Cologne Excellence Cluster on Cellular Stress Responses in Aging Associated Diseases
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Die Einflüsse von Übergewicht und Gestationsdiabetes auf die Plazenta und das Kind im Hinblick auf Cortisol, den Glucocorticoid-Rezeptor NR3C1, den Transporter ABCB1 und die Enzyme 11β-HSD1 und 11β-HSD2
In dieser Dissertationsschrift soll der Einfluss des maternalen Übergewichts mit und ohne gleichzeitiges Vorliegen eines Gestationsdiabetes (GDM) auf den maternofetalen Cortisol-Transport beleuchtet werden. Hierfür wurden die Patientinnen und ihre Kinder in 3 Gruppen eingeteilt, die normalgewichtige Schwangerschaft ohne GDM (Gruppe I), die übergewichtige Schwangerschaft ohne GDM (Gruppe II) und die übergewichtige Schwangerschaft mit GDM (Gruppe III).
Der Cortisolspiegel und damit die fetale Cortisol-Exposition ist unmittelbar wichtig für das fetale Outcome.
Das maternale Übergewicht ist insofern interessant, als dass bei Adipositas des Erwachsenen unabhängig einer vorliegenden Schwangerschaft höhere Cortisolspiegel bestehen, während in der Schwangerschaft eine veränderte Cortisol-Ausschüttung bei Adipositas besteht.
Im Rahmen der Analyse der Studienkohorte zeigte sich bei übergewichtiger, diabetischer Schwangerschaft (Gruppe III) im Vergleich zur nicht-diabetischen Schwangerschaft mit und ohne Übergewicht (Gruppen I und II) eine deutliche Erhöhung der fetometrischen Daten Kopfumfang, Körpergewicht und -länge; es kam außerdem signifikant häufiger zu einem (very)LGA und einer Makrosomie in übergewichtiger, diabetischer Schwangerschaft. Beim Plazentagewicht zeigte sich kein signifikanter Unterschied.
Weiterhin wurde das maternale Cortisol peripartal nüchtern vor Sectio caesarea untersucht. Hierbei zeigte sich ein bei übergewichtiger, diabetischer Schwangerschaft (Gruppe III) gegenüber der normalgewichtigen Schwangerschaft (Gruppe I) erniedrigter Cortisolspiegel. Der maternale Cortisolspiegel korrelierte weiterhin negativ mit dem präpartalen, maternalen
BMI. Zum Vergleich wurde aus dem Nabelschnurblut unmittelbar nach der Sectiones-Entbindung das neonatale Blut gewonnen, hier zeigte sich ein Cortisolspiegel, der sich in den Untersuchungsgruppen nicht signifikant unterschied. Der maternale Cortisolspiegel zeigte sich um den Faktor 7,5 höher als der neonatale Cortisolspiegel.
Die sogenannte Glucocorticoid-Plazenta-Schranke reguliert den Übergang des Cortisols auf den Fetus. Entscheidende Enzyme und Transporter dieser Schranke sind die 11β-HSD1 für die Aktivierung des Cortisons, vorrangig in der Dezidua und 11β-HSD2 für Inaktivierung des Cortisols im Chorion/Synzytiotrophoblasten, sowie das p-Glykoprotein, welches hauptsächlich im Synzitiotrophoblasten exprimiert wird und als Efflux-Transporter seine Substrate, zu denen auch Cortisol gehört, aktiv vom fetalen in das maternale Kompartiment zurücktransportiert.
