GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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Die Janusköpfigkeit militärischer Gewalt: Zur Einhegung von Verletzbarkeit und Verletzungsmacht durch mexikanische Soldatinnen*
Das Erkenntnisinteresse dieses Artikels gilt dem Zusammenhang zwischen Gewalt und Geschlechterbeziehungen im Militärischen. In der symbolischen Ordnung ist Gewalt dichotom in Verletzungsmacht und Verletzbarkeit organisiert, diese Dichotomie ist zudem tiefgreifend mit der Kategorie Geschlecht verknüpft. Welche Verschiebungen in der geschlechtlich strukturierten, militärischen Gewaltorganisation zieht die Einbindung von Frauen* in mexikanische Kampfeinheiten nach sich? Die zugrundeliegende qualitative Studie erforscht, wie Soldatinnen in die mexikanischen Streitkräfte eingebunden werden, welche Einhegung ihre soldatische Verletzbarkeit erfährt und inwiefern sie sich Verletzungsmacht aneignen. Als zentrales Ergebnis wird herausgearbeitet, dass mit der militärischen Einbindung von Frauen* eine Verschiebung in der vergeschlechtlichten Ordnung der Gewalt konstatiert werden kann: Die mexikanischen Kampfsoldatinnen haben sich erfolgreich eine soldatische Subjektposition angeeignet und sind weit in die bislang männlich konnotierte Sphäre der soldatischen Verletzungsmacht vorgedrungen. Gleichzeitig sind die Bewegungen in der Beziehung von Gewalt und Geschlecht im Militärischen deutlich von Ambivalenzen gekennzeichnet, denn es werden auch neue Grenzen gezogen
Die Macht von Körpernormen. Dekonstruktive Perspektiven auf berufliche Identitätskonstruktionen junger Frauen*
Dekonstruktive Gendertheorien öffnen den Blick auf Ordnungen und Normen, die die Identitätskonstruktionen der Subjekte rahmen und begrenzen. Mit Bezug auf empirisches Material, das in einem Forschungsprojekt zu Berufswahlentscheidungen junger Frauen* in Form von Gruppendiskussionen und Leitfadeninterviews erhoben wurde, geht es in dem Beitrag darum, normative Anforderungen in Bezug auf den Körper aufzuzeigen, denen sich junge Frauen* und Mädchen* im Rahmen ihrer beruflichen Zukunftsorientierungen zu stellen haben. Dabei wird deutlich, wie Körpernormen die Anerkennbarkeit der Subjekte im heteronormativen System der Zweigeschlechtlichkeit regulieren und welche Auswirkungen die antizipierten Risiken der Nicht-Erfüllung dieser Normen für die Selbstentwürfe junger Frauen* haben können
Geburt im Spannungsfeld von Interaktion, Professionalität und Gewalterfahrungen
Der zunehmende Wandel durch eine Ökonomisierung des Gesundheitssystems und die damit verbundenen strukturellen Veränderungen zeigen Auswirkungen auf die Geburtshilfe. Hierbei ist besonders der Bereich um Gewalt unter der Geburt in den letzten Jahren im öffentlichen Diskurs vermehrt in den Fokus gerückt. Der vorliegende Beitrag analysiert das Thema von Gewalt unter der Geburt im Kontext von Interaktion und Professionalität. Er arbeitet am Beispiel eines Geburtsberichts Gewalterfahrungen heraus und untersucht diese im Kontext professionalisierter Interaktionen. Gezeigt wird, welche interaktionalen Prozesse Gewaltformen unter der Geburt beeinflussen und welche Interdependenzen sich mit der Professionalität von Geburtshelfer*innen ergeben. Der Beitrag forciert eine mikroperspektivische Sicht auf Interaktions- und Kommunikationsansätze, bei der sowohl die Kommunikationsebene als auch die Selbstbestimmung von Frauen als wesentlich verstanden werden
Jenseits von Atwood: gruselige Echos oder die 'Magd‘ als ikonische Figuration (geschlechter-)politischen Widerstands
Dieser Beitrag tritt an, Parallelen aufzuzeigen zwischen zeitgenössischer Biopolitik am rechten Rand des US-amerikanischen Spektrums und der ersten Staffel der TV-Adaption (2017) von Margaret Atwoods dystopischem Roman The Handmaid’s Tale (1985). Es gilt, eine doppelte These zu belegen, deren Teile durch die Frage verbunden sind, wie eine ursprünglich literarische Figur, eine kulturelle Repräsentation, durch Verflachung, Serialisierung, Ikonisierung zur Figuration politischen Widerstands in der Realität werden kann. Zum einen schlage ich vor, die transmediale ‚Magd‘, die sich zum internationalen Phänomen des Protests gegen sexistische Gesetzgebung entwickelt hat, als „serielle Figur“ im Sinne Ruth Mayers zu verstehen. Zum anderen zeige ich, wie die Heldin der Hulu- Serie ihren aufgegebenen Subjektstatus in einem – mit Michel Foucault als parrhesia zu bezeichnenden – Akt „risikobehafteten Wahrsprechens“ zurückerkämpft. Insgesamt geht es darum zu zeigen, wie verschiedene kulturelle Iterationen der ‚Magd‘ zu einem sozio-politischen Diskurs beitragen, der gegen misogyne Geschlechterpolitik und ihre Gouvernementalität Stellung bezieht
An opportunity for patient-centered care: Results from a secondary analysis of sex- and gender-based data in mobile health trials for chronic medical conditions
Traditional medical practice has suffered from male bias, which can lead to sub-optimal treatment options for female patients and increase the incidence of severe side-effects in this population. Mobile health applications, mHealth apps, represent one essential component of the shift towards consumer-centered self-administered individualized health. To prevent sex-specific bias it is important that trials consider sex and gender when developing mHealth apps. We evaluated the inclusion and reporting of sex and gender at all levels in mHealth randomized controlled trials (RCTs). To this end, we conducted a secondary analysis of a large study database addressing the effectiveness of app interventions on clinical outcomes in patients with chronic medical conditions. We followed the 5 steps described in the framework by Arksey and O’Malley and the guidelines of the PRISMA-ScR. Of the 72 app-based RCTs which reported information about sex overall, 62 included individuals of both sexes. The concept of gender was not addressed in any of the studies. The consideration of sex aspects in the design, execution and reporting of mHealth RCTs was minimal or absent. To adequately address the health and preventative needs of the mHealth user population, sex and gender should be systematically included in the research, development and evaluation of mHealth applications
