Informationswissenschaft: Theorie, Methode und Praxis
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Initialbewertung bei den SBB
Durch die Digitalisierung sehen sich Archive und andere Gedächtnisinstitutionen mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert. So ist es zwar auch im digitalen Zeitalter eine zentrale Aufgabe eines Archivs, über den historischen Wert eines Dokuments, eines Fotos oder eines Planes zu entscheiden. Die Masse der zu bewertenden Unterlagen ist aber ungleich grösser geworden. Die Archivwissenschaft hat sich dieser Problematik angenommen und in der jüngeren Vergangenheit verschiedene Lösungsansätze geliefert.
Die Masterarbeit versteht sich als zusätzlichen Beitrag zur Lösungsfindung, indem sie die Initialbewertung als eine neue Methode der prospektiven Bewertung ins Zentrum der Untersuchung stellt. Diese prospektive Bewertungsmethode wurde von Dr. Peter M. Toebak entwickelt und im Zuge des Records Management Projektes der SBB erstmals praktisch umgesetzt. Im Wesentlichen verfolgt die Initialbewertung die Idee, der jeweils untersten Stufe des Ordnungssystems (Prozesskategorie) gewisse Attribute mitzugeben. Jedes Attribut ist mit einem numerischen Wert hinterlegt und die Summe dieser Werte bestimmt anschliessend den Archivstatus aller zukünftig entstehenden Dossiers unterhalb der entsprechenden Ordnungssystemposition. Da es bis dato noch keinen schriftlichen Niederschlag der theoretischen Inhalte der Initialbewertung gibt, springt die Masterarbeit in diese Lücke und stellt im ersten Teil der Untersuchung die Methode in aller Ausführlichkeit vor.
Im Anschluss an die theoretischen Ausführungen geht die Arbeit der Frage nach, ob die Initialbewertung als neue Methode genügend Potential hat, um sich neben den renommierten Konzepten etablieren zu können. Als Diskussionsgrundlage dafür dienen die Erkenntnisse eines empirisch durchgeführten Vergleichs. Dabei werden 115 Prozesskategorien definiert und sowohl mittels der Initialbewertung als auch mittels der klassischen Methode der Archivierungsstelle bewertet.
Die abschliessende Diskussion der Resultate – unter Miteinbezug der Stärken und Schwächen der Initialbewertung – führt unter anderem zur Erkenntnis, dass diese neue Methode zwar die Gefahr in sich birgt, potentiell archivwürdige Unterlagen zu kassieren, im Gegenzug dazu aber zu einer signifikanten Effizienzsteigerung im Bewertungsprozess führen kann. Die Masterarbeit attestiert deshalb der Initialbewertung genügend Potential, um sich neben den bekannten Bewertungsmethoden zu etablieren. Die Entscheidung darüber, ob oder in welchem Ausmass eine Effizienzsteigerung den Verlust von potentiell archivwürdigen Unterlagen rechtfertigt, überlässt die Masterarbeit aber bewusst den Lesern
Die Behördenberatung im Hinblick auf die Schriftgutverwaltung
Der Beitrag nimmt die Zielgruppe "Behörde" in den Blick und zeigt, wie das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen aktuell die Behördenberatung im Hinblick auf die elektronische Schriftgutverwaltung angeht. Dabei werden die neuen Rahmenbedingungen erläutert, die sich durch das E-Government-Gesetz NRW ergeben haben, die Herausforderungen für die Behördenberatung skizziert und die Angebote des LAV vorgestellt
Das KOST White Paper AIS-Referenzmodell
Nachdem auf der Arbeitskreistagung 2016 in Potsdam das Projekt der KOST zur Entwicklung eines Referenzmodells für Archivinformationssysteme vorgestellt worden war, soll diesmal das Ergebnis präsentiert werden. Das Projekt wurde Ende 2016 beendet, und das erarbeitete KOST-Diskussionspapier AIS-Modell stellt die Grundlage für eine breitere fachliche Diskussion dar, die hiermit angeregt und befördert werden soll. Die Staatsarchive Basel-Stadt, Bern und St.Gallen sowie die KOST haben mit dem Diskussionspapier den Versuch unternommen, die Informationsarchitektur für ein AIS möglichst generisch zu definieren, und zwar auf der Basis des Entwurfs einer allgemeinen archivischen Prozessarchitektur. Es wurden die funktionalen und architektonischen Kernelemente eines Archivinformationssystems bestimmt und Schnittstellen zwischen diesem und Umsystemen definiert
Les contrats de dépôt et de don : étude de cas à la Cinémathèque Suisse
Deux ans de travail au centre d’archivage de Penthaz m’ont permis de m’intéresser à la vie des fonds hébergés par la Cinémathèque suisse, à leurs divers modes d’acquisition et aux contrats qui les valident, dans l’idée, après analyse de leurs grandes diversités de formulation, de proposer des améliorations de ces documents qui puissent bénéficier tant à la CS qu’aux producteurs et détenteurs d’archives.
