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Inescapable victimhood: a queer(y) into structures, agency and victimhood amongst queer refugees in Nairobi
Gut gemeinte humanitäre Interessensvertretungsarbeit und westliche Medien mobilisieren seit Langem die öffentliche Unterstützung und Finanzierung von Flüchtlingsfragen, indem sie Bilder verwenden, die Flüchtlinge als Opfer von Krieg, Vertreibung und "unerträglicher und hoffnungsloser Armut" darstellen. Infolgedessen sind Flüchtlinge öffentlich als Opfer konstruiert worden, eine Schilderung, die dazu dient, Flüchtlinge zu passivieren, zu kollektivieren und zu entmenschlichen, wodurch sie zu homogenen und passiven Empfängern humanitärer Hilfe werden.
Fünfzehn ausführliche Interviews mit in Kenya lebenden, queeren Asylwerbern und Flüchtlingen, ergaben, dass während die Unterstützung von Flüchtlingen streng durch Strukturen begrenzt ist, die TeilnehmerInnen unterschiedliche Erfahrungen mit den Themen Handlungsfähigkeit und Entscheidungsfindung während der Migration machen. Hierdurch wird das Kontinuum reaktiver Migration offenbart unter gleichzeitiger Erschütterung der Darstellung der einheitlichen Erfahrung von Zwangsumsiedlung als eine verzweifelte und ohne jegliche Handlungsfähigkeit. Anschließend an die Untersuchung queerer Migrationsprofile und -wege in Ostafrika untersuchte diese Studie, wie Flüchtlinge in Kenia in die Opferrolle gegliedert werden. Mit Hilfe des morphogenen Ansatzes wurde die strukturelle Positionierung von Flüchtlingen in Positionen erhöhter Verletzlichkeit hervorgehoben und der Prozess der (Wieder-)Herstellung von Opferidentitäten durch Archer’s strukturelle Ausarbeitung aufgezeigt. Queere Flüchtlinge stellen ihre Opferidentität auf zwei Wege (wieder) her: (1) aufgrund der strukturierten Verschärfung der Verwundbarkeit und der Barrieren zum Zugang auf das Recht auf Arbeit werden Flüchtlinge in Nairobi in Unsicherheit und Abhängigkeit gebracht, und (2) aufgrund von finanziellen Kürzungen und Reduzierung der resettlement Quoten wurden queere Flüchtlinge in die Position gebracht, die Opferrolle zu erfüllen, dies als eine der wenigen Wege um mehr Gewinn zu ermöglichen.Refugees have been publicly constructed as victims, a narrative that serves to passivize, collectivise and dehumanise refugees, rendering them homogenous and passive recipients of humanitarian aid. This thesis seeks to address the structure-agency impasse in forced migration research, utilizing Archer’s morphogenic approach to structuration theory to examine how structures enable and constrict the agency of queer refugees both during migration and whilst awaiting resettlement in Kenya.
Fifteen in-depth interviews with queer asylum seekers and refugees living in Kenya revealed that whilst the agency of refugees is seriously constrained during migration, participant’s differential experiences of agency and decision-making during migration that expose continuums of reactive migration. Subsequently, the structural positioning of refugees into positions of exacerbated vulnerability whilst seeking asylum in Nairobi was exposed, and the process of (re)creating victim identities through Archer’s structural elaboration was demonstrated. Queer refugees were shown to (re)create victim identities in two ways: (1) owing to the structured exacerbation of vulnerability and barriers to the right to work, refugees are positioned into insecurity and dependency in Nairobi, and (2) owing to funding cuts and slashes to resettlement quotas, queer refugees were positioned to perform victimhood as one of few means of increasing their net gain. As such, this study serves to strongly question the essentialised image of the refugee victim, exploring continuums of agency constriction and enablement which must be understood to provide meaningful refugee assistance. Furthermore, it highlights root causes of disempowerment which must be addressed to provide a rights-based-approach to refugee programming
Who fights for queer rights?
