MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung
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Visualization Literacy: Decoding Visual Messages
Visualisierung von abstrakten Daten (z. B. Daten zu COVID-19) spielt in den Massenmedien eine immer grössere Rolle. Allerdings sind komplexe Visualisierungen für viele Personen nicht leicht zu interpretieren. Die Fähigkeit, solche Darstellungen zu verstehen, wird als Visualization Literacy bezeichnet. Diese neue Forschungsrichtung beruht auf Untersuchungen in anderen Bereichen, wie etwa Visual Literacy, Graph Comprehension oder Studien zu Cognitive Biases oder Onboarding für Visualisierungen. Im folgenden Artikel werden diese Forschungsbereiche dargestellt und ihre Bedeutung für Visualization Literacy diskutiert. Es gibt zwei wesentliche Aspekte bei Visualization Literacy, einerseits die Frage, wie man Wissen über Visualisierungen am besten vermitteln kann, andererseits auch, wie Visualisierungen gestaltet sein müssen, dass sie von Menschen ohne Vorwissen über dieses Gebiet angemessen verstanden werden können. Visualization Literacy ist eng mit Data Literacy verwandt, da grosse, komplexe Datensätze durch Visualisierungen oft leichter interpretiert werden können. Zusammenhänge in den Daten oder Extremwerte können wesentlich problemloser erkannt werden. Daher ist es wichtig, dass Kenntnisse über Visualisierungen im schulischen Unterricht vermittelt werden, damit Betrachtende keine fehlerhaften Schlüsse aus Visualisierungen ziehen.Visualization of abstract data (e.g., data on COVID-19) plays an increasingly important role in the mass media. However, complex visualizations cannot be understood easily by many people. The ability to understand such representations is called visualization literacy. This new direction of research is based on investigations in other areas, such as visual literacy, graph comprehension, or research on cognitive biases or onboarding for visualizations. The following article presents these research areas and discusses their importance for visualization literacy. There are two essential aspects of visualization literacy, on the one hand the question of how knowledge about visualizations can best be taught, and on the other hand how visualizations must be designed so that they can be understood by people who have no prior knowledge of this area. Visualization literacy is closely related to data literacy, as large, complex data sets can often be made easier to understand through visualizations. Relationships in the data or extreme values can be recognized much more easily. It is therefore important that knowledge about visualizations is taught in school so that viewers do not draw incorrect conclusions from the visualizations
Empowerment as a Concept in Media Pedagogy: An International Comparison of Different Media Literacy Models
Es lässt sich feststellen, dass Modelle zu Medienkompetenzen und Medienbildung meist nur lokal begrenzt rezipiert werden. Der vorliegende Beitrag stellt deshalb insgesamt fünf Medienkompetenzmodelle aus Brasilien, Grossbritannien, Deutschland und den USA vergleichend vor. Den Modellen – das wird schnell deutlich – ist gemein, dass die Menschen befähigt werden sollen, sich Medien gemäss den eigenen Bedürfnissen sowie für kommunikative Prozesse, zunutze zu machen. Da die Befähigung in den verglichenen Modellen eine zentrale Rolle einnimmt, schien es naheliegend zu prüfen, inwiefern sich das Handlungskonzept des Empowerments auch für medienpädagogische Kontexte als Grundlage professionellen Handelns eignet.It can be seen that media literacy models are usually only received locally. This article therefore presents a total of five media literacy models from Brazil, Germany, Great Britain and the USA. The models – as quickly becomes clear – have in common that people should be enabled to use media according to their own needs and for communicative processes. Because enabling plays such a central role, it seemed obvious to examine the extent to which the concept of empowerment is also suitable for media education contexts as a basis for professional media literacy processes
Populism and Competence: A Praxeological Approach
