GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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Relationale Demokratie. Das verfassungsrechtliche Demokratieprinzip und gerechte Staatlichkeit in Deutschland
Trotz 100 Jahre Frauenwahlrecht hält die Unterrepräsentation von Frauen in den Parlamenten und anderen staatlichen Institutionen weiterhin an. In der Verfassungswissenschaft wird die Unterrepräsentation von Frauen jedoch nicht zu den relevanten demokratischen Defiziten gezählt, sie bleibt schlicht unerwähnt. Dieser Befund einer De-Thematisierung folgt aus dem individualisierenden Demokratieverständnis des liberalen Repräsentationsmodells. Dieses begreift Staatsbürger*innen als freie und gleiche Rechtssubjekte unabhängig von ihrer sozialen Verortung. Eine solch abstrakt-formale Perspektive bietet jedoch keinen Maßstab für gerechte Staatlichkeit und hat dementsprechend kein Vokabular für die Thematisierung von gesellschaftlichen Achsen der Ungleichheit entwickelt. Dies führt dazu, dass eine individualisierende Interpretation des Demokratieprinzips dominiert, die faire Repräsentation durch gesetzliche Inklusionsmechanismen – Quoten, paritätische Wahlgesetze, Wahlrechtsreformen – als Beeinträchtigung anstatt als Verwirklichung des Demokratieprinzips erscheinen lässt. Dieser herrschenden Perspektive sollen drei relationale Ansätze entgegengesetzt werden: Anne Phillips Politik der Präsenz, Blanca Rodríguez-Ruiz’ und Ruth Rubio-Maríns paritätische Demokratie und Silke Ruth Laskowskis effektive Einflussnahme. Mit diesen lässt sich eine relationale Interpretation des Demokratieprinzips als Basis gerechter Staatlichkeit entwickeln. Diese bietet ein Interpretationsrepertoire, um die politischen Parteien gesetzlich auf eine geschlechtergerechten Nominierung für alle staatlichen, nicht nur die legislativen, Ämter zu verpflichten
Geschlechterverhältnisse und Klima im Wandel. Erste Schritte in Richtung einer transformativen Klimapolitik
Die Genderperspektive auf Klimawandel und Klimaschutz hat seit einigen Jahren deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Der Beitrag geht der Frage nach, welche Erkenntnisse zu den Wirkungen des Klimawandels und der Klimapolitik auf die Geschlechterverhältnisse aus Industrieländern vorliegen. Die Ergebnisse eines umfassenden Literaturreviews zeigen, dass die Anzahl der Publikationen zu Gender und Klima in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat, dies aber nicht auf alle Handlungsfelder der Klimapolitik zutrifft. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Handlungsfeldern des Klimaschutzes, während die Anpassung an den Klimawandel aus der Geschlechterperspektive für Industrieländer eher unterbelichtet ist. Auch scheint es, dass sich der Fokus der wissenschaftlichen Diskurse in den letzten zehn Jahren deutlich verengt und auf die Mikroebene verlagert hat, Strukturen und Dynamiken dagegen seltener untersucht werden. Die Treiber von Ungleichheit und damit die Hintergründe der geschlechterspezifischen Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels wie auch der tendenziell androzentrischen Sichtweise auf den Klimawandel und auf die Entwicklung von Lösungsansätzen stehen eher selten im Mittelpunkt
1968 und der Feminismus in Elfriede Jelineks frühen Essays und in 'Bukolit. Hörroman'
Since her early works Elfriede Jelinek has been heavily influenced by the political and cultural movements around 1968. Especially her views on Feminism, Criticism and Media Analysis reflect marxian and early poststructuralist approaches of that time. My article focusses on Jelineks early essays and on her first novel bukolit.hörroman, which had been finished in 1968, but wasn`t released until 1979. By drafting a short reconstruction of the younger austrian history and of the developments around 1968 my article tries to put Jelineks early works in a wider context. Her highly experimental novel bukolitand also her essayistic reflections can be read as indices of the artistic and critical possibilites after the cesura of 1968. In their parodistic style they also throw a critical glance on austria. They point out that 1968 there did not occure like it occured in other european countries and that it had a more anarchistic and even patriarchal undertone
