GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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Nachhaltigkeitsforschung und Geschlechterperspektiven: intersektionale Ansätze zur Analyse sozial-ökologischer Transformationen
Dieser Beitrag knüpft an Arbeiten aus dem Forschungsfeld Geschlechterverhältnisse und Nachhaltigkeit an und zielt darauf ab, intersektionale Geschlechterperspektiven als Heuristik zur Analyse sozial-ökologischer Transformationen zu formulieren. Dabei wird die in der geschlechterbezogenen Nachhaltigkeitsforschung entwickelte Unterscheidung von Geschlecht als Differenz-, Struktur-, Prozess- und epistemologische Kategorie insbesondere in Bezug auf intersektionale und epistemologische Perspektiven konkretisiert, die zu einem erweiterten, heuristischen Verständnis der Geschlechterperspektiven als Analyseperspektiven beitragen. Am Beispiel der Systematisierung von Forschungsarbeiten an der Schnittstelle von Energiewende, Geschlecht und Macht werden die Potenziale der jeweiligen Perspektiven und ihrer Erweiterungen konkretisiert. Damit wird sowohl die systematisierende als auch die analytische Funktion einer solchen Heuristik für die (empirische) Forschung zu sozial-ökologischen Transformationen verdeutlicht
Wo stehen wir? Und wohin gehen wir? Eine E-Mail-Korrespondenz über Feminismus, Literatur und Gender
In einem persönlichen und lockeren E-Mail-Wechsel skizzieren die Autorinnen aktuelle Entwicklungen der literaturwissenschaftlichen Gender Studies, die sich im Hinblick auf manche interdisziplinäre und anerkennungspolitische Kontexte derzeit abzeichnen. Zwei Aspekte treten als zentrale Themen zutage: Zum einen sind sich die Autorinnen einig, dass sich der Feminismus weiterhin als streitbar erweisen sollte; zum anderen arbeitet eine merkliche Tendenz des Polarisierens und Vereindeutigens (von geschlechtlicher Identität, von ideologischen Positionen, von Identitätsbekenntnissen) gegen die Schreibweisen der Literatur, die ihren Leser*innen stets rhetorisch wie ästhetisch motivierte Ambiguitäten zumutet. Beiden Tendenzen lässt sich nur mit Offenheit und Bereitschaft zum Dialog begegnen
Gender als Escape Room - Künstliche Intelligenz als Katalysator
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) erhöhen die Dringlichkeit, Gender als bestehende rassistische und klassistische patriarchale Geschlechterordnung zu überwinden. Das heißt, KI wirkt wie ein Katalysator, der die Verwirklichung einer egalitären Geschlechterordnung, die rechtlich ja längst verbrieft ist, noch dringender macht. Dabei macht KI noch offensichtlicher, dass dies – wie in einem Escape-Room – nur in einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten möglich wird. Der Aufsatz zeigt die Verschärfung und Verschleierung von Diskriminierung durch KI anhand wichtiger Studien und schlägt einen intersektionalen Ansatz vor, der Geschlechterbinaritäten und stereotype Klassifizierungen transzendiert. Partizipatorische und aktivistische Ansätze werden diskutiert und eine auf Gerechtigkeit basierende Forschung zu Digitalisierung und KI gefordert
Intersektionalität als Handwerksinstrument? Eine Analyse der Verwendung des Intersektionalitätsbegriffs im Bundesprogramm „Demokratie leben!“
Intersektionalität wird vermehrt als Konzept in politischen Handlungsfeldern wie dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ aufgegriffen. Hierbei überträgt der Staat die Bearbeitung gesellschaftlicher Problemstellungen an zivilgesellschaftliche Träger. Sie sollen u. a. fachliche Expertise in die Regelstrukturen der Kinder- und Jugendhilfe transferieren. Im Beitrag wird beleuchtet, wie das Konzept Intersektionalität von staatlicher Seite verwendet und im Austausch mit zivilgesellschaftlichen Trägern angeeignet und ausgedeutet wird. Auf der Basis einer diskursanalytischen Untersuchung zeigen wir, dass die staatliche Verwendung des Begriffs inartikuliert bleibt und dieser als Handwerksinstrument für die Anregung der Zusammenarbeit der Träger genutzt wird. In der Konsequenz bleibt die machtkritische Auseinandersetzung mit Ungleichheitsstrukturen großenteils aus. Demgegenüber bringen zivilgesellschaftliche Träger ein breiteres Begriffsverständnis von Intersektionalität in den staatlichen Programmkontext ein
‚Mehr als nur Frühstück ans Bett‘ : Objektivierung vs. posthumane Kollektivverantwortung in Channel 4s "Humans"
