GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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Geschlecht in den Debatten der Heimkampagne von 1969
Der Beitrag untersucht, welche Bedeutung Geschlecht als ordnungsstiftende Größe in den öffentlichkeitswirksamen Debatten zukam, die Ende der 1960er-Jahre um Fürsorgeerziehungsheime für weibliche und männliche Jugendliche geführt wurden. Analysiert werden Auszüge aus schriftlichem Archivmaterial zur sogenannten Heimkampagne in Hessen 1969. Mit Blick auf Verhandlungen um Arbeitsaufgaben und Erscheinungsbilder der in den umstrittenen Einrichtungen untergebrachten jungen Frauen und Männer wird nach der Bezugnahme auf Geschlecht in den jeweiligen Argumentationen gefragt. Die exemplarischen Textanalysen zeigen, wie Annahmen zu Geschlechterdifferenzen in die Kritik an Bestehendem und die Aufforderungen zum Wandel ebenso einfließen wie in damalige Reaktionen darauf
The Faces of Fatness in Early Modern Europe
Since the beginning of Christianity the body, and lack of control over it, were perceived as a site of sin. St. Augustine, for example, struggled with the temptations of the senses, seeking control of his mind over the urges of his body. St. Thomas Aquinas viewed immoderate eating and drinking as gluttonous. This sinful perception of the body was clearly developed in artistic depictions. Gluttony was often represented by a fat figure. In early modern Europe, the negative appraisal of the fat body was further related to heathen customs, and to violation of the accepted social norms and hierarchy.This paper focuses on images from 15th and 16th century northern Europe, delineating the negative visual approach towards the fat body. From representations of the sin of Gluttony to the depiction of peasants around the time of the German peasant wars, this paper follows the negative portrayal of the fat body and its different religious, social and political meanings
Natur- und Geschlechterverhältnisse im Werk von Angélica Gorodischer
Im Zentrum der vorliegenden Studie steht das Werk der argentinischen Autorin Angélica Gorodischer, das aus einer ökofeministischen Perspektive analysiert werden soll. Die in den literarischen Texten der Autorin formulierten Natur- und Umweltdiskurse, inklusive ihrer geschlechtlichen Aufladungen, werden innerhalb kultureller, gesellschaftlicher und politischer Spannungsfelder diskutiert. Ihr Werk prägen unterschiedliche Darstellungs- und Verhandlungsformen von Natur- und Umweltszenarien, in denen tradierte geschlechtliche Kodierungen aufgedeckt und auf diverse Weise umgeschrieben werden. Die zentrale Fragestellung dieser Untersuchung richtet sich auf die Analyse der Darstellungs-, Funktions- und Wirkungsweisen der Natur- und Geschlechterverhältnisse in den Werken Gorodischers. Auch wird erforscht, inwieweit die literarische Darstellung, Inszenierung und Repräsentation von Natur im Gesamtwerk der Autorin gewisse Tendenzen, Brüche, Transformationen und Modifikationen aufweisen, und inwiefern sie mit ökokritischen und ökofeministischen Theorien korrelieren bzw. diese umdeuten und erweitern. Die Kategorie gender mit in die Natur- und Umweltdiskurse aufzunehmen, ist besonders in den letzten Jahren im Zuge des intensiven Anstieges ökokritischer Studien, die sich mit lateinamerikanischer Literatur aus der Perspektive der Ecocrítica auseinandersetzen (u. a. Barbas-Rhoden 2011, Heffes 2013, Vara 2013, DeVries 2013), von zentraler Bedeutung. Natur- und Umweltdarstellungen besitzen bestimmte geschlechtskodierte Aufladungen und spielen innerhalb der Ikonographien und literarischen Landschaften