Während in übergewichtiger Schwangerschaft (Gruppen II sowie III) das Schranken-Protein 11β-HSD2 keine Veränderungen im plazentaren Gewebe gegenüber der normalgewichtigen Schwangerschaft (Gruppe I) auf mRNA-Ebene zeigte, ließ sich ein Unterschied mit dem Vorliegen eines GDM bei Übergewicht nachweisen (Gruppe II zu Gruppe III), so kam es bei
gleichzeitigem Vorliegen eines GDM und Übergewicht zu einer signifikant höheren mRNA-Expression. Es ließ sich auf Protein-Ebene keine signifikante Veränderung der 11β-HSD2 nachweisen. Eine andere Studie kommt zu einem ähnlichen Ergebnis mit einer erhöhten HSD11B2-mRNA Expression in diabetischer Schwangerschaft, auf Proteinebene ließ sich hier jedoch keine Veränderung mehr abbilden.
Für die Cortison-aktivierende 11β-HSD1 konnte keine Veränderung auf mRNA-Ebene weder bei Vorliegen eines GDM noch bei maternalem Übergewicht (Gruppe II und III) im Vergleich zur nicht-diabetischen, normalgewichtigen Schwangerschaft (Gruppe I) im plazentaren Gewebe gefunden werden. Diese Aussage wird eingeschränkt durch einen frustranen Western Blot, in dem die 11β-HSD1 nicht spezifisch dargestellt werden konnte. In anderen Studien
zeigte sich vor allem eine Expression in der Dezidua sowie in den fetalen Geweben jenseits der Plazenta. Ein möglicher Effekt eines Übergewichts und GDM bezüglich des 11β-HSD1-Proteinlevels in der maternalen Dezidua ist also im Rahmen dieser Arbeit nicht genauer untersucht worden. Die Fragestellung der Aufhebung einer GC-Schutzfunktion in der Plazenta über eine erhöhte Cortison-Expression des Fetus, welches wiederum auf fetaler Seite mittels 11β-HSD1 zu Cortisol aktiviert werden könnte, sollte Ziel zukünftiger Untersuchungen sein. Leider gelang im Rahmen dieser Arbeit keine Darstellung der mRNA-Expression des p-Glykoprotein (p-GP) kodierenden ABCB1-Gens im untersuchten plazentaren Gewebe. Auf Proteinebene ließ sich kein signifikanter Unterschied nach Vorliegen eines höheren maternalen Gewichts oder eines GDM (Gruppe II und III vs. Gruppe I). Es zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen dem neonatalen Kopfumfang und des plazentaren
p-GP-Proteinlevels.
Cortisol entfaltet seine Wirkung unter anderem über Glucocorticoid Rezeptoren (GR), welche auch in der Plazenta exprimiert werden. Um auch diese direkte plazentare Wirkung des Cortisols zu beleuchten, werden in dieser Arbeit vor allem der GRα und indirekt der inhibitorische GRβ untersucht. Auf mRNA-Ebene zeigte sich bei der Expression des GR-kodierenden NR3C1-Gens kein signifikanter Unterschied, auf Proteinebene zeigte sich insbesondere beim GRα eine signifikante Erhöhung bei übergewichtiger, nicht-diabetischer
Schwangerschaft gegenüber der normalgewichtigen Schwangerschaft (Gruppe I vs. II) im untersuchten plazentaren Gewebe. Diese Erhöhung zeigte sich in der Tendenz bei Vorliegen eines GDM (Gruppe III) wieder rückläufig. Ähnlich zeigten sich auch die Proteinlevel des GR (gesamt), hier zeigte sich allerdings kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Es konnte weiterhin eine positive Korrelation zwischen dem plazentaren GR-Proteinlevel und dem
Cortisolspiegel im maternalen Blut nachgewiesen werden. Insgesamt konnte ein höherer maternaler Cortisolspiegel mit steigendem maternalen BMI
nachgewiesen werden sowie einen höheren maternalen Cortisolspiegel bei gemeinsamem Vorliegen von GDM und Übergewicht (Gruppe III im Vergleich zum Normalgewicht, Gruppe I).
