen. Vielmehr will die Studie Anwenderinnen und Anwendern einen Überblick und insbesondere ein Verständnis von der Systematik der wesentlichen Wirkungsmechanismen zur Arbeitsteilung und potenziellen Einflussfaktoren verschaffen, wie sie in den einschlägigen Theorien zur Arbeitsteilung im Paar unterstellt werden. Dies geschieht mittels eines Wirkungsschemas, das den Kern der Expertise bildet. Soweit möglich und dem Verständnis dienend, wird empirische Evidenz ergänzt, die empirischen Befunde haben aber einen exemplarischen Charakter. Die Evidenz zielt vorrangig auf den Umfang der arbeitsteilig ausgeübten Tätigkeiten ab, enthält jedoch auch einige Befunde zum Timing, d.h. zur zeitlichen Koordination der Tätigkeiten im Paar. Die Expertise fokussiert sowohl in den Theorien als auch in der Empirie auf arbeitsteilige Prozesse in gemischtgeschlechtlichen Paaren. Andere Gegenstandsbereiche partnerschaftlicher Aushandlungsprozesse, wie bspw. Fertilität oder Einkommensverwendung, werden nicht betrachtet. Auch die Wahl der Lebensform, die als solche die Zeitverwendung der Partnerinnen und Partner prägt, ist nicht Gegenstand der Analyse. Die Analyse zur Zeitverwendung in dieser Studie verzichtet vollkommen auf formale Darstellungen, was die Präzision und Vollständigkeit der getroffenen Aussagen zuweilen schmälert. Es werden auch keine Wohlfahrtsaussagen getroffen, mithin wird nicht analysiert, welchen Nutzen Partnerinnen und Partner aus bestimmten Zeitverwendungen ziehen. Um politische Maßnahmen evaluieren zu können, sind anspruchsvolle Daten und methodische Verfahren notwendig. Dies erklärt, warum die empirische Evidenz hierzu selbst im internationalen Raum beschränkt ist. Zum Zweck der Erkenntnis grundsätzlicher Wirkungszusammenhänge wird daher auch internationale Literatur eingebunden.
Die Expertise ist wie folgt aufgebaut: In Kapitel 2 wird zunächst dargelegt, wie sich die Zeitverwendung im Paar derzeit in Deutschland darstellt. Die nachfolgenden Kapitel 3 und 4 orientieren sich an dem zu Beginn von Kapitel 3 vorgestellten Wirkungsschema. In Kapitel 3 werden theoretische Ansätze präsentiert, die die ökonomische und soziologische Literatur zur Arbeitsteilung im Paar maßgeblich prägen. Kapitel 4 liefert exemplarische empirische Evidenz für die wesentlichen Einflussfaktoren der individuellen Ebene und der Metaebene und ordnet die Faktoren anhand der in Kapitel 3 vorgestellten Theorien ein. Kapitel 5 zieht
ein Fazit