MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung
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From (Normative) Ideas to (Pedagogical) Practice: A Critical Review of 20 Years of OER from the Perspective of Design-Oriented Educational Research
Der vorliegende Beitrag betrachtet die Genese von OER seit deren Initiierung im Jahr 2002. Gerade Deutschland war lange Zeit kaum an der Entwicklung und Verbreitung von OER beteiligt. Jedoch haben OER durch verschiedene Massnahmen vor allem in der vergangenen Dekade in Deutschland an Bedeutung gewonnen. Der Beitrag zeichnet diese Entwicklung aus der Perspektive einer gestaltungsorientierten Mediendidaktik nach. Während die Entstehungsphase primär durch eine OER-Gemeinschaft geprägt war, erfolgt mittlerweile eine zunehmende strukturelle Verankerung von OER in der Hochschule. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit OER hat sich primär mit den Gründen und Hindernissen für deren Nutzung befasst. Hierdurch konnten wichtige Erkenntnisse, auch für die weitere Förderung von OER, gewonnen werden. Dennoch existieren Missverständnisse über OER, die sich auch durch eine grundlegendere Problematik der Ausrichtung der empirischen Bildungsforschung erklären lassen. Die Förderung von OER sollte weniger aufgrund von Wirkungserwartung für die Hochschule per se erfolgen, sondern als ein Potenzial verstanden werden, mit dem die Transformation von Hochschule und einer Bildung in der digitalen Welt gelingen kann. Dafür, so die These, ist eine pragmatische Haltung erforderlich. Dies könnte bedeuten, die anfangs wichtige und immer noch einflussreiche Bottom-up-Perspektive um eine Top-down-Perspektive zu erweitern, die strukturelle Massnahmen adressiert, um die mittel- und langfristige Förderung von OER sicherzustellen.This paper examines the genesis of Open Educational Resources (OER) since its initiation in 2002. Germany, in particular, was minimally involved in developing and disseminating OER for a long time. However, various measures have made OER increasingly significant in Germany, particularly over the past decade. This paper outlines this development from the perspective of design-based media didactics. While an OER community mainly shaped the initial phase, there has been a shift towards a more structural incorporation of OER in higher education. The academic discourse has primarily focused on the reasons for and obstacles to the use of OER. This has led to significant insights, which are also beneficial for the further promotion of OER. Nevertheless, misunderstandings about OER persist, attributable to a more fundamental issue in the orientation of empirical educational research. However, the promotion of OER should not be based solely on the expectation of its impact on higher education per se but rather be understood as a potential to facilitate the transformation of education and universities. According to the thesis presented here, a more pragmatic stance is necessary for this transformation. This might entail enhancing the initially important and still influential bottom-up approach with a top-down perspective that addresses structural measures to ensure OER’s medium- and long-term promotion
(Notwendige) Kompetenzen in digital vernetzten Welten für Teilhabe und souveränes Handeln
Rezension zu
Cousseran, Laura, Achim Lauber, Simon Herrmann, und Nils Brüggen. 2023. Kompass: Künstliche Intelligenz und Kompetenz 2023. Einstellungen, Handeln und Kompetenzentwicklung im Kontext von KI. Herausgegeben vom JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. München: kopaed. 16,80 €. https://doi.org/10.5281/zenodo.10058587.
