39929 research outputs found
Sort by
Erinnern und Verschweigen
Spätestens seit dem Verschwinden der ZeitzeugInnen, kommt der Literatur, und dabei nicht
zuletzt der Kinder- und Jugendliteratur, über den Holocaust, innerhalb der Erinnerungskultur
eine immer größere Bedeutung zu. Gleichzeitig lassen aktuelle Entwicklungen in Europa und
der Welt Befürchtungen aufkommen, man könne wieder in eine ähnlich fatale Richtung
steuern, was wiederum die Wichtigkeit des Erinnerns selbst aufzeigt.
In der Kinder- und Jugendliteratur finden sich nun, gerade in den letzten Jahren, vermehrt
Werke, die dem (innerfamiliären) Erzählen von ZeitzeugInnen über den Holocaust nachgehen,
und es zum zentralen Aspekt der Erzählung und ihrer Handlung machen. In diesen wird das
Erzählen somit thematisch, während das, was erzählt wird, häufig großen Einfluss auf die
Figuren, ihre Handlungen und ihre Entwicklung hat. In der Regel handelt es sich dabei um
Großeltern-Enkelkinder-Konstellationen oder sehr ähnliche Beziehungen von Kindern oder
Jugendlichen zu nahestehenden ZeitzeugInnen.
Um die Jahrtausendwende wurden auch im Bereich der Sozialforschung verschiedene Studien
zum intergenerationalen Erzählen innerhalb vom Holocaust betroffener Familien
durchgeführt. Auch dies geschah wohl im Hinblick auf das bevorstehende Ende der
ZeitzeugInnenschaft. Hier wurde der Kommunikation zwischen erster und dritter Generation,
also den ZeitzeugInnen und ihren EnkelInnen, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei
wurden vor allem bestimmte Erzählmuster bzw. Tradierungstypen untersucht und
beschrieben.
In den vier ausgewählten Werken ‚Die Zeit der schlafenden Hunde‘ (Mirjam Pressler, 2003),
‚Rosie und der Urgroßvater‘ (Michael Köhlmeier und Monika Helfer, 2013), ‚Der Mantel‘
(Brigitte Jünger, 2019) und ‚Opa und Oma hatten kein Fahrrad‘ (Getraud Seehaus und Peter
Finkelgruen, 2008) werden verschiedene Familien und familienähnliche Strukturen
dargestellt, deren reale Vorbilder in den soziologischen Studien untersucht wurden. Familien
also, die in irgendeiner Weise vom Holocaust betroffen waren, sei es auf der Täter- oder der
Opferseite. Hier werden die verschiedenen Erzählungen (über den Holocaust)
Großelternfiguren in den Mund gelegt. In ihre Erzählungen fügen die AutorInnen ähnliche
Erzählmuster und Tradierungstypen ein, wie sie in realen Familien beobachtet wurden, wodurch das Erzählen, die Probleme und Hürden, die es mit sich bringt, aber auch das
Schweigen als eigene Kommunikationsform, zum Thema wird
Carbocationic intermediates in redox processes & a catalytic cross-coupling of carbene precursors
DIESE ARBEIT BESCHREIBT DIE ENTWICKLUNG neuer Synthesemethoden in der organischen Chemie.
Das erste Kapitel schildert ein Eintopfverfahren, in welchem eine Hosomi-Sakurai Reaktion mit
einer regio- sowie stereoselektiven internen Reduktion der generierten homoallylischen
Doppelbindungen durch eine nicht sigmatrope 1,5 Hydridverschiebung, gekoppelt wird. Hierbei werden
1,3-disubstituierte Alkohole vorzugsweise als anti-Diastereoisomere gewonnen.
Im zweiten Kapitel wird die Entwicklung einer Ruthenium-katalysierten Olefinierungsreaktion
erörtert, in der Carbenvorstufen miteinander gekuppelt werden. Die Alkene, welche als Produkt anfallen,
werden dabei in hoher Z-Selektivität gebildet.