Pour mener cette étude, il a été nécessaire, en préambule, de s’intéresser aux bases légales auxquelles est soumise leur élaboration (CO, LDA, LCin, OECin).
La compréhension du stade actuel de la gestion des fonds exigeait également de connaître l’histoire de la CS, de ses origines à nos jours. Son important accroissement, tant en masse qu’en reconnaissance, a fait peu à peu évoluer son statut de celui d’association privée à celui d’archives nationales, pour l’heure avec le statut ambigu de fondation privée reconnue d’utilité publique par la Confédération.
Ces bases posées, j’ai analysé les types de contrats les plus en usage à la CS, le don et le dépôt. J’en ai extrait les similitudes et les disparités, ainsi que quelques lacunes pour lesquelles je propose certaines améliorations.
Ce travail m’a également conduite à constater la prédominance des dépôts par rapport aux dons, déséquilibre en défaveur de l’institution. La comparaison avec des institutions pleinement étatiques montre que la tendance actuelle en Suisse et en Europe vise au contraire à favoriser le don, plus favorable aux institutions d’archive. La politique de collection de la CS devrait, selon moi, s’engager plus avant dans cette direction
E-Identität als Schlüssel zu den Dienstleistungen des digitalen Archivs
Mit Implementierung der EU-Verordnung Nr. 910/2014 über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt (eIDAS) entwickelt sich auf nationaler Ebene die Infrastruktur, die den Bürgerinnen und Bürgern mit eID den Zugriff zu elektronischen Verfahren der öffentlichen Verwaltung ermöglicht. Das Archivportal soll in diesem Fall nicht nur die Einsicht in die digitalen Archivalien gewährleisten, sondern erbringt auch mit Hilfe des "Registers für Rechte und Zuständigkeiten" seine Dienstleistungen für die Provenienzstellen zur Überlieferung oder Recherche. Der Beitrag stellt das organisatorische Konzept des digitalen Archivs für qualifizierten Fernzugriff der öffentlichen Verwaltung vor
Fischen im Trüben - oder eben nicht: Erschliessungsstrategien für einen Bildbestand im unternehmerischen Kontext
In unserem Alltag sind Bilder allgegenwärtig, mittlerweile haben sie für die Kommunikation zwischen Menschen eine grössere Bedeutung als Texte. Mit der steigenden Bedeutung des Bildes und dem damit verbundenen Anwachsen von Beständen ergeben sich für die dokumentarische Praxis neue Herausforderungen im Bereich der Ordnung und Erschliessung – Herausforderungen, die nicht kleiner geworden sind angesichts der Ablösung der analogen durch die digitale Fotografie und damit einhergehend ihrer vereinfachten Zugänglichkeit und Verbreitung.
