University of Hildesheim
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Dinge – Räume – Körper Zugänge zur Materialität der Familie anhand von Videografien und ethnografisch verdichteten Beschreibungen
Im Fokus dieses Beitrages steht die Frage, wie sich im Rahmen ethnografischer Forschung die spezifische Bedeutung der Materialität sozialer Praktiken erfassen lässt. Wir führen dies anhand eines Projekts aus, bei dem die Perspektive der Familie auf den Übergang des ersten Kindes in die Grundschule im Zentrum stand. Unsere Fragen lauteten u.a., wie sich in dieser Phase das Pädagogische in der Familie materialisiert und welchen Transformationen die sozio-materiellen Arrangements unterworfen sind. Für unsere Analysen legen wir im Anschluss an Bruno Latour einen ‚milden Materialismus‘ zugrunde: Wir möchten nachvollziehen, wie Familien nicht nur Dinge, Räume, sondern auch ihre Körper in situ gebrauchen und mit pädagogischer Relevanz versehen. Dazu greifen wir auf umfangreiches ethnografisches Material aus dem Forschungsprojekt zurück: neben Feldnotizen auch Interviews und Videografien. An einem Fallbeispiel führen wir unsere ethnografische Strategie des ethnografischen Schreibens vor, in dem wir die unterschiedliche Datensorten miteinander relationieren und zu dichten Fallportraits arrangieren
Kasuskönnen und Kasuswissen von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I
Die vorliegende Studie leistet einen Beitrag zur Diskussion und Klärung der Frage, in welchem Verhältnis das sprachliche Können und das sprachliche Wissen zueinander stehen. Den thematischen Anknüpfungspunkt bildet hierbei das Thema Kasus. Im Rahmen des empirischen Vorgehens werden sprachliche Leistungen von 91 Lernenden der 6. Jahrgangsstufe erhoben und sowohl quantitativ als auch qualitativ ausgewertet: So wird nicht nur die reine Anzahl von Kasusfehlern und Fehlerkorrekturen betrachtet, sondern auch die Art der Kasusfehler berücksichtigt sowie deren jeweilige „Fehleranfälligkeit“ und syntaktische Umgebung diskutiert. Das forschungsmethodische Sampling umfasst dabei eine Schreibaufgabe zu einem Bildimpuls, die Fehlerkorrektur eines präparierten Textes und das Kommentieren und Erklären ausgewählter Kasusphänomene. Im Sinne eines Mixed-Methods-Designs werden so zwischen dem Kasuskönnen auf der einen und dem Kasuswissen auf der anderen Seite Zusammenhänge aufgezeigt, welche Anschlüsse für die Gestaltung von Grammatikunterricht im Themengebiet Kasus erlauben. Die Arbeit zeigt, dass die Leistungen im Können und Wissen häufig miteinander einhergehen, dass es aber auch Lernende gibt, deren Kasuskönnen und Kasuswissen nicht miteinander korrelieren
Arbeitsgedächtnis und phonologische Bewusstheit im rezeptiven Zweitspracherwerb
Wie entwickeln sich die kognitiven und die rezeptiven zweitsprachlichen Fähigkeiten in Immersionsschulen und Regelschulen? Und in welcher Beziehung stehen diese Faktoren in den verschiedenen Lernumgebungen zueinander? Diese Fragen galt es mit der hier vorgelegten Arbeit zu beantworten. Zu diesem Zweck wurden auf Basis eines quasiexperimentellen, longitudinalen Forschungsdesigns und der statistischen Auswertung des hieraus gewonnenen Datensatzes die Testergebnisse von 104 Proband*innen aus Regelschulen und Immersionsschulen untersucht
Rechte von Care Leaver*innen Verfügbare Leistungen auf Betreuung, Begleitung und finanzielle Unterstützung im deutschen Sozialleistungssystem
Das Leaving Care, d. h. der Übergang aus stationären Erziehungshilfen - Wohngruppen, Pflegefamilien oder sonstige betreute Wohnformen - ins Erwachsenenleben ist mit einem komplexen sozialrechtlichen Statusübergang der betreffenden jungen Menschen verbunden.
