Forum Qualitative Sozialforschung (Forum: Qualitative Social Research)
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Reflection on Gaining Access to Neo Salafist Girls and Women: Adapting the Research Method to the Research Field
Im Beitrag reflektiere ich den Zugang zu neosalafistischen Mädchen und Frauen als einem besonders sensiblen und digital geprägten Forschungsfeld. Im Mittelpunkt steht nicht die inhaltliche Auswertung religiöser Praktiken, sondern die methodische und reflexive Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Anpassungsleistungen, die ein solcher Feldzugang erfordert. Meine Forschung, die im Rahmen eines DFG-geförderten Gesamtprojekts durchgeführt wurde und in meine noch laufende Dissertation einfließt, basiert auf einem Grounded-Theory-Ansatz, wobei verschiedene qualitative Zugänge, insbesondere digitale Kommunikation über Chats und Sprachnachrichten, genutzt wurden. Im Verlauf der bisherigen Forschung zeigte sich, dass klassische methodische und ethische Standards – wie die Einholung schriftlicher Einwilligungen – an die spezifischen Bedingungen des Feldes angepasst werden mussten. Die kontinuierliche Reflexion eigener Vorannahmen und der dialogische Kontakt mit den Teilnehmerinnen offenbarten die Heterogenität des Feldes und halfen, stereotype Kategorien zu hinterfragen. Im Beitrag unterstreiche ich die Notwendigkeit methodischer Flexibilität und partizipativer Ansätze, um Zugang zu schwer erreichbaren Gruppen zu ermöglichen. Abschließend werden die Bedeutung nachhaltiger Beziehungen im Forschungsprozess und die Relevanz von Forschungsethik hervorgehoben. Die Erkenntnisse liefern Impulse für die wissenschaftliche Praxis qualitativer Forschung in vergleichbar sensiblen und digitalisierten Kontexten.In this paper I examine the process of gaining access to neo‑Salafist girls and women as a particularly sensitive and digitally mediated field of research. Rather than providing a substantive analysis of religious practices, I focus on the methodological and reflexive engagement with the challenges and adaptive strategies that such field access entails. The study, conducted within a collaborative project, funded by the Deutsche Forschungsgemeinschaft [German Research Foundation] and forming part of my ongoing doctoral dissertation, is based on a grounded theory approach in which I used various qualitative methods, particularly digital communication through chats and voice messages. During the course of the research, it became evident that conventional methodological and ethical standards—such as obtaining written consent—had to be adapted to the specific conditions of the field. Continuous reflection on my own preconceptions and dialogical exchange with participants revealed the heterogeneity of the field and helped to challenge stereotypical categories. I argue for methodological flexibility and participatory approaches as essential prerequisites for gaining access to hard‑to‑reach groups. I further discuss the importance of building sustainable relationships in the research process and highlight the relevance of research ethics. The findings contribute to a deeper understanding of qualitative research practice in similarly sensitive and digitalized contexts
Researching the Discursive in Mood Tracking Practices. Empirical Insights and Methodological Reflections in the Context of a "Smart Journaling"-Study
In den vergangenen 20 Jahren wurde das methodische Repertoire der Diskursanalyse unter Berücksichtigung praxistheoretischer Positionen vielfach weiterentwickelt (FEUSTEL et al. 2014; MACGILCHRIST & VAN HOUT 2011). Aufbauend auf diesen Arbeiten wurde in der hier präsentierten empirischen Untersuchung aus medienpädagogischer Perspektive ein Ansatz verfolgt, bei dem Diskursivität als Praxis begriffen wird. Ausgehend von dieser explorativen Pilotstudie, in der nach Subjektivierung im Zusammenhang mit Praktiken des Mood Tracking und Smart Journaling gefragt wurde, wird der von WRANA (2015a, 2015b) vorgeschlagene Ansatz zur Analyse diskursiver Praktiken diskutiert und reflektiert. Dabei werden ausgewählte Ergebnisse der Studie vorgestellt, um anhand von zwei differenziellen Figurationen die machtförmigen Dynamiken in Mensch-Technik-Konstellationen sichtbar zu machen. Diese ersten Ergebnisse dienen als Ausgangspunkt für methodologische Reflexionen und Vorschläge zur Weiterentwicklung des Ansatzes.In the past 20 years, much work has been done to extend the methodological repertoire of discourse analysis by engaging practice theoretical positions (FEUSTEL et al., 2014; MACGILCHRIST & VAN HOUT, 2011). Building on this work, we adopt an approach to the discursive as practice and apply it to an empirical undertaking in the context of media educational research. Drawing on an explorative pilot study in which we addressed questions around subjectivation with regard to mood tracking and smart journaling practices, our aim is to discuss and reflect on the method of analysis of discursive practices as suggested by WRANA (2015a, 2015b). We base our discussion on selected findings of our study, presenting two differential figures which illustrate powerful dynamics in the human-technology-constellations. These results serve as starting points for methodological reflections and suggestions for further development of the framework
