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Eine prekäre Theorie der Fürsprache: Zur negativistischen Rehabilitation einer ethischen Praxis
Praktiken der Fürsprache bilden eine vielfach geübte, zugleich aber theoretisch wenig beachtete Form des Sprechens für Andere vor Dritten. Die vorliegende Studie entwickelt eine sozialphilosophische Theorie der Fürsprache im Anschluss an Emmanuel Levinas. Fürsprache wird dabei als eine ambivalente Form advokatorischer Vermittlung begriffen, die wir nicht nicht wollen können. Die philosophische Grundlegung eröffnet Anschlussmöglichkeiten für angrenzende Disziplinen wie Politik-, Sozial- und Erziehungswissenschaften
Generierung, Empfehlung und Bewertung von Feedback für Aufgaben des Typs Self-Assessment in einer digitalen Lernumgebung
Feedback ist ein zentraler Bestandteil des Lernprozesses, insbesondere bei der Bearbeitung von Aufgaben. Allerdings ist nicht jedes Feedback für alle Lernenden gleich wirksam, da diese sich in ihren Diversitätsmerkmalen und Bedürfnissen unterscheiden. Während Lehrende individuelles Feedback geben können, ist dies bei einer großen Anzahl von Lernenden nicht praktikabel. Digitale Lernsysteme bieten hier eine skalierbare Lösung, doch auch hier bleibt die Herausforderung, Feedback adaptiv und personalisiert zu gestalten. Bisherige Ansätze liefern oft statisches Feedback und berücksichtigen nicht alle Diversitätsmerkmale. Zudem ist automatisiertes Feedback in digitalen Lernumgebungen oft auf vordefinierte Problemsituationen beschränkt, was bei unerwarteten Konflikten oder Missverständnissen zu unzureichendem Feedback führt. Ziel dieser Arbeit war die Entwicklung eines prototypischen Systems (SAFRAN), das adaptives, individuelles Feedback für Self-Assessment-Aufgaben generiert und bereitstellt. Das System unterstützt zudem den aufgabenbezogenen Dialog zwischen Lernenden, Lehrenden und Peers, der sowohl Lernenden bei der Aufgabenbearbeitung als auch Lehrenden bei der Verbesserung ihrer Aufgaben hilft. Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden ein mehrstufiger Ansatz verfolgt, ein Lösungskonzept entwickelt und prototypisch implementiert. Die Validierung erfolgte durch funktionale Tests und Analysen der Nutzungsakzeptanz. Die Ergebnisse zeigen, dass SAFRAN alle 17 definierten Anforderungen erfüllt und sich durch eine nahtlose Integration von automatischem und manuellem Feedback, flexible Dialogkanäle und adaptive Unterstützung auf Basis von Diversitätsmerkmalen auszeichnet. Im Vergleich zu anderen Systemen bietet SAFRAN eine ganzheitliche Lösung, die sowohl die Bedürfnisse der Lehrenden als auch der Lernenden berücksichtigt. Die Nutzung von SAFRAN in einem Fernlehr-Kurs führte zu einer signifikanten Steigerung der Aufgabenbearbeitung und einer hohen Nutzungsakzeptanz. Trotz dieser Erfolge gibt es Limitationen, wie die begrenzte Generalisierbarkeit der Ergebnisse und die Notwendigkeit weiterer Forschung zur Effektivität und Akzeptanz von KI-generiertem Feedback sowie Community-basiertem Feedback. Zukünftige Studien sollten diese Aspekte untersuchen, um die Wirksamkeit und Übertragbarkeit des Systems zu verbessern. Insgesamt liefert SAFRAN wertvolle Erkenntnisse für die Gestaltung digitaler Lernumgebungen und die Bereitstellung von adaptivem, individuellem Feedback. Der Lösungsansatz eignet sich auch für andere interaktive Systeme, in denen Nutzer durch Unterstützer (first-level Support) bei der Systemnutzung unterstützt werden. Hier könnte bidirektionales Feedback analog sowohl zur Unterstützung der Nutzer als auch zur Qualitätsverbesserung des Systems eingesetzt werden
Verzahnte Orientierungsangebote zur beruflichen und akademischen Ausbildung: Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung zum Modellvorhaben VerOnika
Nach Verlassen des allgemeinbildenden Schulsystems stehen insbesondere hochschulzugangsberechtigten Schulabsolvent*innen diverse hochschulische sowie berufliche Bildungsgänge offen. Sowohl in der hochschulischen als auch in der beruflichen Bildung deuten jedoch relativ hohe Abbruch- bzw. Vertragslösungsquoten darauf hin, dass nicht alle jungen Menschen gleich im ersten Anlauf den für sie passenden Bildungsweg finden. Vor diesem Hintergrund entstand daher im Austausch zwischen der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie der Handwerkskammer Berlin die Idee der sogenannten verzahnten Orientierungsangebote zur beruflichen und akademischen Ausbildung, die hochschulzugangsberechtigten Personen authentische Einblicke sowohl in ein Hochschulstudium als auch in eine berufliche Ausbildung bieten und so eine erfahrungsbasierte Bildungsentscheidung ermöglichen sollen. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Modellvorhabens „VerOnika" konnten solche verzahnten Orientierungsprogramme im Zeitraum Dezember 2019 bis September 2023 erstmalig an drei Standorten in Deutschland entwickelt und erprobt werden. Wissenschaftlich begleitet wurde diese erste Projektphase des Modellvorhabens durch das Lehrgebiet Lebenslanges Lernen der FernUniversität in Hagen. Die vorliegende Publikation stellt Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Begleitung vor
