University of Hildesheim
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Europa als Heterotopie
Baskisch-regionales und spanisch-nationales Identitätskonzept wurden im Baskenland lange als unvereinbar angesehen. Nun soll Europa während des Europäischen Kulturhauptstadtjahres Donostia-San Sebastián 2016 Convivencia zwischen beiden Identitätskonzepten stiften.Laut EU-Kommission soll Europa im Kulturhauptstadtprogramm in Rückbindung an eine regionale Individualität erfahrbar werden. Die Transzendenz einer Vision Europas soll sich durch kulturpolitische und ästhetische Gestaltung an die ortsspezifische Materialität der zur Kulturhauptstadt erwählten Stadt knüpfen. Vor diesem Hintergrund untersucht die Arbeit, inwiefern Europa während des Kulturhauptstadtjahres anhand einer ortsspezifischen Thematik erfahrbar wird. Die Arbeit nähert sich dieser Vereinbarung unterschiedlicher kollektiver Identitätskonzepte im selben (ästhetischen) Raum mithilfe des Foucaultschen Begriffs der Heterotopie. Die Realisation unvereinbarer Platzierungen am selben Ort wird von Foucault als Charakteristikum der Heterotopie beschrieben.
Zur Untersuchung, wie sich in der Heterotopie ein Verhältnis zwischen regionalem, nationalem und europäischem Identitätskonzept entwirft, wird in der Arbeit auch die Unterscheidung zwischen Identitätskonzept und Identität relevant. Identitätskonzepte werden als stringent imaginierte Narrationen verstanden, die der Identitätsstiftung dienen. Sie haben utopischen Charakter, da Identität im Rahmen ihrer kulturellen Aufführung nur situativ, ephemer und daher fragmentarisch aufscheint. Aufgrund dieser Fragmenthaftigkeit können sich in ein- und dieselbe Aufführung mehrere auch widersprüchliche Identitätskonzepte einschreiben. Die Verhandlung zwischen verschiedenen Identitätskonzepten entwirft sich bereits in der Inszenierung. Sie manifestiert sich jedoch erst in der Aufführung in einem Verhältnis der Identitätskonzepte. Durch die Einwirkung der feedback-Schleife bilden sich in diesem hierbei auch Widersprüche und Brüche zur intendierten Wirkung ab.Die Arbeit untersucht je zwei Aufführungen zu den Identitätskategorien Vergangenheit und Sprache. Dabei steht jeweils die Frage im Mittelpunkt, inwieweit die kulturellen Aufführungen zur Realisierung der unterschiedlichen Identitätskonzepte beitragen. Im Kapitel zur Identitätskategorie Vergangenheit wird zunächst die Aufführung des donostiarrischen Trommelfests Tamborrada im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2016 untersucht. Darauf folgt die Analyse des szenischen Gedenkens Sin adiós an Opfer des ETA-Konflikts. Der Teil zur Identitätskategorie Sprache befasst sich dann mit der baskischen Adaptation des Shakespeareschen Texts A Midsummernight‘s Dream, bevor es im letzten Analysekapitel der Arbeit um die Inszenierung von Sprachpolitik und kleiner Sprache auf dem Foro Europeo de la Diversidad Lingüística geht
Methoden als situierte Praxis
Die Anpassung des methodischen Handelns von Evaluierenden an die jeweiligen situativen und praktischen Umstände wird in der Regel als ein Hemmnis für eine adäquate Methodenanwendung betrachtet. Mit dieser Arbeit wird alternativ versucht, die Professionalität von Evaluierenden in Bezug zu den praktischen Umständen zu finden, in denen ihr Handeln abläuft. Die Aufmerksamkeit wird dabei auf die konkreten Strategien und Praktiken gerichtet, die Evaluierende zur Bewältigung ihrer Praxis entwickeln und einsetzen. Die Arbeit knüpft damit an wissenschaftssoziologische und ethnomethodologische Ansätze an, welche die soziale, interaktive und situative Einbindung von wissenschaftlicher Praxis untersuchen. Die Situierung des methodischen Handelns wird am Beispiel der Gruppendiskussionspraxis von Evaluierenden betrachtet. Die Gruppendiskussion erweist sich eine Methode mit Widersprüchen und Unschärfen bei gleichzeitig hoher Popularität bei Evaluierenden. Es werden drei zentrale Bezugspunkte für das praktische Handeln der Evaluierende herausgearbeitet: situative Herausforderungen wie Adressatenorientierung, Machtkonstellationen und Ressourcen, persönliche Anliegen wie fachliche Prägungen der Evaluierenden, institutionelle Routinen und normative Bezugspunkte sowie methodische Herausforderungen, die bei der Planung, Durchführung, Auswertung und der Ergebnisvermittlung im Zusammenhang mit Gruppendiskussionen entstehen
Geographieunterricht videobasiert analysieren – Konzeption und Evaluation eines videobasierten Lernsettings zur Förderung der professionellen Unterrichtswahrnehmung
Lehrpersonen werden im Unterrichtsalltag mit der Heterogenität von Lerngruppen konfrontiert. Um individuelle Lernangebote initiieren zu können, muss eine Lehrperson fähig sein, heterogenitäts- und lernrelevante Ereignisse im komplexen Unterrichtsgeschehen professionell wahrzunehmen. Zur Förderung dieser domänenspezifischen Fähigkeit bei angehenden Geographielehrkräften wurde eine videobasierte Lehrveranstaltung im Rahmen der vom BMBF geförderten Qualitätsoffensive Lehrerbildung an der Universität Münster konzipiert, durchgeführt und evaluiert. Der inhaltliche Analyseschwerpunkt liegt auf dem Einsatz von Lernunterstützungen als elementare Charakteristika eines heterogenitätssensiblen Unterrichts. Im Beitrag werden werden theorie- und empiriegestützt die Konzipierung, Durchführung und Evaluation der videobasierten Lehrveranstaltung vorgestellt
Kladde der Hildesheimer Schülerin Maria Stegemann aus dem Jahre 1910
Kladde der Hildesheimer Schülerin Maria Stegemann aus dem Jahre 1910 mit Textentwürfen zum Religions-, Deutsch-, Rechen-, Erdkunde- und Naturlehreunterricht.
