Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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The Re-Figuration of Spaces and Comparative Sociology: Potential New Directions for Quantitative Research
In diesem Beitrag beschäftige ich mich mit aktuellen Re-Figurationen von Räumen und den damit verbundenen Herausforderungen für die quantitative Forschung. Eine mögliche neue Ausrichtung der quantitativen Forschung ist erstens zentral bei der Suche nach adäquaten Analyseeinheiten in Bezug auf die Makroebene, wo supranationale Dynamiken im Zuge der Globalisierung an Bedeutung gewinnen; zweitens in Bezug auf relationale Raumkonzepte, die der Bedeutung translokaler Lebensrealitäten besser Rechnung tragen dürften; und drittens in Bezug auf die Mikroebene, wo technologische Fortschritte die Einbeziehung engmaschiger räumlicher Merkmale in quantitative Untersuchungsdesigns zunehmend ermöglichen. Die Potenziale und Grenzen der quantitativen (Umfrage-)Forschung werden im Artikel anhand illustrativer Beispiele aus der Soziologie der europäischen Integration, der transnationalen Migrationsforschung und der stadtsoziologischen Forschung analysiert. Angesichts einer Vielzahl boomender Ansätze in der kultur- und ländervergleichenden Forschung (von der Mehrebenenanalyse über soziale Netzwerkanalyse bis hin zur georeferenzierten Umfrageforschung) sollten jedoch kritische Aspekte bei der Dateninterpretation nicht vernachlässigt werden. Es bedarf stets theoriegeleiteter Forschung, um die Dynamik aktueller Re-Figurationen von Räumen zu erfassen. Dabei ist auch eine Offenheit gegenüber quantitativen und qualitativen Forschungszugängen unabdingbar, um die raumbezogene Forschung entsprechend weiterzuentwickeln.In this article I deal with current re-figurations of spaces and the corresponding challenges for quantitative research. Potential new directions for quantitative research are central, firstly in the search for adequate units of analysis with reference to the macro level—where supranational dynamics are gaining importance in the course of globalization—, secondly with regard to relational spatial concepts—which take into account the importance of translocal living realities—, and thirdly concerning the micro level—where technological advances make it possible to incorporate fine-tuned spatial characteristics to develop a spatially integrated methodology. I analyze the potentials and limits of quantitative (survey) research by means of illustrative examples from the sociology of European integration, transnational migration research, and urban studies. Witnessing booming approaches in comparative sociology (from multilevel analysis and social network analyses to geo-referenced survey research), critical aspects in data interpretation should not be neglected. To grasp the dynamics of current re-figurations of spaces, there is always a need for theory-guided research. Due to the complexity of the re-figuration of spaces, openness to quantitative and qualitative research approaches is imperative in order to further develop spatially oriented research
Review: Marie-Kristin Döbler (2020). Nicht-Präsenz in Paarbeziehungen – Lieben und Leben auf Distanz [Non-Presence in Couple Relationships: Loving and Living at a Distance]
Marie-Kristin DÖBLER beschäftigte sich in ihrer Untersuchung damit, was Paarsein bedeutet, wenn die Beziehung größtenteils nicht in physischer Ko-Präsenz der Partner:innen geführt wird. Zentral war für sie die Frage nach der Wissens(re)produktion innerhalb der Paarbeziehung, aber auch im Kontext soziokultureller Wissensbestände. Für die Datenerhebung nutzte DÖBLER narrative Einzel- und Paarinterviews, eine schriftliche Befragung und Online-Recherchen in Zeitungen und Zeitschriften. Für die Datenanalyse kamen die Grounded-Theory-Methodologie, die dokumentarische Methode und diskursanalytische Verfahren zum Einsatz. Es ist DÖBLER auf diese Weise gelungen aufzuzeigen, was im öffentlichen Diskurs als normale Paarbeziehung definiert und legitimiert wird und wie ihre Interviewpartner:innen darauf rekurrieren. In der Besprechung geht es um den Mehrwert dieser