Ein höherer Cortisolspiegel korreliert auch mit dem plazentaren GR-Proteinlevel, welches sich vor allem bei übergewichtiger Schwangerschaft ohne GDM erhöht zeigte (Gruppe II im Vergleich zum Normalgewicht, Gruppe I). Die Funktion der plazentaren GR ist weitgehend unverstanden und sollte im Rahmen weiterer Studien näher analysiert werden. Während ein erhöhter maternaler Cortisolspiegel auf plazentarer Ebene die GR beeinflussen mag, zeigte sich kein Unterschied der fetalen Cortisolspiegel. Die Glucocorticoid-Plazentaschranke, bestehend vorrangig aus dem 11β-HSD2, zeigte sich also effektiv. Es
gelang auf mRNA-Ebene eine Erhöhung der HSD11B2-Expression in übergewichtiger, diabetischer Schwangerschaft (Gruppe III) nachzuweisen (im Vergleich zur übergewichtigen, nicht-diabetischen Schwangerschaft, Gruppe II), was sich jedoch auf Proteinebene nicht abbilden ließ. Es konnte keine Veränderung des plazentaren p-GP auf Protein-Ebene nachweisen, ebenso wenig wie eine Veränderung der mRNA-Expression des HSD11B1-Gens
Fortbildungen für Lehrkräfte in der gesellschaftswissenschaftlichen Domäne – Bestandsaufnahme, Analyse und Perspektive mit einem Fokus auf politischer Bildung
Politische Bildung ist entscheidend für die Entwicklung politischer Mündigkeit und somit ein zentraler Bestandteil Pfeiler demokratischer Gesellschaften. Angesichts aktueller Krisen gewinnt die Professionalisierung von Lehrkräften, die politische Bildung vermitteln, an Bedeutung. Diese Dissertation analysiert die Fortbildungslandschaft im Bereich der politischen Bildung in Deutschland systematisch. Sie gliedert sich in vier Einzelstudien, die sich mit zwei zentralen Forschungsfragen zu Struktur und Inhalten von Fortbildungsprogrammen für politische Bildner*innen und insbesondere deren Auseinandersetzung mit emotional aufgeladenen politischen Themen befassen. Die empirische Grundlage umfasst Daten des Nationalen Bildungspanels sowie 1548 Fortbildungskurse aus drei Bundesländern. Unter Verwendung inferenzstatistischer Analysen, induktiver und deduktiver Inhaltsanalysen und einer systematischen Literaturrecherche werden wichtige Voraussetzungen für effektive Fortbildungen untersucht. Dabei zeigt sich insgesamt ein Mangel an systematischer Forschung in diesem Bereich aus dem konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der Lehrkräftefortbildung im Bereich der politischen Bildung abgeleitet werden
Characteristics of green loan users and the green policy mix
[Artikel-Nr. 108256] We analyse the usage of government-sponsored green loans under a feed-in-tariffs scheme and document a positive link with borrower financial health. Green loan users have better credit ratings, higher sales growth, and lower leverage. The link remains stable in face of significantly changing conditions for green investments and heightened policy uncertainty. Green loan users exhibit better ex-post performance and lower default proba- bility. Results are in line with the notion that the screening undertaken by the lender matters for efficient green loan provision and highlight the important role of public loan programs in the green policy mix
Profiles of lipophilic micronutrients are associated with cognitive and physical fitness in patients with mild cognitive impairment
Age-associated cognitive impairment in general and dementia in particular are a global concern. Preventive lifestyle strategies are highly used but there is a lack of information on the reciprocal relationships between nutrition biomarkers and measures of both cognitive and physical performance. To fill this gap of knowledge, the relationship between plasma levels of the robust nutrition- and antioxidant defense-related biomarkers carotenoid and tocopherols and both indicators of cognitive and physical performance was investigated in a group of persons with mild cognitive impairment participating in the NeuroExercise Study at the German Sport University in Cologne, Germany. In 56 participants with full dataset, significant correlations independently of fruit and vegetable intake were found between plasma levels of β-cryptoxanthin and Timed Up&Go test (p < 0.05), γ-tocopherol and number of daily steps (p < 0.01), as well as between four out of six measured carotenoids—lutein; zeaxanthin; β-cryptoxanthin and β-carotene—and the computerized CogState International Shopping List subtest (p < 0.01). In light of the increasing attention towards the nutritional cognitive neuroscience of carotenoids, computerized measures of cognitive performance might be further implemented in future studies investigating the effects of lifestyle interventions against cognitive and physical impairment
Reframing Reproduction: A Prospective Approach to the Intergenerational Transmission of Educational Attainment and Political Orientation
This dissertation examines how social and demographic mechanisms jointly shape the intergenerational reproduction of social attributes, focusing on education and political orientation. Research on social stratification and value transmission has primarily relied on retrospective designs, analyzing existing parent-child pairs. Such approaches condition on fertility and overlook demographic processes such as childlessness, partner selection, and fertility behaviour. To address these limitations, the dissertation adopts a prospective perspective that begins with the reproducing generation, enabling a more comprehensive assessment of intergenerational transmission.