Alle Menschen haben ein Recht auf Menschenrechte, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentität und -äußerung oder Geschlechtsmerkmale (SOGIESC* persönliche Eigenschaften). Die vollständige Verwirklichung eines Menschenrechts steht jedoch in direktem Zusammenhang mit der Einhaltung der Verpflichtungen des Staates zur Achtung, zum Schutz und zur Ermöglichung ihrer Erfüllung. Serbien hat zugestimmt, diesen Verpflichtungen nachzukommen, indem der Staat einschlägige Abkommen nach dem internationalen Menschenrechtsgesetz (IHRL*) ratifiziert. Die vorliegende Arbeit untersucht, in welchem Ausmaß Serbien erfüllt diese Pflichten, , wenn sie sich auf die uneingeschränkte Wahrnehmung der Menschenrechte durch queere Menschen beziehen. Zu diesem Zweck wurde eine vergleichende Analyse unter Anwendung der Yogyakarta-Prinzipien durchgeführt, da diese den umfassendsten Rahmen darstellen, in dem die Standards für die vollständige Einhaltung der staatlichen Verpflichtungen indexiert werden. Nach einer deskriptiven analytischen Bewertung der Standards, die für jedes der 38 Prinzipien festgelegt wurden, wurden die Verpflichtungen zur Achtung, zum Schutz und zur Erfüllung der nach dem entsprechenden Prinzip berücksichtigten Rechte beschreibend bewertet. Die Interpretation sowohl qualitativer als auch quantitativer Daten, die sich aus der Analyse ergeben, zeigt eine unsystematische und inkonsequent angemessene Einhaltung der Verpflichtungen. Folglich wird gezeigt, dass die Standards der internationalen Menschenrechte nur bis zu einem gewissen Grad erfüllt sind. Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse eine bessere Einhaltung der Verpflichtung zur Achtung im Vergleich zu den Schutzverpflichtungen und der Verpflichtung, die der Verwirklichung der Menschenrechte für queere Menschen zu ermöglichen.All human beings are etitled to full enjoyment of all human rights, regardless of their sexual orientation, gender identity and expression, or sex characteristics (SOGIESC personal traits). However, full realization of any human right is directly related to State compliance with the obligations to respect, protect, and enable their fulfillment. The State of Serbia has agreed to comply with these obligations by ratifying relevent agreements under the international human rights law (IHRL). The present paper investigates the extent to which Serbia complies with these obligations, as they relate to the full enjoyment of human rights by queer people. For this purpose, a comparative analysis has been conducted using Yogyakarta Principles, for them being the most comprehensive framework, within which the standars for full compliance with the State obligations are indexed. After conducting a decriptive analytical assessment of the standards set upon by each of the 38 Principles, a descriptive values were given to the obligations to respect, protect, and enable the fulfillment of the right considered under the corresponding Principle. The interpretation of both qualitative and quantitative data emerging form the analysis indicate unsystematic and inconsistently adequate compliance with the obligations. Consequently, the standards of international human rights are shown to be satisfied only to a certain extent. Moreover, the results indicate a greater compliance with the obligation to respect, as compared to the obligations to protect, and the obligation to enable the fulfillment of realization of human rights by queer people
Informationspflichten und Sorgfaltsmaßstab des Immobilienmaklers sowie die Durchsetzung von Schadenersatzansprüchen
Eine Auseinandersetzung mit den Informations- und Sorgfaltspflichten des Immobilienmaklers erforderte zunächst eine eingehende Analyse der juristischen Dimensionen des aktuell viel diskutierten „Bestellerprinzips“. Die Einführung eines solchen hätte gravierende Auswirkungen darauf, wer dem Grunde nach überhaupt Empfänger einer maklerspezifischen Dienstleistung sein kann. Maßgebend für die Erörterung kann dabei nicht nur die schlagwortartig gebräuchliche Phrase „Senkung der Wohnkosten sein“, sondern sind hier vielfältige zivil-, konsumentenschutz- sowie auch verfassungsrechtliche Aspekte in Betracht zu ziehen. Insbesondere war der Frage nachzugehen, ob bzw. inwieweit ein Bestellerprinzip mit dem konsumentenschutzrechtlich verankerten „Informationsmodell“, wonach dem Konsumenten durch Informationen zu allen relevanten Aspekten des abzuschließenden Geschäfts eine solide Grundlage für eine eigenverantwortliche Entscheidung geboten werden soll, in Einklang zu bringen ist.