Die Bedeutung von Bildern hat auch in der internen und externen Kommunikation der Firma Roche zugenommen. Seit der Jahrtausendwende hat sich der interne Bilderdienst von einem analogen Angebot zu einer unternehmensweit zugänglichen, PhotoLibrary genannten Intranet-Plattform entwickelt. Entsprechend des Stellenwertes des Bildes in der Kommunikation erfreut er sich einer regen Nutzung, die Anzahl eingeschriebener User ist hoch, die Anzahl getätigter Downloads beträgt über 400 pro Tag. Der Bestand in der PhotoLibrary ist zeitgemäss, d.h. die auf den Bildern abgebildeten Objekte, Personen etc. besitzen Aktualität und Gültigkeit, die Bilder selber entsprechen der aktuell verbindlichen Bildsprache von Roche. Thematische Schwerpunkte sind Produkte, Personen (Management), Standorte und Anlagen sowie Symbolbilder in den Bereichen Gesundheit und Mitarbeitende.
Den genannten Herausforderungen muss sich auch die PhotoLibrary stellen: die Nutzer verlangen nach immer mehr Bildern und einer grösseren thematischen Vielfalt. Für die Erschliessung von Bildern wird ein mächtiges, komplexes Digital Asset Management-System eingesetzt, das die Erfassung des Produktionsprozesses für audio-visuelle Medien sowie deren Verwaltung und Nutzung ermöglicht. Die Applikation beinhaltet eine spezielle Workflow-Komponente, in der Fotos aus Bildproduktionen für die (Wieder-) Benutzung ausgewählt, erschlossen und freigeschaltet werden können.
Die inhaltliche Bilderschliessung für die PhotoLibrary wird in erster Linie über vier Elemente ermöglicht: die freitextliche Bildbeschreibung, die Verschlagwortung von Bildinhalten anhand eines Thesaurus, bildtypologische Vermerke sowie eine Dossierfunktion für ausgewählte Themenbereiche.
Die zentrale Fragestellung der Arbeit lautet, wie kann mit der bestehenden Applikation den gestiegenen Anforderungen begegnet werden, oder sind andere Erschliessungsstrategien nötig, um in Anbetracht der bestehenden Ressourcen und veränderter Nutzerbedürfnisse eine effiziente, nutzerorientierte Erschliessung zu gewährleisten.
Im weitesten Sinne wird dabei ein empirischer Ansatz verfolgt. Zum einen wird der Bilderdienst PhotoLibrary beschrieben, was er beinhaltet und wie er genutzt wird; zudem wird dargelegt, welche Methoden und Werkzeuge der Bilderschliessung eingesetzt werden. Zum anderen widmet sich die Arbeit der Überprüfung von Strategien der inhaltlichen Erschliessung. Im Fokus stehen dabei Konzepte basierend auf Formen kontrollierter Vokabulare, speziell eines Thesaurus, und die Etablierung von Methodenstandards für die Bildbeschreibung.
Grundlage des zweiten Teils waren Gespräche mit Experten, d.h. Personen, die in Bildarchiven oder verwandten Institutionen tätig sind. Mit ihnen wurden verschiedene Erschliessungsszenarien diskutiert; sie gewährten zudem Einblick in ihre Methoden und erörterten, welche regulatorischen und organisatorischen Massnahmen in ihren Augen eine effiziente Erschliessung ermöglichen.
Die dokumentarische Praxis betreffend die PhotoLibrary zeigt: Die Nutzung und Pflege eines kontrollierten Vokabulars ist zwar aufwändig, aber sinnvoll und hat in der Erschliessung wie auch im Retrieval seine Vorteile. In einer Fortsetzung der Studie wäre trotzdem zu prüfen, welche anderen Erschliessungsstrategien für diese Dienstleistung sinnvoll und möglich wären - Strategien und Konzepte also, welche die Balance finden zwischen den zur Verfügung stehenden Ressourcen, dem Bestand und seiner Entwicklung sowie den Nutzerbedürfnissen
En faire tout un spectacle ! Les nouvelles voies de valorisation et de communication des archives des arts de la scène. Réflexions autour du fonds « Serge Lifar »
Le présent texte prend sa source dans mon travail sur le fonds Serge Lifar, déposé par la fondation créée au nom de cet artiste à la Collection suisse de la danse – "le centre national de compétences pour la conservation de l’art chorégraphique"(« Collection suisse de la danse | Accueil » 2016). Par l’intermédiaire de ce fonds prestigieux, je poserai une réflexion sur les spécificités de l’archivage des arts de la scène. Je chercherai à résoudre l’utopie de la résurrection du spectacle perdu.
