GenderOpen - Repositorium für die Geschlechterforschung
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Die Braut mit der Axt. Zum ambivalenten Spiel mit dem kunsthistorischen Kanon in der russischen feministischen Gegenwartskunst
Die russische feministische Kunstszene wächst stetig, und weist eine große Heterogenität auf. Dennoch sind nur wenige Akteur*innen international bekannt. Die vorliegende Untersuchung begegnet diesem Problem und setzt sich zum Ziel, eine Strömung innerhalb dieser Szene für den internationalen feministischen Diskurs zu erschließen: Im Fokus stehen Arbeiten, die sich auf subtile und kulturspezifische Art mit traditioneller russischer Femininität auseinandersetzen. Diese Arbeiten inszenieren ein ambivalentes Spiel, das in der Imitation und Irritation des visuellen Kanons besteht. Vorliegend wird dieses künstlerische Spiel als Strategie des Active Self-Othering beschrieben und am Beispiel des Brautmotivs diskutiert. Dabei wird die ikonografisch/ikonologische Methode nach Panofsky hinzugezogen und um die Ikonologie des Performativen nach Wulf und Zirfas erweitert. Die Falluntersuchung verdeutlicht das Potenzial des Active Self-Othering für die feministische Kunst in konservativen und/oder autoritären Gesellschaften. Durch subtile Brüche mit der ikonografischen Tradition erweitern die Künstler*innen das visuelle Repertoire des Femininen
Gendered AI: German news media discourse on the future of work
In recent years, there has been a growing public discourse regarding the influence AI will have on the future of work. Simultaneously, considerable critical attention has been given to the implications of AI on gender equality. Far from making precise predictions about the future, this discourse demonstrates that new technologies are instances for renegotiating the relation of gender and work. This paper examines how gender is addressed in news media discourse on AI and the future of work, focusing on Germany. We approach this question from a perspective of feminist technology studies and discourse analysis, exploring a corpus of 178 articles from 2015 to 2021 from German newspapers and newsmagazines. The findings indicate that critical AI and gender knowledge circulates in public discourse in the form of specific discursive frames, thematizing algorithmic bias, automatization and enhancement, and gender stereotypes. As a result, we show that, first, the discourse takes up feminist and scholarly discourse on gender and discusses AI in a way that is informed by social constructivism and standpoint theories. Second, gender appears as a—to some extent intersectional—diversity category which is critical to AI, while at the same time omitting important perspectives. Third, it can be shown that there is a renegotiating of the ideal worker norm taking place, and finally, we argue that the gendered frame of the powerful men developer responsible for AI’s risk is a concept to be challenged
Equal Care – wie die Europäische Union eine geschlechtergerechte Aufteilung von Sorgearbeit fördert
Die Richtlinie 2019/1158 zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für Eltern und pflegende Angehörige ist am 1. August 2019 in Kraft getreten. Sie regelt EU-weite Mindeststandards zu Freistellungen für Sorgearbeit sowie flexiblen Arbeitszeiten. Dadurch soll eine geschlechtergerechtere Aufteilung von unbezahlter Sorgearbeit unterstützt werden. Das Dossier führt in den Begriff der Sorgearbeit ein und zeigt welche Auswirkungen ihre Aufteilung auf die sozioökonomische Gleichstellung der Geschlechter hat. Im Weiteren gibt das Dossier einen Überblick über die Inhalte und Ziele der Richtlinie mit einem Fokus auf ihre gleichstellungspolitische Dimension. Eine erste Einführung erfolgt im Vorwort von Irena Moozova, stellvertretende Generaldirektorin – Internationale Dimension der Justizpolitik, Rechtsstaatlichkeit und Gleichstellung in der Generaldirektion Justiz bei der Europäischen Kommission. Mit dabei sind außerdem Beiträge von Attila Bőhm (COFACE Families Europe) mit einer zivilgesellschaftlichen Perspektive auf die Richtlinie und von Caroline de la Porte (Copenhagen Business School) zu Bedingungen für eine höhere Inanspruchnahme der Freistellungen durch Väter
Advertisements myth: commercialization of queer identity
The ever more frequent appearance of queer folk in advertisements may suggest a social recognition for queerness. Especially during the Pride months – international celebrations of queer life including protest, parades, and parties – queer ads fill western screens and billboards. This paper wants to explore the impact of queer visibility in advertising on the (re)construction of queer identities in consumer societies by bringing together Jean Baudrillard’s theory of consumption, Robert Goldman’s and Anne Cronin’s analysis of advertisements and Rosemary Hennessy’s findings about queerness in capitalisms. I will argue that the commodification of queers in western mainstream advertising, framed through the concept that consumption is closely tied to citizenship, is often mistaken as recognition. Furthermore, queerness is mystified in advertising through an attempt to maintain the fiction of a coherent queer identity that contributes to the construction of either an ‘abnormal’ queerness or aims to soothe derivations from the heterosexual norm. These findings will be put into perspective by a critical examination of an American advertising clip and reflection on the viewer’s position