und
Schober, Maximilian, Katja Berg, und Nils Brüggen. 2023. KI als «Wunscherfüller»? Kompetenzen von Kindern im Umgang mit algorithmischen Empfehlungssystemen. Qualitative Studie im Rahmen von «Digitales Deutschland». Herausgegeben vom JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. München: kopaed. 14,80 €. https://doi.org/10.5281/zenodo.10171263.Review to
Cousseran, Laura, Achim Lauber, Simon Herrmann und Nils Brüggen. 2023. Kompass: Künstliche Intelligenz und Kompetenz 2023. Einstellungen, Handeln und Kompetenzentwicklung im Kontext von KI. Herausgegeben vom JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. München: kopaed. 16,80 € (kostenloser download unter https://zenodo.org/records/10058588)
Schober, Maximilian, Katja Berg und Nils Brüggen. 2023. KI als «Wunscherfüller»? Kompetenzen von Kindern im Umgang mit algorithmischen Empfehlungssystemen. Qualitative Studie im Rahmen von «Digitales Deutschland». Herausgegeben vom JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis. München: kopaed. 14,80 € (kostenloser Download unter https://zenodo.org/records/10171264
Learning in Interface Relations: An Anthropological-Postphenomenological Approach
Interfaces kommt in der digitalisierten Lebenswelt eine besondere Rolle zu: Sie verbinden Menschen mit der digitalen Sphäre, schaffen Möglichkeiten der Wahrnehmung und Zugänglichkeit. Damit verbunden sind zugleich Lenkungen und Beeinflussungen der menschlichen Weltbezüge, die sich in der Benutzung festigen. Im Artikel werden mithilfe der Postphänomenologie verschiedene Arten des Bezugs zwischen Mensch, Schnittstelle und Welt betrachtet und die Rolle der Vermittlung durch das Interface in den Blick genommen. Aus erziehungswissenschaftlicher Sicht stellt sich zum einen die Frage nach den immer auch leiblich fundierten Gewöhnungs- und Lernprozessen, die die Veränderungen der technologisch vermittelten Bezüge begleiten und ermöglichen, zum anderen die Frage nach Bildung und dem Grad von Freiheit von Menschen in der Interface-Relationalität.Interfaces play a significant role in the digitalized lifeworld: they connect human beings to the digital sphere, providing opportunities for perception and accessibility. At the same time, they guide and influence human relations to the world and questions arise about the degree of human freedom in interface relationality. This article, drawing on postphenomenology, examines various types of relations between humans, interfaces, and the world, and the role of mediation through the interface. From an educational sciences perspective, the article addresses questions about learning: on the one hand, the (bodily) processes of habituation and learning, which contribute to enabling, forming and stabilizing technological relations, and on the other hand, possibilities of transformative learning
Homo Postdigitalis: The Transformation of Political Subjectivation and Practice in a World Shaped by Digital Technology
Der Beitrag reflektiert die Transformation politischer Subjektivierung in einer von Digitaltechnologien geprägten Welt. Dabei entwirft er in einem ersten Schritt eine erziehungswissenschaftlich anschlussfähige Konzeption politischer Subjektivierung, die diese als Prozess darstellt, in dessen Verlauf sich Subjekte der Gestaltung von und Teilhabe an pluralen diskursiven Ordnungen befähigen. Anschliessend wird auf die kultur- und gegenwartsdiagnostische Analysekategorie Postdigitalität rekurriert, mit der sich die Verschränkung digitaler und analoger Lebenswelten theoretisch adressieren lässt. Auf Grundlage dieser Reflexionshorizonte kann anhand von zwei zentralen Mechanismen digitaler Diskursarenen (Technologische Infrastruktur und Referenzielle Subjektivierung) gezeigt werden, wie sich Formen des politisch-Werdens und politisch-Seins in einer digital geprägten Kultur wandeln. So zeigt sich, dass die beschriebenen Mechanismen keineswegs auf die thematisierten Bild-Plattformen beschränkt bleiben, sondern auch analoge Lebenswelten massgeblich tangieren. Ausgehend von dieser Feststellung lassen sich abschliessend erziehungswissenschaftliche Anknüpfungspunkte einer Kultur der Digitalität diskutieren.The article focuses on the transformation of political subjectivation in a world shaped by digital technologies. A first step is designated for the development of an education science compatible concept of political subjectivation, which highlights the processsual development in