This dissertation pursued three objectives: (1) to further develop and validate the prospective inferential method, (2) to advance the substantive understanding of educational reproduction through cross-national comparison, and (3) to extend the prospective perspective to the domain of political orientation. Three studies form the empirical core of this work. The first two, co-authored with Gordey Yastrebov, use comparative data from 12 European countries to examine educational reproduction. The third study is conducted in sole authorship and applies the prospective framework to the transmission of political orientations in Germany.
Study 1 validates the method by demonstrating close correspondence between prospective and retrospective estimates and refines the decomposition of fertility and social transmission effects. Study 2 extends this framework by incorporating educational assortative mating as an additional demographic mechanism. Together, these studies reveal substantial cross-national variation in educational reproduction, even after disentangling underlying mechanisms. Study 3 shows strong intergenerational reproduction of political orientations, while fertility differences across orientations are small and insufficient to substantially alter the political distribution across generations.
Overall, this dissertation advances research on intergenerational transmission by expanding the prospective framework across countries and applying it to another field of research
More effort with less pay: On information avoidance, optimistic beliefs, and performance
[Artikel-Nr. 104965] Neoclassical theory presumes that agents value instrumental information. In contrast, recent behavioral studies motivate and model information avoidance. We study preferences for and against instrumental information in a real-effort task varying information structures on performance pay. Our study offers three main results. First, we confirm that both, preferences for and against instrumental information, exist. Second, information avoiders outperform information receivers. This result holds independently of effects of self-selection. Third, our findings about information avoiders can be aligned with behavioral theories of optimistic belief design
Linguistic evidence suggests that Xiōng-nú and Huns spoke the same Paleo-Siberian language
Krude! Das Argumentieren und der Unterrichtsdiskurs
Der Beitrag untersucht das Argumentieren im schulischen Unterrichtsdiskurs aus einer sprachwissenschaftlich und deutschdidaktisch fundierten Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, wie und warum im Unterricht überhaupt argumentativ kommuniziert wird, obwohl Schule primär als Ort Vermittlung gesicherten bildet. Argumentieren wird dabei als dialogisch fundierte Sprachhandlung verstanden, die durch Strittigkeit motiviert ist. Neben einer systematischen Typisierung von Strittigkeit werden spezifische Funktionen wissenschaftlichen Argumentierens identifiziert (Aspektualisieren, Profilieren, Persuadieren), deren didaktische Anschlussfähigkeit diskutiert wird. Ein zentrales Ergebnis besteht darin, dass das Argumentieren in der Unterrichtskommunikation lehrerseitig gezielt didaktisch zu inszenieren ist. Anhand von curricularen Vorgaben verschiedener Fächer (u. a. Mathematik, Biologie, Politik) wird das fachliche Einbettungspotenzial argumentativer Kompetenzen rekonstruiert und entlang der Unterscheidung fachlich konstitutives vs. fachlich konsekutives Argumentieren eingeordnet. Der Text schließt mit Überlegungen zur Epistemisierung des Unterrichtsdiskurses als langfristigem Ziel schulischer Argumentationsförderung
Impulsivität und Kompulsivität bei Tourette Syndrom und Zwangserkrankung
In dieser Arbeit wurden die Verhaltensweisen Impulsivität und Kompulsivität bei Patient_innen mit Tourette Syndrom, einer Form der Tic-Erkrankungen, und Patient_innen mit Zwangsstörung untersucht. Impulsivität wird als Verhalten beschrieben, welches überhastet und schlecht geplant ist. Kompulsivität hingegen beschreibt eine Unfähigkeit Handlungen zu beenden, auch wenn diese unangebracht sind. Beide gehen jeweils mit negativen Konsequenzen für die handelnde Person oder ihr Umfeld einher.
