GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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Mehrgenerationenwohnprojekte als neue Formen der städtischen Reproduktion?
Mehrgenerationenwohnen gewinnt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bei gleichzeitiger Individualisierung und Transformation von Familien- und Fürsorgestrukturen an gesellschaftlicher Relevanz. Aus einer feministischen Perspektive schaut der Aufsatz entlang dreier Mehrgenerationenwohnen-Projekte auf die intersubjektiven Beziehungen und geht den Fragen nach, wie Fürsorge in den Gruppen verhandelt wird und inwiefern sich dort neue Formen kollektiver städtischer Reproduktion ausbilden. Im Ergebnis zeigt sich, dass Mehrgenerationenwohnen-Projekte als selbst gewählte fürsorgliche Nachbarschaften fungieren, die in ihrem Verhältnis zwischen Nähe und Distanz, in der alltäglichen Lebensführung ihrer Bewohner_innen und der Organisation ihres Projektalltags sowie in ihren Aushandlungs- und Entscheidungsstrukturen zwischen Fürsorge und Absicherung changieren. Ausgehend vom empirischen Material schlagen wir daher vor, einen weiten Begriff von Fürsorge durch die Kategorie Absicherung zu konkretisieren
Betreuungswünsche zwischen Vielfalt und Knappheit
Die Befunde zum Thema Ganztagesschulen im Primarbereich, die sich auf die amtlichen Daten beziehen, verweisen auf folgende Besonderheiten:
1. Ein Überblick über Angebote ganztägiger Bildung, Betreuung und Erziehung für Kinder im Primarbereich ist äußerst schwierig – allein schon auf Ebene der Länder zeigen sich im Strukturvergleich eine enorme Vielfalt unterschiedlichster Angebote und sehr differenzierte Arten der konkreten Ausgestaltungen der einzelnen Angebote.
2. Die referierten Daten zu Öffnungs- und Nutzungszeiten ganztägiger Angebote verweisen auf eine enorme zeitliche Spanne von „Ganztag“. Diese zeigt sich in erheblichen regionalen Differenzen zunächst zwischen einzelnen Ländern.
3. Wird in der Analyse der Strukturaspekt der Öffnungszeiten ergänzend hinzugezogen so wird deutlich: Die Antwort auf die Frage, wie viele Ganztagsangebote es gibt, ist noch keine Antwort auf die Frage, ob das Angebot zeitlich hinreichend ist.
4. Sowohl was Qualifikationsanforderungen anbelangt, als auch was die Höhe des Personaleinsatzes betrifft, werden von Land zu Land und von Organisationsform zu Organisationsform ganz unterschiedliche Anforderungen an die Ausgestaltung der Angebote gestellt.
Mit Hilfe der empirischen Daten zum Thema Ganztagesschulen im Primarbereich, die sich auf die DJI-Daten von AID:A (Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten) beziehen, lassen sich weitere Befunde ausmachen:
5. Die AID:A-Elternbefragung zeigt deutlich, es gibt eine klare Diskrepanz zwischen vorhandenem Betreuungsangebot und den Bedarfen der Eltern. Diese drückt sich vor allem in einer nicht befriedigten Nachfrage aus. Zwei Drittel aller Familien wünscht einen Platz in Hort und/oder Ganztagsschule, aber nur 39 % der Familien haben einen solchen.
6. Gleichzeitig fallen jene Familien auf, die ihr Kind derzeit in einer Übermittagsbetreuung betreuen lassen, welche aber viel lieber einen Platz in einer Ganztagsschule oder einem Hort hätten. Nur jede achte Familien (12 %) gibt an, für ihr Kind im Grundschulalter keinen Betreuungsplatz zu haben und auch keinen zu brauchen oder zu wollen.
7. Gewinner dieser Situation sind – wie auch im Bereich der u3-Betreuung – bildungsnahe Familien aus Großstädten, bei denen beide Elternteile berufstätig sind. Sie haben, genauso wie Familien in Ostdeutschland, die besten Chancen, den gewünschten Ganztagsplatz auch zu bekommen.