the course of which a subject is enabled to shape and participate in plural discursive orders. Subsequently, the article recurs to the cultural and contemporary diagnostic category of postdigitality, which can be used to address the inescapable intersection of digital and analogue lifeworlds at the theoretical level. Based on these horizons of reflection, the article outlines how forms of becoming- and being-political are transformed in a digitally shaped culture by two central mechanisms of digital discourse arenas (technological infrastructure and referential subjectivation). Furthermore, it is shown that the mechanisms described are by no means limited to the platforms discussed, but also affect analogue life worlds. Based on this observation, the article concludes by developing programmatic points of reference for educational theory and research in a culture of digitality
‹Participating is Better than Just Watching›: Qualitative Study at Vocational Schools on the Perception and Motivational Effect of an Interactive Mathematics Instructional Video
Videos bieten einerseits ein grosses Potenzial zur Unterstützung von Lehr-Lern-Prozessen; andererseits stellt ihr primär rezeptiver Charakter mit Blick auf die Aktivierung der Lernenden eine Herausforderung dar. Hier verspricht die Integration interaktiver Elemente einen Mehrwert. Der vorliegende Beitrag stellt die Ergebnisse einer qualitativen Studie vor, die im Jahr 2021 an Berufsschulen in Bayern durchgeführt wurde. Im Rahmen zweier Zyklen eines Design-Research-Vorhabens wurden Wahrnehmung und motivationale Wirkung eines interaktiven Lernvideos zur elementaren Algebra untersucht. Das Video enthält über die üblichen Steuerungsfunktionen hinaus interaktive Elemente, beispielsweise Aufgaben mit automatischem Feedback sowie kognitive Prompts. Es wurde von den Teilnehmenden in einem Laborsetting in Zweierteams bearbeitet. Die im Anschluss an die Bearbeitung geführten Interviews wurden durch eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring mit der Technik der induktiven Kategorienbildung ausgewertet. Die Ergebnisse des ersten Zyklus zeigen, dass die Lernenden der Interaktion mit dem Video eine grosse Bedeutung beimessen, während Aspekte der Mediengestaltung eine eher untergeordnete Rolle spielen. Daher wurde die Bedeutung der interaktiven Elemente, konkret deren Wirkung auf die Lernmotivation, in Zyklus 2 genauer untersucht. Hier unterstreichen die Ergebnisse das grosse Potenzial interaktiver Elemente für die motivationale Gestaltung von Lernvideos. Dies ist zum einen in situationsspezifischen Anreizen, zum anderen in verschiedenen Personenfaktoren begründet. Aus den Ergebnissen lassen sich Empfehlungen für die Gestaltung interaktiver Elemente in Lernvideos ableiten.Videos offer a great potential to support teaching and learning processes; however, their primarily receptive nature presents a challenge with regard to activating learners. Here, the integration of interactive elements promises some additional value. This paper presents the results of a qualitative study conducted in 2021 at vocational schools in Bavaria. Within two cycles of a design research project, the perception and motivational effects of an interactive learning video on elementary algebra were examined. In addition to the usual control functions, the video contains further interactive elements, such as tasks with automatic feedback and cognitive prompts. Participants worked on the video in teams of two in a laboratory setting. The interviews conducted subsequently were evaluated using a qualitative content analysis according to Mayring with the technique of inductive category formation. The results of the first cycle show that learners attach great importance to interaction with the video, while aspects of media design play a rather subordinate role. Therefore, the importance of interactive elements, specifically their effect on learning motivation, was examined more closely in cycle 2. Here, the results underline the great potential of interactive elements for the motivational design of learning videos. This is based on situational incentives on the one hand, and various personal factors on the other. Recommendations for the design of interactive elements in learning videos can be derived from the results
Diversity in Explainer Videos on YouTube: Deconstruction or Continuation of a Gendered Order in Informal Audio-Visual Educational Spaces?