Case Network-Analysis: A Methods Combination of Case Reconstruction and Actor Network Research
Im Beitrag diskutieren wir die methodische Kombination von Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) und objektiver Hermeneutik (OH) am Beispiel eines empirischen Forschungsprojekts zu sozio-ökologischen Transformationen von Wasserinfrastrukturen. Wir vergleichen zuerst die beiden Forschungszugänge, die zwar mit Bezügen auf den Pragmatismus methodologische Gemeinsamkeiten aufweisen, sich allerdings mit ihrer Netzwerk- beziehungsweise Fallperspektive im Hinblick auf Analyseziele und Forschungsweise unterscheiden. Wir nutzen deshalb die methodischen Mittel der ANT primär als Erhebungsstrategie ("follow the actors", LATOUR 2012 [2005], S.61) beim Erschließen relevanter Akteur-Netzwerke, ergänzt um ein Analysemodell. Demgegenüber erlaubt es die OH, die Sinnstrukturen der beteiligten Fälle zu rekonstruieren. Diese Rekonstruktionen liefern die sinnstrukturellen Antworten auf die Transformationsfragen, bei der ANT richtet sich die Aufmerksamkeit dagegen auf die Vernetzungsprozesse, um Transformationsoptionen in deren Zusammenspiel aufzufinden. Aus der Kombination, die wir Fall-Netzwerk-Analyse nennen und modellhaft zusammenführen, ergeben sich neue Einsichten. An einem empirischen Beispiel zeigen wir, wie sich Sinnstrukturen und Netzwerk wechselseitig stabilisieren können: eine stark technisch orientierte Problemperspektive im technisch orientierten Akteur-Netzwerk.In this article we discuss the methodological combination of actor-network theory (ANT) and objective hermeneutics (OH), using as an example an empirical research project on socio-ecological transformations of water infrastructures. We first compare the two research approaches that share methodological similarities with regard to pragmatism, but differ in terms of their network or case perspectives with regard to analytical goals and research methods. We therefore used the methodological tools of ANT primarily as a data collection strategy ("follow the actors," LATOUR, 2007a [2005], p.61) for identifying relevant actor networks, supplemented by an analysis model. In contrast, OH allowed us to reconstruct the meaning structures of the actors involved. These reconstructions provide the answers of OH to the transformation question, whereas in ANT, attention is focused on networking processes in order to identify transformation options in their interaction. The combination, which we call case-network analysis and develop as a research model, yields new insights. Using an empirical example, we show how meaning structures and actor-networks can mutually stabilize each other: A strongly technically oriented problem perspective within a technically oriented actor network
Ethical Reflections on Working With Peer Researchers. Experience From the Field in Migration Studies
In diesem Beitrag untersuchen wir die ethischen Dimensionen des Peer-Research-Ansatzes auf Grundlage unserer Erfahrungen – sowohl als Forschende als auch als Peer-Forschende –, die wir im Rahmen eines internationalen Projekts zur Integration junger Migrant*innen gewonnen haben. Wir betonen die Notwendigkeit einer vertieften Reflexion der Beziehungen innerhalb des Forschungsteams sowie der Beziehungen zur am Forschungsprozess beteiligten Community. Darüber hinaus heben wir die Bedeutung der Anerkennung der Doppelrolle von Peer-Forschenden hervor, die zugleich Mitglieder der Community und Teil des Forschungsteams sind. Auf der Basis unserer Erfahrungen formulieren wir eine Reihe ethischer Reflexionen zur Anwendung des Peer-Research-Ansatzes. In unserer Diskussion konzentrieren wir uns auf drei zentrale Bereiche: Erstens schlagen wir Prinzipien für die Zusammenarbeit mit Peer-Forschenden als vollwertigen Mitgliedern des Forschungsteams vor. Zweitens widmen wir uns der Doppelrolle von Peer-Forschenden und den daraus resultierenden Implikationen. Drittens untersuchen wir die Bedeutung der Kommunikation mit der breiteren Community sowie der gemeinsamen Wissensproduktion. Zu den diskutierten ethischen Prinzipien zählen Transparenz, Offenheit, Vertrauen, Partnerschaftlichkeit, Machtbalance, Respekt, Verantwortung, Anerkennung, Intersektionalität, Agency, Diversität, Empowerment, Inklusion, soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit.In this paper, we