Vorgehensweise für paar- und wissenssoziologische Fragestellungen.In her research Marie-Kristin DÖBLER has dealt with what it means to be a couple when the relationship is largely conducted in the physical absence of the partners. The central question for her was the (re)production of knowledge within the couple relationship, but also in the context of socio-cultural knowledge. For data collection, DÖBLER used individual and couple narrative interviews, a written survey, and online research in newspapers and magazines. For data analysis, grounded theory methodology, the documentary method, and discourse analytic procedures were used. In this way, DÖBLER succeeded in showing what is defined and legitimized as a normal couple relationship in public discourse and how her interviewees refer to it. The discussion focuses on the added value of this approach for questions in the sociology of couples and knowledge
Modes of Learning in Educational Organizations: Theoretical Considerations, Methodological Approaches and Empirical Findings
In diesem Artikel beschäftige ich mich mit der Frage nach den Ansatzpunkten und Dynamiken von Lernprozessen in und vor allem von pädagogischen Organisationen am Beispiel der Schule. Ausgehend von einer kurzen Diskussion etablierter Ansätze zur Bestimmung eines Lernens von Organisationen beziehe ich die Vorstellung der Organisation als Aktivitätssystem auf eine konzeptionelle Fassung von Schulorganisationen. Basierend auf dieser Heuristik stelle ich einen methodischen Zugang zur Analyse organisationaler Lernprozesse vor und präsentiere und diskutiere dann empirische Befunde, die auf der Analyse von Gruppendiskussionen und Expert*inneninterviews mit der dokumentarischen Methode basieren. In der Triangulation der Rekonstruktionen zu den Lernorientierungen und zur Positionierung im Aktivitätssystem Einzelschule von Lehrer*innen und dem Schulleiter einer Schule gerät ein organisationaler Modus des Lernens in den Blick.In this article I deal with the question of starting points and dynamics of learning processes in pedagogical organizations using the example of schools. Starting with a brief discussion of established approaches to determine organizational learning, I use the idea of the organization as an activity system to outline a concept of school organizations. Based on this heuristic, I present a methodological approach to the analysis of organizational learning processes, and present and discuss empirical findings based on the analysis of group discussions and expert interviews using the documentary method. In the triangulation of the reconstruction of learning orientations of members of a single school organization (a group of teachers and the school's principal) and their positioning in the activity system of the school, an organizational mode of learning comes into view
Experiences of Organized Violence in Life Stories of Syrian Refugees Between Exit, Voice, and Loyalty
Nach dem umfangreichen Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland hat sich auch die Forschungslandschaft in diesem Feld diversifiziert. Einen bedeutsamen Aspekt innerhalb dieser Forschung bieten Ansätze, in denen die Lebenswelt der Betroffenen in den Fokus gestellt und versucht wird, deren Erfahrungsraum zu rekonstruieren. Hiervon ausgehend werden in diesem Beitrag folgende Fragen beantwortet: Welche Rolle spielten Gewalterfahrungen und besonders die Erfahrungen organisierter Gewalt vor und während der Flucht bei den in Deutschland vor etwa fünf Jahren aus Syrien angekommenen Menschen? Wie werden Erfahrungen mit (organisierter) Gewalt und Willkür von Schutzsuchenden biografisch verarbeitet? Wie verorten sich diese Menschen nach ihrem Ankommen in Deutschland zwischen Selbstwirksamkeit und Fremdkontrolle? Zur Beantwortung dieser Fragen greifen wir auf biografietheoretische Annahmen, die dokumentarische Methode sowie das Konzept von Exit, Voice und Loyalty nach HIRSCHMAN (1970) zurück. Wir vergleichen auf dieser Grundlage zwei biografische Erzählungen junger Flüchtlinge aus Syrien, die von uns 2019 im Rahmen mehrerer Lehrforschungsprojekte als Teil von 19 