GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
Not a member yet
3679 research outputs found
Sort by
Interdependente Geschlechtervielfalt als un/be/deutende Anforderung an pädagogische Professionalität
Dieser Beitrag widmet sich unter Berücksichtigung des inter-/nationalen Forschungsstandes zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt im Handlungsfeld
Schule dem Verhältnis von Kontingenz, Differenz und pädagogischer Professionalität. Hierzu werden Einblicke in ein laufendes Forschungsprojekt zur Rekonstruktion professionsbezogener Deutungsmuster im Umgang mit und bei der Thematisierung vielfältiger geschlechtlicher und sexueller Lebensweisen gegeben. Im Zentrum der Ausführungen stehen fallbezogene Deutungen, die aus episodischen Interviews mit Lehrkräften an einer beruflichen Schule gewonnen und unter Orientierung am Forschungsstil der Grounded Theory Methodology ausgewertet wurden. Ausgehend von Episoden über erlebte Kontingenzerfahrungen im Umgang mit vielfältigen, mehrdimensional situierten Lebensweisen wird in Konstellation ausgewählter Interviewsequenzen aufgezeigt, welche Funktion den situations- und differenzbezogenen Deutungen aus Perspektive der Akteur*innen für professionelles pädagogisches Handeln zukommt. Einer kritisch-dekonstruktiven Analyseperspektive folgend wird dabei exemplifiziert, welche impliziten Normen im Sprechen über (interdependente) Geschlechtervielfalt zu Tage treten, und herausgestellt, wie Lehrkräfte in heteronormative, natio-ethno-kulturelle und ableistische Diskursformationen involviert sind
Zwischen ‚Exzellenz‘ und Existenz. Wissenschaftskarriere, Arbeits- und Geschlechterarrangements in Deutschland und Österreich
In der Gesellschaft wie auch in der Wissenschaft haben einige Veränderungen in Richtung Geschlechtergleichstellung stattgefunden. In den letzten Jahren werden wissenschaftliche Karrieren in Deutschland und Österreich jedoch nach ‚Exzellenzkriterien‘ und dem Leitbild der ‚unternehmerischen Hochschule‘ reorganisiert und Karrierepfade prekarisiert. Dieser Beitrag untersucht länderübergreifend, ob sich dadurch Geschlechterarrangements erneut ungleich gestalten. Dazu wird mit der Perspektive der alltäglichen und biografischen Arbeitsarrangements der Zusammenhang zwischen wissenschaftlichen Karrieren und Geschlecht analysiert. Im Fokus stehen die subjektiven Wahrnehmungen von Alltagsorganisation und biografischen Entscheidungen von NachwuchswissenschaftlerInnen, die in zwei qualitativen Interviewstudien befragt wurden. Es wird auf der Subjektebene gezeigt, wie in Zeiten ‚exzellenter‘ Spitzenforschung Geschlechterungleichheiten in Alltag und Biografie erzeugt werden
Revolution der Verwandtschaft. Beziehungsweisen in Heinrich von Kleists "Die Verlobung in St. Domingo"
Wenn moderne Revolutionen wesentlich Verwandtschaftsverhältnisse betreffen, welche Fragen wirft dann die Haitianische Revolution als eine Selbstbefreiung von people of color von rassistischen und sexistischen Verhältnissen auf? Der Artikel geht diesem Problem anhand der Darstellung von Beziehungsweisen in Heinrich von Kleists Die Verlobung in St. Domingo (1811) nach. Narrative der Verwandtschaft werden hier anhand der Verlobung eines Mädchens aus einem revolutionären Haushalt mit einem aus der Schweiz stammenden Söldner der Konterrevolution sowie seiner patriarchalen Großfamilie präsentiert. Der Beitrag argumentiert in intersektionaler Perspektive, dass der revolutionäre Haushalt Tonis neue Verwandtschaftsformen etabliert, zugleich aber noch von den sexistischen und rassistischen Verhältnissen des Kolonialismus geprägt ist. Die Widersprüchlichkeit des Eherechts in der Übergangssituation des Jahres 1803 konterkariert den Versuch, eine neue Praxis interkultureller Verwandtschaftsformen zu begründen
Die Entwicklung heteronormativitätskritischer Professionalität in Reflexions-Workshops – Zur Verbindung von pädagogischem Erfahrungswissen und wissenschaftlichem Erkenntniswissen im Kontext von Praxisforschung
Das Potential multidimensionaler Hegemonieselbstkritik
Dieser Beitrag nimmt die Skepsis in der Geschlechterforschung gegenüber Herrschaftskritik privilegierter Personen zum Anlass, erneut über das Verhältnis von sozialem Standort und politischem Standpunkt nachzudenken. Argumentiert wird, dass feministische Standpunkttheorie, welche einen weiblichen oder marginalisierten Standort voraussetzt, hegemonieselbstkritisch weiterentwickelt werden muss, um feministische Hegemonieselbstkritik von einem privilegierten männlichen Standort wahrnehmen und anerkennen zu können. Das herrschaftskritische Projekt der Multidimensionalität bzw. Intersektionalität inklusive Hegemonieselbstkritik privilegierter Personen wird hier darum um den Aspekt der Hegemonieselbstkritik von einem marginalisierten Standort ergänzt. Der Begriff der Hegemonieselbstkritik beschreibt den Prozess der kritischen Infragestellung der eigenen Selbstsetzung als hegemonial bezogen auf eine hegemonial männliche wie auch eine sich hegemonial setzende weibliche feministische Positionierung. Feministische Standpunkttheorie ermöglicht es, beide zu differenzieren und in ihrem spezifischen Standort zu situieren. Die Hegemonieselbstkritik aller (Geschlechter) hat Potential, breite emanzipatorische Bündnispolitiken zu ermöglichen und ein Umschlagen von Emanzipation in Herrschaft zu vermeiden
Erziehungswissenschaftliche Geschlechterforschung? Ein Essay zu Verhältnisbestimmung und Forschungsprogrammatik
Jüdische gesetzliche Auslegungen zu weiblicher Homoerotik
In der Hebräischen Bibel gibt es kein Verbot weiblicher Homoerotik. Auch in der Mischna und der Tosefta finden sich keine gesetzlichen Aussagen dazu. Spätere jüdisch-rechtliche Positionen zu weiblicher Homoerotik lassen sich in drei Punkten zusammenfassen, nämlich (1) „Sifra Achare Mot zu Lev 18,3 (keine Heirat weiblicher wie männlicher homoerotischer Paare)“; (2) „Talmudische Aussagen zu weiblicher Homoerotik im palästinischen Talmud Gittin 8,10,49c (Kontroverse, ob weibliche Homoerotik ein sexuelles Vergehen darstellt oder nicht) und in den babylonischen Talmudtraktaten Yevamot 76a (weibliche Homoerotik ist bloße Obszönität) und Schabbat 65a–b (Bedenken gegenüber Schwestern, die miteinander schlafen)“; und (3) „Maimonides: unterschiedliche Anschauungen über weibliche Homoerotik in seinen Werken Mischne Tora, Sefer Keduscha, Hilchot Issure Bia 21,8 und Kommentar zur Mischna Sanhedrin 7,4“. Diese halachischen Texte werden queer gelesen, um jüdische lesbische Frauen und andere heutige queere Personen zu stärken