YouTube ist ein zentrales Social Video Network für Jugendliche und junge Erwachsene. Bisherige Untersuchungen zur genderspezifischen Darstellung von YouTuber:innen weisen auf eine genderstereotype Darstellung hin. Dieser Beitrag fokussiert die Frage, inwiefern mit stereotypen Darstellungen von Geschlecht in Erklärvideos und Tutorials auf YouTube gebrochen wird und mit welchen Differenzkategorien Gender dabei verwoben ist. Auf Basis einer Analyse von 59 Interviews mit 14- bis 22-Jährigen werden zunächst beliebte YouTube-Kanäle zu schulischen und freizeitbezogenen Themen identifiziert und dann bzgl. ihrer Diversität (Gender, Alter, Race/ethnicity) analysiert. In einem zweiten Schritt werden die Bedeutung von Diversitäts-Dimensionen auf die Auswahlstrategien der Rezipient:innen sowie deren Zuschreibung von (Erklär-)Kompetenz und Fachexpertise der Videoprotagonist:innen analysiert. Im audio-visuellen Bildungsraum YouTube finden sich Belege für eine vergleichsweise höhere Diversität der erklärenden Videoprotagonist:innen in ausserschulischen im Vergleich zu schulischen Themenfeldern, in denen überwiegend weiss und männlich gelesene Personen im Alter zwischen Anfang Zwanzig bis Mitte Vierzig zu sehen sind. Frauen* und PoC werden beinahe ausschliesslich in freizeitorientierten Themenfeldern sowie insgesamt häufiger in englischsprachigen Erklärvideos rezipiert. Doch auch der Bereich der ausserschulischen Erklärvideos und Tutorials ist durch eine genderspezifische Ordnung gekennzeichnet, in deren Rahmen Themenfelder entsprechend stereotypen Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit bespielt werden. Diese Ordnung wird von den Schüler:innen überwiegend nicht hinterfragt, sondern aus stereotypen Vorstellungen über die Wahrnehmung von Geschlecht begründet. Davon abweichende Selbstinszenierungen werden als potenzielle Bereicherung – allerdings nur für Mädchen und Frauen – beschrieben. Aus den Ergebnissen können sowohl medienpädagogische Bedarfe bzgl. einer gendersensiblen Medienbildung identifiziert werden als auch vertiefende Forschungsfragen zu sprachraum- und themenbezogenen Unterschieden bildungsbezogener Stereotypisierungen abgeleitet werden.YouTube is a key social video network for teenagers and young adults. Previous studies on the gender-specific representation of YouTubers indicate a gender-stereotypical representation. This article focusses on the question of the extent to which stereotypical representations of gender are broken in YouTube explainer videos and tutorials and the categories of difference with which gender is interwoven. Based on an analysis of 59 interviews with 14- to 22-year-olds, popular YouTube channels on school and leisure-related topics are first identified and then analysed with regard to their diversity (gender, age, race/ethnicity). In a second step, the significance of diversity dimensions on the recipients‘ selection strategies and their attribution of (explanatory) competence and technical expertise to the video protagonists will be analysed. In the audio-visual educational space YouTube, there is evidence of a comparatively higher diversity of explanatory video protagonists in non-school subject areas in contrast to school subject areas, in which predominantly white and male people aged between their early twenties and mid-forties can be seen. Women* and PoC are almost exclusively seen in leisure-oriented subject areas and more frequently in English-language explanatory videos. However, the area of extracurricular explanatory videos and tutorials is also characterised by a gender-specific order in which topics are presented according to stereotypical ideas of masculinity and femininity. This order is predominantly not questioned by the pupils, but is based on stereotypical ideas about the perception of gender. Self-presentations that deviate from this are described to be potentially enriching – but only for girls and women. The results can be used to identify media education needs with regard to gender-sensitive media education as well as to derive in-depth research questions on language and topic-related differences in educational stereotyping
Measuring Maternal Media Education for Interactive and Non-interactive Media: Adaptation and Empirical Testing of the Measurement Instrument by Nimrod et al. (2019) in the Context of a Survey of Mothers of Children Aged Two to 14 Years