Multicore Rapid: Erweiterung eines nativen Idris 2 Compilers und Laufzeitumgebung für parallele Ausführung
This thesis covers the extension of the existing Rapid codebase to support native compilation of Idris programs which can make full use of multiple processor cores. After giving an outline of the current architecture I describe the required changes to the compiler and runtime system. Idris is a high-level, general purpose, functional programming language supporting dependent and linear types, focusing on fast compilation and execution. Dependent types are a promising approach for several use cases, from increasing confidence in the correctness of selected code sections to formally verified proofs of complete programs. Rapid is a compiler backend plugging into the main Idris compiler, capable of generating native machine code and aiming for full compatibility with existing programs written in Idris. Rapid’s runtime system provides the generated code with interfaces to the OS and includes a generational tracing garbage collector for automatic memory management. Performance measurements of CPU-bound workloads indicate good efficiency at thread counts typical for personal computing devices. While the marginal performance gains decrease with higher core counts, opportunities for further improvements are presented
Bindungswirkung der Patientenverfügung
Die vorliegende Arbeit untersucht die rechtliche Verbindlichkeit von Patientenverfügungen im Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmungsrecht, ärztlicher Verantwortung und Rechtssicherheit. Nach einer Klärung der gesetzlichen Grundlagen und einer Abgrenzung zu verwandten Konstrukten wie Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung und Ehegattennotvertretungsrecht werden die formalen und inhaltlichen Voraussetzungen einer wirksamen Patientenverfügung herausgearbeitet. Im Zentrum steht die Analyse der Bindungswirkung: Eine Patientenverfügung entfaltet nur dann unmittelbare Wirkung, wenn die beschriebenen Behandlungssituationen und medizinischen Maßnahmen hinreichend bestimmt sind. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, wie mit widersprüchlichem Verhalten einwilligungsunfähiger Patienten umzugehen ist und inwieweit dieses die Durchsetzbarkeit der Verfügung beeinflusst. Zudem werden die rechtlichen Folgen einer Missachtung der Patientenverfügung erörtert, wobei aufgezeigt wird, dass ein Weiterleben gegen den erklärten Willen keinen Schadensersatzanspruch begründet, die Verfügung jedoch gleichwohl Ausdruck des verfassungsrechtlich geschützten Selbstbestimmungsrechts bleibt. Insgesamt verdeutlicht die Arbeit, dass Patientenverfügungen zwar eine rechtlich bindende Entscheidungsmacht verleihen, ihre praktische Wirksamkeit jedoch durch formale Anforderungen, Konkretisierungsgebot und Konfliktlagen in der Umsetzung begrenzt sein kann
International Environmental Agreements Under Damage Sensitivity
Ziel der Arbeit ist die kritische Analyse von Resultaten aus der aktuellen ökonomischen Literatur von H. Eckert und B. Nkuiya, "Damage sensitivity and stability in international environmental agreements", in: Oxford Economic Papers, Bd. 74, Nr. 4, 1063-1076 (2022) zum Einfluss der Schadenssensitivität auf die Stabilität von Koalitionen bei internationalen Umweltabkommen. Die Ergebnisse der Computersimulationen der Autoren werden durch Ergänzung der in ihrer Veröffentlichung nur unvollständig angegebenen Algorithmen repliziert. Es wird jedoch nachgewiesen, dass ihre Berechnungen aufgrund von Zahlendarstellungsungenauigkeiten unzulänglich sind. Die Neuberechnung mittels geeigneter Computerverfahren mit ausreichend hoher Genauigkeit widerlegt die Kernaussagen der Originalarbeit und erbringt den Nachweis, dass steigende Sensitivität ceteris paribus der Stabilität von größeren Koalitionen abträglich ist. Eine Erweiterung des Modells der variablen Schadenssensitivität um Anpassungsbemühungen an den Klimawandel und die Durchführung von Computersimulationen zeigen, dass eine alle Länder umfassende, große Koalition auch bei Schadensfunktionen mit überlinearem Grenzschaden stabil sein kann, ceteris paribus jedoch die weitere Erhöhung der Schadenssensitivität wiederum negativ auf die Stabilität von Kooperationen wirkt