Der Sorgfaltsmaßstab sowie die Sachverständigenhaftung orientieren sich am Leistungsstandard der jeweiligen Berufsgruppe. Wie gezeigt werden konnte, besteht für den Bereich der Immobilientreuhänder hier eine relativ komplexe, aber systematische Struktur an Rechtsvorschriften, die den Berufszugang sowie die Berufsausübung regelt. Intendierte Maßnahmen zur Erhöhung der Zugangserfordernisse bzw. Steigerung der Dienstleistungsqualität, wie eine Aus- und Fortbildungsverpflichtung, müssen stets vor dem Hintergrund diskutiert werden, dass dies auf der dafür geeigneten Ebene erfolgen muss. Dabei war auch die Qualität des Standesrechts der WKO als Verordnung gem Art 120b Abs 1 B-VG herauszuarbeiten. Der von der hL und Jud anerkannte Grundsatz, wonach die Nachforschungspflicht des Maklers bei weitergegebenen Informationen unter bestimmten Voraussetzungen eingeschränkt ist, war unter Bezugnahme auf relevante Jud einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Jud den von der Gesetzgebung vorgegebenen Leistungsstandard nicht immer gleichermaßen beherzigt, wenngleich im zeitlichen Verlauf insgesamt eine Verschärfung der Anforderungen an die Sachverständigen-Haftung festgestellt werden konnte.
Im Rahmen der Erörterung schadenersatzrechtlicher Grundsätze war zunächst herauszuarbeiten, dass Klauseln, wonach Kunden gegenüber dem Makler die Kenntnisnahme bestimmter Umstände bestätigen, nicht immer und unbedingt als verpönte Beweislastumkehr iSv § 6 Abs 1 Z 11 KSchG zu werten sind. Sodann waren die in der jüngeren Rsp hervortretenden Ansätze, die zu den „Anlegerschadensfällen“ entwickelten Grundsätze auch auf gegen Immobilienmakler gerichtete Schadenersatzforderungen auszuweiten, einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Dabei konnte gezeigt werden, dass das zu den Anlegerschäden vertretene Primat der Naturalrestitution in Form der Zurücknahme des vermittelten Vermögensgutes durch den schädigenden Vermittler gegen Erstattung des Kaufpreises sowie der Grundsatz der Berücksichtigung einer hypothetischen Alternativanlage bzw. eines alternativen Geschehensablaufs aus guten Gründen nicht auf gegen Immobilienmakler gerichtete Schadenersatzansprüche übertragen werden können.
Schließlich wurde noch der Sorgfaltsmaßstab des Immobilienmaklers nach deutschem Recht beleuchtet, der aufgrund europa- wie kollisionsrechtlicher Vorgaben auch für Vermittlungen in Österreich Relevanz haben kann. Vor dem Hintergrund, dass Antritt und Ausübung des Immobilienmakler-Gewerbes in Deutschland keines Befähigungsnachweises bedürfen, wurde der Sorgfaltsmaßstab anhand einschlägiger Judikate beschrieben und Parallelen sowie Unterschiede zur Rechtslage in Österreich aufgezeigt
Audience perceptions of journalists' twitter performances in Turkey
Die Wahrnehmung der Rolle der Journalisten wurde über Jahrzehnte von Journalismuswissenschaftlern diskutiert. Trotzdem wurde zu wenig erforscht, wie das Publikum die Rolle der Journalisten wahrnimmt. Die neuen Technologien erlauben den Journalisten, ihre Arbeit auf Social Media auszuweiten und diese Rolle über Medien, wie Twitter, auszuüben.
