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Lehrbericht 2010 – 2022: Lehrgebiet Mensch-Computer-Interaktion, FernUniversität in Hagen
Im Jahr 2020 hat die FernUniversität in Hagen eine Lehrstrategie verabschiedet, in der innovative Lehransätze als Leitziel für eine moderne Lehre vorgestellt werden. Die Strategie sieht diverse Maßnahmen vor, um die Umsetzung von Kriterien innovativer Lehr-/Lernkonzepte zu unterstützen, wie etwa ein zeitlich und örtlich flexibles Lernen, eine Selbstlern-Erfolgskontrolle für Studierende oder die Möglichkeit, Prüfungen und Prüfungsvorleistungen online erbringen zu können. Im letzten Jahr wurden des Weiteren Handreichungen des Rektorats zur Anwendung der Lehrverpflichtungsverordnung NRW an der FernUniversität herausgegeben, in denen weitere, konkrete Kriterien für modernes E-Learning, insbesondere für asynchrone Lehre, spezifiziert werden. Diese beiden Papiere haben Anlass gegeben, ein Resümee der Lehre am Lehrgebiet Mensch-Computer-Interaktion seit seiner Gründung im Jahr 2010 bis heute zu ziehen. Die vom Rektorat in den genannten Dokumenten vor drei Jahren bzw. im letzten Jahr als Zielvorgabe definierten Kriterien innovativer Lehransätze werden weitgehend von den vom Lehrgebiet Mensch-Computer-Interaktion vor 12 Jahren in die Lehre der FernUniversität eingeführten Lehr-/Lern-Formaten erfüllt. Zum damaligen Zeitpunkt waren diese Formate mindestens in der am Lehrgebiet Mensch-Computer-Interaktion umgesetzten, umfassenden Ausgestaltung auch deutschlandweit einzigartig. Diese Ausgestaltung wird im vorliegenden Bericht näher dargestellt. Die Nachhaltigkeit der Lehrkonzepte reflektiert sich in den Studierenden-Evaluationen und -Feedbacks, in Nominierungen durch die Studierenden für den Lehrepreis der FernUniversität, aber auch in persönlichen Erfolgen der Studierenden bei der Anwendung des erlernten Wissens in Abschlussarbeiten, die in Publikationen mündeten und die mitunter sogar auf internationalen Konferenzen ausgezeichnet wurden. Ziel dieses Berichtes ist einerseits, der Öffentlichkeit über die geleistete Arbeit im Bereich der Lehre im Sinne der Lehrverpflichtungsverordnung NRW Rechenschaft abzulegen. Andererseits wird davon ausgegangen, dass die im Bericht enthaltenen Informationen für all diejenigen von Nutzen sein können, die die Umsetzung großangelegter, nicht-trivialer, digitaler Lehr-/Lern-Formate für verschiedene Lehrveranstaltungstypen und mit diversen, modernen Werkzeugen planen. Insbesondere die Abschätzungen des jeweiligen Arbeitsaufwandes für die erstmalige Einrichtung verschiedener Lehrveranstaltungsformate sowie für die jeweilige Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung einer Lehrveranstaltung in jedem Semester können wertvolle Anhaltspunkte für die Personaleinsatz- und Kosten-Planung liefern. Das Lehrgebiet Mensch-Computer-Interaktion wird seit seiner Gründung zu 100% aus öffentlichen Mitteln finanziert. Mit der Veröffentlichung dieses Berichtes ist die Absicht verbunden, durch die Weitergabe des Wissens, das über einen Zeitraum von 12 Jahren beim Entwickeln, Erproben, Einsetzen, Reflektieren und Verbessern neuer Lehr-/Lern-Methoden erlangt wurde, der Öffentlichkeit etwas zurückzugeben
„Strenge Wissenschaft“ des „europäischen Menschentums“: Postkoloniale Phänomenologie nach ihrem Eurozentrismus
Expertise – Bots – Fernlehre. Eine gelungene Kombination?: Eine Design-Based-Research-Studie zur Förderung vom Adaptive Expertise durch den Einsatz eines Educational Bots in der Fernlehre
