University of Hildesheim
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Gefühlserleben bei der Informationssuche im Internet: Eine qualitative Studie zur Individualität und Alltäglichkeit der Sucherfahrung
Feelings influence human behavior, i.e. through motivating toward action, evaluating past events and shaping social interaction. During the activity of online searching, feelings as subjective perceptions also play a vital role and are consequently investigated within the field of information-seeking behavior. The present dissertation lies within the discipline of information science and aims to broaden the understanding of the searchers’ feelings and to pull constructive implications from the findings. The central question that motivates this research is, how searchers emotionally experience online information searches and which causes and conditions they consider as significant for their emotional experience during the search. To answer this question, a methodological framework, that differs from common approaches in this field, is used: Grounded Theory Methodology. Its principles of asking questions and making comparisons lead to a theory that is interpretative and at the same time grounded in empirical phenomena. Semi-structured interviews with young adults from the US and Germany serve as the data basis. The interviewees portray their impressions and perceptions during an online search which they conducted immediately before the interview and which was motivated through their own information need. Firstly, the results of the present study demonstrate that the individual search topics have a strong influence on the searchers’ feelings. Secondly, it is shown that those feelings that refer to the activities within the search process are surprisingly less pronounced, because the online search is considered a routine activity. As a result of these findings, the current study formulates recommendations for improving support for searchers and for future research on an affective level during web searches.Gefühle beeinflussen das menschliche Verhalten, indem sie beispielsweise zu bestimmten Handlungen motivieren, vergangene Erlebnisse bewerten und die soziale Interaktion prägen. Auch bei der Aktivität der Internetsuche spielen Gefühle als subjektive Empfindungen eine wichtige Rolle, sodass sie im Fachgebiet Information Seeking Behavior erforscht werden. Die vorliegende Arbeit ist in der Disziplin der Informationswissenschaft verortet und zielt darauf ab, das Wissen über die Gefühle der Suchenden zu erweitern und daraus konstruktive Schlussfolgerungen zu ziehen. Sie geht der Frage nach, wie die Informationssuche im Internet emotional erlebt wird und welche Bedingungen und Ursachen die Suchenden als bedeutsam für ihr emotionales Erleben bei der Onlinesuche betrachten. Um dies zu erforschen, wird ein methodologischer Rahmen verwendet, der sich diesem Thema auf ganz andere Art annähert, als bisherige Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet: Die Grounded Theory-Methodologie. Durch deren Prinzipien des Fragenstellens und Vergleichens entsteht eine Theorie, die gleichzeitig interpretierend als auch empirisch fundiert ist. Als Datengrundlage dieser Theorie dienen Leitfadeninterviews, in denen junge Erwachsene aus den USA und Deutschland ihre Eindrücke und Empfindungen bei der Internetsuche schildern. Die Teilnehmenden beziehen sich dabei auf eine unmittelbar vor dem Interview durchgeführte Internetsuche, in der sie durch ein eigenes Informationsbedürfnis angeleitet wurden. Als Ergebnis der Studie zeigt sich zum einen, wie stark die individuellen Suchthemen die Gefühle der Suchenden beeinflussen. Zum anderen ergibt die Untersuchung, dass diejenigen Gefühle, die sich auf die Ausführung der Suche beziehen, erstaunlich gering ausgeprägt sind, denn die Internetsuche wird als normale Routinehandlung empfunden. Aufgrund dieser Erkenntnisse zur Individualität und Alltäglichkeit der Sucherfahrung formuliert die vorliegende Arbeit Vorschläge für eine bessere Unterstützung der Suchenden und für die zukünftige Erforschung der affektiven Ebene bei der Onlinesuche