Das dritte Kapitel setzt sich mit neuartigen Funktionalisierungsreaktionen von tertiären Amiden
auseinander. Diese Reaktionen basieren auf der elektrophilen Aktivierung von Amiden, welche mit
weiteren Oxidationschritten kombiniert wird. α,β-Epoxyamide, β-Thioamide α-Ketoamide, β-Ketoamide
sowie Furanone können dabei in moderaten bis exzellenten Ausbeuten gewonnen werden. Desweitern
wurden im Laufe der Studie mehrere unerwartete Nebenreaktionen entdeckt und erforscht. Diese
Reaktionen führten zur Bildung heterocyclischer Verbindungen deren Darstellung zuvor schwierig war.
Im vierten und letzten Kapitel wird der Gebrauch von Iod(III) Reagenzien zur Oxidation von Keton
derivativen beschrieben, um Umlagerungen, welche typischerweise in klassischen und nicht-klassischen
Carbokationen beobachtet werden, hervorzurufen. Die erste Methode beschäftigt sich mit einer
oxidativen 1,2-Aryl Verschiebung in β-Aryl Ketonderivaten, welche zur Bildung von α-Aryl-β-Mesylat
Ketonen führt. Eine asymmetrische Variante dieser Reaktion wurde ebenfalls erfolgreich untersucht. Die
zweite Methode nutzt hingegen γ,δ-ungesättigte Ketonderivative als Startmaterialien, welche durch
Oxidation in Cyclopropylcarbinylkationen überführt werden. Diese Kationen können dann mit
verschiedenen Nukleophilen eingefangen werden, was zur Bildung von disubstituierten trans
Cyclopropanen führt.THE WORK PRESENTED HEREIN DESCRIBES the development of new synthetic methodologies in organic synthesis.
The first chapter depicts the investigation of a one-pot procedure in which a Hosomi-Sakurai
reaction is coupled to a regio- and stereoselective internal reduction of the generated homoallylic double
bond via an non-sigmatropic 1,5 hydride transfer. In doing so, 1,3-substituted alcohols are formed
preferentially in the anti-configuration.
In the second chapter, the development of a ruthenium-catalyzed olefination is illustrated in
which two different carbene-precursors are coupled to each other. The generated alkenes show generally
a high selectivity for the Z-isomer.
In the third chapter, novel one-pot functionalization reactions of tertiary-amides are explored,
which are based on electrophilic amide activation and further oxidation steps. Therein, α,β-epoxiamides,
β-thioamides, α-ketoamides, β-ketoamides and furanones are generated in moderate to excellent yields.
Moreover, in the course of the study, several unexpected side reactions were discovered and investigated
which led to previously difficult to obtain heterocyclic rings.
In the fourth and final chapter, iodine(III) reagents are used on ketone-derivatives to trigger
rearrangements typically associated to classical and non-classical carbocations. The first method describes
an oxidative 1,2-aryl transfer of β-aryl ketone derivatives leading to α-aryl-β-mesylate ketones. An
asymmetric variant of this reaction has also been successfully studied. The second method uses γ,δ
dehydrogenated ketone derivatives to generate cyclopropylcarbinyl cations. These cations are then
trapped by several nucleophiles to furnish a disubstituted trans-cyclopropanes
Frage nach den Bedürfnissen der Menschen aus philosophischer, psychologischer und ethischer Sicht, unter besonderer Berücksichtigung der Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht
Diese Arbeit befasst sich mit den Umsetzungsmöglichkeiten, die sich beim Thema der Bedürfnisse der Menschen für den Unterricht ergeben. Ausgangspunkt für die Betrachtung ist dabei eine Skizzierung der für Unterricht geltenden Rahmenbedingungen. Auf diesen aufbauend wird ein didaktisches Konzept für die Erstellung von Unterrichtssequenzen erstellt, das sich an einer von Lehrplänen und der Formulierung von kompetenzorientierten Lehrzielen ausgehenden Unterrichtsplanung orientiert. Anschließend erfolgt die definitorische Klärung von grundlegenden Begriffen zu den Bedürfnissen der Menschen und konzeptuell verwandten Begriffen aus dem Bereich der Motivation. Nachdem begrifflich geklärt wurde, worum es bei den Bedürfnissen der Menschen geht, erfolgt eine ausführliche Auseinandersetzung mit zwei ausgewählten Themenschwerpunkten.