L’impulsion de cette quête a été donnée par mon propre cheminement vers Serge Lifar, vers la compréhension de son art et de son talent d’exception. Loin d’être aisé, ce cheminement s’est accompli tout d’abord à travers les documents iconographiques retraçant de manière fragmentaire la vie et la carrière de cette figure majeure de la danse au statut de légende. D’emblée, j’ai eu du mal à apprécier les photographies à caractère promotionnel élaborées dans des studios photographiques, posées, artificielles. De rares prises de type reportage qui montrent les scènes de ballets en vue d’ensemble sont souvent floues, parfois faites de très loin avec les lumières du jeu – beaucoup trop sombres donc pour la photographie. Par conséquent, on n’y discerne pas grand-chose. Étant liée par mon rôle d’archiviste, je me suis retrouvée dans la situation typique de la salle théâtrale où une représentation se déroule – il m’était difficile de partir en abandonnant « le spectacle » et mon intérêt pouvait être gagné avec retardement. En visionnant deux mille photographies, peu à peu, j’ai saisi. Serge Lifar s’est imposé à moi. La lecture des biographies de l’artiste et des entretiens avec ses anciens collaborateurs ont fait le reste. Or, un éventuel consultant d’archives ne visionnera pas les deux mille photographies, même numérisées et accessibles en ligne via le site du service.
Le même cheminement introspectif m’a fait constater qu’il n’est de loin pas suffisant de mettre à disposition de l’usager les instruments de recherche, même les plus détaillés, et les numérisations d’archives pour faire justice au patrimoine des arts de la scène. Afin de remplir son rôle au mieux et d’éviter une réception hasardeuse des fonds, même ceux parmi les plus éminents, il est nécessaire de réfléchir à la manière de les mettre en valeur et de les communiquer au public.
Aussi, en lien avec le développement des nouvelles technologies, de la culture et des supports alternatifs de lecture, avec l’explosion informationnelle et avec l’accélération du rythme de vie, on observe dans la société l’évolution des habitudes et des attentes, ainsi que la baisse du temps maximal de concentration. Le message doit donc passer rapidement. Comment rendre compte de la singularité d’un personnage, d’un style artistique, d’une création, et cela de manière efficace et rapide ? Comment communiquer l’émotion ? Il faut créer l’ultime spectacle. Une mise en scène à partir de pièces dont on dispose
Arbeitsbericht zur Archivierung von Netzressourcen im Staatsarchiv des Kantons Basel-Stadt
Das Staatsarchiv Basel-Stadt hat erstmals 2008 Webseiten der kantonalen Verwaltung archiviert. Nach einer ersten explorativen Phase bis 2011 wurden 2012 Grundsätze zur Bewertung von Webseiten erarbeitet und eine neue technische Lösung aufgebaut. Seit 2013 archiviert das Staatsarchiv gestützt auf eine systematische Bewertung Webseiten der kantonalen Verwaltung. Da eine Reihe von technischen und archivfachlichen Fragen bei der Archivierung von Webseiten bis heute offen ist, wurde 2012 beschlossen, die von 2013 bis 2016 gemachten Erfahrungen 2017 auszuwerten und bei Bedarf sowohl die archivfachliche Bewertung anzupassen als auch die technischen Werkzeuge zu überdenken. Der Beitrag stellt die bisherigen Erfahrungen vor und Fragen, die bei deren Evaluation aufgeworfen werden, zur Diskussion