Millennial Memory Perspectives in Jewish American Fiction
This work is rooted in the fields of English Literary Studies, Cultural Studies, and Jewish American Studies. It examines memory representation in exemplary works published around the millennial change by third generation Jewish American writers Jonathan Safran Foer, Shalom Auslander, and Nicole Krauss. The focus lies on the latter’s work. Symbolic characters and objects connected to memory are discerned and analyzed in detail.Diese in englischer Sprache verfasste Dissertation fußt in den Feldern englische Literaturwissenschaft/Amerikanistik, Cultural Studies und Jewish American Studies. Sie untersucht die Repräsentation von Erinnerung in Werken von Jonathan Safran Foer, Shalom Auslander und Nicole Krauss, Mitgliedern der sogenannten third generation jüdisch amerikanischer SchriftstellerInnen, welche um den Millenniumswechsel publizieren. Der Fokus liegt auf Werken von Nicole Krauss. Symbolische Charaktere und Objekte, welche in Verbindung zu Erinnerung stehen, werden herausgearbeitet und im Detail analysiert
Entwicklungsregulation im Erwachsenenalter. Ein Forschungsprogramm zu den Lebenslagen von Eltern beeinträchtigter Kinder
Elternschaft zählt zu den normativen Herausforderungen im Erwachsenenalter. Besondere Anforderungen werden an Eltern beeinträchtigter Kinder gestellt. Es wird gezeigt, dass wichtige Ziele dieser Eltern in vielen Bereichen des Lebens irreparabel blockiert sind. Anliegen des vorliegenden Forschungsprogramms LEBen (Lebenslagen von Eltern besonderer Menschen) ist es, einen Anteil an der Beantwortung der Frage nach der Entwicklungsregulation durch Bewältigungskompetenzen bei dieser Gruppe von dauerhaft belasteten Erwachsenen zu leisten. Die Annahme, dass die Anwendung flexibler Anpassung (Brandtstädter, 2007c) im Umgang mit Zielblockaden einen positiven Einfluss auf die Aufrechterhaltung des Befindens von Eltern beeinträchtigter Kinder hat, wird geprüft. Zur empirischen Untersuchung der Entwicklungsregulation bei Eltern beeinträchtigter Kinder wurden fünf Fragebogenstudien durchgeführt: Studie 1 wurde im Frühjahr 2012 mit N = 126 Eltern beeinträchtigter Kinder erhoben. Studie 2 (Erhebungszeitraum Sommer 2013 bis Frühjahr 2014) repliziert in einem größeren Sample von N = 299 Eltern die Befunde aus Studie 1 und exploriert mit einem modifizierten Erhebungsinstrument die Lebenssituation der Eltern genauer. In Studie 3 wurden zur Replikation der Befunde zusätzlich N = 127 Eltern beeinträchtigter Kinder im Sommer 2014 im Online– Verfahren befragt. In Studie 4 wurden als Vergleichsgruppe (Erhebungszeitraum Sommer 2014) N = 273 Eltern von gesunden Kindern mit einem Online– Fragebogen erhoben. Studie 5 besteht aus einer Teilmenge von N = 70 Eltern aus Studie 2, die mit einem Abstand von ca. eineinhalb Jahren (Erhebungszeitraum Herbst 2014) längsschnittlich zu Veränderungen ihrer Lebenssituation befragt wurden. Die Befunde des Forschungsprogramms zeigen, dass Eltern durch die Beeinträchtigungen der Kinder belastet sind. Die Mittelwerte flexibler Zielanpassung unterscheiden sich bei Eltern beeinträchtigter und Eltern gesunder Kinder jedoch nicht. Allerdings zeigt sich, dass die Funktionalität adaptiver Bewältigungsressourcen bei Eltern beeinträchtigter Kinder einen größeren Wirkradius einnimmt und das Befinden bei stark belasteten Eltern im Sinne eines Moderationseffektes besonders zuverlässig puffert
Die Rittersturzkonferenz. Verkannt und vernachlässigt!