Dieser Beitrag stellt eine theoretische Konzeption praxeologischer Populismusforschung vor. Die praxeologische Populismusforschung ist in der Medienpädagogik bisher noch nicht diskutiert worden. Zwar haben praxeologische Ansätze in der Medienpädagogik bereits ihre eigene Praxis geschaffen. Die Zugänge reichen von Mikro-Themen wie Coding (Verständig 2020) oder Online-Rollenspiele (Raudonat und Marsden 2020) bis hin zu metatheoretischen Reflexionen (Bettinger 2018; Bettinger und Hugger 2020). Der Themenbereich Populismus ist bisher jedoch noch nicht in diesen Kontexten in Erscheinung getreten. Auf dem Weg zu einer Konzeption praxeologischer Populismusforschung wird in diesem Beitrag zuerst dessen Bedeutung für die aktuelle Populismusforschung aufgezeigt. Dazu werden zentrale Ergebnisse und Forschungsansätze der Populismusforschung skizziert und diskutiert. Zweitens wird die Rolle von Social Media als unterstützender Raum für populistische Kommunikationspraktiken erörtert. Drittens wird schliesslich ein Forschungsansatz für eine praxeologische Populismusforschung vorgestellt und dessen Bedeutung für die medienpädagogische Kompetenzforschung reflektiert. Der Beitrag versteht sich als rein theoretisch-zeitdiagnostisch. Das übergreifende Ziel ist es, eine Debatte aufzuschlagen, in der die medienpädagogische Forschung pragmatisch eine Antwort auf ihre gestiegene Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt liefert.This paper presents a theoretical conception of praxeological populism research. Praxeological populism research has not yet been discussed in media education. Though, praxeological approaches in media education have already created their own practices. The approaches range from micro-topics such as coding (Verständig 2020) or online role-playing games (Raudonat and Marsden 2020) to meta-theoretical reflections (Bettinger 2018; Bettinger and Hugger 2020). The topic of populism, however, has not yet appeared in these contexts. Towards a conceptualization of praxeological research on populism, this paper will first highlight its relevance for current research on populism. For this purpose, central results and research approaches of populism research will be outlined and discussed. Second, the role of social media as a supporting space for populist communication practices will be discussed and, third, a research approach for a praxeological populism research will be presented and its importance for media pedagogical competence research will be reflected. The contribution is understood to be purely theoretical-temporal-diagnostic. The overarching goal is to initiate a debate in which media pedagogical research pragmatically provides an answer to its increased importance for social cohesion
Communication, Consensus and Cohesion in the University Context: Notes on the Digital Transformation of Media Acquisition and Usage
Gesellschaftlicher Zusammenhalt wird in Bildungseinrichtungen (Eckert 2007) als Teil eines individuellen, aber gesellschaftlich verantworteten Sozialisationsprozesses in den entsprechenden Lebensphasen (Abels et al. 2008) erfahren. Dafür sind Kommunikationsprozesse von Bedeutung, die entweder selbst zu einem Konsens führen oder in denen die Entstehung eines Konsenses nachvollzogen werden kann. In den kommunikativen Aushandlungsprozessen während eines Studiums werden Wissensbestände diskutiert und Wissensstrukturen aufgebaut. Studierende, aber auch Lehrende erleben so einen Lehr-Lernzusammenhang, der bestenfalls die Genese wissenschaftlichen Wissens verdeutlicht, und erkennen, dass gesättigtes wissenschaftliches Wissen vom Konsens der Beteiligten abhängig ist. Konsens führt damit zu einem geteilten Wissensbestand, der über den konkreten Lehrkontext hinaus Geltung hat und zu sozialer Kohäsion innerhalb der Universitätsgemeinschaft, darüber hinaus in der Scientific Community und in der Gesellschaft an sich führen kann. Dieser fragile Zusammenhang zwischen Kommunikation, Konsens und Kohäsion in der Wissenschaft ist abhängig von verfügbarem Wissen und damit von der Informationsbeschaffung. Veränderungen, wie sie während der Pandemie zu beobachten waren, als Bibliotheksbestände nurmehr digital zugänglich waren und alle Lehr- und Forschungsanstrengungen in die digitale Welt verlegt wurden (Breitenbach 2021), wirken sich deshalb direkt und indirekt auf die Kommunikation der Universitätsgemeinschaft (Mayrberger 2020; Morselli et al. 2021) aus. Deshalb muss die Frage gestellt werden, wie sich das wissenschaftliche, gesellschaftlich geteilte Wissen verändert und welche Auswirkung es haben kann, wenn nurmehr digitale Bestände und Medien genutzt werden können.Social cohesion is experienced in educational institutions (Eckert 2007) to be a part of an individual but socially responsible socialisation process in the corresponding phases of life (Abels et al. 2008). Communication processes that either lead to consensus themselves or in which the emergence of consensus can be traced are significant for that purpose. In communicative