Diese Studie möchte erfassen, wie das Publikum die Rolle und Funktion von Journalisten, in nicht westlichen Kulturkreisen mit eingeschränkter Pressefreiheit einschätzt: Türkei. Diese Forschung beinhaltet einen quantitativen Ansatz, um die Einschätzung des Publikums in der Tiefe zu erfassen und Einsichten in eine zu wenig erforschte Medienlandschaft zu gewähren.Perceptions of journalistic roles have been discussed by journalism scholars for decades. However, audience evaluations of how journalists perform these roles are still an understudied aspect of journalism scholarship. New technologies have allowed journalists to extend their work to social media and perform these roles on mediums such as Twitter. This research aims to capture how audiences evaluate the role performance of journalists in a non-Western context with limited press freedom: Turkey. This research employs a quantitative approach to explore audience evaluations in depth and to reveal insights from an understudied media environmen
Mobilisation through the European Citizens' Initiative: paths to success and failure
Die Europäische Bürgerinitiative (EBI) ist das erste transnationale Instrument für Bürgerbeteiligung und Agenda-Setting weltweit. Das Potential der EBI eine gemeinsame europäische Öffentlichkeit zu stärken und das Demokratiedefizit der EU zu senken, wird häufig hervorgehoben. Aufgrund der administrativen Hürden funktioniert die EBI jedoch nicht als direkte Verbindung zwischen europäischen Institutionen und Bürgern. Stattdessen sollte das Instrument als zusätzlicher Input-Mechanismus für organisierte Interessen betrachtet werden, die zum Meinungsbildungsprozess der europäischen Bürger beitragen und deren aggregierte Präferenzen an die EU-Institutionen weiterleiten. Da politische Entscheidungen in der EU meist von Eliten dominiert werden, hängt das demokratisierende Potential der EBI davon ab, ob unterschiedliche Organisatoren erfolgreich Unterschriften sammeln können, auch wenn ihnen dafür wenige Ressourcen zur Verfügung stehen. Um herauszufinden, welche Faktoren entscheidend sind, um eine erfolgreiche Unterschriftensammlung zu organisieren, werden Hypothesen gebildet basierend auf der Literatur zu nationalen/regionalen Formen der Bürgerpartizipation, sozialen Bewegungen und dem strategischen Verhalten von organisierten Interessensgruppen. Eine Umfrage unter RepräsentantInnen von Initiativen und eine Inhaltsanalyse von Materialien, welche von OrganisatorInnen publiziert wurden, bilden die Datengrundlage. Als Ausgangspunkte für die Qualitative Comparative Analysis (QCA) dienen Informationen über finanzielle Ressourcen, MitarbeiterInnen, Partnerorganisation, Publizitäts- und Marketingstrategien sowie Framing. Um tiefere kausale Zusammenhänge herauszuarbeiten, werden Fallstudien verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass selbst Initiativen mit geringen Ressourcen mit Hilfe einer umfassenden Argumentationsstrategie, welche alle Kernelemente von Mobilisierungsframes enthält, erfolgreich Unterschriften sammeln können. Überraschend ist, dass Framing einen stärkeren Einfluss auf Erfolg hat als Ressourcen. Daher ist der demokratische Mehrwert der EBI positiver zu bewerten. Fehlende finanzielle Ressourcen oder unzureichende Mitarbeiterzahlen sind die häufigsten Gründe für das Scheitern von Initiativen. Daraus lässt sich ableiten, dass erfolglose Initiativen bereits an den ersten Hürden einer Kampagne scheitern.The European Citizens’ Initiative (ECI) is the first transnational instrument of citizen-participation and agenda-setting worldwide. Its potential for creating a European public sphere and alleviating the democratic deficit has been widely praised. This dissertation argues that the ECI can meet these normative expectations only to a limited extent. Given the administrative hurdles, it cannot be considered a direct link between European institutions and citizens. Rather, the tool serves as additional input mechanism for organised interests, which act as transmissions belts for the demands of citizens. In light of the elite-bias of European policy-making, the democratising potential of the ECI depends on the equal ability of different types of organisers to collect as many signatures as possible, irrespective of their level of resources. Literature