In der Forschung zur elterlichen Medienerziehung besteht weitestgehend Konsens über die Relevanz bestimmter Strategien wie einer aktiven Begleitung und dem Setzen von Regeln. Trotz umfangreicher Forschung gibt es jedoch nur wenige standardisierte Messinstrumente, die dabei zwischen einer interaktiven und einer nicht-interaktiven Mediennutzung der Kinder unterscheiden. Diese Differenzierung wurde von Nimrod, Elias und Lemish (2019a) aufgegriffen und in einer Untersuchung mit Grosseltern empirisch überprüft. In der vorliegenden Studie wurde die dafür entwickelte Skala anhand einer Befragung von 1.330 Müttern in Deutschland mit Kindern zwischen zwei und 14 Jahren adaptiert und validiert. Die Ergebnisse bestätigen eine gute Passung der Skala für Mütter jüngerer Kinder (zwei bis sieben Jahre). Demnach ist es gerade für diese Zielgruppe relevant, die elterliche Medienerziehung zumindest mit Blick auf bestimmte Strategien (insbesondere restrictive mediation, supervision) stärker nach den medialen Aktivitäten des Kindes zu differenzieren. Mit steigendem Alter des Kindes scheint eine entsprechende Differenzierung dagegen zunehmend obsolet zu werden.In research on parental mediation, there is widespread consensus on the relevance of certain strategies such as active guidance and setting rules. Despite extensive research, however, there are only a few standardized measures that differentiate between children’s interactive and non-interactive media use. This differentiation was addressed by Nimrod, Elias und Lemish 2019 and empirically tested in a study with grandparents. In the present study, the developed scale was adapted and validated using a survey of 1,330 mothers in Germany with children aged between two and 14 years. The results confirm a good fit of the scale for mothers of younger children (two to seven years). Accordingly, it is particularly relevant for this target group to differentiate parental mediation more strongly according to the child‘s media activities, at least with regard to certain strategies (especially restrictive mediation, supervision). As the child grows older, however, such differentiation seems to become increasingly obsolete
The Challenge of Antidemocratic Disinformation Campaigns: Strategies of Far-Right German and Russian Actors and Perspectives for Media Education
Spätestens seit dem erfolgreichen Wahlkampf Donald Trumps im Jahr 2016 werden Desinformationskampagnen weltweit als Bedrohung für Demokratien wahrgenommen. Der Beitrag fragt nach dem Ausmass der Zusammenarbeit zwischen Kreml-nahen russischen und deutschen rechtsextremen Akteur:innen, insbesondere im Hinblick auf digitale Desinformationsstrategien in Deutschland, und regt Konsequenzen für die Medienbildung an. Die Beschreibung der Verbindungen zwischen Kreml-nahen russischen und deutschen rechtsextremen Akteur:innen mithilfe des Begriffs des «politischen Feldes» (Bourdieu 2001) zeigt, dass beide Akteursgruppen ihr politisches Kapital aufwerten, indem sie sich in Differenz zu den etablierten Parteien in Deutschland positionieren und durch Gruppenbildung politisches Kapital an die jeweils andere Gruppe delegieren können. Die Analyse der Desinformationsaktivitäten im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 arbeitet heraus, dass die Zusammenarbeit nicht vollständig erfasst werden kann, da Desinformationskampagnen zum Teil verdeckt geführt werden. Die Aktivitäten eines Hauptakteurs auf russischer Seite, RT Deutsch, zeigen jedoch die zentral gesteuerte, offene Einflussnahme Russlands im deutschen Wahlkampf und die Kooperation mit deutschen Rechtsextremen. Als zentrale Bestandteile einer angemessenen Medienbildung werden neben (1) der Vermittlung von Recherche- und Analysestrategien (2) die Förderung eines «gesunden Masses an Skeptizismus» (Lewandowsky et al. 2012, 121) gegenüber Informationsquellen, (3) die Aufklärung über Manipulationsstrategien in zeitlicher und räumlicher Nähe zur Desinformation und (4) die Verschränkung von Medienbildung und politischer Bildung empfohlen.Since Donald Trump’s successful election campaign in 2016, disinformation campaigns have been perceived worldwide as a threat to democracies. The article explores the extent to which Kremlin-affiliated Russian and far-right German actors cooperate with regard to digital disinformation strategies