Die Hochschulbildung hat den Auftrag Studierende auf eine Berufstätigkeit vorzubereiten. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Berufswelt ist es von großer Bedeutung, dass Studierende in der Lage sind, Fähigkeiten dynamisch anzupassen. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, sollte die dynamische Anpassung von Fähigkeiten in die Lehre integriert werden. Vor diesem Hintergrund wird Adaptive Expertise (AE) als Konzept für die dynamische Anpassung verwendet. AE beschreibt die Fähigkeit, Problemlösungsfähigkeiten auf unbekannte Situationen zu übertragen und anzupassen, und ist somit in einer dynamischen Arbeitsumgebung von großer Bedeutung. Diese Arbeit zielt darauf ab, die Vermittlung von AE in der Fernlehre, als spezielle Form der Hochschulbildung, zu untersuchen und mögliche Lösungsansätze zu entwickeln. Da die Fernlehre durch räumliche und zeitliche Trennung der Akteure gekennzeichnet ist, erfordert sie den Einsatz vermittelnder Medien. Diese Mittelbarkeit der Kommunikation stellt eine methodische Herausforderung dar, da sie die Vermittlung impliziten Wissens erschwert. Educational Bots haben das Potenzial, zeit- und raumunabhängig Studierende zu unterstützen, weshalb sie in dieser Studie als Medium gewählt werden. In den Educational Bot die didaktischen Modelle des Learning-by-Teaching Ansatz mit Productive Failure kombiniert im Bot eingesetzt, um individuelle Reflexionsprozesse zu fördern. Aufgrund dessen befasst sich die Studie mit zwei Hauptfragestellungen: Erstens wird untersucht, ob die Kombination von Learning-by-Teaching und Productive Failure die Entwicklung von AE fördern kann. Zweitens werden Merkmale herausgearbeitet, die aus Sicht von Studierenden für den erfolgreichen Einsatz von Bots im Fernunterricht förderlich sind. Als Grundlage für den Forschungs- und Entwicklungsprozess wurde ein Design-Based-Research-Ansatz gewählt, der die Prozesse der didaktischen Entwicklung mit empirischer Forschung verbindet. Dieser Ansatz wurde durch einen explanativen Mixed-Methods-Ansatz erweitert, bei dem zwei quantitative und eine qualitative Teilstudie durchgeführt wurden. Zur Messung wurden ein quantitativer Selbsteinschätzungsfragebogen, Mind-Maps und qualitative Interviews als Instrumente eingesetzt. Die Teilstudien wurden zunächst separat ausgewertet und anschließend zur Beantwortung der Hauptfragestellungen zusammengeführt
Digitale Bildung zwischen Erfahrungssinn und Entzogenheit. Interaktion im Lernraum Online-Konferenz
Die Überwachung erheblicher Auswirkungen der Durchführung von Raumordnungsplänen auf die Umwelt – rechtliche Vorgaben und aktuelle Praxis in der Landes- und Regionalplanung in Deutschland
Seit der Umsetzung der SUP-RL in nationales Recht ist die Strategische Umweltprüfung integrativer Bestandteil von öffentlichen Verfahren zur Aufstellung und Änderung von bestimmten Plänen und Programmen. Für alle Raumordnungspläne, deren Aufstellung nach dem 20. Juli 2004 förmlich eingeleitet worden war, muss seitdem eine Strategische Umweltprüfung (SUP) nach den Vorgaben des Raumordnungsgesetzes (ROG) durchgeführt werden. Die Verpflichtung zur Überwachung der erheblichen Auswirkungen der Durchführung von Raumordnungsplänen auf die Umwelt hat mit der Einführung der SUP Eingang in das deutsche Raumordnungsrecht gefunden und ist in § 8 Abs. 4 ROG normiert. Die Überwachung der erheblichen Auswirkungen von Plänen und Programmen auf die Umwelt wurde wissenschaftlich bisher kaum betrachtet. Insbesondere lagen bis dato keine Erkenntnisse darüber vor, wie dem gesetzlichen Auftrag des § 8 Abs. 4 ROG in der Praxis durch die hierfür zuständigen Stellen entsprochen wird. Mit der vorliegenden Masterarbeit konnte diese Forschungslücke geschlossen werden, indem die für die Überwachung zuständigen Stellen in Deutschland mithilfe eines hierfür entwickelten strukturierten Fragebogens zu zahlreichen Aspekten ihrer Überwachungspraxis befragt wurden. Zur fachlichen Vertiefung der Ergebnisse der durchgeführten Befragung und zur besseren Einordnung dieser wurden zudem zwei Experteninterviews geführt. Auf der Grundlage der hierdurch gewonnenen Erkenntnisse wurde ein Kurzleitfaden zur praktischen Unterstützung der für die Überwachung zuständigen Stellen entwickelt. Die Ergebnisse der Befragung und die geführten Experteninterviews bestätigen, dass die Überwachung der erheblichen Auswirkungen