Es zeigt sich aber auch, dass eine Reihe von wichtigen Daten und Informationen noch fehlen:
8. Es gibt keine Informationen zu der Einschätzung und der Perspektive der Kinder.
9. Auch die Perspektive der Fachkräfte fehlt, insbesondere im Hinblick auf eine Bedarfseinschätzung aus ihrer Sicht.
10. Schließlich wäre es wünschenswert auch weitergehende Analysen zu den Rahmenbedingungen der Nachfrage nach Betreuungsplätzen zu ermöglichen. Dabei stehen Fragen nach der Einstellung zur Betreuung insgesamt, der familialen Betreuungspraxis, den Erziehungszielen oder der realisierten partnerschaftlichen Erwerbskonstellation, aber auch die Gründe einer Nichtinanspruchnahme im Vordergrund des Interesses. Dazu fehlt eine langfristige Sozialberichterstattung, die sich auf entsprechende Surveys stützen kann
„Mein Gott, der ist noch so klein, den soll ich jetzt abgeben“ – Elterliche Vorstellungen und Erfahrungen ihrer Beziehung zum Kind im Kontext der Kleinkindbetreuung
In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland neue Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen, sodass das Alter bei Betreuungsbeginn nach vorne rückt. Dieser Artikel rekonstruiert elterliche Vorstellungen einer guten Eltern-Kind-Beziehung zu diesem Zeitpunkt kulturellen Wandels. Er basiert auf zehn qualitativen, problemzentrierten Interviews, die mit der dokumentarischen Methode interpretiert wurden. Die identifizierten Orientierungsrahmen werden mit dem theoretischen Konzept des intensive parenting konfrontiert, das sich im Interviewmaterial insbesondere im Ideal des „richtigen Inputs“ wiederfindet. Gleichzeitig sind die Eltern in dieser Studie aber weniger Kindzentriert als dieses Konzept nahelegt. Vielmehr sind sie stark auf ihre eigenen Erfahrungen und ihr Bedürfnis nach Bindung fokussiert. Daher schlägt dieser Artikel ein doppelseitiges Konzept des intensive parenting vor, Kind-zentriert und Eltern-zentriert. Dieses Konzept wird ins Verhältnis zur psychologischen Bindungstheorie und zu modernen Konzepten der romantischen Liebe gesetzt
Decolonising the Rainbow Flag
The aim of the article is to explore the location and the meaning given to the rainbow flag in places outside the hegemonic center. Through three case studies in the global North and South, held together by a multi-ethnographic approach, as well as a certain theoretical tension between the rainbow flag as a boundary object and/or a floating signifier, we seek to study where the flag belongs, to whom it belongs, with particular focus on how. The three case studies, which are situated in a city in the Global South (Buenos Aires), in a conflict war zone in the Middle East (the West Bank) and in a racialised neighbourhood in the Global North (Sweden), share despite their diversity a peripheral location to hegemonic forms of knowledge production regimes. Central to our analysis is how the rainbow flag is given a multitude of original and radical different meanings that may challenge the colonial/Eurocentric notions which up to a certain extent are embedded in the rainbow flag
Geschlechterverhältnisse und Wandel: Perspektiven und Strategien irakischer Frauenorganisationen
Seit der Invasion der USA ist der Irak immer wieder von gewaltsamen Konflikten erschüttert worden. Feministische Autorinnen haben eindrücklich auf die schwierige Situation von Frauen in der irakischen Transformationsgesellschaft hingewiesen. Trotzdem sind Frauen zivilgesellschaftlich aktiv und setzten sich für gesellschaftlichen Wandel ein. Aus der Perspektive irakischer Informantinnen ist die schwierige Situation von Frauen im Irak eng mit problematischen Entwicklungen auf gesamtgesellschaftlicher Ebene verbunden. Strategien zur Veränderung ihrer Situation, auch im Hinblick auf Geschlechterverhältnisse, sind daher in breitere Konzepte von Wandel eingebettet. Daten aus eigener Feldforschung im Irak zeigen, dass Ideen von Wandel stark durch die soziale Positionierung von Frauen (insbesondere Geschlecht, Nationalität und Schicht) geprägt sind. In die Analyse der qualitativen Studie wird daher ein intersektionaler Ansatz nach Floya Anthias integriert
Wider die Ein- und Fortführung der Kategorie Geschlecht im elementarpädagogischen Professionalisierungsdiskurs
Le neutre
How to think beyond the either-or without thinking a third? How to think beyond (the) beyond? How to think neither the one, nor the other, but to think (from) somewhere else? How, then, to think an outside, how to think outside, how to think with/in an elsewhere?This text focuses on le neutre sensu (not only) Maurice Blanchot:Trans/gender, trans/categorical, un/translatable, un/locatable, un/veiled, un/seeable, always as elsewhere, otherwhere, somewhere else, always im/possible, un/connected, a/s No(t) and Yes, not No(t), no(t) Yes and yet not Nothing, neither here nor there, either and