GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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Unruhe stiften. Entwürfe einer queerfeministischen Theaterwissenschaft
Wie lassen sich gender- und queertheoretische Theorien, Methoden und Forschungsfragen, die sich durch ihren subversiven Charakter und ihren politischen Gestus der Kritik an jeglicher Normativität auszeichnen, konkret in die Praktiken der Theatertheorie integrieren? Dieser Herausforderung gehen wir anhand von exemplarischen Exkursen aus Theorie und der Besprechung von Performances nach. Eva Döhne schreibt über die Frage der Situierung und ausgehend von der Videoarbeit A room of our own von Swoosh Lieu über Räume des Denkens in der Theorie und Räume des Arbeitens im Theaterbetrieb. Lea-Sophie Schiel beschäftigt sich anhand des kommerziellen heterosexuellen Live-Sex-Chats von Rob und Blonde XXXRider mit der Frage, wie queere Theorien und Denkansätze helfen können, mit beunruhigenden Gegenständen umzugehen, und inwiefern sich daraus Veränderungen für die theaterwissenschaftliche Methode der Aufführungsanalyse ergeben. Der Beitrag plädiert nicht primär für eine inhaltliche Neu-Ausrichtung theaterwissenschaftlichen Wissens, sondern praktiziert anhand unterschiedlichster Materialien eine Reflexion über methodische Vorgehensweisen, die jenseits oder quer zur hegemonialen Wissenschaftstradition einer deuschsprachigen Theaterwissenschaft stehen
(Un)Erhörte Kritik – intersektionale Betrachtungen zu elterlichen Aushandlungen in der postkolonialen Schweiz
Gestützt auf empirische Analysen aus einem Forschungsprojekt zu durch Machtverhältnisse strukturierten elterlichen Aushandlungen in Bildungskontexten wird im Beitrag der Frage nachgegangen, was es für rassifizierte Eltern bedeutet, Kritik zu üben, und was dies für die Soziale Arbeit bedeutet. Mit postkolonialen und intersektionalen Perspektiven wird die Situiertheit der Kritik im Kontext von Differenzund Machtverhältnissen ausgelotet und auf diese Weise in ihrer Voraussetzungshaftigkeit und (Un-)Erhörtheit verstehbar gemacht. Am Beispiel des biographischen Interviews mit einer Mutter wird den Fragen nachgegangen, a) wie und wo Räume elterlicher Kritik von pädagogischen Institutionen und gesellschaftlichen Verhältnissen entstehen; b) auf welche Weise diese Räume (global)gesellschaftlich situiert sind und wie die vergeschlechtlichte, klassenbezogene, (post)koloniale Machtmatrix wirkt; c) inwieweit und wie sich rassifizierte Eltern diese Handlungsspielräume aneignen und wo die Grenzen der Hörbarkeit ihrer Kritik verlaufen. Auf dieser Grundlage wird ein Fazit zu Handlungsfeldern einer postkolonialen, intersektional informierten Sozialen Arbeit gezogen
Regulation and provision of abortion compared (abridged version)
Being able to terminate a pregnancy is a prerequisite for bodily self-determination and thus fundamental to gender equality.
This Working Paper compares regulations, coverage of costs, and provision as well as data on abortions in Germany, France, the Netherlands, Sweden, and Spain. It contrasts existing regulations and practices with the recommendations of the World Health Organisation, human rights standards of reproductive and sexual rights, and the concept of reproductive justice.
All five EU Member States should improve their regulation and provision of abortions, to effectively guarantee the rights and health of pregnant persons
Transmission von Fürsorglichkeit zwischen Vätern und Söhnen: die Relevanz geschlechter- und vaterbezogener Einstellungen
Trotz gesellschaftlicher Veränderungen, wie einer höheren Erwerbsbeteiligung von Müttern und mehr Akzeptanz für aktive Vaterschaft, ist festzustellen, dass ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel hinsichtlich Elternschaft und Care noch aussteht. Es stellt sich die Frage, ob die Ausgestaltung von Elternschaft durch das in Kindheit und Jugend erlebte Verhalten der eigenen Eltern beeinflusst ist und intergenerationale Transmission zur Persistenz von Ungleichheiten beiträgt. Der Beitrag untersucht mit Daten aus Bayern, ob eine Beziehung zwischen der Fürsorglichkeit von Vätern, retrospektiv eingeschätzt durch deren erwachsene Söhne, und den Care-Praxen sowie geschlechterbezogenen Einstellungen dieser Söhne besteht und ob diese Einstellungen als Mediatoren wirken. Die Ergebnisse zeigen Zusammenhänge zwischen der Fürsorglichkeit der Väter und zwei multidimensionalen Einstellungsdimensionen der Söhne (der ,bedeutungsvollen Vaterschaft‘ und dem ,Selbstkonzept kompetenter Vaterschaft‘). Darüber hinaus mediiert dieses Selbstkonzept den Zusammenhang zwischen der Fürsorglichkeit der Väter und den Care-Praxen der Söhne. Es verfestigt sich das Bild, dass Transmission Erklärungspotenzial für die Persistenz von Ungleichheit bietet
Künstliche Intelligenz in der Medizin? Intersektionale queerfeministische Kritik und Orientierung