Die „grausamen Zyklen von Wiederholungen“ durchbrechen – wie Frauenbewegungen in das kulturelle Gedächtnis gelangen
Der Beitrag untersucht vor dem Hintergrund des Eingangs der Frauenbewegungen in das kulturelle Gedächtnis die Arbeit von feministischen Archiven am Beispiel des Frauenarchivs ausZeiten in Bochum. Ausgangspunkt der Überlegungen ist der politische Anspruch des Archivs, das sowohl als Gedächtnis-Aktivistin das kulturelle Gedächtnis der Gesellschaft formt als auch als Reaktualisiererin historischer Inhalte an der Aneignung historischen Wissens mitwirkt. Die theoretische Grundlage bilden die Theorie des kulturellen Gedächtnisses nach Assmann und Assmann sowie die Überlegungen Carol Glucks zum Gedächtnis-Aktivismus. Durch die Einbeziehung von Forschungen zum Movement-Memory Nexus wird die Arbeit von ausZeiten als Arbeit am Bewegungsgedächtnis beschrieben. Darauf aufbauend wird der Eingang sozialer Bewegungen, im vorliegenden Fall der Zweiten Frauenbewegung(en), in das kulturelle Gedächtnis diskutiert
Vernetzung als Wissenspraktik der deutschsprachigen Lesben-/Frauenarchive und -bibliotheken in ihren Entstehungsjahren seit 1977
Der Beitrag fragt danach, durch welche Praktiken die deutschsprachigen Lesben-/Frauenarchive und -bibliotheken seit Ende der 1970er-Jahre frauen- und geschlechterspezifisches Wissen sammelten und zugänglich machten. An Fallbeispielen wird gezeigt, dass entsprechende Archivpraktiken durch Vernetzungsprozesse gerahmt wurden, da diese zentral waren sowohl für Aufbau und Legitimierung der Einrichtungen als auch für die Erarbeitung geschlechtersensibler Werkzeuge zur Ordnung und Nutzbarmachung des Wissens. Das verwendete Quellenmaterial besteht vornehmlich aus den Protokollen der Archivetreffen seit 1983, wird jedoch durch Zeitzeuginnengespräche ergänzt, um Lücken in der archivischen Überlieferung zu schließen. Das Schlaglicht auf die Archive und Bibliotheken dient als Beispiel dafür, dass eine internationale Vernetzung der „Autonomen Frauenbewegung“ früh begann und unerlässlich für die Entwicklung der Bewegung und ihrer Ziele war. Der Fokus auf die Praktiken zeigt zudem, welche Wege die Akteurinnen nutzen, um Einfluss auch über den Bewegungsraum hinaus auszuüben, z. B. in den Hochschulbetrieb: Bewegungswissen und akademisches Wissen kann so in Dialog gebracht werden
Caring Masculinities : Strukturübungen männlicher Fürsorglichkeit von Männern in Pflegeberufen
Unter dem Stichwort der Caring Masculinities werden unkonventionelle Männlichkeitsentwürfe und -biografien untersucht, durch die ggf. ein Transformationspotenzial für sich verändernde Geschlechterverhältnisse abzulesen ist. Darunter werden auch Praktiken männlicher Fürsorglichkeit beleuchtet, bislang vor allem in Bezug auf familiäre Nahbeziehungen. Im Kontrast dazu wird in dem Beitrag der Kontext von Pflegeberufen als Arena von Strukturübungen männlicher Fürsorglichkeit analysiert. Er rekonstruiert anhand von qualitativen Interviews mit männlich subjektivierten Pflegern in der Kranken-, Alten- und Heilerziehungspflege, wie sie Männlichkeit mit Fürsorglichkeit verknüpfen. Die Auswertung der Interviews zeigt, dass Krankenpfleger durch ihren Arbeitsalltag fürsorgliche Praktiken eher mit Idealen hegemonialer Männlichkeit verknüpfen, während in der Alten- und Heilerziehungspflege Vorstellungen hegemonialer Männlichkeit verunsichert werden und sich Veränderungsprozesse andeuten
Verortungen transformierter und transformierender Männlichkeiten – ein theoretischer Beitrag zum Verhältnis von Caring Masculinities und hybriden Männlichkeiten
In unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen lassen sich in den vergangenen Jahren Transformationen von Männlichkeit(en) beobachten, die u. a. in veränderten Bildungserfolgen von Jungen und im Phänomen der ‚neuen Väter‘ zum Ausdruck kommen. Aktuell zeigen sich verschiedene Erklärungsansätze innerhalb der kritischen Männlichkeitsforschung, um einen Wandel von Männlichkeit(en) beschreiben zu können. Vor allem werden diesbezüglich die beiden als konträr zueinander erscheinenden Ansätze der Caring Masculinities und hybriden Männlichkeit(en) diskutiert. Dabei verweisen empirische Erkenntnisse aus dem Feld fürsorgender Männlichkeiten darauf, dass auch Caring Masculinities im Sinne hybrider Männlichkeiten gedacht werden können, indem sie zur Aufrechterhaltung hegemonialer Männlichkeit beitragen. Der Beitrag beschäftigt sich dementsprechend mit der Konkretisierung der beiden theoretischen Ansätze und liefert erste Anknüpfungspunkte für eine mögliche Zusammenführung, indem Care als wesentliches Element herausgestellt wird
#Widerstand. Erfahrungen von Sexismus und Rassismus in den Biografien junger Frauen of Color und ihre öffentliche Artikulation in sozialen Medien
Davon ausgehend, dass der digitale Wandel folgenreich für Subjekte und ihre Lebenswelten ist, untersucht der Beitrag aus einer intersektionalen und biografieanalytischen Perspektive die biografische Bedeutung von Selbstpräsentationen in sozialen Medien für den Widerstand gegen erfahrenen Sexismus und Rassismus. Soziale Medien werden dabei als Kontext der (Re-)Produktion und Irritation von Macht- und Ungleichheitsverhältnissen betrachtet. Entlang der Biografien junger Frauen of Color und ihrer Instagram-Posts wird am Beispiel zweier Fallstudien empirisch gezeigt, wie die digitalen Selbstpräsentationen in Biografien eingeflochten sind und welche Möglichkeiten für Selbstkonstruktionen und Widerstand, aber auch, welche Risiken und Begrenzungen mit ihnen verbunden sind