in Germany, and suggests consequences for media education. The description of the connections between Russian and far-right German actors using the concept of the «political field» (Bourdieu 2001) shows that both groups enhance their political capital by positioning themselves as different from the established parties in Germany and by delegating political capital to each other through group building. The analysis of the disinformation activities in the 2021 German federal election shows that the extent of cooperation cannot be fully understood, since disinformation campaigns are partly carried out covertly. However, the activities of RT Deutsch, the German program of the Russian state-owned news channel RT, highlights Russia’s centrally controlled, open interference in the German election campaign and its cooperation with the German far right. An appropriate media education should include (1) teaching research and analysis strategies, (2) promoting a «healthy sense of skepticism» (Lewandowsky et al. 2012, 121) towards information sources, (3) providing information about manipulation strategies in temporal and spatial proximity to disinformation as well as (4) integrating media education with civic education
Negotiating Artificial Intelligence and Related Media Literacy in Online Comments
Der Beitrag analysiert, wie Künstliche Intelligenz (KI) und die zugehörigen Medienkompetenzen in Online-Kommentarspalten von Nutzer:innen verhandelt werden. Im Zentrum der empirischen Untersuchung stehen Online-Kommentare, die auf Nachrichtenportalen bzw. zu Beiträgen über KI auf Plattformen wie Instagram, YouTube sowie Facebook verfasst wurden und einen Teil des öffentlichen Diskurses über KI sichtbar machen können. Durch die Beschreibung der Verständigung über KI zeigt die vorliegende Studie auf, wie KI-Narrative in der Argumentation um Technikfolgenabschätzung aufgegriffen werden. Das schliesst Vorstellungen über KI und KI-bezogene Kompetenzen ein und veranschaulicht nicht zuletzt, inwieweit KI-bezogene Kompetenzen von den Kommentator:innen sowohl für ihre eigene Lebensführung und Alltagsbewältigung als auch für die Gesellschaft allgemein als bedeutsam erachtet werden. Identifiziert werden technikoptimistische und dystopische, technikpessimistische Narrative, wie man sie mitunter aus Science-Fiction kennt. Beide Narrative gelten als essenzielle Referenz für das Wissen der Kommentierenden über KI, zudem prägen sie deren Meinung zu dieser Querschnitttechnologie. Vor dem Hintergrund des Selbstbildes eines kompetenten Bürgers/einer kompetenten Bürgerin und des überspitzten Fremdbildes von wenig kompetenten Mitbürger:innen werden diverse Kompetenzanforderungen an die Gesellschaft reklamiert. Die sich als kompetent ausgebenden Nutzer:innen fordern die Aneignung umfassenden Wissens über KI-Technologien, eine kritisch-reflexive Bewertungs-, Daten- und Informationskompetenz sowie eine affektiv-soziale Medienkompetenz.The following paper analyzes, how artificial intelligence (AI) and the associated media literacy are negotiated by users in online comment columns. The empirical study focuses on online comments written on news portals or on posts about AI on platforms such as Instagram, YouTube as well as Facebook, which may represent part of the public discourse on AI. By describing the understanding of AI, this study shows how AI narratives are taken up in the argumentation around technology assessment. This includes ideas about AI and AI-related capabilities and illustrates the extent to which AI-related capabilities are considered important by commentators both for their own lifestyles and everyday lives and for society in general. Techno-optimistic and dystopian, techno-pessimistic narratives, as sometimes found in science fiction, are identified. Both narratives are considered essential references for commentators’ knowledge of AI and they shape commentators’ opinions on this cross-sectional technology. In the context of the self-image of a competent citizen and the exaggerated attributed image of less competent fellow citizens, various competence requirements are claimed for society. The users who claim to be competent demand the appropriation of comprehensive knowledge about AI technologies, a critical-reflective evaluation, data and information literacy as well as an affective-social media literacy