Algorithmen werden als zentrale Akteure der digitalen Transformation gehandelt. Künstliche Intelligenz (KI) wird als Lösung für dringende aktuelle und zukünftige Probleme in der Medizin gerahmt. Der Beitrag geht der Frage nach, wie – oft unbewusst – faktisch diskriminierende Werte sozialer Ordnung in Algorithmen eingeschrieben werden und der weithin beklagte Gender Bias sowie rassistische Diskriminierung fortgeschrieben oder sogar verstärkt wird. Es wird erörtert, wie eine mit KI verbundene Automatisierung von Diskriminierung Ansprüche an ein gleichberechtigtes Zusammenleben vielfältiger und widersprüchlicher menschlicher Existenz erneut breit diskutierbar macht. Im Beitrag werden diese Fragen anhand des Einsatzes von KI bei der Hautkrebs- und der Brustkrebsdiagnose erörtert. Diese werden mit theoretischen und methodischen Zugängen aus der Genderforschung, die sozialen Konstruktivismus, Poststrukturalismus und New Materialism mit Ansätzen der Intersektionalitätsforschung und der Queer Theory verbinden, konfrontiert
Der Preis von Mutterschaft – die Lohnlücke zwischen Frauen mit und ohne Kinder in Ost- und Westdeutschland
Die vorliegende Studie analysiert die Lohnlücke zwischen Frauen mit und ohne Kinder vor dem Hintergrund unterschiedlicher gesellschaftlicher Rollenbilder in Ost- und Westdeutschland. Die Datengrundlage bildet die Beschäftigtenhistorik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, die Angaben zu allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland enthält. Vollzeitbeschäftigte Frauen mit Kindern verdienen weniger als Frauen ohne Kinder, wobei dieser Lohnunterschied in Westdeutschland deutlich größer ausfällt als in Ostdeutschland. Mittels einer Oaxaca-Blinder-Zerlegung weisen wir wichtige Einflussfaktoren aus und können einen bereinigten Lohnunterschied ermitteln. Dabei deuten die Ergebnisse der Zerlegungen darauf hin, dass historische Unterschiede bezüglich der gesellschaftlichen Leitbilder zur Mutterrolle in Ost- und Westdeutschland weiterhin bestehen. Die Abkehr vom traditionellen Bild der Mutterrolle ist somit nach wie vor relevant für den Abbau des Lohnnachteils für Mütter
Scheitern im Paradies. Die filmische Repräsentationsfigur der Sextouristin in Paradies: Liebe und Vers le sud
Wir diskutieren die Darstellung von Sextouristinnen anhand der in diesem Kontext zentralen Filme Vers le sud (FR/CA/BE 2005) und Paradies: Liebe (AT/DE/FR 2012). Trotz formaler Unterschiede werden in beiden Filmen zahlreiche Differenzen zwischen Touristinnen und lokalen Männern (u. a. hinsichtlich race, age, economic background) eingesetzt, um zu suggerieren, dass die dargestellten Beziehungen ausschließlich monetär und zum Scheitern verurteilt wären. Statt auf die sexuelle und geschlechtliche Transgression der Touristinnen zu fokussieren, rekurrieren die Filme so auf vergeschlechtlichte Narrative des Scheiterns. Damit werden im Bestreben, globale Beziehungen als ambivalentes Machtgefüge kritisch auszustellen, konventionelle Geschlechterbilder einmal mehr affirmiert
Subtle Gender Violence in the Neoliberalised Academia
This article shows how envy is a form of subtle gender violence within academia. Women professors at the National University of Colombia that participated in this study perceive that they are envied for their academic production within an androcentric system that devalues the knowledge and contributions of women. This occurs in a neoliberal context of scarcity of resources that hinders research and scientific production, but economically stimulates those who produce academic out-put. Thus, the perception of the envy resulting from professional development leads to sinuous relationships among colleagues, leading women professors to self-isolation. At the same time, this also has consequences for their students, since one way of harming the professors is by obstructing the academic progress of people close to them
Zur Aushandlung von Gender in Diskursen über Künstliche Intelligenz und Arbeit
Derzeit lässt sich eine intensiv geführte öffentliche Debatte über die Frage beobachten, wie sich die Arbeit durch Künstliche Intelligenz verändern und welche Folgen dies für die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern haben wird. Die in diesem Zusammenhang verhandelten Chancen und Problemlagen sind Gegenstand des vorliegenden Working Papers. Ausgehend von einer Aufarbeitung der wissenschaftlichen Literatur und einer kritischen Analyse des öffentlichen Diskurses werden die politischen und praktischen Handlungsoptionen, aber auch die Schwachstellen der diskursiven Auseinandersetzung beleuchtet
Algorithmische Entscheidungsfindung aus der Gleichstellungsperspektive – ein Balanceakt zwischen Gender Data Gap, Gender Bias, Machine Bias und Regulierung
Der Beitrag analysiert, inwieweit Algorithmen bei der Erreichung der Gleichstellungsziele hilfreich oder hinderlich sind, insbesondere unter Berücksichtigung der Phänomene des Gender Bias, Gender Data Gap und des Machine Bias. Am Beispiel von Rekrutierungsalgorithmen werden insbesondere die negativen Konsequenzen für die Gleichstellung von Männern und Frauen erläutert. Der Beitrag zeigt aber auch auf, inwieweit Algorithmen gezielt für die Erreichung von Gleichstellungszielen verwendet werden könnten, unter anderem zur Verfolgung positiver Maßnahmen und zur Aufdeckung von Diskriminierungen