Stereotype, ihre Messung und ihre Konsequenzen im fernuniversitären Kontext
Stereotypes as generalized beliefs about social groups are widespread and rooted in human cognition. They are furthermore particularly likely to be activated in online settings. Higher distance education offers temporal and spatial flexibility and therefore attracts many student groups that are underrepresented in traditional universities. Although stereotypes are particularly likely to be activated in online settings and some groups that are overrepresented in higher distance education are negatively stereotyped in general society, no research has yet examined stereotypes in higher distance education. Stereotype research usually distinguishes between perceivers (stereotyping group) and targets (stereotyped group) of stereotypes. On the perceivers’ side, stereotypes about targets can be associated with prejudice and discrimination dependent on the content of a stereotype. On the targets’ side, social identity threat (i.e., concern that is triggered when negative stereotypes threaten the positive image of one’s own group or when devaluation or stigmatization of the own group is present) can additionally impair negatively evaluated groups. Numerous studies have focused on performance-related impairments due to social identity threat but no research yet investigated the growing topic of social consequences of social identity threat (i.e., reduced belonging, social approach motivation) in higher distance education. Especially in an educational setting that has the potential to reduce group-based educational disparities like higher distance education, negative consequences of stereotypes on the perceivers’ and the targets’ side are essential to be investigated which is therefore the overarching goal of the present dissertation. As a first step, relevant groups and the stereotypes about these groups were identified to understand which groups are at risk for the subsequently investigated negative consequences of stereotypes on the perceivers’ side (research aim 1). Since the first research aim was pursued with a novel integrative approach, respective theoretical and methodological assumptions needed to be corroborated in further studies (research aim 2). Finally, the targets’ side was examined by comparing social identity threat between student groups and testing its predictions on the detrimental social consequences (research aim 3). Student groups at risk for negative stereotypes and the consequences of stereotypes on the perceivers’ and the targets’ side in higher distance education were identified. In detail, results regarding research aim 1 yielded that especially younger students and students with non-German native language as groups at risk for negative stereotypes in higher distance education and that especially competence-related stereotypes play a major role regarding prejudice and discrimination in this context. Research aim 2 was answered by yielding a high predictive value but partly context-specific effects of the applied approach to measure stereotypes and their consequences. Results related to research aim 3 revealed that students with chronic illness, students with disability, students with children, full-time employed students, and students with non-German native language report comparatively high values of social identity threat and that reduced belonging and reduced social approach motivation are indeed consequences of social identity threat in higher distance education. This dissertation comprehensively informs higher distance education researchers and practitioners about which groups are potentially affected by prejudice and discrimination on the one hand and social identity threat, reduced belonging, and reduced social approach motivation on the other hand. Interestingly, groups at risk for negative consequences on the perceivers’ and the targets’ side did not perfectly overlap. This emphasizes the importance of investigating both sides of consequences and precisely informs future intervention research
Fan-Fiction im Spannungsverhältnis zwischen Urheberrecht und Kunstfreiheit