Im Intro zur Channel 4-Fernsehserie „Humans“ (2015-2018) preist ein Voice-Over eine Gynoid mit den Worten an: „Dieses mechanische Hausmädchen kann mehr als nur das Frühstück ans Bett bringen“. Intro und Anfang der Serie aktivieren, so das Argument dieses Artikels, misogyne Tendenzen in der KI-Imagination, um diese sichtbar zu machen und infrage zu stellen. „Humans“ verdeutlicht, wie sexistische und, weniger prominent, rassistische Machtstrukturen in KI-Design fortgeschrieben und damit verstetigt werden. Die Serie wendet sich insbesondere der Wechselwirkung zwischen der Objektivierung von Frauen und der Feminisierung von Objekten zu. Gleichzeitig bleibt die Serie jedoch in einer binären Geschlechterkonstruktion verhaftet und unterwandert ihre eigene Kritik an Ausbeutung zum Wohle einer privilegierten Minderheit
Eine Sichtung
Der Beitrag gibt einen Überblick über Intersektionalität als Perspektive innerhalb der theologischen Forschung. Dieses Unterfangen geschieht als Sichtung exemplarischer Perspektiven und Erträge und folgt in der Systematisierung dabei den unterschiedlichen theologischen Teilfächern (die biblischen Wissenschaften, Religionspädagogik, Kirchengeschichte und Systematische Theologie). Ein Teilschwerpunkt liegt hierbei auf dem Intersektionalitätsdiskurs innerhalb evangelischer Religionspädagogik. Insgesamt wird ein doppeltes Interesse verfolgt: Einerseits wird gefragt, wie intersektionale Arbeit – insbesondere das klassische Triplet Race, Class und Gender – in der Theologie aufgegriffen wird. Andererseits stellt der Beitrag in seinem Sichtungsanliegen zugleich die Frage, wie Religion als intersektionales Moment in der Theologie verhandelt wird. Hierzu geraten unterschiedliche Problembestände, gedanklichen Linien sowie weitere Forschungsbedarfe in den Blick, die mit der Frage nach Religion als Kategorie einer intersektionalen Reflexion auftauchen
: Intersektionalität in Bildung und Wissenschaft
Der Aufsatz beleuchtet das Konzept der Intersektionalität aus historischer, methodischer sowie bildungsspezifischer Perspektive. Zunächst werden die theoretischen Wurzeln des Begriffs untersucht, die unter anderem auf die Black-Feminism-Bewegung in den USA der 1970er Jahre zurückgehen. Anschließend wird auf die Rolle von Kimberlé W. Crenshaw bei der begrifflichen Etablierung von Intersektionalität eingegangen. Im darauffolgenden Kapitel werden zentrale forschungsrelevante Debatten rund um das Konzept thematisiert, wobei sowohl das noch nicht vollständig ausgeschöpfte Potenzial als auch theoretische und methodische Grenzen diskutiert werden. Im Kontext schulischer Bildungsprozesse werden einerseits mögliche intersektionale Zugänge für die Schule diskutiert und andererseits praktische Umsetzungsmöglichkeiten für verschiedene Fächer erörtert, die sich aus den bisherigen Überlegungen zum Konzept der Intersektionalität ergeben. Der Aufsatz schließt mit einer Zusammenfassung aller Beiträge dieses Sammelbands
Zumutung und Machbarkeit. Schwangerschaftskonfliktberatung zwischen rechtlichem Zwang und professioneller Umdeutung
Im Fokus des Beitrags steht das Deutungs- und Handlungswissen von Professionellen in der Schwangerschaftskonfliktberatung bei Pro Familia. Analysiert werden Auszüge aus explorativen Expert*inneninterviews. Die Untersuchung zeigt, dass sich die Interviewten aus einer politischen Perspektive von der gesetzlichen Pflichtberatung distanzieren. Zugleich legitimieren sie jedoch Beratung mit Bezug zu ihrer professionellen Rolle als Berater*innen als generell hilfreiches Angebot. So verschiebt sich die politische Grundsatzkritik im professionellen Diskurs in Richtung einer Affirmation von Beratung im Interesse der zu Beratenden. Zugleich zeigen sich Facetten eines übergreifenden Deutungsmusters: Beratung wird als Möglichkeitsraum der Entlastung, Selbstvergewisserung und Selbstbestimmung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Tabuisierungen und Stigmatisierungen konstruiert. Die Ergebnisse der explorativen Studie schließen damit sowohl an Zeitdiagnosen zur gesellschaftlichen Bedeutung von Beratung als auch an Diskurse feministischer Beratung an
Undoing gender mit "Pippi Langstrumpf"? Astrid Lindgrens Pippi als Beispiel für Judith Butlers Konzept der Subversion
Der vorliegende Beitrag untersucht, inwiefern Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf vor dem Hintergrund der Performanztheorie von Judith Butler, die die (gesellschaftlich-soziale) Konstruktion von sozialem Geschlecht durch die Wiederholung performativer Akte im Sinne eines Doing gender annimmt, als subversive Figur gelesen werden kann. Zu diesem Zweck wird sie in Hinblick auf die vier Analysekategorien Blick, Stimme, Agency und Körperkonzepte genauer betrachtet. Es zeigt sich, dass in den Geschichten Genderrollenvorstellungen ‚falsch zitiert‘ werden, sodass es zu bewussten Normbrüchen mit stereotypen Vorstellungen kommt, die Pippi als merkwürdige und subversive Figur erscheinen lassen