narrativen Interviews zu Erfahrungen der Rolle organisierter Gewalt erhoben wurden. Die Auswertungen zeigen, dass sich biografische Orientierungsrahmen im Kontext erzwungener Migration nach dem Grad wahrgenommener Selbstwirksamkeit stark verändern können und die Exit-Option dabei eine Übergangsposition zwischen Protest und Anpassung repräsentiert.Nach dem umfangreichen Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland hat sich auch die Forschungslandschaft in diesem Feld diversifiziert. Einen bedeutsamen Aspekt innerhalb dieser Forschung bieten Ansätze, in denen die Lebenswelt der Betroffenen in den Fokus gestellt und versucht wird, deren Erfahrungsraum zu rekonstruieren. Hiervon ausgehend werden in diesem Beitrag folgende Fragen beantwortet: Welche Rolle spielten Gewalterfahrungen und besonders die Erfahrungen organisierter Gewalt vor und während der Flucht bei den in Deutschland vor etwa fünf Jahren aus Syrien angekommenen Menschen? Wie werden Erfahrungen mit (organisierter) Gewalt und Willkür von Schutzsuchenden biografisch verarbeitet? Wie verorten sich diese Menschen nach ihrem Ankommen in Deutschland zwischen Selbstwirksamkeit und Fremdkontrolle? Zur Beantwortung dieser Fragen greifen wir auf biografietheoretische Annahmen, die dokumentarische Methode sowie das Konzept von Exit, Voice und Loyalty nach HIRSCHMAN (1970) zurück. Wir vergleichen auf dieser Grundlage zwei biografische Erzählungen junger Flüchtlinge aus Syrien, die von uns 2019 im Rahmen mehrerer Lehrforschungsprojekte als Teil von 19 narrativen Interviews zu Erfahrungen der Rolle organisierter Gewalt erhoben wurden. Die Auswertungen zeigen, dass sich biografische Orientierungsrahmen im Kontext erzwungener Migration nach dem Grad wahrgenommener Selbstwirksamkeit stark verändern können und die Exit-Option dabei eine Übergangsposition zwischen Protest und Anpassung repräsentiert
The Exhibition Interview Walk (EIW) as a Method: Experimental Research With Objects to Discover How Commons Logics Are Perceived
In diesem Artikel stellen wir die Methode des Ausstellungsinterviewrundgangs (AIR) vor und verorten sie in der qualitativen Sozialforschung. Dabei werden das fokussierte Interview und das laute Denken (Thinking Aloud) kombiniert, um Reaktionen auf Ausstellungsexponate (Object Elicitation) zu erheben. Im hier vorgestellten Commons-Forschungsprojekt wurde der AIR in einer selbst entwickelten Ausstellung angewandt. Das Ziel war unmittelbare Reaktionen auf Prinzipien der Commons – das heißt der gemeinwohlorientierten Nutzung von Gütern und Ressourcen – aus verschiedenen Positionen wirtschaftlichen und sozialen Denkens herauszufordern. In der Kontrastierung materialisierter Meinungen in Form der Artefakte und der gemeinsamen sprachlichen wie auch sensorischen Auseinandersetzung können im AIR komplexe Sachverhalte und Fallbeispiele gebündelt zugänglich sowie konfliktreiche Thematiken konkret diskutierbar gemacht werden. In dem Beitrag geben wir Einblick in die Entwicklung, den konkreten Ablauf, die besonderen Charakteristika sowie die Nutzungsmöglichkeiten der Methode – auch jenseits eigens gestalteter Ausstellungen zu Forschungszwecken.In this article we introduce the method of the exhibition interview walk (EIW) and contextualize it within qualitative social research. In the EIW, the focused interview and thinking aloud are combined through object elicitation in a walking conversation. In the commons research project presented here, the EIW method was applied in a specially designed exhibition. The aim was to provoke immediate reactions to commons principles—i.e., the use of goods and resources for the common good—from various positions of economic and social thinking. By contrasting materialized opinions in the form of artifacts, along with joint verbal and sensory analyses in the EIW, complex facts and case studies can be made accessible in a bundled form; all the while conflict-laden topics can be discussed in concrete terms. In this article we provide insight into the development, the concrete procedure, the special characteristics and the possible uses of this method, which can also be applied beyond specially designed exhibitions for research purposes
