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Im Wechselrahmen
Am 3. April 1933 wurde ich in Tübingen geboren. Mein Vater war als promovierter Entwicklungsingenieur beim Himmelwerk in Tübingen angestellt,
meine Mutter war Hausfrau. Zwei Brüder begleiteten meine Kindheit. Der Ältere wurde 1945 als 18-jähriger Flakhelfer an der Ostfront eingesetzt
und kurz vor Kriegsende als vermisst gemeldet. Wir lebten in Tübingen bis 1939, als mein Vater sich beruflich veränderte und wir nach Berlin zogen.
Wir wohnten im damaligen Bezirk SW61, heute Kreuzberg-Friedrichshain, nicht weit vom Halleschen Tor. Mein Vater fuhr täglich mit der U-Bahn zur Arbeit zur AEG. Ich ging in die nahegelegene Volksschule, die heute noch existiert. Ich erinnere mich noch gut an den Wohnblock mit Innenhof, in
dem wir wohnten, den Schulweg, die nahe Spree und an den Zeitschriftenkiosk nebenan, dessen Betreiber mir durch seinen gelben Stern auf der
Brust auffiel. Eines Tages war der Kiosk verlassen und die Leute sprachen nur im Flüsterton darüber
Ministranten- und Lausbubengeschichten in der St. Georgs Kirche in den 1940er und 1950er Jahren
Nachdem ich im September 1942 in die Volksschule kam, nahm mich Mesner Eugen Merz (Onkel) zu den Ministranten. In der "Lehrzeit" wurden wir junge Ministranten nach militärischem Vorbild auf unsere Aufgaben vorbereitet. Es mussten die lateinischen Gebete, wie das "Confiteor Deo omnipotenti…", die Stufengebete und vor allem das zungenbrecherische "suscipiat Dominus sacrificium...." gelernt und einwandfrei beherrscht werden. Im sonntäglichen Hauptgottesdienst hatten in der Regel vier Ministranten Dienst. Bei Festgottesdiensten wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten waren es dann sieben oder elf. Dabei war dann immer auch das Rauchfass. Wir Neulinge durften lange Zeit ohne jegliche Funktion an der Seite der bereits erfahrenen Messdiener mit dabei sein. Besonders hart war es für uns immer im weihnachtlichen Engelamt, wo jeder von uns über den ganzen Gottesdienst, so auch über die Predigt und der nahtlos anschließenden Hirtenmesse jeweils eine brennende Kerze zu tragen hatten
Jüdische DPs und die Stadt Konstanz unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
In einer mittelgroßen Stadt wie Konstanz mit ihren zentralen Einrichtungen für jüdische DPs erwartet man eigentlich, deren Spuren auch in den städtischen Akten zu finden. Doch bis auf wenige Ausnahmen hat beispielsweise die Geschichte des jüdischen Kibbuz im Lager Egg in den städtischen Akten und in der lokalgeschichtlichen Literatur kaum Niederschlag gefunden. Im Gegensatz zu Hohenems oder Gailingen dürfte die Stadt nach Kriegsende in einem so hohen Maße von »Displaced Persons« aller Nationalitäten aufgesucht worden sein, dass die vergleichsweise kleine Gruppe jüdischer Holocaust-Überlebender nicht besonders auffiel
Gregor Mangolts Bodenseefischbüchlein von 1557
Im Jahr 1557 erschien in den Gessnerschen Officin in Zürich das Bodensee-Fischbüchlein des Gregor Mangolt. Es war das erste gedruckte Buch im deutschsprachigen Raum, welches eine regionale Fischfauna behandelte. Schon aus diesem Grund lohnt es sich, sich näher mit dem kleinen Buch zu beschäftigen
Das Ravensburger "Mohrenfresko"
Die Ravensburger Archivarin Beate Falk hat 2014 in den »Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung« das Ravensburger »Mohrenfresko« umfassend beschrieben und analysiert. Benannt ist dieses Fragment eines spätmittelalterlichen Freskos nach dem ehemaligen Gasthof Zum Mohren in der Markstraße 61 in Ravensburg, wo es an der östlichen Giebelwand des ersten Obergeschosses 1971 entdeckt wurde. Seit 2009 ist es im Museum Humpis-Quartier der Öffentlichkeit zugänglich. Bekrönt von einer Wappenreihe war ein Kolbenturnier dargestellt. Die Wappenreihe