Bei diesen handelt es sich einerseits um die Hierarchie der Bedürfnisse bei Abraham Maslow aus seinem Werk Motivation und Persönlichkeit, die zudem mit dem Konzept des Willens zum Sinn bei Viktor Frankl aus dessen Werk Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn kontrastiert wird und andererseits um den Menschen als Mängelwesen in Arnold Gehlens Werk Der Mensch - seine Natur und seine Stellung in der Welt.
Mit dieser Auswahl wird versucht, sowohl psychologische als auch philosophische und ethische Aspekte der Bedürfnisse der Menschen anzusprechen. Für die Ausarbeitung von Unterrichtssequenzen und für die unterrichtspraktische Umsetzung erfolgt eine Verortung der Bedürfnisse in verschiedenen Lehrplänen. Die bisherigen Ausführungen gipfeln schließlich in der Beschreibung von Unterrichtssequenzen zu den ausgewählten Schwerpunkten. Dabei kommen verschiedene Unterrichtsmethoden zum Einsatz, die jeweils in ihrer Durchführung und ihren Besonderheiten beschrieben werden. Abschließend erfolgt eine synthetisierende Zusammenfassung der Arbeit.This work deals with the possibilities of realization that arise in the subject of people's needs for teaching. The starting point for the consideration is a sketch of the framework conditions that apply to teaching. Building on this, a didactic concept for the creation of lesson-sequences is created, which is based on the curricula and the formulation of competence-oriented teaching goals. This is followed by the clarification and definition of basic terms relating to people's needs and conceptually related terms from the topic of motivation. After conceptually clarifying what the needs of the people are about, there is a detailed discussion of two selected special topics.
These are, on the one hand, the hierarchy of needs by Abraham Maslow from his book Motivation und Persönlichkeit, which is also contrasted with the concept of the will to meaning by Viktor Frankl from his book Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn and on the other hand the human as a deficient being from the vintage point by Arnold Gehlen described in his book Der Mensch - seine Natur und seine Stellung in der Welt.
This selection tries to address psychological, as well as philosophical and ethical aspects of people's needs. For the creation of teaching sequences, the needs are first located in various curricula. The previous elaborations culminate in the description of teaching sequences on the selected focal points. Various teaching methods are used, which are all described in terms of their planned way of performance and special characteristics. Finally, there is a synthesizing summary of the work
Nackt im TV
Die Datingshow Adam sucht Eva sowie die Reportage-Reihe Nacktes Österreich vertreten unterschiedliche Genretypen des Reality-TV und können als Nacktsendungen bezeichnet werden. Das Hauptkennzeichen der „hüllenlosen“ Formate ist, dass die Akteure und Akteurinnen den Großteil der Sendezeit komplett nackt sind und die Inszenierung von Nacktheit im Vordergrund steht. Adam sucht Eva und Nacktes Österreich übernehmen stilistische Eigenheiten des Reality-TV und setzen Nacktheit ein, um ihre Akteure und Akteurinnen authentisch und als keiner Klasse zugehörig zu inszenieren. Dennoch erfolgen Klassenproduktionen. Ebenso lässt die Darstellung von Nacktheit im Fernsehen die Grenzen zwischen Privatheit und Öffentlichkeit verschwimmen. Die entstehenden Spannungsverhältnisse lassen sich anhand von Sendungsanalysen veranschaulichen und zeigen, das Nacktheit im TV als ein Tabu gilt, das gesellschaftlich in Räume des Privaten verbannt wird
Insektenkunde für Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren
Ziel der vorliegenden Arbeit war es ein Kindergartenprojekt zum Thema Insekten zu entwickeln, welches in Bezug auf die Methoden und Materialien altersadäquat und einfach gestaltet ist, damit es in jedem Kindergarten durchführbar ist. Ziel des Kindergartenprojekts ist es, dass Kinder nach dem Projekt Insekten von anderen Arthropoden unterscheiden können, dass sie den Grundbauplan von Insekten kennen und dass sie einige heimische Arten auch namentlich aufzählen können. Im besonderen Fokus bei der Vermittlung steht die Freude an der Arbeit in der Natur und mit lebenden Insekten.