Lateinamerikas eine zentrale Rolle. Dabei können Naturbeschreibungen entlang gewisser literaturhistorischer Traditionslinien und kulturgeschichtlicher Praktiken sichtbar gemacht werden und sind stets eng verknüpft mit kulturellen, sozialen und politischen Spannungsfeldern in Bezug auf Territorien, Identitäten und Macht. Darüber hinaus sind Natur- und Umweltszenarien kulturell und historisch bedingt und werden nicht nur auf einer thematischen Ebene untersucht, sondern auch anhand ihrer ästhetischen Wirkungsweisen erforscht. In den Darstellungsformen von Natur- und Umwelt treten zudem unterschiedliche konflikthafte Beschreibungsmuster hinsichtlich einer „Feminisierung von Natur“ oder einer „Naturalisierung von Frauen“ auf, die häufig entlang von Unterdrückungs- und Ausgrenzungs- aber auch Kontroll- und Ausbeutungsstrukturen artikuliert werden. Als ein prominentes Beispiel geschlechtskodierter Naturdarstellung ist die Ausgestaltung von Natur als weiblicher Körper zu nennen, den es zu erobern, zu kontrollieren und/oder zu zivilisieren gilt. In den Texten von Angélica Gorodischer artikuliert sich ein sozialkritischer Ökofeminismus, der die ökologischen und genderspezifischen Thematiken innerhalb von Machtstrukturen denkt, aber auch neue Aushandlungen von Weiblichkeits- und Männlichkeitskonzepten in Verbindung mit Umweltszenarien formuliert. Vor diesem Hintergrund begreift sich die vorliegende Arbeit als kritische Intervention, da in den Werken der Autorin gezielt konventionelle und tradierte Natur- und Geschlechterverhältnisse aufgegriffen, kritisch hinterfragt und dekonstruiert werden. Innerhalb der aktuellen ökokritischen Debatten im Kontext der lateinamerikanischen Literatur eröffnet der genderspezifische Forschungsschwerpunkt der vorliegenden Studie neue Betrachtungsweisen bezüglich der Ausgestaltung und Verhandlung von Naturschauplätzen und ökologischer Thematiken. Des Weiteren soll die ökofeministische Analyse eines argentinischen und lateinamerikanischen Textkorpus geleistet und gleichzeitig herausgearbeitet werden, wie ökokritische und ökofeministische Diskurse, letztere besonders im globalen Norden formuliert, durch die Perspektive einer Autorin aus dem globalen Süden kritisch reflektiert und erweitert werden. Die Untersuchung der Natur- und Geschlechterverhältnisse der Erzählliteratur von Angélica Gorodischer zielt zudem darauf ab, die vielschichtigen ökofeministischen Ansätze und Debatten in ihren Transformationen und Modifikationen über einen Zeitraum von rund 40 Jahren (in ihren Werken publiziert zwischen 1967 und 2005) auszuloten. Schließlich sollen mit der vorliegenden Studie neue Impulse geliefert werden, einen literarischen Ökofeminismus (weiter) voranzubringen, indem die Funktion und das Potenzial der Literatur- und Kulturwissenschaft eruiert werden, sich mit der Darstellung der globalen ökologischen Krise zu befassen
Geschlecht und Begehren in schulbiographischen Erzählungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen und Trans*-Jugendlichen
Biographische Erfahrungen, Lebenswelten
und Entwicklungen von Kindern und Jugendlichen,
die nicht mit gesellschaftlich etablierten
und institutionell verankerten Geschlechternormen
konform gehen, sind in der erziehungswissenschaftlichen
Geschlechterforschung
bisher randständige Themen. Dies
mag zum Teil der Tatsache geschuldet sein,
dass erziehungswissenschaftliche Untersuchungen
zu Schule und Geschlecht häufig
auf teilnehmenden Beobachtungen kombiniert
mit sozialkonstruktivistischen Ansätzen
beruhen und von Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit
als Normalität ausgehen.