der Durchführung von Raumordnungsplänen auf die Umwelt in der Planungspraxis noch längst nicht bei allen zuständigen Stellen vollständig angekommen ist. Bei der Vorbereitung, der Durchführung sowie der Auswertung der Ergebnisse der Überwachung wird von den zuständigen Stellen äußerst unterschiedlich vorgegangen. Es bestehen zudem zahlreiche Unsicherheiten und Hemmnisse. Der für die Ebene der Raumordnung unpassend vorgegebene gesetzliche Gegenstand sowie der nicht zielführende Zweck der Überwachung konnten im Ergebnis dieser Arbeit als die wesentlichen die Durchführung der Überwachung hemmenden Faktoren herausgearbeitet werden. Für alle identifizierten Hemmnisse wurden Lösungsansätze zu deren Überwindung entwickelt
Machiavellismus: Bedeutung für Rezeption und Produktion von Fehlinformationen sowie für Bullying und Cyberbullying
Eine Vielzahl von Studien befasste sich mit den interpersonellen und intrapersonellen Korrelaten des antagonistischen Persönlichkeitsmerkmals Machiavellismus. Dieses wurde abgeleitet aus den Schriften des Renaissance-Philosophen und -Politikers Niccolò Machiavelli. Machiavelli empfahl unter anderem die Anwendung manipulativer Verhaltensweisen für eigene Ziele und die Ablehnung fester moralischer Werte. Gleichzeitig nahm er an, dass alle Menschen von egoistischen und böswilligen Motiven getrieben seien, was Misstrauen und Skepsis bezüglich der menschlichen Natur im täglichen Leben rechtfertige. Machiavelli behandelte in seinen Schriften insbesondere Empfehlungen zur Herstellung und Sicherung eigener Machtpositionen und hob den besonderen Wert strategischen Handelns hervor. Demnach führt kluges und unauffälliges Handeln zu Erfolg. Die psychologische Forschung zu Machiavellismus fußt seit jeher direkt oder indirekt auf einem nach heutigen Standards kritikwürdigen Messinstrument, der Mach IV-Skala. Diese weist unter anderem Probleme mit der inhaltlichen Struktur, Itemformulierungen, der Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Gruppen und der Konstruktvalidität auf. In Studie 1 dieser Dissertation wurde daher ein neuartiges, zweidimensionales Instrument zur reliablen, faktoranalytisch differenzierten, geschlechtsinvarianten und im Sinne relevanter Korrelate konstruktvaliden Messung von Machiavellismus entwickelt und erprobt. Der inhaltliche Fokus lag — den in Machiavellis Schriften propagierten Motiven zur Machtakquise und -Verteidigung folgend — auf solchen Kognitionen und Verhaltensweisen, die die eigene egoistische Zielerreichung gewährleisten (Machiavellian Approach) oder das Erleiden unerwünschter Zustände vermeiden sollen (Machiavellian Avoidance). In zwei Teilstudien (beide Ns = 500, 79% Frauen) wurde die Angemessenheit der zweifaktoriellen Struktur, die Messinvarianz und die Konstruktvalidität des Machiavellian Approach and Avoidance Questionnaire gezeigt. So zeichnet etwa Machiavellian Approach für die Suche nach Macht verantwortlich, während Machiavellian Avoidance affektive Kriterien sowie physische Aggressionsneigung erklärt. In Studie 2 (N = 525, 72% Frauen) wurde geprüft, ob diese beiden neu entwickelten Facetten von Machiavellismus mit der Verbreitung unterschiedlicher Arten trügerischer Fehlinformationen zusammenhängen (sogenannter Bullshit). Die Produktion von Bullshit kann dazu dienen, erwünschte Zustände zu erreichen (etwa andere vom eigenen Standpunkt zu überzeugen [persuasives Bullshitting]) oder unerwünschte Zustände abzuwenden (etwa durch das „Herausreden“ aus einer misslichen Situation [evasives Bullshitting]). Demnach korrespondieren die Motive und Ziele zur Produktion von Bullshit mit den in Studie 1 skizzierten Motiven von Machiavellismus. Positive Zusammenhänge zwischen Machiavellian Approach (Avoidance) mit persuasivem (evasivem) Bullshitting untermauerten dies. Aufgrund ihrer vorsichtigen, sozialskeptischen und verlustaversiven Konzeption fand sich zudem, dass Machiavellian Avoidance mit einer besseren