Bei der Durchführung des Projekts werden die Kinder von einer Handpuppe in Form einer Heuschrecke begleitet, die ihnen das Aussehen von Insekten, Fortbewegung und auch die Lebenszyklen mit unterschiedlichen Methoden und anschaulichem Material erklärt. Ein wichtiger Teil ist eine lebende Stabschrecke, welche direkten Kontakt zu einem lebenden Insekt ermöglichte. Stabschrecken haben den Vorteil, dass sie sehr einfach in der Handhabung sind. Sie bewegen sich langsam, sodass die Kinder sie einfach über die Hand krabbeln lassen können.
Eine Gruppe von zehn Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren nahm über drei Tage hinweg an diesem Insektenprojekt teil. Die Ergebnisse entsprechen den Erwartungen: Die Beobachtung der Kinder und die Auswertung ihrer Fragen lassen erkennen, dass die Kinder viel Freude an dem Projekt hatten. Sie stellten sehr viele themenbezogene Fragen und waren interessiert an den lebenden Stabschrecken und an der Heuschrecken Handpuppe. Die Kinder lernten die Namen der Insekten sehr schnell und merkten sich auch komplexere Namen gut. Sie kannten innerhalb der drei Tage den Grundbauplan von Insekten. Weitere interessante Ergebnisse wurden im Bereich der Verwendung von Methoden und Material gemacht. Für die Altersgruppe wäre zum Beispiel das Binokular nicht geeignet, da die Kinder beim Durchschauen nichts erkennen konnten, Becherlupen im Gegensatz dazu, eigneten sich hervorragend.
Aus den positiven Rückmeldungen und Beobachtungen der Kinder kann geschlossen werden, dass das Programm geeignet ist, um das Interesse bei Kindern von 3-6 Jahren an Insekten und das Wissen über diese zu steigern.This thesis‘ aim was to develop an insect project for kindergarden children at the age of 3 to 6. The methods and materials used were aimed for this age and the ability of the children. The project should be easy to be reproducted in any kindergarden.
The project’s aim is that children can distinguish insects from other arthropods, that children know about the insect’s morphology and that they can name certain insects. The projects main importance was indulging joy in playing in nature and developing knowledge about insects.
During the project a grashopper’s hand puppet was used to tell the children about the insects morphology, their motility und also about the insect’s life cycle. An important part of the project is a living stick insect, which is shown to the kids. The big advantage of Phasmatodea is that they are easy to handle. They move slowly which makes it easy to let them crawl over the children’s hands.
A group of ten children from the age of three to six years take part in the project. The results are as expected. Concluded from the analysis of the questions and the observation oft he interaction of the children with the insects, it was found that children really have fun while learning about insects and their morphology and motility. They asked multiple questions about the topic and are very interested in the living example of Phasmatodea and also in the grasshopper hand puppet. They appeared as fast learners and were very good in remembering difficult insect names and how they looked like.
Other interesting results concern the use of methods and materials. For children at this age the binocular is not suited because they couldn’t see through it. On the other hand magnifying glasses are suited very well for children at this age.