Optimierung als Subjektivierungsweise auf den Titelblättern der Schöner Wohnen in den 1980er- und 1990er-Jahren
Not only can we live beautifully, living can be even more beautiful, that’s what the title of the most famous living magazine in German-speaking countries promises and demands. The editors point at the design of living by using a climax in the title, but furthermore, the focus is on optimizing the act of living. Living, shown in media like Schöner Wohnen, can be revealed as a sociopolitical act, which entangles subjectification, normalization and optimization processes. The cover sheets of Schöner Wohnen between 1980-1999 will be analyzed with regard to their image-text-combinations in order to identify the supposedly private space of living as a place of action for optimization and its representation. The discoursive links between social and political developments and the history of living in this period are specific interests of this article, as well as reflections on the magazine as a medium and its functional mechanisms
Körper, Dinge und Macht. Wahlen und Geschlecht in den USA 1800–1914
Der praxeologische Ansatz einer Neuen Geschichte der Wahlen ermöglicht einen neuen Blick auf die alte Frage, warum das Wahlrecht im 19. Jahrhundert zwar immer mehr Gruppen wie Armen, Angehörigen anderer Ethnien oder Ungebildeten zugesprochen wurde, von wenigen Ausnahmen abgesehen jedoch Frauen ohne Stimmrecht blieben. Die Praxis des Wählens und die Materialität des Wahlaktes, so meine These, verdichteten den Wahlakt als Herrschaftsakt der „Männlichkeit“ und determinierten die Exklusion der Frauen. Erst eine Welle von Reformbemühungen und damit einhergehend ein verändertes Körperregime konnten diese Konstellation aufbrechen und das Setting moderner Wahlen neu ordnen. Das geschah in den Jahren um 1900 im Zuge der internationalen Reformbewegungen – so meine zweite These
Reparative Design: A Study of Collective Practices for Generating and Redistributing Care Online
Online content produced by sick bodies, outside of clinical trials, is increasingly studied as real world evidence. US policy and biomedical companies are designing ways to make patient input legible and useful to their evidence-based medical system. My design study suggests an ethic of repair that might learn from the political agency of people with chronic autoimmune conditions. It brings feminist materialist studies into dialogue with two collective care groups who devise tools for reciprocal, collaborative intra-action. Their tools offer different ways to study illness online and negotiate boundaries (of bodies/expertise/space). Together they articulate the values and risks in generating embodied knowledge and redistributing data through digital communities
Die Neue Frauenbewegung und „die Kinderfrage“ : Zur Kollektivierung der Kindererziehung als Moment der Emanzipation
Der „deviante“ Körper: die Verhandlung des weiblichen Körpers in alltäglichen Kleidungspraktiken medialer Selbstinszenierung
Kleidung kann als Material zur Identitätskonstruktion verstanden werden, das anhand der Kenntnis impliziter wie expliziter Regeln situationsadäquat zur Inszenierung des erfolgreichen Subjekts eingesetzt wird. Dem devianten Körper wird der Zugang zu trendbewusster Kleidung limitiert und somit auch die Identitätskonstruktion als „fashionable persona“ erschwert. Anhand einer inhaltsanalytischen Untersuchung von Blog-Postings des Curvy Sewing Collective (CSC) und Selbstpräsentationen der sich als kurvig oder fett bezeichnenden Autorinnen können die Auseinandersetzung mit Kleidung als Material und der Praxis des Ankleidens als an einer sozialen Umwelt ausgerichteten Form der Optimierung des eigenen Körpers nachgezeichnet werden. Im Zusammenhang mit der Gemeinschaft des CSC entwickeln die untersuchten Subjekte Technologien des Selbst, die es erlauben, sich trotz wahrgenommener Devianz sozial akzeptabel zu kleiden und eine erfolgreiche Identitätskonstruktion als attraktive, modebewusste Frau zu unterstützen. Obgleich die dargestellten Attraktivitätsnormen Vorstellungen von normativer Weiblichkeit reproduzieren, ermöglicht das Kollektiv so individuelles Empowerment für die Teilnehmerinnen