Sie müssen ihren Lebensunterhalt ab dem Auszug aus den stationären Hilfeformen in anderer Form sichern. Das kann ein z. B. eigenes Einkommen, Ausbildungshilfen oder Bürgergeld sein. Auch die Unterstützung und Begleitung durch die Kinder- und Jugendhilfe bzw. durch andere Sozialrechtskreise muss neu ausgehandelt werden. Dieser Leitfaden bündelt die Rechte auf Betreuungsleistungen und finanzielle Unterstützung innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe, im Übergang sowie in nachgehenden Sozialleistungssystemen, die in Anspruch genommen werden können. Er richtet sich u. a. an Care Leaver*innen, Fachkräfte und Pflegeeltern
Historische (Re-)Formulierungen
Post- bzw. dekoloniale Perspektiven auf Tanzhistoriografie sind ein aktuell viel diskutiertes und zugleich wenig beforschtes Thema in der Tanzwissenschaft. Bisherige Studien fokussieren entweder die Beweglichkeit tanzgeschichtlicher Formationen oder schärfen den Blick für explizit politische Befragungen von Tanz in Theorie und Praxis. Anna Wieczorek entwickelt ein Analysemodell, das versucht beide Richtungen zusammenzubringen und dabei methodisch neue Wege erschließt. Anhand choreografischer Arbeiten von Faustin Linyekula und Trajal Harrell schlägt die Autorin ein Modell vor, dass kulturelle Muster und deren machtvolle Übersetzungen einbezieht und sie mit zeitlichen Relationierung historiografischer Forschung kombiniert. Beide Denkrichtungen werden über die Anfertigung eines Scores verbunden, der zugleich den methodisch konkreten Vorschlag dieser Studie liefert. Der Begriff Score stammt aus der Tanzpraxis und enthält bspw. Bewegungsanweisungen, die Tänzer*innen oder Performer*innen zur Generierung von Bewegung oder Choreographie nutzen. Für das hier vorgeschlagene Modell wird der Score zu einem operativen Begriff, der für die Analyse von Bewegung eingesetzt werden kann. Er ist dabei kein neutraler Übermittler, sondern durch ihn wird eine bestimmte Version der Choreographie abgebildet, die dann, in einem zweiten Schritt, in einen Text übersetzt wird. Demnach übersetzt sich tänzerisches Wissen in den Score, gleichzeitig wird der Score erst durch dieses Wissen hervorgebracht. Diese Wechselbeziehung bildet die relationale Grundannahme dieser Studie und führt zum Denkmodell für die post. bzw. dekoloniale Analyse beweglicher Prozesse im wortwörtlichen Sinn
Durchblick: Infos für deinen Weg aus der Jugendhilfe ins Erwachsenenleben Ausgabe für die Region Hannover
Diese Broschüre für Jugendliche und junge Erwachsene, die in Wohngruppen, Pflegefamilien oder anderen stationären Hilfeformen leben und bei denen das Hilfeende bzw. der Auszug absehbar sind, beruht auf der 5., überarbeiteten und erweiterten Auflage der gleichnamigen Broschüre (https://hilpub.uni-hildesheim.de/handle/ubhi/15527). Sie wurde im Rahmen des Projekts "Junge Menschen in prekären Lebenslagen in Niedersachsen", gefördert durch das Niedersächsische Sozialministerium, für den Raum Hannover ergänzt und überarbeitet
725 Jahre Sehlen auf Rügen 1298–2023
Die kleine Gemeinde Sehlen mit knapp 900 Einwohnern in sieben Ortsteilen, mit einem Gewerbegebiet, zwei Kindergärten, einem Hort, einer Backsteinkirche mit Friedhof und Kriegerdenkmal, einer Freiwilligen Feuerwehr mit einem neuen roten Gerätehaus, einem Bahnhof mit altem Bahnhofsgebäude, einem mittelgroßen verlassenen und zwei kleinen umgebauten Schulgebäuden, einem großen Forst, einer nahezu rechtwinkligen Dorfstraße mit erstaunlich vielen Laternen, einem seit 27 Jahren amtierenden Bürgermeister, einigen rohrgedeckten Katen, einem Sportplatz, fünf Vereinen, einem Gasthaus und mehreren Ferienwohnungen liegt in Rügens Inselmitte. Wohl fast jeder auf Rügen kennt den Ort. Wer es bisher versäumt hat, Rügen zu besuchen, wird den Namen Sehlen noch nicht gehört haben und ihn etwas merkwürdig finden. Dabei passt die Bedeutung des Ortsnamens wie kaum eine andere zur grünen Insel Rügen – „Sehlen“ leitet sich vom slawischen Wort „grün“ her
Zwischenbericht „Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe – Aufarbeitung der organisationalen Verfahren und Verantwortung des Berliner Landesjugendamtes“
In diesem Zwischenbericht werden die vorläufigen Ergebnisse der Aufarbeitung zu „Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe – Aufarbeitung der organisationalen Verfahren und Verantwortung des Berliner Landesjugendamtes“ vorgestellt. Das Aufarbeitungsvorhaben folgt dabei den Ergebnissen des Zwischen- und Endberichtes der Aufarbeitung zu „Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe“ sowie Hinweisen von weiteren Zeitzeug*innen und betroffenen Personen, die nach der Veröffentlichung des Endberichtes an das Forscher*innenteam herangetreten sind und neue Hinweise zu möglichen Verflechtungen des Berliner Landesjugendamtes über Berlin hinaus, aufzeigten.