Es können unterschiedliche Phänomene bzw. Facetten innerhalb von Impulsivität oder Kompulsivität beobachtet. Diese werden als Dimensionen bezeichnet und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Es handelt sich somit um multidimensionale Verhaltenskonstrukte. Impulsives Verhalten kann sich z.B. in Form von reduzierter Aufmerksamkeit oder gesteigerter Risikobereitschaft äußern. Kompulsives Verhalten kann sich auf Symmetrie, Perfektionismus oder Kontamination beziehen.
Wir befinden uns in einer Zeit des Wandels ganzer Diagnosesysteme von einem kategorischen hin zu einem dimensionalen Ansatz. Menschen mit z.B. einer Zwangssymptomatik könnten in Zukunft nicht mehr die Diagnose „Zwangsstörung“, sondern Attribute wie „impulsiv(er)“ oder „kompulsiv(er)“ erhalten. Ein genaues Verständnis der dimensional erfassten Symptomatik ist demnach von höchster Bedeutung. Ziel der Studie war es impulsive und kompulsive Verhaltensweisen bei Patient_innen mit Zwangsstörung sowie Patient_innen mit Tourette Syndrom zu untersuchen um die multidimensionale Struktur zu verdeutlichen.
Es erfolgte eine Einteilung des Patient_innenkollektivs in die Gruppen Tourette Syndrom, Zwangsstörung sowie gesunde Kontrollproband_innen. Es wurden Fragebögen und eine Verhaltenstestung für Impulsivität sowie eine Verhaltenstestung für Kompulsivität genutzt. Darüber hinaus wurden Emotionen und Komorbiditäten (z.B. Depression) als mögliche Einflussfaktoren auf Impulsivität und Kompulsivität untersucht. Statistische Verfahren umfassten den Kolmogorov-Smirnov Test (Prüfung der Normalverteilung der Daten), den Kruskal-Wallis-Test inklusive Post-Hoc Tests mit Bonferroni Korrektur (Prüfung signifikanter Gruppenunterschiede) sowie die Ermittlung des Spearman-Rangkorrelationskoeffizient rs (Prüfung von Korrelationen).
Eine Dimension impulsiven Verhaltens stellt Aufmerksamkeit dar: je weniger aufmerksam, desto impulsiver das Verhalten. Es konnte eine signifikante Reduktion der Dimension Aufmerksamkeit im BIS-11 (Barratt Impulsiveness Scale-11 ) Fragebogen bei Patinent_innen mit Zwangsstörung im Vergleich zu Kontrollproband_innen aufgezeigt werden. Alle anderen Dimensionen der Impulsivität desselben Fragebogens (Motorik, Nicht-planend) ergaben jedoch keine Hinweise auf eine gesteigerte Impulsivität. Der dimensionsübergreifende Gesamtwert des Fragebogens suggerierte wiederum signifikant impulsiveres Verhalten bei Patiente_innen mit Zwangsstörung. Teilweise wurden in vergangenen Studien in dieser Ergebniskonstellation die Patient_innen als „impulsiver“ bezeichnet. Letztendlich beruhte der signifikant gesteigerte Gesamtwert des BIS-11 Fragebogens jedoch ausschließlich auf der besagten reduzierten Aufmerksamkeit und lässt aus unserer Sicht somit keinen unvoreingenommenen Rückschluss auf allgemein gesteigerte Impulsivität zu. Andere Erklärungsmodelle abseits einer gesteigerten Impulsivität für die beobachtete reduzierte Aufmerksamkeit (z.B. eine Verwechslung mit Zwangsgedanken) erschienen nach Prüfung unserer Daten naheliegend.