The positive feedback and the observation of the children result in the fact that the program is suited to enlarge the knowledge about insects of children at the age of 3 to 6
Arbiträre Verfolgung von "Mischehefamilien" im nationalsozialistischen Wien
Durch diese Diplomarbeit soll die arbiträre Verfolgung von Wiener „Mischehefamilien“ während der Zeit des Nationalsozialismus, insbesondere ab Oktober 1942 (Ende der großen Deportationen), untersucht und kontextualisiert werden. Die Basis dieser Arbeit bildet einerseits die Aufarbeitung der antijüdischen Gesetzgebung und Deportationsrichtlinien, andererseits die Auswertung der Gestapo-Tagesberichte von 1942 bis 1945. Zum besseren Verständnis der damaligen Situation werden lebensgeschichtliche Erzählungen zu den verschiedenen diskriminierenden Bestimmungen angeführt. Mittels dieser Erzählungen soll überdies die voranschreitende Entrechtung hin zu einer Kriminalisierung des alltäglichen Lebens skizziert werden. Weiters soll die Aufarbeitung der Deportationsrichtlinien und insbesondere der Wannsee- sowie der Nachfolgekonferenzen deutlich machen, dass die nationalsozialistischen Machthaber die jüdischen PartnerInnen von „Mischehen“ sowie deren „halb- und vierteljüdische“ Kinder ebenso in ihren Plan der totalitären Vernichtung miteinbeziehen wollten. Nur aufgrund ihrer „deutschblütigen“ Familienmitglieder wurde von dieser Bestrebung zunächst Abstand genommen. In den letzten Kriegsjahren sind jedoch eindeutige Bestrebungen in diese Richtung zu verzeichnen. Die Willkürlichkeit der Verfolgung von Mitgliedern von „Mischehefamilien“ soll insbesondere anhand der Gestapo-Tagesberichte ersichtlich gemacht werden. So wurden Personen oftmals ohne rechtliche Basis und aufgrund haltloser Beschuldigungen (obwohl der Schutz durch ein „arisches“ Familienmitglied bestand) verhaftet und deportiert. Die Verfolgung von „Mischehefamilien“ unterlag jedoch keinem strikten Kurs. Dies wird deutlich, da verschiedene Betroffene bei Begehung gleicher „Delikte“ oftmals eine unterschiedliche Strafverfolgung erfuhren. Das Ausmaß der Verfolgung von „Mischehefamilien" intensivierte sich jedoch im Laufe der Kriegsjahre zunehmend, weswegen deren Schutz bis 1945 immer fragiler wurde
Convincing humor - engagement as persuasion in political comedy
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht welche Engagement-Strategien erfolgreiche Stand-Up Comedians verwenden um ihre Zuschauerschaft von Argumenten soziopolitischer Kritik zu überzeugen. Zu diesem Zweck zieht diese Arbeit Konzepte und Theorien aus den Bereichen der Humorforschung und dem Forschungsfeld der Performance Studies heran. Anschließend werden vier Videoaufzeichungen von Comedy-Aufführungen professioneller Stand-Up Comedians analysiert, um Engagement-Strategien, die diese verwenden, aufzuzeigen.This thesis investigates which strategies of engagement successful stand-up comedians to convey persuasive criticism of sociopolitical issues. For this purpose, this thesis draws from concepts and theories from humor research and the field of performance studies. By applying these concepts to four video-recordings of comedy performances, this thesis aims to show which engagement-strategies professional comedians use to successfully engage their audience
Flucht als Leben im Transit
Flucht und Vertreibung sind Themen, die Politik, Medien und Gesellschaft aktuell intensiv beschäftigen; sie sind aber auch anthropologische Konstanten, mit denen sich die Literatur seit der Antike auseinandersetzt. In der Arbeit werden die Zusammenhänge zwischen Recht, Individuum und Gesellschaft im Kontext der Fluchtthematik untersucht und danach gefragt, welche Auswirkungen der Verlust der Staatsbürgerrechte durch Flucht auf die gesellschaftliche Positionierung und die individuelle Identität von Geflüchteten hat. Sie nähert sich Narrativen zum Thema Flucht aus der Perspektive der politischen Theorie und greift auf die Konzepte von Hannah Arendt und Giorgio Agamben zurück, die die “politische Figur des Flüchtlings” vor allem aus einer kritischen Perspektive auf die Menschenrechte betrachten und die damit verbundenen Ausschlüsse von Betroffenen aus politischer und gesellschaftlicher Partizipation in den Blick nehmen. Darüber hinaus wird auf Basis der transkulturellen Literaturdidaktik eine politische Perspektive für den Unterricht entwickelt, die einen dominanzkritischen und selbstreflexiven Zugang vorschlägt, der Schüler_innen für die eigene Verstrickung in Machtstrukturen sensibilisiert. Anhand von Analysen von Anna Seghers’ Roman Transit (1944), Julya Rabinowichs Jugendroman Dazwischen: Ich (2016) und Elfriede Jelineks Theatertext Die Schutzbefohlenen (2013/2018) wird dargestellt, wie die Figur des “Flüchtlings” in Narrativen zum Thema Flucht konstruiert wird und wie sich rechtliche, politische und gesellschaftliche Exklusionsmechanismen auf die individuelle Identität der Figuren auswirkt
S&S-Lebenswelt im Klassenzimmer: politdidaktischer Einsatz von Star Wars
In der Politdidaktik ist es in den letzten Jahren zum Paradigmenwechsel gekommen, bilden doch nun die Vorstellungen und Wahrnehmungen der Schülerinnen und Schüler (S&S) ihren Ausgangspunkt. Eine Inhalts- und Sachorientierung soll entlang von Basiskonzepten erfolgen, die als Knotenpunkte in den Netzwerken politischen Denkens der S&S fungieren. Die Theoriebildung zu den Basiskonzepten ist ebenso wie dieselbe zu deren methodisch-didaktischen Umsetzbarkeit bereits relativ fortgeschritten. Um aber einen Unterricht orientiert an politischen Basiskonzepten durchführen zu können, braucht es Informationen zur Wahrnehmung und Besetzung derselben bei S&S.