Die Rittersturz-Konferenz ist Ausdruck des Kalten Krieges und unmittelbare Folgeerscheinung westalliierter Maßnahmen. Bereits auf der Konferenz der Ministerpräsidenten aller vier Zonen in München wurde die Diskrepanz zwischen den Westzonen und der Ostzone deutlich. Die ostzonalen Ministerpräsidenten wollten vornehmlich über die Einheit Deutschlands verhandeln. Als sich dieser Wunsch nicht realisieren ließ, reisten sie ohne Ergebnis ab. Damit zeichnete sich schon am 6./7. Juni 1947 das Ende der Existenz Deutschlands als Einheit ab
Lichte Augenblicke bei Demenz. Eine systemtheoretische Variation
Egal wie fortgeschritten der Verlauf einer Demenz-Erkrankung ist, es kommt vor, dass der Erkrankte plötzlich wieder auftaucht - in Worten, im Blick, im Gefühl. Für Angehörige hat diese Möglichkeit ambivalente Folgen: Einerseits die Ungewissheit, was in Zeiten der vermeintlichen Abwesenheit doch alles mitbekommen wird. Andererseits die Freude, noch einmal an Vertrautes anknüpfen zu können, gekoppelt mit dem immer wieder aufgeschobenen 'Abschied zu Lebzeiten'. Für Soziologen birgt die Möglichkeit lichter Augenblicke ein ganz eigenes Forschungsfeld, das weit ins Vor- oder Nachsprachliche hineinreicht. Die in der Arbeit versuchte Phänomenologie lichter Augenblicke führt zur Entfaltung einer systemtheoretischen Variation, die Luhmann mit Plessner engführt
Alles auf Null?
Schwerpunktthema: Alles auf Null?
Alles auf Null? In der ersten Ausgabe des neuen Universitätsjournals geht es im Schwerpunkt um Umbrüche und Anfänge. Wir haben mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachdisziplinen gesprochen:
- Leitartikel: Alles auf Null? Eine Annäherung an die Null. Gedanken über Anfänge und Umbrüche in der Umwelt und in Biografien
- Sportwissenschaft: Wie der Körper wieder zu Kraft findet
- Informatik: Wie eine Maschine anfängt zu lernen
- Musikethnologie: Eine musikalische Fremdsprache erlernen [AUDIO-DATEI ZUM ARTIKEL]
- Theaterwissenschaft: Anfänge in den Künsten
- Philosophie: Leben im Exil
- Mathematik: Was ist eigentlich die Null?
- Studium – was dann? Der Berufseinstieg. Umgehört bei Absolventinnen und Absolventen
- Universität: Entwicklungsplanung MINERVA 2025 der Universität Hildesheim
Außerdem im Heft
- Forschungsnews // Fremdsprache erlernen // Untertitel im Kinderfernsehen // Softwareentwicklung: Wie Fehler verhindert werden können // Warum lesen Jugendliche? // Organisationspädagogik: Dinge in der Pflege //Informationswissenschaft: Wie wir mit Informationen im Web umgehen // Informatik an Schulen
- Interview: Wie Gemeinschaften entstehen
- Computerlinguistik: Frag die Maschine nach Wörtern
- Zitate/Daten/Fakten // Neue Professuren // Drittmittelerträge // aktueller Energieverbrauch an der Universität // Bildung stiften // 100 Jahre Musikgeschichte digitalisieren // Szenische Künste
- Archiv: Wie Bilder entstehen
- Campus und Stadt: 3 Fragen – 3 Antworten
- Wie du deine wissenschaftliche Arbeit auf die Reihe bekommst
- Von A nach B: Von Wohnzimmer zu Wohnzimmer
- Hintergrundprozesse: 1.900 Veranstaltungen – 175 Räume: Wie das Team der Uni-Raumplanung arbeite
Verständliche Fachkommunikation Exemplarische Analyse eines juristischen Ratgebers in Leichter Sprache
Laut einer repräsentativen Umfrage des Gesundheitsmagazins Apotheken Umschau (2016), „durchgeführt von der GfK Marktforschung Nürnberg bei 1.969 Frauen und Männern ab 14 Jahren“, haben nur 24,9 % eine Vorsorgevollmacht errichtet, in der sie festlegen, wer sie in wichtigen Angelegenheiten vertreten soll, wenn sie dazu gesundheitlich nicht mehr in der Lage sein sollten. Diese niedrige Prozentzahl begründet sich laut Apotheken Umschau (2015) zum einen in dem Glauben an einen Rechtsirrtum, nach dem die nächsten Angehörigen beispielsweise infolge eines Unfalls automatisch stellvertretend für den Betroffenen entscheiden können. Zum anderen führt Wenig (2016: 10) die fehlende Sensibilisierung für diese Thematik als Grund an. Um die Bevölkerung entsprechend aufzuklären, werden u.a. von den Ministerien vermehrt Informationsangebote zur Verfügung gestellt, die allerdings einen Teil der Bevölkerung nicht erreichen: Menschen mit beeinträchtigter Lesefähigkeit können auf diese Texte nicht selbstständig ohne die Hilfe Dritter zugreifen. Fachsprachliche Texte stellen für sie eine schwer zu überwindende Verständnisbarriere dar.