Patient_innen mit Tourette Syndrom zeigten im Vergleich zu gesunden Kontrollproband_innen hinsichtlich impulsiver Verhaltensweisen ausschließlich einen signifikanten Mangel an Aufmerksamkeit. Da alle anderen Dimensionen ohne signifikante Unterschiede blieben ist, wie bei Patient_innen mit Zwangsstörung, eine gesteigerte Impulsivität als alleiniges Erklärungsmodell für die reduzierte Aufmerksamkeit nicht anzunehmen.
Weiterhin ist die Unterscheidung zwischen subjektiv empfundener und objektivierbarer Impulsivität entscheidend. In dieser Studie deckten sich die Beobachtungen der unterschiedlichen Untersuchungsansätze nicht: Selbstempfundene Impulsivität bei Patient_innen mit Zwangsstörung sowie bei Patient_innen mit Tourette Syndrom ließ sich in der Verhaltenstestung nicht objektivieren. Die Studienlage hinsichtlich gleichzeitiger Nutzung beider Testmethoden ist allgemein ausbaufähig.
Darüber hinaus konnte in dieser Studie, kongruent zu vorangegangenen Beobachtungen, ein starker Zusammenhang von negativen Emotionen mit der Entscheidungsfindung von Patient_innen mit Zwangsstörung aufgezeigt werden. Impulsives Verhalten im Rahmen der Dimension Dringlichkeit im UPPS (Urgency Perseverance, Premeditation, Sensation Seeking) Fragebogen, welche mit negativen Emotionen assoziiert wird, war in diesem Patient_innenkollektiv, kongruent zu vorangegangenen Studien, stark ausgeprägt. Ebenso konnten verstärkt ängstlich-vermeidende Verhaltensweisen bei Patient_innen mit Zwangsstörung im Vergleich zu gesunden Kontrollproband_innen beobachtet werden, diese korrelierten sogar mit der Ausprägung der Zwangssymptomatik.
Gesteigerte Kompulsivität konnte, entgegen unseren Erwartungen, weder bei Patient_innen mit Tourette Syndrom noch bei Patient_innen mit Zwangsstörung aufgezeigt werden.
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die Annahme, dass bei der Einschätzung impulsiver Verhaltensweisen, unabhängig des Patient_innenkollektivs, die Beachtung des multidimensionalen Konstruktes von großer Bedeutung ist. Die Vielschichtigkeit der Impulsivität, wie auch von Verhalten im Allgemeinen, spiegelte sich in dieser Arbeit wider. Subjektive und objektive impulsive Verhaltensweisen zeigten unterschiedliche Ergebnisse auf, ebenso konnte ein möglicher Einfluss von Komorbiditäten beobachtet werden. Für zukünftige Studien empfehlen wir bei der Auswertung impulsiver Verhaltensweisen die Nutzung bereits bestehender multidimensionaler Ansätze innerhalb einzelner Untersuchungsmethoden (z.B. im BIS-11 Fragebogen). Darüber hinaus sind wir der Annahme, dass die Inklusion mehrerer unterschiedlicher Testmethoden (z.B. subjektiver wie auch objektiver) in der Zusammenschau aufschlussreich sein kann, und durch den zusätzlichen Informationsgewinn ein besseres Verständnis für die beobachteten Verhaltensweisen ermöglicht werden kann