explore the ethical dimensions of the peer research approach (PRA) drawing on our experiences—as researchers and peer researchers—gained through an international project about young migrants' integration. We emphasize the necessity for deep reflection on relationships within the research team and with the community involved in the study. We also highlight the importance of recognizing the dual role of peer researchers as both members of the community and research team. Based on our experiences, we provide a set of ethical reflections for applying PRA. Our discussion is concentrated around three areas: First, we propose principles of working with peer researchers as full-fledged team members. Then, we focus on their dual role and its implications. Finally, we examine the importance of communicating with the broader community and knowledge co-production. The ethical principles discussed include transparency, openness, trust, partnership, power balance, respect, responsibility, recognition, intersectionality, agency, diversity, empowerment, inclusion, social justice and equity
Between Seals and Feigned Ethics: Autoethnographic Tensions in Delivering Gender-Perspective Training in Institutional Contexts
Die formale Institutionalisierung der Geschlechterperspektive wird oft als organisatorische Legitimation eingesetzt, ohne jedoch strukturelle Veränderungen zu bewirken. In dieser analytischen Autoethnografie untersuche ich kritisch ethische Widersprüche, die sich bei der Durchführung geschlechterperspektivischer Schulungen in zwei chilenischen Regierungsinstitutionen (2024-2025) ergaben. Anhand persönlicher Tagebücher und Feldnotizen, die ich mithilfe einer reflexiven thematischen Analyse ausgewertet habe, habe ich sechs miteinander verflochtene Themen identifiziert: instrumentelle Motivationen (Zertifizierung als Ziel), ethische Entfremdung (oberflächliche Umsetzung und delegierte Verantwortung), stiller Widerstand (Vorurteile und Voreingenommenheit), das undurchdringliche berufliche Selbst, umstrittene Emotionalitäten und institutionelle Paradoxien. Ich stellte einen tiefen institutionellen Widerstand, eine oberflächliche Übernahme der Genderperspektive und überwiegend instrumentelle Motivationen fest, die auf Reputationssiegel ausgerichtet sind, was ich als Beweis für eine Kluft zwischen Diskurs und Praxis interpretiere. Ich argumentiere, dass unter neoliberalen und maskulinisierenden Logiken die Genderperspektive symbolisch instrumentalisiert wird, was transformative Veränderungen einschränkt. Ich leiste einen Beitrag zu Debatten über Gender-Mainstreaming und institutionelle Ethik und zeige auf, warum eine Bewegung über performative Compliance hinaus hin zu einer echten Ethik der Fürsorge und Rechenschaftspflicht erforderlich ist.The formal institutionalization of the gender perspective is often deployed as organizational legitimation while failing to produce structural change. In this analytic autoethnography, I critically examine ethical contradictions that unfolded as I delivered gender-perspective training within two Chilean governmental institutions (2024-2025). Drawing on personal diaries and fieldnotes, and analyzed with reflexive thematic analysis, I identified six intertwined themes: Instrumental motivations (certification as an end), ethical disconnection (superficial uptake and delegated responsibility), silent resistance (prejudice and bias), the impermeable professional self, contested emotionalities, and institutional paradoxes. I found deep institutional resistance, surface-level adoption of the gender perspective, and predominantly instrumental motivations oriented to reputational "seals," which I interpret as evidence of a gap between discourse and practice. I argue that, under neoliberal and masculinizing logics, the gender perspective becomes symbolically instrumentalized, limiting transformative change. I contribute to debates on gender mainstreaming and institutional ethics and show why movement beyond performative compliance toward a genuine ethic of care and accountability is required
Vulnerability as Professional Testimony: An Autoethnography of Panic and Hormonal Transition in an Academic Context
In meiner autoethnografischen Studie untersuche ich das Wiederauftreten einer Panikattacke, die ich als zugelassene Gesundheitspsychologin und Universitätsdozentin nach einer 14-jährigen symptomfreien Zeit erlebte. Die Attacke ereignete sich am akademischen Arbeitsplatz wenige Minuten vor einer wichtigen institutionellen Veranstaltung und im Anschluss an einen bedeutenden persönlichen Wandel: die Hochzeit meiner Tochter. Diese Erzählung steht an der Schnittstelle zwischen hormonellen Veränderungen in der Lebensmitte, angesammelter emotionaler Arbeit und verinnerlichten Erwartungen an berufliche Unverletzlichkeit im akademischen Umfeld.