on national/regional forms of citizen participation and social movements as well as literature on interest group strategies in the EU provide the basis for drawing up hypotheses about how an ECI can maximize its amount of signatures. A survey conducted with representatives of initiatives and a content analysis of materials published by initiative organisers provide the data for drawing conclusions. Information on financial endowment, human resources, network of partner organisations, publicity strategies and framing serve as starting points for a Qualitative Comparative Analysis (QCA). Case studies are used to identify in-depth causal mechanism between different factors. The findings show that in the presence of an encompassing argumentation covering the core aspects of mobilisation frames, even initiatives without significant resources can successfully collect signatures. Surprisingly, framing is a stronger predictor of success than level of resources. This warrants a more positive assessment of the ECI’s democratising potential. The factors behind failure show that absent funding or low staff numbers were most common, revealing that when initiatives fail, they stumble at the first stages of setting up a campaign
Mittelalterrezeption in der Oper der Jahrhundertwende
Ohne Richard Wagners Tristan, Parsifal oder den Ring des Nibelungen hätte es vermutlich keine derart stark ausgeprägte Mittelalterrezeption in der Oper des späten 19. und beginnen-den 20. Jahrhunderts gegeben. Dennoch tragen noch weitere historische und geistesgeschicht-liche Umstände dazu bei, dass es um 1900 zu einer Blütezeit der Mittelalteropernproduktion kommt. Diese Arbeit befasste sich mir einer Mittelalteropern aus dieser Zeit, die wie Wagners Musikdramen auf einem literarischen Text des Mittelalters als Vorlage basiert und nicht auf historischen Ereignissen oder Figuren. Mit Hartmanns von Aue Versepos Der arme Heinrich wählen Hans Pfitzner und James Grun für ihre Oper gemessen an der Bandbreite der Rezepti-on einen der erfolgreichsten Texte des deutschen Mittelalters. Der arme Heinrich eignet sich auf den ersten Blick ausgezeichnet für eine Opernbearbeitung. Die Geschichte der spektakulä-ren Aussatzheilung verfügt über hohes dramatisches Potenzial. Dennoch zeigt sich bereits am großen Variantenreichtum der Überlieferung das erzähllogische Problem des Textes Hart-manns von Aue, der in allen Versionen kein wirklich überzeugendes Ende findet.
Pfitzner betrachtet den Stoff des siechenden Helden, der nur durch das Opfer einer Jungfrau gerettet werden könne als ein zeitloses Handlungsschema. Die Motive der Handlung als Gleichnis von etwas anzusehen, „was unter großen Menschen jederzeit sich in irgendeiner Form abspielen kann“. Das Mittelalter als Epoche dient damit nur als Kulisse für die Vor-gänge. Stattdessen lassen Pfitzner und Grun zeitgenössische literarische und philosophische Traditionen in die Konzeption des Librettos einfließen. „Im Kostüm des Mittelalters die Ge-dankenwelt Schopenhauers und Wagners Gestalt angenommen“, schreibt Jens Malte Fischer über die Rezeption des Armen Heinrichs in der Oper. Die Handlung wird dabei auf eine Dichotomie aus Leben und Leiden konzentriert.
Während bei Hartmann die Krankheit Heinrichs als eine göttliche Strafe oder in Anlehnung an den biblischen Hiob vielmehr eine Prüfung ist, scheint sie bei Pfitzner und Grun eine Be-stätigung der Lehren Schopenhauers vom unausweichlichen Leiden in der Welt zu sein. Den-noch wird versucht auch die christlichen Vorstellungen des Hartmannschen Textes in das Lib-retto zu übernehmen, wobei im Kontrast zu Schopenhauers Soteriologie unweigerlich ein Spannungsverhältnis entsteht. Religiöse Elemente werden darüber hinaus in beiden Werken, im Versepos und in der Oper zum Erzeugen einer bestimmten Ästhetik verwendet. Bei Hart-mann, um einen Wiederkennungswert bei den Lesern respektive Hörern zu generieren und ihnen eine Anleitung zur Bewertung des Verhaltens zu geben sowie um sein eigene theologi-sche Bildung unter Beweis zu stellen. In der Oper dient die Verlagerung des Handlungsortes in ein Kloster, die Aufladung mit religiöser Symbolik und der Mönchschor wieder als Kulisse der Handlung zur. Christliche Aspekte werden hier gepaart mit einer kultisch anmutenden Schauerromantik.