Phenomenological Approach and Bakhtinian Dialogism: Epistemological Tensions and Methodological Responses
In diesem Beitrag leiste ich eine methodologische Reflexion, ausgehend von meiner Forschung zur Rolle der Geschichte der Mathematik im Kontext von Lehrer*innenausbildung. Ziel der Studie war es, die Erfahrungen von sechs Mathematiklehrer*innen zu rekonstruieren, die in einem Kurs historische Texte zur Mathematikgeschichte lasen. Im Verlauf der Forschung ist es zu epistemologischen Spannungen gekommen zwischen dem Versuch, mittels eines phänomenologischen Ansatzes der persönlichen Erfahrungen der Teilnehmenden habhaft zu werden einerseits und andererseits dem Einbezug einer kulturhistorischen Perspektive auf Mathematikunterricht mit einem Fokus auf sozialen Interaktionen und Artefakten. Ich habe diese Spannungen methodologisch zu beantworten versucht: Ich veranschauliche, in welcher Weise sie eine reflexive und emulierende Rolle spielten sowohl für die Entwicklung der Forschungsmethodologie als auch für eine innovative Beschreibung des Kontextes der Studie, nämlich eine polyphone Erzählung.In this article, I develop a methodological reflection based on research concerning the role of the history of mathematics in the context of pre-service teacher training. The purpose of the study was to describe the experience of six prospective secondary school mathematics teachers engaged in the reading of historical texts in a history of mathematics course. In the process of research, epistemological tensions emerged between, on the one hand, the need to account for a portion of the participants' intimate personal experience by deploying a phenomenological approach, and on the other hand, the convocation of a historical-cultural perspective of mathematics education focusing on social interaction and artifacts. The answers formulated in response to these epistemological tensions were methodological. I analyze in what way these tensions played a reflexive and emulator role developing both the research methodology and an innovative description adapted to the context of the study, i.e., a polyphonic narration
The Visualisation of Polyadic Sustained Shared Thinking Interactions: A Methodological Approach
Sustained Shared Thinking (SST) wird als wichtiges Element einer qualitativ hochwertigen Fachperson-Kind-Interaktion (SIRAJ-BLATCHFORD, SYLVA, MUTTOCK, GILDEN & BELL 2002) angesehen. In frühkindlichen Institutionen kommt SST jedoch selten vor und wird hauptsächlich in dyadischen Interaktionen beobachtet. Da Kommunikation im Kindergarten auch in Gruppensettings stattfindet, wurde der Fokus in dieser Studie auf polyadische SST-Dialoge gelegt. Videos, Literacy-Tests für Kinder und Informationen über die Familiensprache der Kinder (mono-/multilingual) aus dem internationalen Forschungsprojekt "SpriKiDS" (VOGT et al. 2019) wurden mittels linguistischer Gesprächsanalyse (BRINKER & SAGER 2010) und Grounded-Theory-Methodologie (STRAUSS & CORBIN 1996 [1990]) untersucht. Dabei wurden Mikroprozesse in geteilten Denkprozessen analysiert, um Strategien zu identifizieren, die SST in Kindergruppen fördern. Im Zuge der Analyse wurden Visualisierungen zur Erforschung von polyadischen SST-Interaktionen entwickelt. In diesem Artikel werden Möglichkeiten und Grenzen von Visualisierungen zu Analyse- und Präsentationszwecken anhand von zwei Spielsequenzen in unterschiedlichen Gruppengrößen beschrieben. Der Einsatz von Visualisierungen scheint die Analyse der Interaktionsstrategien von Fachpersonen zu unterstützen und ermöglicht die Entdeckung von Mustern, indem eine Art analytische Linse auf Mikroprozesse rund um SST-Beiträge der Kinder gelegt wird. Ein Vorteil wird in der grafischen Darstellung komplexer Zusammenhänge gesehen, die im Analyseprozess und in Präsentationen zum Verständnis beitragen können.Sustained shared thinking (SST) is considered an important element of high-quality teacher child interaction (SIRAJ-BLATCHFORD, SYLVA, MUTTOCK, GILDEN & BELL, 2002). However, SST rarely occurs in early childhood institutions, and