Mit einem reflexiven autoethnografischen Ansatz analysiere ich die somatischen Dimensionen psychischer Belastungen, die Rolle des verkörperten Gedächtnisses und die geschlechtsspezifische Belastung durch Emotionsregulation in Pflegeberufen. Diese Erfahrung wird nicht als Versagen psychologischer Fachkompetenz interpretiert, sondern als bedeutungsvolle Störung, die die Grenzen des resilienten Selbst aufzeigt. In meinen Ergebnissen betone ich die Notwendigkeit institutioneller Rahmenbedingungen, um Verletzlichkeit zu legitimieren, verkörpertes Selbstbewusstsein zu fördern und reflektierende Praktiken in die berufliche Entwicklung zu integrieren. Mit diesem Beitrag möchte ich den Diskurs über psychische Gesundheit in der Wissenschaft erweitern, indem ich gelebte Erfahrungen sowohl als valide Daten als auch als epistemologische Erkenntnisse einbringe.In this autoethnographic study, I examine the re-emergence of a panic episode experienced as a licensed health psychologist and university lecturer after a 14-year symptom-free period. The episode occurred in the academic workplace minutes before a major institutional event and in the aftermath of a significant personal transition: My daughter's wedding. This narrative is positioned at the intersection of midlife hormonal transitions, accumulated emotional labor, and internalized expectations of professional invulnerability within academic settings.
Using a reflexive autoethnographic approach, I analyze the somatic dimensions of psychological distress, the role of embodied memory, and the gendered burden of emotional regulation in caregiving professions. This experience is not interpreted as a failure of psychological expertise but as a meaningful disruption that exposes the limits of the resilient self. In my findings, I emphasize the necessity of institutional frameworks to legitimize vulnerability, promote embodied self-awareness, and integrate reflective practices in professional development. With this contribution, I aim to broaden the discourse on mental health in academia by situating lived experience as both valid data and epistemological insight
Resonances of My Often-Silenced Voice: An Autoethnographic Inquiry Into the Academic Journey of My Self as a Plagiarism Victim
In dieser autoethnografischen Studie reflektiere ich – als Forscherin und Autorin, deren akademische Arbeit mehrfach plagiiert wurde – kritisch meine persönlichen Erfahrungen und Erzählungen im iranischen akademischen Kontext, um ein differenziertes Verständnis von Plagiaten als einem weit verbreiteten und systemischen Problem zu entwickeln. Durch kritische Reflexion über mich selbst als Opfer von Plagiaten und meiner Interaktionen mit anderen untersuche ich die Ursachen von Plagiaten sowie meine emotionalen, intellektuellen und beruflichen Kämpfe und Lösungen, die meine gesamte Identität als Autorin geprägt haben. Die Daten stammen aus verschiedenen Quellen meiner gesamten akademischen Laufbahn.