Multiple HPV infections among men who have sex with men engaged in anal cancer screening in Abuja, Nigeria
Background: Anal precancers and cancers can be detected during screening with high-resolution anoscopy (HRA). The sensitivity of HRA depends on the burden and duration of human papillomavirus (HPV) among those screened as well as anoscopist proficiency, which is highly correlated with prior screening experience. Our objective was to compare the identification and type of HPV and the likelihood of HRA-detected precancer for men who have sex with men (MSM) undergoing their first HRA-screening in Nigeria. Methods: MSM were recruited from an HIV test-and-treat cohort, TRUST/RV368, into a new anal cancer screening program. Anal swabs obtained during screening underwent Ion Torrent next-generation sequencing using barcoded HPV PCR broad-spectrum primers 5+/6+ to detect up to 161 HPVs. All high-risk (HR) HPVs and the most abundant low-risk (LR)-HPVs were evaluated as type-specific infections with some categorized as belonging to a multiple infection. HRA screening results included benign, low-grade squamous intraepithelial lesions (LSIL), or HSIL as detected by cytology or histology. Multivariable logistic regression was used to assess the association of HPV and other cofactors with any SIL.
Results: Among 342 MSM, 60% were HIV-infected, 89% were under 35 years of age, and 51% had 8 or more years since anal coital debut. Of those with SIL, 89% had LSIL and only 11% had HSIL. Prevalence of any HPV and high-risk (HR)-HPV was 92% and 74%, respectively. The most prevalent genotypes in rank order were HPV6 (31%), HPV16 (23%), HPV42 (20%), HPV11 (18%), HPV45 (18%), and HPV51 (17%). For multiple HR-HPVs, 31% had a single HR-HPV, 32% had 2-3, and 10% had 4 or more. Low-risk HPVs, type 6 and/or 11, were common (42%) and were significantly associated with SIL (adjusted odds ratio [aOR]:1.8, 95% confidence interval [CI]: 1.1–3.1) together with perianal warts (aOR:6.7, 95% CI: 3.3–13.5). In contrast, HR-HPV and multiple HR-HPVs were not significantly associated with SIL (all p > 0.05).
Conclusions: Detection of HSIL was low. Although HR-HPV was abundant, HSIL development also depends on the duration of HR-HPV infections and the anoscopist's level of experience. As our cohort ages and the anoscopist becomes more skilled, detection of HSIL will likely improve
Der META-Katalog und das Digitale Deutsche Frauenarchiv machen Materialien der Frauenbewegungen für die breite Öffentlichkeit sichtbar
Die Bewahrung der Lesben- und Frauenbewegungsgeschichte ist Aufgabe des i.d.a.-Dachverbands, der aktuell rund 40 Archive, Bibliotheken und Dokumentationsstellen vernetzt. Seit 2015 existiert der gemeinsame META-Katalog des Dachverbands. Er realisiert den spartenübergreifenden Nachweis von bibliothekarischen und archivalischen Materialien und stellt ein bisher einzigartiges Rechercheinstrument für die deutschsprachige Frauen- und Geschlechterforschung dar. Darauf aufbauend ging 2018 das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) online. Das virtuelle Portal präsentiert Originaldokumente in Form von Digitalisaten, begleitet von wissenschaftlich aufbereiteten Informationen. Der Beitrag widmet sich Herausforderungen beim Datenmanagement in META und bei der Rechteklärung für das DDF
Reasons for women aged 50 years and older to seek gynaecological advice and treatment
Gynaecological care is generally perceived as focused on reproductive health. However, when women enter the nonreproductive life phase, other reasons to seek gynaecological care gain in importance. This paper presents findings on the reasons for women in the 50 years and older age group to seek gynaecological consultation and treatment. Our findings are based on data from the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1 , 2008-2011), conducted by the Robert Koch Institute (RKI), as well as the 2016 claims data from the Associations of Statutory Health
Insurance Physicians (KVen), provided by the Central Research Institute of Ambulatory Health Care in Germany (Zi) . At this age, cancer screening and menopausal complaints can become, as DEGS1 data shows, important reasons to seek gynaecological services. Around 65.0% of 50- to 79-year-old women took advantage of breast palpation examinations during the last twelve months, and 58.0% underwent cervical cell smear tests (pap smear). 47.2% of women had their last menstrual period at age 50 or later. KV data shows that with 45.3% and 33.1% of cases respectively, menopausal symptoms (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, 10th revision, ICD-10: N95) and screening for malignant neoplasms (ICD 10: Z12) were the most frequently billed services. The data clearly shows reasons for consultation and treatment of women aged 50 years and older and these should therefore be considered in treatment planning and design
Intergeschlechtlichkeit in der (Grund-)Schule
Der Beitrag ist eine praxisnahe Einführung in das Thema Intergeschlechtlichkeit in der Grundschule