Die vorliegende Bachelorarbeit folgt der Hypothese, dass die Anwendung der Regelvorschläge der Leichten Sprache die Verständlichkeit von Texten erhöht. Im Zuge dessen soll im Nachfolgenden die Überprüfung eines im Rahmen des Pilotprojekts übersetzten juristischen Ratgebers hinsichtlich der Konformität mit eben diesem Regelwerk erfolgen. Zu diesem Zweck wird sich auf die „Qualitative Inhaltsanalyse“ nach Mayring gestützt.
Grundsätzlich gliedert sich die Arbeit in zwei Teile. Der erste Teil soll die theoretische Grundlage für die anschließend folgende Analyse bilden. Dazu werden in einem ersten Schritt die Herausforderungen fachexterner Kommunikation im Rechtskontext beleuchtet, woraufhin ein Blick auf die Verständlichkeitsforschung Aufschluss darüber gibt, welche Faktoren bei der Gestaltung verständlicher Texte Beachtung finden müssen. Im Anschluss wird das Konzept Leichte Sprache und seine Adressatenschaft1 vorgestellt. In diesem Zuge wird kritisch betrachtet, wie auf das Stigmatisierungspotenzial der Leser von Leichte-Sprache-Texten eingegangen werden kann. Der Durchführung der Analyse im fünften Kapitel wird eine kurze Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes vorangestellt. Anschließend werden die gefundenen Schwachstellen auf den einzelnen Ebenen des Sprachsystems aufgezeigt und in einem letzten Schritt quantitativ ausgewertet. Aus diesen Ergebnissen wird abgeleitet, welche Schritte unternommen werden können, um den Ratgeber gemäß der Leichten Sprache noch zugänglicher zu machen
LernortText: Zur Studie «Lernen mit Texten / Wissenserwerb durch selbstgesteuertes Lernen» (Themenfeld Nachhaltigkeit)
Documents, realized in languages for special purposes, are well known sources of knowledge acquisition as well as of knowledge conveying. Nevertheless, we do know little about the real effects and the resulting conceptual understanding. The aim of the present study that has been supported by Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeb, Universität Hildesheim) was to get more insights into some possible results which can be achieved through applying a combined text-linguistic method of analyzing thematic and knowledge structures of texts. In addition, because of the standardized representation of text-dependent thematic structures (macro-structures) and the transfer of them into text-independent knowledge structures (knowledge schemata) the students themselves can control their progress of learning by comparing the different representations. As the applied text material has been selected from documents concerning topics of »sustainability” the study also contributes to the domain of «Education of sustainable development». What have been shown are some correlations between strategies of text-analysis (bottom-up and top-down), the degree of profiting from the text potential and the input of own knowledge resources. All together have an impact on the model of sustainability that can be complex or simple and which is expressed in terms of special language as well as non-special vocabulary. In principle, the method sketched in this paper that has been elaborated in a text-theoretical approach can be applied on different levels of teaching and learning. More research is necessary in order to define additional relevant parameters.Obschon fachliche Texte als eine allseits verwendete Quelle für Wissenserwerb und Wissensvermittlung genutzt werden, bleibt die Frage nach dem tatsächlich erreichten Verständnis und Lerneffekt offen. In der vom Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB, Universität Hildesheim) unterstützten Studie (2015/16) wurde untersucht, welche Ergebnisse durch ausgewählte Strategien einer kombinierten textlinguistischen Methode von Themen- und Wissensanalyse erreicht werden können. Die standardisierte Darstellung textabhängiger thematischer Strukturen (Makrostrukturen) und deren Überführung in generalisierte, textunabhängige Wissensschemata ermöglicht es den Studierenden, dass sie ihren