negotiation processes taking place in the course of a university education, knowledge stocks are discussed, and knowledge structures are built up. Students, as well as teachers, thereby experience a teaching-learning context that at best clarifies the genesis of scientific knowledge and realise that saturated scientific knowledge is dependent on the consensus of those involved. Consensus thus leads to a shared corpus of knowledge that has validity beyond the concrete teaching context and can lead to social cohesion within the university community, beyond that in the scientific community and in society itself. This fragile connection between communication, consensus and cohesion in science is dependent on available knowledge and thus on the acquisition of information. Changes such as those observed during the pandemic, when library media were only accessible digitally and all teaching and research efforts were moved to the digital world (Breitenbach 2021), therefore have a direct and indirect impact on the communication of the university community (Mayrberger 2020; Morselli et al. 2021). Therefore, the question must be started how scientific, socially shared knowledge changes and what impact it can have if only digital holdings and media can be used furthermore
Determinants of Perceived Digital Inclusion and Digital Media Usage by Older People Based on the Theory of Planned Behavior: A Qualitative and Quantitative Study within the Research Project DigiKomS
Fortschreitende Digitalisierung fordert den Menschen umfangreiche Kenntnisse und Fähigkeiten ab. Da es für viele ältere Menschen schwer ist, mit dieser Entwicklung mitzuhalten, wird im Forschungsprojekt DigiKomS eine Lernwerkstatt für Ältere zur Verbesserung der digitalen Medienkompetenzen entwickelt. Der Zusammenhang zwischen (fehlender) digitaler Teilhabe und sozialer bzw. gesellschaftlicher Teilhabe wird in diesem Artikel beleuchtet. Dazu wurden qualitative Interviews mit Personen ab 70 Jahren (N = 21) und eine quantitative Fragebogenstudie (N = 107 ab 70-Jährige) auf Basis der Theorie des geplanten Verhaltens durchgeführt. Die statistische Auswertung zeigte, dass insbesondere die wahrgenommene Verhaltenskontrolle einen signifikanten Einfluss auf die Absicht hat, digitale Medien (weiterhin) zu nutzen. Auch die Einstellung hat einen signifikanten Effekt. Der Einfluss der subjektiven Norm wird erst moderiert durch die wahrgenommene Verhaltenskontrolle signifikant: Bei niedriger wahrgenommener Verhaltenskontrolle hat die subjektive Norm einen stärkeren Einfluss auf die Absicht, digitale Medien zu nutzen. Auch der Zusammenhang zwischen dem Inklusionsempfinden und der Absicht, digitale Medien (weiterhin) zu nutzen, ist signifikant. Dieser wird direkt mediiert durch die Einstellung gegenüber der Nutzung digitaler Medien und die Interaktion zwischen subjektiver Norm und wahrgenommener Verhaltenskontrolle. Die Studie zeigt damit wichtige Einflussgrössen der Förderung individueller digitaler Teilhabe, die unter anderem in der Lernwerkstatt des Projekts DigiKomS im Mittelpunkt stehen werden.Ongoing digitalization demands extensive knowledge and skills from people. Since many elderly people struggle keeping up with this development, the DigiKomS research project is designing a learning workshop for older people for improving digital media skills. The relationship between (a lack of) digital participation and social/societal participation is highlighted in this article. For this purpose, qualitative interviews (N = 21) and a quantitative questionnaire study (N = 107) with people aged 70 years and older were conducted based on the theory of planned behavior. The statistical analysis showed that especially the perceived behavioral control has a significant influence on the intention to use digital media. Attitude also has a significant effect. The influence of subjective norm is not significant until moderated by perceived behavioral control: when perceived behavioral control is low, subjective norm has a stronger influence on intention to use digital media. The correlation between inclusion perception and intention to use digital media is also significant. This is directly mediated by the attitude towards using digital media and the interaction between subjective norm and perceived behavioral control. The study thus shows important variables influencing the support of digital participation on an individual level, which among other things will be the focus of the learning workshop of the DigiKomS project
Vocational Painting with Virtual Reality (HandLeVR): VR-Based Skills Acquisition in Vocational Training