Es werden drei zentrale Fragekomplexe verfolgt: 1. Wie kann die Aufarbeitung die Anliegen von Betroffenen unterstützen? 2. Wie lassen sich die verschiedenen Entscheidungsformen und Verläufe der Verfahren, in denen das Landesjugendamt in Fallverantwortung stand, aus einer organisationsanalytischen Perspektive rekonstruieren? 3. Herausarbeitung von Verwobenheiten und Verflechtungen des Berliner Landesjugendamtes mit anderen Berliner sowie deutschlandweiten Institutionen und Akteur*innen.
Das forschungspraktische Vorgehen besteht in der Annäherung an diese drei Fragen aus vier Forschungsperspektiven: 1. Betroffenenbeteiligung und -interviews, 2. Aktenanalyse, 3. Zeitzeug*inneninterviews, 4. Fachöffentlicher Diskurs
Wie soziale Einflussquellen unser Sehen modulieren Untersuchungen zu möglichen Unterschieden von Mehrheitseinfluss auf die neuro-kognitiven Prozesse bei visuellen Entscheidungsaufgaben im Vergleich verschiedener sozialer Quellen
Die Frage, wie Mehrheitseinfluss perzeptuelles Entscheiden verändern kann, beschäftigt die soziale Einflussforschung seit ihren Ursprüngen. Auch heute erscheint dabei die Annahme eines Zwei-Prozess Modells basierend auf normativem und informationalem Einfluss (Deutsch & Gerard, 1955) als dominierend. Dieses Zwei-Prozess Modell steht im Widerspruch zu den Annahmen bezüglich Referent Informational Influence (RII; Turner, 1982), da RII die Entstehung sozialen Einflusses durch nur einen Prozess - die Unsicherheit durch Nichtübereinstimmung mit Personen einer Eigengruppe - erklärt.
Die vorliegende Arbeit testete die Annahmen zu RII, indem mit Hilfe des Diffusion Decision Model (DDM; Ratcliff, 1978) untersucht wurde, welche kognitiven Prozesse bei visuellem Entscheiden durch Eigen- oder Fremdgruppeneinfluss verändert werden. Studien 1 und 2 konnten in Unterstützung der Annahmen zu RII zeigen, dass Eigengruppen stärkeren sozialen Einfluss als Fremdgruppen ausübten und dieser Effekt hauptsächlich durch eine stärkere Wahrnehmungsverzerrung in den Eigengruppenbedingungen im Vergleich zu den Fremdgruppenbedingungen verursacht wurde. In Studie 3 wurde getestet, ob nicht-menschliche Agenten (Computeralgorithmen) ähnlich wie Menschen in der Lage sind durch sozialen Einfluss eine persistierende soziale Norm zu implementieren. Im verwendeten Onlineparadigma übten nicht-menschliche Agenten ähnlich starken sozialen Einfluss wie menschliche Einflussquellen aus und dieser Einfluss stützte sich bei beiden Quellen hauptsächlich auf eine stärkere Wahrnehmungsverzerrung im Vergleich zu einer Phase ohne Beeinflussung. Der Effekt zeigte sich auch nach der Phase der eigentlichen Einflussnahme, was auf das Erlernen einer sozialen Norm hinweist. Die Befunde legen nahe, dass nicht-menschliche Agenten unter gewissen Rahmenbedingungen als ähnlich starke soziale Einflussquellen wie menschliche Agenten angesehen werden können
Performing Authenticities and Nation Building in Nigeria The National Festival of Arts and Culture
After the devastating civil war which lasted over 30 months (July 1967–January 1970), the then head of state and commander in chief of the armed forces of the Federal Republic of Nigeria, General Yakubu Gowon initiated a national festival for the main purposes of reintegration and reconciliation between ethnic nationalities that fought on the opposing sides during the war. It was an opportunity to use culture to heal the wounds of the war by uniting the people but as time went by, it became a forum for creativity, talent hunt and cultural promotion.
The thrust of this publication is to examine the festival from the perspectives of performing authenticity, cultural nationalism, nation building and national identification which was continued to be shaped by prevailing socio-political as well as economic conditions