Provenienz:
Stiftung Schulmuseum Hildesheim,
Manuskripte, Hildesheim: Schülerarbeiten, Nr.
Haftverhalten in der Straftäterbehandlung und Prognose
Prognosen über das Rückfallrisiko eines Straftäters basieren auf diversen Informationen über den Täter und die von ihm begangenen Straftaten. Darüber hinaus sind sein Haftverhalten und etwaige Behandlungsfortschritte in Haft von besonderer Relevanz für die prognostische Beurteilung. Bislang sind jedoch nur wenige Versuche unternommen worden, um das Haftverhalten strukturiert in die Prognose einzubeziehen.
Die vorliegende Arbeit entwickelte und validierte in drei Studien ein Instrument zur Erfassung des Haftverhaltens auf Basis alltäglicher Beobachtungen des allgemeinen Vollzugsdiensts (AVD). In Studie 1 erfolgte eine testtheoretische Pilotierung von zwei Ratingskalen zur Verhaltens- und Persönlichkeitseinschätzung in einer Stichprobe junger Gewalttäter (N = 62). Die Berliner Haftverhaltensskalen erfassten veränderungssensitiv das Sozialverhalten gegenüber Bediensteten und Mitinhaftierten, lebenspraktische Fertigkeiten und subkulturelle Aktivitäten. Die SWAP-Rating Scale (SWAP-RS) erfasste eher stabile Persönlichkeitsmerkmale und erwies sich als valide in der Vorhersage eines Therapieabbruchs. Studie 2 bestätigte diese vielversprechenden Ergebnisse in einer repräsentativen Stichprobe des Berliner Behandlungsvollzuges (N = 272). Eine Faktorenanalyse identifizierte drei psychologisch sinnvolle Faktoren, die externalisierendes, internalisierendes und adaptives Haftverhalten erfassen. Die Studie zeigte, dass externalisierendes Problemverhalten prädiktiv valide in der Vorhersage zukünftiger Rückfälligkeit war und die Vorhersagegüte standardisierter Prognoseinstrumente verbesserte. Schließlich zeigte Studie 3 (N = 277) mit einem personen-zentrierten Ansatz, dass zwei der fünf identifizierten Haftverhaltenstypen (Aggressive-Psychopathics und Asocials) deutlich häufiger rückfällig wurden. Dies unterstreicht die prognostische Relevanz einer personen-zentrierten Betrachtung des Haftverhaltens.
Die Arbeit zeigt, dass strukturierte Verhaltensbeurteilungen durch den AVD eine wertvolle Erkenntnisquelle in der Behandlung und Prognose von Straftätern sind. Das entwickelte Instrument erlaubt eine reliable und valide Erfassung des Haftverhaltens und ist mit geringem Aufwand in die Vollzugspraxis integrierbar. Zudem berichtete der AVD von einer vertieften inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Inhaftierten und einer größeren Wertschätzung für die eigene Arbeit. Weitere Implikationen der Arbeit für Forschung und Praxis werden diskutiert
Independent investigation into Helmut Kentler's activities in the Berlin child and youth welfare services Summary of the Final Report
In this document the findings of the investigation into Helmut Kentler’s activities in the Berlin child and youth welfare services are summarized. The focus of the investigation was on three central questions: 1. How can the investigation support the concerns of the victims?
2. Which organizational structures and procedures have made possible the work of Helmut Kentler in Berlin’s Child and Youth Welfare Services and how? What connections with other procedures and protocols can we trace?
3. What consequences can we derive for current child and youth welfare policies and future professional advancements? These questions were examined from four different research perspectives: participation of and interviews with those directly affected as children and adolescents; analysis of public records; interviews with contemporary witnesses; and a reconstruction of professional discourse
Schönschreibheft der Schülerin Maria Stegemann, Oberstufe a (1911/12)
Eines von drei erhaltenen Übungsheften der Hildesheimer Schülerin Maria Stegemann für den Schreibunterricht in der Schule aus dem archivalischen Bestand der Stiftung Schulmuseum Hildesheim, entstanden in den Jahren 1911/12.