Kompetenzentwicklung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung beinhaltet den Erwerb von Wissen, Fertigkeiten und Einstellungen, häufig mit einem Schwerpunkt auf psychomotorischer Koordination. Der Kompetenzerwerb in der Ausbildung zum Fahrzeuglackierer bzw. zur Fahrzeuglackiererin wird durch soziale, wirtschaftliche und ökologische Faktoren behindert. Um diese Hürden zu überwinden, entwickelt das Forschungsprojekt HandLeVR (Handlungsorientiertes Lernen in der VR-Lackierwerkstatt) ein Virtual-Reality-Training auf der Grundlage des empirisch validierten 4C/ID-Modells. Der Artikel stellt das Vorgehen und die Resultate des Projekts vor und präsentiert Ergebnisse einer ersten Evaluierungsstudie (z. B. zu Akzeptanz und Präsenzerleben).In vocational training, competence acquisition involves the acquisition of knowledge, skills, and attitudes, often with a focus on psychomotor coordination. For vehicle painters, training is hampered by economic, environmental, and social factors. To overcome these limitations, the HandLeVR research project is developing a Virtual Reality-training based on the empirically validated 4C/ID model. This paper aims to present project processes, outcomes as well as results of a first evaluation study
Effects of Participation in the Elective Subject Coding & Robotics on the Development of the Ability Self-Concept in Lower Secondary School Students in Austria
Aufgrund der zunehmend alle Lebensbereiche durchdringenden Digitalisierung reichen Kompetenzen, wie sie im traditionellen schulischen Curriculum der Sekundarstufe vermittelt werden, für eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe nicht mehr aus. International wird diesem Umstand durch die Entwicklung und Implementierung schulischer Curricula, die sich am Konzept des Computational Thinkings (CT) in Verbindung mit Educational Robotics (ER) orientieren, Rechnung getragen. Wenn dabei lebensweltliche Problemstellungen anschaulich anhand von digitalen Technologien bearbeitet werden, können auf diese Weise eine Reihe digitaler Kompetenzen aber auch verschiedene kognitive, soziale und motivationale Kompetenzen gefördert werden. Diesem Ansatz folgt das im österreichischen Burgenland in der Sekundarstufe I eingeführte Wahlpflichtfach (Wpf.) Coding und Robotik (C & R). In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, ob sich für die an dem Wpf. teilnehmenden Schüler:innen Effekte auf das Fähigkeitsselbstkonzept (FSK) im Umgang mit digitalen Medien bzw. digitalen Technologien und in Bezug auf das schulbezogene akademische Selbstkonzept zeigen. In einer längsschnittlichen Vollerhebung wurden dazu 1.383 Schüler:innen der siebenten Schulstufe an burgenländischen Mittelschulen zu drei Zeitpunkten (Beginn, Mitte und Ende des Schuljahres 2018/19) untersucht. 404 der Schüler:innen besuchten das Wpf. C & R, 979 andere Wahlpflichtfächer. Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass sich schulische Lernarrangements, die CT in Verbindung mit ER aufgreifen, günstig auf die Entwicklung eines positiven FSK der Schüler:innen auswirken.Due to the increasing digitalization across all areas of life, competences taught in the traditional secondary school curriculum are no longer sufficient for successful societal participation. Internationally, this fact is being addressed by the development and implementation of educational curricula based on the concept of Computational Thinking (CT) in conjunction with Educational Robotics (ER). Particularly when real-life problems are addressed using digital technologies in a tangible manner, this approach can foster a range of digital competences as well as various cognitive, social, and motivational competences. This approach is followed by the elective subject Coding and Robotics (C & R), which has been introduced in the secondary education level I in the Burgenland region of Austria. This study examines whether participating students in the elective subject show effects on their self-concept of abilities in dealing with digital media or technologies, as well as their academic self-concept. A longitudinal survey was conducted, involving 1,383 students in the seventh grade of Burgenland secondary schools at three time points (beginning, middle, and end of the 2018/19 school year). Out of these, 404 students attended the C & R elective subject, while 979 students pursued other elective subjects. The results support the assumption that educational learning arrangements incorporating CT in conjunction with ER can have a favourable impact on the development of positive SCA among students