Die thematische Analyse ergab Themen, die die zugrunde liegenden Machtquellen sowie die institutionellen Strukturen und Machtverhältnisse aufzeigen, die Plagiate als akademisches Fehlverhalten im Hochschulbereich begünstigen und aufrechterhalten. Durch diesen Prozess werden die Stimmen der Plagiatsopfer als Machtlose und Unterdrückte praktisch zum Schweigen gebracht. Die Machtverhältnisse auf Ebene der Universitäten sind landesweit so tief verwurzelt, dass die Bemühungen der unterdrückten Opfer von vornherein unterbunden werden. Ich behaupte, dass das Zuhören und Lernen aus den Lebenserfahrungen von Plagiatsopfern, die in der Regel abgetan oder vernachlässigt werden, wichtige Erkenntnisse liefert, um Verantwortlichkeit und sinnvolle Veränderungen in akademischen Praktiken und Richtlinien zu fördern.In this autoethnographic study, I—as a researcher and author whose academic work has been plagiarized multiple times—critically reflect on my personal experiences and narratives within the Iranian academic context to develop a nuanced understanding of plagiarism as a pervasive and systemic issue. Through critical reflection on my Self as a plagiarism victim and my interactions with others, I explore sources of plagiarism alongside my emotional, intellectual, and professional struggles and solutions that have shaped my whole authorial identity. The data were drawn from diverse sources throughout my academic career. Thematic analysis revealed themes illustrating the underlying sources of power, as well as the institutional structures and power relations that facilitate and perpetuate plagiarism as academic misconduct within higher education. Through this process, voices of plagiarism victims, as the powerless and oppressed, are feasibly silenced by these sources of power. The power relations at the level of universities and nationwide are so deeply entrenched that the oppressed victims' efforts are stifled from the outset. I argue that listening to and learning from the lived experiences of plagiarism victims, typically dismissed or neglected, offers critical insights to foster accountability and meaningful transformation in academic practices and policies
Making Data From Drawing: How Step-by-Step Protocols Can Enrich Reflexive Inquiry in Qualitative Research
Was geschieht in der qualitativen Forschung, wenn Reflexivität explizit gemacht wird? In einigen Fällen können Forscher*innen auf Phänomene stoßen, die den kulturellen Normen und Erwartungen, die ihr tägliches Leben prägen, zuwiderlaufen. In diesem Artikel stellen wir ein qualitatives Protokoll mit dem Titel Eine Methode für kreative reflexive Daten in der Autoethnografie vor – eine experimentelle Methode für kreative reflexive Daten, die es Forscher*innen ermöglicht, ein Schritt-für-Schritt-Protokoll mithilfe von Zeichnungen zu befolgen. Dies wird erreicht, indem die analytischen Mechanismen vorgestellt werden, die jedem Schritt der experimentellen Methode zugrunde liegen, wodurch der reflexive Prozess bei der Datenerstellung besser sichtbar wird. Wir verfolgen in diesem Artikel zwei Ziele: Erstens möchten wir ein programmatisches Argument für das Protokoll als (mehr als eine reproduzierbare) Methode zur Explizierung jeder qualitativen Methode präsentieren; zweitens möchten wir über die Besonderheiten einer neuen Methode berichten, die dazu beiträgt, den analytischen Prozess in jedem Schritt sichtbar zu machen.In qualitative research, what happens when reflexivity is made explicit? In some instances, researchers may encounter phenomena that run counter to the cultural norms and expectations that shape their everyday lives. We present in this article a qualitative protocol titled A Method for Creative Reflexive Data in Autoethnography—an experimental method for creative reflexive data that enables researchers to follow a step-by-step protocol using drawing. This is achieved by presenting the analytical mechanics underlying each step of the experimental method, thereby making a researcher's reflexive process more visible in data production. We share two objectives in this article: First, to present a programmatic case for the protocol as a (more-than-reproducible) way of making any qualitative method more explicit; second, to report on the specifics of a new method that helps render the analytic process visible at each step
Zooming in on Lived Experiences: Using Descriptive Phenomenology and Qualitative Methods to Examine Connection to Nature