when it is studied, it is mainly observed in dyadic interactions. Since communication in kindergarten also takes place in group settings, polyadic SST-dialogues were explored in this study using videography, information about children's family language (monolingual/multilingual) and tests for children on emergent literacy from the international research project "SpriKiDS" (VOGT et al., 2019). Micro-processes were analysed by means of linguistic conversation analysis (BRINKER & SAGER, 2010) and grounded theory method (STRAUSS & CORBIN, 1996 [1990]) to identify strategies that promote SST in groups of children. Within the analysis process, visualisations were developed to discover elements of polyadic SST-interactions and to present findings. In this article, possibilities and limitations of visualisations for analysis and presentation purposes are described by means of two play sequences in different group sizes. The use of visualisations seems to support the exploration of teachers' interaction strategies and helps to discover patterns by putting an analytical lens on micro-processes around children's SST-contributions. An added value is seen in the graphic display of complex relationships, which can contribute to the understanding in presentations
Canadian Football League Players' Reporting of Concussion Symptoms
Selbstberichte über eine Gehirnerschütterung sind wesentlich für eine angemessene Intervention, unterbleiben sie, kann dies schwerwiegende Folgen haben. In unserer Studie haben wir Faktoren untersucht, die dazu beitrugen, dass Spieler in der Canadian Football League (CFL) von selbst auf Gehirnerschütterungssymptome hinwiesen. Hierzu führten wir teilstrukturierte Interviews mit zehn CFL-Spielern durch; zur Analyse nutzten wir die konstruktivistische Grounded-Theory-Methodologie. In den Ergebnissen wurden komplexe Entscheidungsfíndungsprozesse offensichtlich, an deren Ende die Spieler über ihre Symptome (nicht) informierten. In einer vorläufigen Grounded Theory haben wir in diesem Zusammenhang zwei Stadien identifiziert, zum einen die Vorbereitung vor den Spielen und zum anderen die Bewertung möglicher Folgen. Hinzu kamen drei verwandte Themen: eine Art individuelle Checkliste, der wahrgenommene Druck, an einem Spiel teilzunehmen sowie die Sicherheit über die Symptomatik.Self-reporting of concussion is essential to appropriate intervention, and failure to report concussion-like symptoms is a significant issue. In the current study we sought to investigate factors that contribute to the process of self-reporting concussion symptoms within the context of the Canadian Football League. A constructivist grounded theory methodology was adopted, employing in-depth, semi-structured interviews with ten Canadian League Football (CFL) players. We found significant complexity within the decision-making process for CFL players, when assessing whether or not to report a concussion. In the preliminary grounded theory emerging from the study, we identified two stages involving 1. pre-game preparation, and 2. assessing the impact. In addition, we determined three related processes (themes): 1. intrapersonal symptom checklists, 2. perceived pressures to play, and 3. certainty of symptoms
Limits of Interpretation or Interpretation at the Limits: Perspectives From Hermeneutics on the Re-Figuration of Space and Cross-Cultural Comparison
In diesem Artikel diskutiere ich, wie Sozialwissenschaftler*innen interkulturelle Daten auf wissenschaftliche Weise interpretieren können. Ich argumentiere, dass sich die Interpretation interkultureller Daten bei der Anwendung von Methoden der Sozialforschung nicht grundlegend, sondern nur geringfügig von der Interpretation intrakultureller Daten unterscheidet. Allerdings ist es wichtig, Ko-Interpret*innen, die mit der untersuchten Kultur vertraut sind, in den Prozess der Interpretation interkultureller Daten einzubeziehen. Darüber hinaus erkläre ich, dass auch die Hermeneutik bei der Interpretation intrakultureller Daten unter Druck geraten ist: Die Prämisse der Einheit der Kultur der Untersuchten und der Untersuchenden setzt in der