Bei Hartmann ist Heinrich der klare Protagonist der Handlung, er wird als einziger namentlich genannt. Im Laufe der Handlung durchläuft er mehrere Erkenntnisprozesse, die schließlich dazu führen, dass er die Krankheit als Prüfung Gottes akzeptiert und sein Leben in dessen Hand überantwortet. Die Schönheit und Reinheit des Opfers lässt ihn erkennen, dass ihr Le-ben einen höheren Wert habe als seines und auf die Heilung verzichten. Die Opernhandlung konzentriert sich auf die Figur der Agnes als Erlöserin und setzt sie damit in Verbindung zu anderen weiblichen Erlöserfiguren der Operngeschichte, wie Wagners Senta aus dem Hollän-der. Durch diese Reduzierung der Figur auf ihre Rolle als Medium der Vermittlung zur Gene-sung verliert Agnes Handlungsräume, die Hartmanns Mädchen offen waren. Durch die Beto-nung auf ihrer Kindlichkeit in der Oper, wird Agnes jegliche erotische Anziehungskraft ge-nommen. Die sinnliche Weiblichkeit des Mädchens bei Hartmann, wird Agnes in der Oper abgesprochen. Eine ambivalente Bewertung des Charakters ist hier ebenfalls nicht mehr mög-lich, sie wird zur Heiligen verklärt. Statt der Warnung vor übersteigerter Spiritualität, die sich im Hartmannschen Text als didaktische Konzeption hinter der Figurengestaltung des Mäd-chens vermuten lässt, findet in der Oper eine Affirmierung dieser statt. Die Frau wird zum spirituellen Gefäß und Medium objektiviert. Der mittelalterliche Text lässt der Frauenfigur deutlich mehr Entfaltungsraum als die Oper. Das Problem des Erzählendes wird auch in der Oper nicht zufriedenstellend gelöst
Das Klima in der Krise?
Noch nie zuvor berichteten Medien so viel über den Klimawandel, wie im Jahr 2019. Mit Ausbruch der Covid-19-Pandemie Anfang 2020 wurde der öffentliche Diskurs zu Klimathemen von dieser neuen Krise plötzlich überschattet. Diese Arbeit bezieht sich auf den Framing-Ansatz und erforscht, ob sich die Berichterstattung zum Thema Klimawandel auch inhaltlich seit der Corona-Krise verändert hat. Dazu werden Berichte des österreichischen Tagesmediums Kronen Zeitung inhaltsanalytisch untersucht. Mithilfe einer Clusteranalyse können jeweils fünf Frames aus den Zeiträumen 2019 und 2020 identifiziert werden. Ein Vergleich der Frames vor und nach Beginn der Pandemie zeigt: Die Berichterstattung hat sich nicht nur in ihrer Quantität verändert, auch die Art und Weise, wie über Klimawandel berichtet wird passte sich dem Kontext der Pandemie an. Die Analyse zeigt, dass einige Frames mit der Zeit verschwanden, während bestehende Frames nun neue Aspekte hinzuzogen, um den veränderten Gegebenheiten zu entsprechen. Auch sind zwei gänzlich neue Frames entstanden. Insgesamt kann mehr Optimismus für die Bewältigung der Klimakrise verzeichnet werden, wirtschaftliche Aspekte des Klimawandels wurden in Zeiten der Krise wichtiger, und es formten sich neue Hoffnungen auf einen systemischen Wandel oder eine neuartige Klimapolitik. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass Schlüsselereignisse wie die Corona-Krise Frames nur kurzzeitig verändern können. Somit stellt die langfristige Entwicklung dieser Frames vor dem Hintergrund eines möglichen sozialen Wandels künftig ein spannendes Forschungsfeld dar.The media coverage of climate change peaked in 2019. With the onset of the Covid-19 pandemic in early 2020, the public discourse on climate issues was suddenly overshadowed by this new crisis. This thesis refers to the framing approach and investigates whether the reporting on climate issues has changed since the corona crisis. For this purpose, reports of the Austrian newspaper Kronen Zeitung are analysed. By use of a cluster analysis five frames each from the periods of 2019 and 2020 can be identified. Comparing the frames of before and after the beginning of the pandemic the author demonstrates how the reporting has not only changed in terms of quantity, but also substantially adapted to the context of the pandemic. It can be observed that some frames have disappeared over time while new aspects were added to persisting frames in order to comply with the new reality. Also, two completely new frames emerged. Overall, there was more optimism about overcoming the climate crisis, economic aspects of climate change became more important in times of recession and new hopes for systemic change or a renewed climate policy were formed. However, it is assumed that key events such as the corona crisis can influence public frames for a short period of time only. In the light of possible social change, the long-term development of these frames represents an interesting field for future research
Messdifferenz zwischen Radiosondensensoren, geschätzt aus Radiosondenvergleichsexperimenten und Reanalysen
Aufgrund des Wechsels von Messinstrumenten sind Radiosondendaten von Inhomogenitäten betroffen.