Im Bereich der Diagnostik von Basiskonzepten der S&S – insbesondere anhand von Filmen – liegt kaum angewandte Forschung vor. Die vorliegende auf der S&S-Lebenswelt im Klassenzimmer fußende Arbeit widmet sich dementsprechend der Frage, ob und wie tiefgehend eine Diagnostik zu bei S&S vorhandenen politischen Basiskonzeptvorstellungen (Präkonzepte) auf Grundlage eines Films aus der Star Wars-Reihe durchgeführt werden kann. Anhand der diagnostischen Ergebnisse der Praxisphase im Klassenzimmer werden in einem weiteren Schritt bedarfsorientierte inhaltliche Unterrichtsthemen und -konzepte für die S&S abgeleitet. Diese Unterrichtsbeispiele entlang der Basiskonzepte Macht, System und Gemeinwohl wurden teilweise sehr konkret mit dazugehörigen Unterrichtsmaterialien ausgearbeitet und warten nur darauf, ihren Weg ins Klassenzimmer zu finden
Zwischen den Ländern: Erleben translokaler Praktiken migrantischer Familien im Generationenvergleich am Beispiel Ex-Jugoslawiens
Noch nie waren im Laufe der Menschheitsgeschichte so viele Menschen an Migrationsprozessen beteiligt wie in der Gegenwart. Menschen, die aktive oder passive Migrationserfahrungen aufweisen, bleiben und blieben aber immer schon in unterschiedlich intensivem Ausmaß mit dem Herkunftsland (früherer) Generationen in Verbindung. Wie diese Verbindungen aussehen, wie intensiv sie in verschiedene Aspekte des Lebens einwirken und welche Unterschiede sich diesbezüglich bei Angehörigen zweier Generationen in Österreich lebender MigrantInnen aus Ex-Jugoslawien beobachten lassen, wurde in der vorliegenden Diplomarbeit untersucht. Auch die Auswirkungen der neuen Medien auf die Intensität der Verbindungen sollte eruiert werden.
In qualitativen Interviews mit zehn Befragten, die sowohl der ersten als auch der zweiten Migrationsgeneration angehören, wurden vier Aspekte translokalen Lebens erfragt: familienbezogene, soziokulturelle, wirtschaftliche und politische Praktiken. Ebenso wurde untersucht, ob die InterviewpartnerInnen planen, ins Herkunftsland (der Eltern) zu remigrieren und welche Rolle die Translokalität, also das Leben zwischen zwei Welten, in Bezug auf die persönliche Zugehörigkeitsempfindung hat. Besonders bei familienbezogenen Praktiken ließ sich ein Unterschied in der Besuchshäufigkeit feststellen, der auf die empfundene Verbindung, aber auch auf die (Nicht-)Existenz von Wohneigentum im Herkunftsland zurückzuführen ist. Am deutlichsten wurde der Unterschied zwischen den Migrationsgenerationen aber in Bezug auf die Mediennutzung: während Befragte der ersten Generation sowohl große, als auch kleine Medien intensiv nutzen, um mit dem Herkunftsland verbunden zu bleiben, spielen diese für die zweite Migrationsgeneration nur eine untergeordnete Rolle. Insgesamt lässt sich die Elterngeneration eher als „translokal“ einstufen; die zweite Generation fühlt sich meist eher einem der beiden Staaten zugehörig