Differenzierung von Bullshit und Nicht-Bullshit assoziiert war. Diese Effekte zeigten sich unabhängig davon, ob für kognitive Fähigkeiten kontrolliert wurde. Studie 3 prüfte, ob Machiavellian Approach und Machiavellian Avoidance für unterschiedliche Arten von Bullying und Cyberbullying in weiterführenden Schulen verantwortlich zeichnen und ob die Ausübung dieser aversiven, intentional und repetitiv durchgeführten Verhaltensweisen durch entmenschlichende Kognitionen vermittelt werden. In einer Adoleszenten-Stichprobe (N = 634, 54% Mädchen) zeigte sich, dass Machiavellian Approach gemäß seiner manipulativen Konzeption vor allem relationales Bullying, aber nicht relationales Cyberbullying, vorhersagte (z.B. Schädigung der Reputation einer Person und Verbreitung von Gerüchten). Gleichzeitig erklärte Machiavellian Avoidance gemäß seiner emotional dysregulierten Konzeption physisches (z.B. Schlagen und Treten) und verbales (z.B. Beleidigen) (Cyber-)Bullying. Alle Zusammenhänge wurden mindestens partiell durch offene Entmenschlichung mediiert. Die Arbeit schließt mit dem Aufruf an nachfolgende Forschung, die ökologische Validität der Datenerhebung bei Studien zu Machiavellismus stärker zu berücksichtigen, da situative Merkmale bei diesem Konstrukt besonders relevant sind. Ferner sollte verhaltensbezogenen Messungen von Kriterien mehr Beachtung geschenkt werden
Die Entwicklung einer Unterrichtsreihe zum antiken Rom: Eine Design-Based Research Arbeit im gymnasialen Geschichtsunterricht der sechsten Jahrgangsstufe
Das Ziel dieser Arbeit ist das theoretische und praktische Verständnis des Geschichtsunterrichts zu erweitern. Diese Arbeit wurde im Sinne von Design-Based Research als strukturierende Forschungsmethodologie konzipiert, durchgeführt und textlich gestaltet. Der Kern dieser Design-Based Research Arbeit war die Entwicklung einer Unterrichtsreihe zum antiken Rom als Prototyp in iterativen Zyklen gemeinsam mit Praktiker:innen in authentischen Umgebungen. Die Komplexität des Kontextes von Schule, Unterricht und Geschichtsunterricht machte es notwendig, die gesamte Arbeit, aber insbesondere die Entwicklung des Prototyps, multidisziplinär anzulegen. In Design-Based Research ist die Gestaltungsfrage als Orientierung für die gesamte Arbeit vorgesehen. In dieser Arbeit lautet die Gestaltungsfrage: Wie kann eine Unterrichtsreihe des gymnasialen Geschichtsunterrichts der sechsten Jahrgangsstufe unter medien- und geschichtsdidaktischen Kriterien unter Berücksichtigung der beeinflussenden Faktoren entwickelt werden? In zehn Gestaltungsprinzipien werden die Gestaltungsfrage beantwortet und die empirischen Erkenntnisse zur Gestaltung des gymnasialen Geschichtsunterrichts der sechsten Jahrgangsstufe erweitert. Weitere Informationen finden Sie unter henninghost.deThe goal of this work is to expand the theoretical and practical understanding of teaching history. This work was designed, conducted, and written following the principles of Design-Based Research as a structuring research methodology. The core of this Design-Based Research project was the development of a teaching series on Ancient Rome as a prototype in iterative cycles, in collaboration with practitioners in authentic environments. The complexity of the context of schools, teaching, and history education made it necessary to approach the entire project, particularly the development of the prototype, in a multidisciplinary way. In Design-Based Research, the design question serves as a guiding principle for the entire work. In this study, the design question is: How can a teaching series for history teaching in the 6th grade of high school be developed according to media and history didactics criteria, while considering the influencing factors? Ten design principles answer this question and expand the empirical findings for designing history education in the 6th grade of high school. For more information, please visit henninghost.de