Radiosondendaten sind für klimatologische Untersuchungen sehr wichtig. Vor allem für die
Zeit, bevor es Satellitendaten gab. Daher ist es wichtig, dass die Radiosondendaten möglichst homogen
sind. Für die Homogenisierung der Daten ist es wichtig, die Messdifferenzen der verschiedenen
Instrumente zu kennen. Es gab bereits einige Vergleichsexperimente, in denen die verschiedenen
Radiosondentypen verglichen wurden. In dieser Arbeit wird versucht, die durch solche Vergleichsexperimente
gefundene Messdifferenzen zwischen den Radiosondentypen mittels Daten aus
dem operationellen Betrieb zu replizieren. Hierzu wurden zwei verschiedene Ansätze gewählt. Zum
einen wurden Radiosondenstationen betrachtet, bei denen der Radiosondentyp gewechselt wurde.
Die Zeitspanne vor dem Wechsel wird mit der Zeitspanne nach dem Wechsel verglichen. Zum anderen
wurden räumlich getrennte Radiosondenstationen, welche unterschiedliche Radiosondentypen
einsetzten, verglichen. Für den Vergleich wurden nicht die beobachteten Temperaturen, sondern die
Background departures herangezogen. Als Background wurden die ERA5 Reanalyse und die JRA55
Reanalyse verwendet.
Viele der experimentellen Ergebnisse konnten durch die Vergleiche repliziertwerden.Die unterschiedlichen
Radiosondentypen zeigten vor allem in den höheren Schichten ausgeprägte Unterschiede in
den mittleren Background departures auf. Ein wichtiger Grund ist hierfür ein Strahlungsfehler, der
bei vielen Radiosondentypen operationell und experimentell nachgewiesen werden konnte. Außerdem
konnte festgestellt werden, dass die mittleren Background departures häufig einen regionalen
Effekt aufweisen. Trotz der Verwendung von Background departures ist die Örtlichkeit einer Radiosondenstation
relevant.Due to the change of instruments, inhomogenities can be found in radiosonde-data. Especially for
the pre-satalite era, radiosonde-data is vital when it comes to climate analysis. Therefore, our data
needs to be homogenized. To do so, we need to know the differences in measurements of the various
radiosonde types. There have been experimental radiosonde comparisons before, where many
different types of radiosondes were used. In this thesis the results of those comparisons should be
reproduced with operational radiosonde data. There were two different approaches used to achieve
this. First the change of instruments was used to compare two different radiosonde types. The time
period before the change gets compared with the period after the change. Another approach was to
compare different radiosonde stations with different radiosonde types in use. For this comparison,
instead of observed temperatures, background departures were used. The ERA5 and the JRA55 reanalysis
were used as the background.
Many of the experimental results could be confirmed with the use of operational data. Especially
at the upper levels, the comparisons showed big differences in the mean background departures of
some radiosonde types. One reason for this is the solar radiation error. This radiation error can be
seen in both, the data of the experimental comparisons and the operational data. Also, the comparison
showed that the mean background departures have a regional effect. The position of radiosonde
stations is relevant even though we are using background departures
Verkündigungsrecht und neue Medien
Die Geschichte des Kirchenrechts war immer eng verknüpft mit den jeweiligen technischen
Neuerungen Ihrer Zeit, doch in kaum einem anderen Bereich hatten diese eine größere
Auswirkung als im Bereich des Verkündigungsrechts. Um die Menschen mit den Botschaften
des Evangeliums zu erreichen, musste die Kirche, die Ihnen zur Verfügung stehenden Medien
nutzen. In der Antike war dies der Marktplatz, an welchem Paulus die christlichen Botschaften
verkündete, am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit der Buchdruck. Im 20. Jahrhundert,
führten der technische Fortschritt und die Erfindung von Massenmedien wie Radio und
Fernsehen, aber in weiterer Folge auch Telekommunikation und Sattelitentechnologie auch
im Kirchenrecht zu neuen Normen, Dekreten und Instruktionen. Das Internet und die Social
Media Plattformen läuteten als weitere Kulturrevolution, auch im Bereich des