Der vorliegende Aufsatz nimmt demgegenüber
eine andere Perspektive ein und schließt
an Judith Butlers Theorie der Performativität
und der damit verbundenen Neuinterpretation
der Althusser’schen Anrufung im Kontext
der heterosexuellen Hegemonie an, um
narrative Interviews mit lesbischen, schwulen,
bisexuellen und trans*geschlechtlichen
Jugendlichen zu analysieren. Die hier angeführten
Rekonstruktionen beleuchten Prozesse,
mit denen in alltäglichen schulischen
Praktiken und beiläufigen Interaktionen geschlechtliche
und sexuelle Subjekte hervorgebracht
werden; sie illustrieren des weiteren
(Re-)Artikulationen von Geschlechternormen
und explizieren widerständige Handlungsmöglichkeiten
von LGBTQ*-Jugendlichen
auf der Grundlage der Interviewerzählungen.
Der Aufsatz schließt mit einigen methodologischen
Implikationen für zukünftige Forschung
im Feld der schulischen Geschlechterforschung.Complicated affairs: Gender and desire in narratives of lesbian, gay, bisexual and trans- gender youth of their experiences of school
Up to now within the field of education there has been little research on the lives and expe- riences of LGBTQ* youth in Germany. This lack of research may in part be due to the fact that much of the discussion about school and gender in the field of educational science is based on ethnographic observation combined with a conventional social constructivist approach, and that it often takes heterosexual desire as well as the gender binary as a given. LGBTQ* students then only appear as the OTHER of homo- and transphobic actions. This article offers an alternative view of gender norms, gender and desire in school. It takes up Judith Butler’s theory of heterosexual hegemony and performativity, as well as her rearticulation of Althusser’s ‘interpell tion’ in order to analyze case studies generat- ed from narrative interviews with LGBTQ* youth. The analysis presented here details the processes through which gendered and sexual subjects are constituted in day-to-day practices in school classes and casual interactions; it illustrates the (re-)articulations of gender norms and explains the agency of young lesbian, gay, bisexual and transgender people as described in their narratives of daily practices in school. The article concludes with some remarks on the methodological impli- cations for future gender research in schools
Tagung am 25. September 2015 an der Frankfurt University of Applied Sciences
Im Rahmen der Tagung wurden Mutterschaftsdiskurse
und -praxen aus kultur- und
sozialwissenschaftlicher
Perspektive erörtert.
Dabei wurde Mutterschaft in unterschiedlichen
Feldern – angefangen bei der Reproduktionsmedizin
bis hin zu stationären Mutter-
Kind-Einrichtungen – thematisiert und die
Referierenden und Teilnehmenden trugen so
zur wissenschaftlichen Sichtbarmachung eines
vernachlässigten Phänomens bei.Practice Between Maternal Responsibility and Scientific Neglect. Conference, 25 September 2015, Frankfurt University of Applied Sciences, Frankfurt am Main
The following conference paper discusses discourses and practices of motherhood(s). Various aspects of motherhood(s) were examined at the conference – ranging from reproductive medicine to in-patient mother-child facilities. Both speakers and participants contributed to raising the visibility of a neglected phenomenon
A Queer Reading of 2 Samuel 6
Nach der hebräischen Version der Ladeüberführung nach Jerusalem in 2 Samuel 6 ist König David so leicht bekleidet, dass er sich beim Tanz vor G*tt (Jhwh) öffentlich entblößt. Davids ausgelassenes, fröhliches und eventuell sexuelles Verhalten kann Assoziationen mit dem Verhalten heutiger Personen auslösen, die sich als gay ("fröhlich", "schwul") bezeichnen. Möglicherweise identifizieren sich queer Lesende mit David und wenden sich wie er von vorherrschenden Machthabenden – wie den Mitgliedern von Sauls Dynastie – ab, wenn sie wegen ihrer queeren Lebensweise nicht respektiert, sondern verfolgt werden – wie David von König Saul verfolgt wurde. Eine solche Auslegung impliziert, dass G*tt (Jhwh) auf der Seite von Personen wie David steht, die sich – aus der Sicht anderer Menschen, wie auch Davids Frau Michal – sonderbar benehmen, also queer verhalten.According to the Hebrew version of the transport of the ark to Jerusalem in 2 Samuel 6, King David is so scantily dressed that he publicly exposes himself while dancing before G*d (Jhwh). Davidʼs wild, gay and possibly sexual conduct can evoke associations with the behavior of gay persons of today. Queer readers may identify with David and like him turn their backs on dominant rulers – like the members of Saulʼs dynasty – if they are not respected because of their queer way of life, but persecuted – as David was persecuted by King Saul. Such an interpretation implies that G*d (Jhwh) is on the side of persons like King David, who – from the point of view of other people as well as of Davidʼs wife Michal – behave in a strange fashion, thus act queerly