Hermeneutik voraus, dass Kulturen abgrenzbar sind und dass sie im Grunde nicht weiter unterteilt werden können. Wenn es eine solche Einheit der Kultur jemals gegeben hat, so ist diese Einheit zweifellos durch die internationalen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte und den damit einhergehenden Kontaktzwang erodiert. Ausgehend von diesen Überlegungen werden abschließend Möglichkeiten, aber auch Grenzen inter- und intrakultureller Interpretation dargestellt und diskutiert.In this article, I discuss how social scientists can interpret intercultural data in a scientific manner. I argue that, when applying methods of social research, the interpretation of intercultural data does not differ fundamentally, but only slightly from the interpretation of intracultural data. However, it is important to include co-interpreters who are familiar with the culture under investigation into the process of interpreting intercultural data. In addition, I explain that hermeneutics has also come under pressure when faced with the interpretation of intracultural data: In hermeneutics, the premise of the unity of culture of the investigated and the investigators presupposes that cultures are delimitable and that they essentially are not further subdivided. If such a unity of culture ever existed, this unity has undoubtedly been eroded by international developments in recent decades and the concomitant need for contact. Based on these reflections, I conclude by presenting and discussing possibilities for as well as limits on inter- and intracultural interpretation
"You're Too Stupid, You're Out, Alright? So Much for Inclusion": Teachers' Patterns of Interpretation Regarding the Inclusion and Exclusion of Students at an Inclusive High School
Die inklusive Beschulung von Schüler*innen am Gymnasium als Institution, in der der höchste Bildungsabschluss vergeben wird, wurde bislang wenig beforscht. Mit Blick auf die unterschiedlichen Logiken von Inklusion und Selektion, die am Gymnasium in einer schulartenspezifischen Intensität aufeinandertreffen, scheint dieses Desiderat jedoch nicht gerechtfertigt. Anknüpfend an diesen Umstand wird in diesem Beitrag der Frage nachgegangen, welche Deutungsmuster Lehrkräfte zur Inklusion und Exklusion (EMMERICH & HORMEL 2013) von Schüler*innen eines inklusiven Gymnasiums haben. Dabei wird vorgeschlagen, das Deutungsmusterkonzept (HOFFMANN 2017) und die Grounded-Theory-Methodologie (STRAUSS & CORBIN 1996 [1990]) in ein methodologisch begründetes Verhältnis zu setzen, um berufsspezifische Deutungen von Lehrkräften rekonstruieren zu können. In den Befunden aus meiner Studie wird exemplarisch an zwei Lehrkräften an einem inklusiven Gymnasium verdeutlicht, wie die Leistungen der Schüler*innen als Begründungs- und Legitimationsgrund für ihre jeweiligen Exklusionen herangezogen werden. Dabei wird das Problem der individuellen, nicht erfüllten Leistung von als benachteiligt wahrgenommenen Schüler*innen auf die Ebene der Eltern verlagert und somit außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Lehrkräfte gelegt.The inclusive education of students at the Gymnasium (German academic high school), which awards the highest educational degree, has been little researched to date. However, it is in the Gymnasium where the different logics of inclusion and selection collide with a school-specific intensity; thus, this research gap does not seem to be justified. In this article, I patterns of interpretation employed by teachers regarding inclusion and exclusion (EMMERICH & HORMEL, 2013) of students attending an inclusive Gymnasium. I utilize a methodological relation between pattern analysis (HOFFMANN, 2017) and grounded theory (STRAUSS & CORBIN, 1996 [1990]) in order to reconstruct profession-specific interpretations of teachers. Exemplary findings from two teachers show how they used academic achievement of students to justify and legitimize exclusions in the classroom. The low performance of students perceived as disadvantaged is explained in terms of their parents. The problem is thus placed outside the responsibility of the teachers themselves