Während der COVID-19-Pandemie waren Forschungsarbeiten vor Ort in Kanada verboten, sodass Daten aus der Ferne erhoben und virtuelle Feldforschungen, einschließlich Konferenzplattformen, genutzt werden mussten. In meiner qualitativen deskriptiven phänomenologischen Studie wollte ich das Wesen der Verbindung zur Natur und die Rolle der Ehrfurcht innerhalb dieser Verbindung verstehen; die detaillierten Ergebnisse sind an anderer Stelle verfügbar (McCLARTY, 2021). In diesem Artikel beschreibe ich, wie ich die teilnehmer*innengesteuerte Fotoelizitation (TGFE), Online-Videointerviews (über Zoom) und deskriptive phänomenologische Forschung kombiniert habe. Ich gebe einen Überblick über die Rekrutierung der Teilnehmer*innen, ethische Überlegungen und die Datenerhebung, stelle dann Überlegungen zu methodischen Innovationen vor und biete praktische Einblicke für Forscher*innen, die TGFE und Online-Interviewmethoden für die Forschung unter Verwendung eines deskriptiven phänomenologischen Ansatzes in Betracht ziehen. Ich zeige, dass TGFE mit einer deskriptiven phänomenologischen Methode übereinstimmt, da den Teilnehmenden ermöglicht wird, eine reichhaltige Beschreibung ihrer gelebten Erfahrung eines Phänomens darzustellen.During the COVID-19 pandemic, in-person research was prohibited in Canada, necessitating remote research collection and the use of virtual fieldwork, including conferencing platforms. In my qualitative descriptive phenomenological study, I aimed to understand the essence of the connection to nature and the role of awe within that connection; the detailed results are available elsewhere (McCLARTY, 2021). In this paper, I describe how I combined the methods of participant-driven photo-elicitation (PDPE), online video interviews (via Zoom), and descriptive phenomenological research. I provide an overview of participant recruitment, ethical considerations, and data collection, then present reflections on methodological innovations and offer practical insights for researchers considering PDPE and online interview methods for research using a descriptive phenomenological approach. I suggest that PDPE aligns with a descriptive phenomenological method, as it is possible for participants to portray a rich description of their lived experience of a phenomenon
The Miguel Ángel Blanco Archive: The Unpublished Letters Reflecting a Change in the Perception of Terrorism and Its Victims in Spain
Das Hauptziel dieses Artikels ist es, das Miguel Ángel Blanco-Archiv vorzustellen, benannt nach einem relativ unbekannten spanischen Lokalpolitiker, Miguel Ángel BLANCO GARRIDO, der vom 10. bis 12. Juli 1997 von der Terrororganisation ETA entführt und anschließend ermordet wurde. Die Auswirkungen dieses Terroranschlags auf die spanische Gesellschaft mobilisierte zahlreiche Bürger*innen: Im öffentlichen Raum demonstrierten mehr als sechs Millionen Menschen in Städten in ganz Spanien; im privaten Bereich beschlossen mehrere Tausend Personen, Briefe an die Familie des jungen Stadtrats zu schreiben. Die Familie, überwältigt von den emotionalen Auswirkungen, fühlte sich jedoch nicht in der Lage, diese Briefe zu lesen und bewahrte sie 25 Jahre lang in Kisten in einer Garage auf. Im Jahr 2022 spendete die Miguel Ángel Blanco-Stiftung das Material dem Generalarchiv der Universität Navarra zur Aufbewahrung und Forschung. Die Briefe ermöglichen es uns potenziell, den sozialen Wandel auf Mikroebene zu untersuchen. Das doppelte Ziel, die gesellschaftliche Reaktion auf den Terrorismus angesichts eines Schlüsselereignisses in der jüngeren Geschichte Spaniens zu dokumentieren und zu analysieren, hat zur Konzeption eines interdisziplinären Forschungsprojekts mit potenziellen Anwendungen in Bereichen wie Kommunikation, Geschichte, Bildung und Anthropologie geführt.The main objective of this article is to present the Miguel Ángel Blanco Archive, named for a relatively unknown Spanish local politician, Miguel Ángel Blanco Garrido, who was abducted by the terrorist organisation ETA from 10 to 12 July 1997 and then assassinated. The impact of this terrorist attack on Spanish society mobilised thousands of anonymous citizens: in the public sphere, more than six million people demonstrated in cities across Spain; in the private sphere, several hundred citizens decided to write letters to the family of the young councilman. However, the family, overcome by the emotional impact, felt unable to read these letters and kept them in boxes in a garage for 25 years. In 2022, the Miguel Ángel Blanco Foundation donated the material to the General Archive of the University of Navarra for conservation and research. The letters potentially allow us to study social change at the micro level. The dual objective of documenting and analysing the social response to terrorism in the face of a key event in Spain’s recent history has given rise to the design of an interdisciplinary research project with potential applications in fields such as communication, history, education, and anthropology.