Mothers’ and Fathers’ disparate experiences in Francophone Schools : The connection between language, social capital and power in accessing ‘inclusive’ spaces for their children
Die Bedeutung von Kommunikation und Sprache für die sexuelle Entwicklung
Auch Menschen mit Autismus haben sexuelle Bedürfnisse. Aufgrund ihrer spezifischen Wahrnehmung und ihrer abweichenden sozio-kommunikativen Fähigkeit erleben Autist_innen sich und ihre Umwelt jedoch anders als Menschen ohne Autismus. Wichtig für die sexuelle Entwicklung ist jedoch eine gelungene zwischenmenschliche Kommunikation. Um an sexuellen Entwicklungsprozessen teilhaben zu können, benötigen autistische Menschen deshalb mitunter eine sehr intensive und zielgerichtete Unterstützung. Der Schwerpunkt des vorliegenden Buches liegt unter besonderer Berücksichtigung autismusspezifischer kommunikativer Fähigkeiten auf der psychosexuellen Entwicklung von Menschen aus dem Autismus-Spektrum. Die Autorin beleuchtet die Bedeutung von Kommunikation und Sprache und beschreibt, wie Veränderungen in diesem Bereich die Entwicklungsprozesse nachhaltig beeinflussen können. Dabei wird der Fokus auf einzelne Methoden der Unterstützten Kommunikation und deren positive Wirkung auf Sozialisationsprozesse der Sexualität gelegt. Sowohl Chancen dieser Methoden als auch mögliche Anwendungsfelder werden aufgezeigt und kritisch diskutiert.Sexuality and Autism: The Significance of Communication and Language for Sexual Development: People with autism too have sexual needs. But due to their specific perception and differing socio-communicative ability autistic people experience themselves and their environment differently than people without autism. However, successful interpersonal communication is important for sexual development. Therefore, autistic people sometimes need intense and well mapped-out assistance in order to be able to participate in sexual development processes. Centering on the psycho-sexual development of people from the autism spectrum, this book pays particular attention to autism-specific communication skills. It highlights the significance of communication and language and examines how modifications in this realm can have lasting impact on the development processes. The focus is placed on individual methods of Augmentative and Alternative Communication and their positive effects on socialization processes of sexuality. Both the chances offered by these methods as well as the possible areas of their application are demonstrated and critically discussed
Verheissungsvolle Berichte und suggestive Karten : Die englischen und niederländischen Nordostpassagen-Expeditionen des 16. Jahrhunderts zwischen Erfolg und Scheitern
From a modern perspective, the English and Dutch expeditions into the northern seas in the 16th century that set out to discover new shipping routes from Europe to Asia have thoroughly failed: Neither of them ever reached their goal. All the alluring expectations of exotic goods and spices that would be easily imported into England and the Netherlands – thus winning the competition in global commerce against Spain and Portugal – were shattered in the perennial ice of the Arctic Sea. Nevertheless these expeditions resulted in travel reports that tell stories of threatening ice, sea monsters, and barbaric peoples. The documents though, also assure the reader of a successful crossing of the Arctic in a near future, highlight the enormous achievement and endurance of the ships’ crews and emphasize the increase in knowledge due to the expeditions, mainly the mapping of northern coastlines. These aspects of historical ‘reality’, imaginations and wishful thinking are also juxtaposed in a couple of extraordinary maps accompanying the reports. This essay will analyse how the travel narratives and their visualization in the maps blur our neat distinction between failure and success and how especially maps became the piece of evidence for every single fragment of achievement