Provenienz:
Stiftung Schulmuseum Hildesheim,
Manuskripte, Hildesheim: Schülerarbeiten, Nr.
Ergebnisbericht "Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe"
In diesem Bericht werden die Ergebnisse der Aufarbeitung zu „Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe“ vorgestellt. Im Fokus der Aufarbeitung standen drei zentrale Fragekomplexe: 1. Wie kann die Aufarbeitung die Anliegen der Betroffenen unterstützen?
2. Welche organisationalen Strukturen und Verfahren haben welches Wirken von Helmut Kentler in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe wie ermöglicht und welche Verflechtungen mit anderen Verfahren und Prozessen lassen sich nachzeichnen?
3. Welche Konsequenzen können für die gegenwärtige Kinder- und Jugendhilfe und fachlichen Entwicklungen abgeleitet werden? Diese Fragen wurden aus insgesamt vier verschiedenen Forschungsperspektiven beleuchtet: Betroffenenbeteiligung und -interviews, Aktenanalyse, Zeitzeug*inneninterviews und einer Rekonstruktion des fachöffentlichen Diskurses
Didaktische Videokasuistik: Ansatz – Vorgehen – Ergebnisse
Die didaktische Videokasuistik als empirisch begründete Lehre von Fällen entwickelt sich an der Schnittstelle der Unterrichtsforschung und der Lehrer*innenbildung. Im Beitrag wird vorgestellt, wie der Ansatz der didaktischen Videokasuistik (3A) am Forschungsinstitut für Schulbildung an der Pädagogischen Fakultät der Masaryk-Universität in Brno (CZ) konzipiert ist. Es handelt sich um einen fachdidaktisch orientierten Zugang zur Unterrichtsqualität, der auf den Schritten Annotation, Analyse und Alteration basiert. Diese 3A-Methodik besteht in der Arbeit mit Unterrichtssituationen, die auf Video aufgenommen sind. Die Situationen werden zunächst genau untersucht, anschließend werden Möglichkeiten zu ihrer Veränderung (Verbesserung bzw. Alteration) vorgeschlagen. Überdies werden im Beitrag ausgewählte Ergebnisse einer Studie präsentiert, die auf die Entdeckung und Dokumentation von sog. didaktischen Formalismen und didaktischer Exzellenz abzielt. Basierend auf der Analyse von 44 didaktischen Kasuistiken wird gezeigt, wie die zwei identifizierten Formalismen (entfremdetes Lernen und verheimlichtes Lernen) die Unterrichtsqualität einschränken und wie umgekehrt die identifizierte didaktische Exzellenz (kognitiv aktivierende Verarbeitung des Unterrichtsinhalts) zum Ideal des restrained teaching (vgl. Hopmann 2007) führen kann
Rechte, Anerkennung und Diskriminierung - organisationale Perspektiven auf transnationale Care-Arbeit
Der Fokus der in dieser Dissertation enthaltenen Beiträge liegt auf der organisationalen Ebene transnationaler Care-Arbeit. Im Mittelpunkt der Einzelbeiträge stehen organisatonale Prozesse, die die von Migrant*innen geleistete Care-Arbeit und deren rechtliche und gesellschaftliche Anerkennung beeinflussen.
Dabei bildet die empirische Untersuchung der Formalisierung und Regulierung von Care-Arbeit den Schwerpunkt. Die Arbeit betrachtet zwei Forschungsfelder: Das erste Forschungsfeld behandelt die Frage, ob und wie sich Abschlüsse in Pflegeberufen von einem nationalen Arbeitsmarkt in einen anderen übertragen lassen. Die Analyse der Anerkennungsverfahren für im Ausland erworbene Pflegeabschlüsse konzentriert sich auf die Situation in Deutschland. Allerdings sind sowohl die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in der Pflege als auch die konkreten Verfahren und die Herstellung von Anerkennung auf organisationaler Ebene nicht losgelöst von transnationalen Verflechtungen zu begreifen. Auch die Organisierungsprozesse von Hausangestellten als zweites Forschungsfeld verweisen auf die transnationalen Zusammenhänge von Care-Arbeit. Am Beispiel der Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation „Menschenwürdige Arbeit für
Hausangestellte“ und den Organisierungsprozessen von Hausangestellten weltweit kann gezeigt werden, wie versucht wird, globalen Asymmetrien auf rechtlicher und partizipativer Ebene zu begegnen. Als Exkurs wird schließlich eine weitere Perspektive auf Care-Arbeit eingeführt: Migrant*innen, die als Selbstständige Pflegedienste gründen anbieten und mit dieser Spezialisierung auf die zunehmende Transnationalisierung der Lebensphase Alter reagieren. Die sechs Einzelbeiträge dieser kumulativen Dissertation beleuchten, wie transnationale Care-Arbeit auf organisationaler Ebene anerkannt und verhandelt wird