Wissensfortschritt anhand ihrer Eigenproduktionen selbst kontrollieren können («selbst gesteuertes Lernen»). Insofern die für die begrifflichen Analysen verwendeten und teilweise ebenfalls selbst ausgewählten Texte aus Themenfeldern im Bereich der Nachhaltigkeit stammen (zum Beispiel Klimawandel, nachhaltiges Wirtschaften, Nachhaltigkeitskommunikation als Unternehmensstrategie), stellt die Ausarbeitung der hier erprobten Methode auch einen Beitrag zum Bereich «Bildung für nachhaltige Entwicklung» (BNE) dar. Deutlich erkennbar wurden Korrelationen zwischen den verwendeten Analysestrategien (bottom-up bzw. top-down), der Nutzung des Textpotenzials und dem Eigenanteil aus bereits vorhandenen Wissensressourcen. Sie zusammen bestimmen schließlich das mehr oder weniger komplexe Nachhaltigkeitsmodell, das sich aus Anteilen fachlicher und nicht-fachlicher Wortschätze zusammensetzt. Prinzipiell ist die texttheoretisch begründete Methode anwendbar auf verschiedenen Niveaus des Lehrens und Lernens. Für die präzise Festlegung weiterer Parameter wäre zusätzliche Forschung hilfreich
„Voneinander lernen und Hilfe für Angehörige gemeinsam verbessern". Es hat sich viel getan in Peine
"Angehörige als Experten sehen", "psychische Belastungen Angehöriger", "körperliche Beschwerden" - allein diese drei Punkte können helfen aufzuzeigen, wie die Einbeziehung von Angehörigen in Forschung und Praxis in Zukunft zu einer weiteren Verbesserung der Lebenssituation Angehöriger beitragen kann. Im Rahmen des AnNet-Projektes haben wir eigene Forschungsdaten erhoben, ausgewertet und u. a. beim Deutschen Suchtkongress im Angehörigensymposium und bei der Jahrestagung der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen präsentiert, durch Radioshows und Zeitungsartikel Öffentlichkeit hergestellt und durch Interviews und Diskussionen Daten und Rückmeldungen unserer Forschung beigesteuert. Auch zukünftige Forschung sollte nicht nur zu, sondern auch mit Angehörigen stattfinden, sodass Angehörigen- und Universitätsforscher, Praktiker und Entscheider des Sozial- und Gesundheitswesens miteinander diskutieren, voneinander lernen und durch ihre Austausch- und Forschungsergebnisse gemeinsame (finanzielle) Grundlagen für Praxisinitiativen wie Dream Team schaffen können
Verletzende Worte Beleidigung und Verleumdung in Rechtstexten aus dem Mittelalter und aus dem 16. Jahrhundert
«Einem den guten Ruf nehmen, ist aber eine sehr schwere Sache; denn unter den zeitlichen Gütern scheint der gute Ruf das Kostbarste, durch dessen Verlust der Mensch um viele gute Werke gebracht wird. Deshalb heißt es bei Jesus Sirach 41, 15: ‹Trage Sorge für deinen guten Namen; denn dieser verbleibt dir länger als tausend große und kostbare Schätze.› Und daher ist die Ehrabschneidung, an sich gesprochen, Todsünde.»
Vor mehr als sieben Jahrhunderten umriss mit diesen treffenden Worten Thomas von Aquin eine der wichtigsten Spielregeln der vormodernen christlichen Gesellschaften. Unzählige Texte aus der mittelalterlichen Überlieferung berichten von den unliebsamen Möglichkeiten, den Leumund und die Ehre von Personen zu verletzen. Und die Quellen berichten auch, wie die Folgen der Schmähungen die Existenz der Betroffenen zerrütten konnten. Rechtsgelehrte und Theologen nahmen sich des Schutzes von Leumund und Ehre an; sie empfahlen Formen der Genugtuung, Buße und Strafe. Wie mit dem delinquenten Verhalten damals umgegangen werden sollte, mutet heute jedoch oft befremdlich an.
In dieser Studie werden auf der Grundlage zahlreicher Rechtstexte die Formen, Gegenstände und Sanktionen von Beleidigungen und Verleumdungen zum ersten Mal in einer Überblicksdarstellung zur mittelalterlichen Geschichte ausführlich diskutiert. Sie bietet mit ihren vielen unbekannten historischen Textbeispielen und seltenen Abbildungen einen wichtigen Beitrag zur Historischen Kriminalitätsforschung und macht neugierig auf die Rezeption der mittelalterlichen Normen zur Ehre und ihrer Beeinträchtigung durch «verletzende Worte»