Wem gehört Kultur? Es ist Aufgabe des Rechts, auf diese im Medienzeitalter zentrale Frage eine Antwort zu geben. Dabei müssen die kollidierenden Interessen der Betroffenen ausgeglichen werden: Auf der einen Seite wollen Künstler ihre bestehenden Werke vor Nachahmung und Entstellung schützen, auf der anderen Seite wollen Nutzer dieser Werke als sog. Prosumer selbst künstlerisch tätig werden und bestehende Werke nicht nur konsumieren, sondern sie als Inspiration für die Herstellung von Referenzkunst verwenden. Ziel dieser Arbeit ist es, das Phänomen Fan-Fiction als literarische Referenzkunst anhand der aktuellen Rechtslage in Deutschland und der Europäischen Union zu bewerten. Es wird aufgezeigt, dass Fan-Fiction in einem Spannungsverhältnis zwischen den im Urheberrecht zugunsten des Urhebers ausgestalteten Grundrechten Eigentumsgarantie und Urheberpersönlichkeitsrecht sowie den Grundrechten Kunstfreiheit und Informationsfreiheit des Fan-Fiction Autors steht. Anhand einer Herausarbeitung der verfassungsrechtlichen Grenzen dieser Grundrechte zeigt sich, dass das Urheberrecht bereits das Ergebnis praktischer Konkordanz durch den Gesetzgeber ist und die rechtliche Beurteilung von Fan-Fiction einer verfassungskonformen Auslegung im Einzelfall bedarf. Die daraus folgende Frage, ob Fan-Fiction im Einzelfall eine unzulässige Urheberrechtsverletzung oder eine zulässige Kunstausübung ist, wird anschließend anhand des deutschen Urheberrechtsgesetzes und der europäischen Richtlinie 2001/29/EG (InfoSoc-RL) untersucht. Dafür wird zunächst die Entstehung und das Erlöschen des Urheberrechts an Werkteilen des Originalwerks am Beispiel von Werktiteln, fiktionalen Begriffen, fiktionalen Figuren und handlungsspezifischen Elementen aufgezeigt. Anschließend wird untersucht, welche Verwertungsrechte und Urheberpersönlichkeitsrechte des Urhebers der Referenzkünstler durch die Herstellung von Fan-Fiction Werken verletzt. Die Untersuchung schließt ab mit einer Analyse der Anwendbarkeit von Schutzbereichsbegrenzungen und Schranken, welche dem urheberrechtlichen Werkschutz zugunsten von Fan-Fiction Grenzen setzen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem neuen Kriterium der Wiedererkennbarkeit in der EuGH Rechtsprechung und der freien Benutzung, der Zitatschranke sowie der neue Pastiche-Schranke des Urheberrechtsgesetzes. Die Untersuchung zeigt, dass die vom Bundesverfassungsgericht geforderte "kunstspezifischen Betrachtung" bei verfassungskonformer Auslegung des Urheberrechts ein wirksames Instrument darstellt, um der Kunstfreiheit von Fan-Fiction Autoren Geltung zu verschaffen. Die Arbeit schließt mit einer Darstellung der Rechtsfolgen für den Fan-Fiction Autor im Falle einer Verletzung des Urheberrechts an Originalwerken und einem Vorschlag von Lösungsansätzen
Das Kollisionsrecht von Schieds- und Gerichtsstandsvereinbarungen – Darstellung der anzuwendenden Kollisionsnormen des Vereinbarungsstatuts und ihrer Probleme
Die Arbeit untersucht die Kollisionsnormen, die für die Beurteilung der Wirksamkeit von Schieds- und Gerichtsstandsvereinbarungen mit Auslandsbezug relevant sind. Dabei wird analysiert, nach welchem Recht ein Gericht die Wirksamkeit einer solchen Vereinbarung prüft (Vereinbarungsstatut). Schiedsvereinbarungen ermöglichen es den Parteien, staatliche Gerichtsbarkeit auszuschließen und private Schiedsgerichte anzurufen. Dreh- und Angelpunkt hinsichtlich der Frage des anwendbaren Rechts bei der Beurteilung der Wirksamkeit der Schiedsvereinbarung ist das New Yorker Übereinkommen (UNÜ), dem 172 Vertragsstaaten angehören. Daneben existieren weitere Abkommen, die jedoch zu sehr ähnlichen Ergebnissen führen. Deutsche Gerichte stellen, wenn es keine explizite Rechtswahl für die Schiedsvereinbarung gibt, zumeist auf das Recht des Hauptvertrags als konkludente Rechtswahl ab, es sei denn, es gibt Anhaltspunkte für eine andere Rechtswahl. Demgegenüber legen Gerichtsstandsvereinbarungen die Zuständigkeit eines bestimmten staatlichen Gerichts fest. Wesentliche Rechtsquelle ist hier der Art. 25 der Brüssel Ia-Verordnung. Hinsichtlich der Formerfordernisse und der Frage der Einigung ergibt sich eine unmittelbare materiellrechtliche Regelung. Daneben existieren Aspekte, die auf Basis des Kollisionsrechts des Landes des vereinbarten Gerichts beurteilt werden. Weitere Aspekte sind gesondert anzuknüpfen. In dieser Arbeit wird herausgearbeitet, dass sowohl hinsichtlich Schiedsvereinbarungen, als auch hinsichtlich Gerichtsstandsvereinbarungen Probleme und Unklarheiten auftreten bei der Frage, nach welchem Recht die Wirksamkeit zu beurteilen ist, wenn keine explizite Rechtswahl getroffen wird. Zur Vermeidung von Rechtsunsicherheiten wird den Parteien daher empfohlen, eine Rechtswahl explizit für eine Schiedsvereinbarung bzw. eine Gerichtsstandsvereinbarung zu vereinbaren