Verkündigungsrechts eine neue Epoche ein. Die päpstlichen Botschaften von Benedikt XVI und
Franziskus, thematisieren dies und betonen die damit verbundenen Aufgaben an die Kirche
und alle Gläubigen, jedoch findet sich bis dato noch wenig konkrete Gesetzgebung zu
diesem Thema. Die praktische Umsetzung dieses Auftrages, unter Einhaltung der
kirchenrechtlichen Rahmenbedingungen, so haben insbesondere die Fallstudien im Zuge
dieser Arbeit gezeigt, ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Es gilt
daher, die kanonischen Rahmenbedingungen des CIC 1983, unter Einbeziehung der
Pastoralinstruktionen, sowie der jeweiligen (über)staatlichen Gesetzgebung einzuhalten und
dennoch die neuen Medien, die digitalen Plattformen proaktiv zu nutzen und die Chancen
für die Verkündigung bestmöglich wahrnehmen zu können. Das Internet werde
gewissermaßen zum ,,Areopag‘‘ der Gegenwart, in welchem die Kirche, in Anlehnung an
Paulus, die Botschaften verkündigen sollte. Die Beantwortung der Forschungsfrage,
welche die Vereinbarkeit des Verkündigungsrechts mit der proaktiven Nutzung der neuen
Medien erörtern soll hat gezeigt, dass jenseits der bloßen Einhaltung von kanonischen
Rahmenbedingungen, die katholische Kirche, sowie alle ihre Mitglieder, aus den
theologischen Ursprüngen heraus verpflichtet ist, sich auch in den Dienst des Internets zu
stellen und dieses sowohl als Medium als auch als Raum zu nutzen. Dies erfordert jedoch
eine Abstimmung aus adäquaten Vorgaben und Kontrollmechanismen und einem
proaktiven Engagement auf allen Kanälen der neuen Medien, um die Chancen
wahrnehmen zu können und das Internet zu einem (digitalen) Abbild der Kirche selbst zu
formen
A synoptic visualization framework for artwork collection data and artist biographies
Diese Arbeit entwickelt und synthetisiert Visualisierungsmethoden zur Unterstützung der Wissensgenerierung und Wissenskommunikation in zwei historiografischen The-menfeldern. Zum einen werden Visualisierungsansätze für Kunstsammlungen unter-sucht. Zum anderen werden Visualisierungsansätze für Biografiedaten unter besonde-rer Berücksichtigung von Künstlerbiografien studiert. Während beide Themenfelder in letzter Zeit eine deutliche Zunahme von digitalen Forschungsanstrengungen zu ver-zeichnen haben, so erfordern sie darüber hinaus eine systematische Entwicklung auf mehreren Ebenen. Erstens ist eine Dokumentation von Visualisierungsoptionen erfor-derlich, um verfügbare Darstellungsmöglichkeiten zu versammeln und kritisch zu be-werten. Zweitens sollte die vorhandene Vielzahl von visuell-analytischen Techniken durch produktive Synthesen verbunden werden, um feldspezifische Visualisierungs-systeme zu schaffen, die entsprechende Arbeiten mit multiplen analytischen Perspekti-ven unterstützen. Drittens argumentiert diese Arbeit für die Relevanz der Darstellung von historiografischem Kontext. Sie entwickelt zu diesem Zweck Entwürfe, um die Werke und Biografien von kulturellen Akteuren in Beziehung zu setzen – und beide in die polykontextuellen Umgebungen von größeren historiografischen Bildern zu integrieren.This thesis surveys, synthesizes and develops visualization methods for the support of knowledge creation and communication in two historiographic subject areas. On the one hand, it explores visualization approaches to artwork collections. On the other hand, it investigates visualization approaches to biography data with specific regard to artist biographies. While both fields of study have seen a substantial increase of digital research endeavors lately, they arguably require a systematic development effort on multiple levels. Firstly, a documentation of visualization options is needed to assemble and critically assess available representation techniques. Secondly, the existing multi-tude of techniques have to be connected by productive syntheses, to create domain-specific visualization systems supporting scholarly inquiry with multiple analytical perspectives. Thirdly, the thesis argues for the relevance of representing historiograph-ical context. It develops designs to mutually contextualize the works and lives of his-torical cultural actors—and to situate both in the polycontextual environments of big-ger historiographic pictures