zeigt vom Betrachter aus von rechts das Familienwappen des Papstes Martin V. aus dem Hause Colonna, den Reichsadler, die Wappen der sieben Kurfürsten, also der Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln, des Königs von Böhmen, des Pfalzgrafen bei Rhein, des Herzogs von Sachsen und des Markgrafen von Brandenburg, sowie die Wappen der Herzöge von Lothringen und Teck. Links neben dem teckischen Wappen markiert eine senkrechte Doppellinie einen Abschluss oder zumindest eine Zäsur der Wappenreihe. Die Fortsetzung des Freskos links dieser Doppellinie hat die Zeiten nicht überdauert. Vom Turnier sind nur die Zuschauerreihe und der obere Teil der Kämpfer, vor allem die Helmzierden, erhalten
Die Vielfalt der Religionen in einer pluralen Gesellschaft
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Maier, sehr geehrter Landesbischof Cornelius-Bundschuh, liebe Christinnen und Christen, liebe Gläubige, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich freue mich, heute bei Ihnen zu sein – virtuell natürlich aufgrund der aktuellen Bedingungen – aber nicht weniger herzlich „Aus der Trennung heraus!“ – Das Motto der Ausstellung, ein Zitat aus Ihrer Unions-Urkunde, könnte nicht passender sein. Es trifft den Kern – nicht nur historisch gewendet. Aus der Trennung heraus, aus der Isolation und dem physisch Eingeschränkten heraus verbinden wir uns zumindest virtuell. Und auch wenn manche Dimension der Begegnung fehlt, so können wir uns doch sehen und hören – das ist wertvoll in diesen Tagen. Liebe Gäste, ich spreche heute zu Ihnen als Landtagspräsidentin, als Frau aus der Politik. Von Berufs wegen blicke ich die meiste Zeit auf die Religion als einen Teilbereich der Gesellschaft. Ich nehme eine gesellschaftspolitische Perspektive ein. Und erinnere vor allem an das Grundrecht der Religionsfreiheit als zentralen Wert unserer liberalen Gesellschaft. Heute, liebe Christinnen und Christen, lasse ich mich von Ihnen inspirieren. Von Ihrem Blick in die Vergangenheit, den Sie mit dieser Ausstellung wagen anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der evangelischen Landeskirche. Den Wert eines solchen Unterfangens bringt der Schriftsteller und Politiker André Malraux besonders gut auf den Punkt. Er schrieb: „Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.
"Keines von seinen Lichtern und keinen von ihren Schatten übersehend."
Das Jubiläum 200 Jahre Evangelische Landeskirche in Baden – verkürzt auch "Unionsjubiläum" genannt – ist ein guter Anlass, sich mit der Geschichte des badischen Protestantismus der beiden zurückliegenden Jahrhunderte auseinanderzusetzen und sie darzustellen. Auch der Verfasser, der als landeskirchlicher Beauftragter dieses Jahr mitgestalten konnte, hat sich um einige kirchenhistorische Beiträge bemüht. In den hier folgenden selbstkritischen Reflexionen geht es aber weder um dessen Resümee noch um eine Auswertung oder Beurteilung der zum Jubiläum 2021 erschienenen Literatur. Frühere Überlegungen des Verfassers etwa zu den "Opfern" in der Kirchengeschichte und der Kirchengeschichtsschreibung fortführend, werden mosaikhaft Gedanken zu formulieren versucht, warum es kaum gelingen will, die "ganze" Kirchengeschichte darzustellen. In einem ersten Abschnitt geht es zunächst um konventionelle Themenstellungen und Settings in ihren Begrenzungen und um offenkundig problemlos aufzuführende ergänzende Themen. In einem zweiten Abschnitt, in dem über Akteur:innen und über "Material" von Kirchengeschichtsschreibung reflektiert wird, sollen zwei grundsätzliche Problematiken benannt werden. Konzediert sei vorneweg: Nicht jeder kirchengeschichtliche Beitrag kann und will quasi die "ganze" Kirchengeschichte bieten. Themenstellungen und zu Grunde liegendes Material sind in der Regel gut begründet begrenzt. Insofern intendiert dieser Beitrag keine Kritik vorliegender Literatur und schon gar nicht der unbestritten notwendigen Einzelstudien, sondern möchte Perspektiven erweitern – das freilich ist auch nicht in jedem Fall neu. Hier wird also lediglich ein unabgeschlossener Diskussionsbeitrag über kirchenhistorische Produktionsprozesse geboten
Ludwig-Wilhelm Heidt - Leben und Wirken in Stutensee-Staffort
Ludwig-Wilhelm Heidt, geboren am 9. Oktober 1951 in Staffort; verstorben am 25. September 2021 in Stutensee-Staffort, war Berufssoldat der Bundeswehr und Kommunalpolitiker in Stutensee. Von 2004 bis 2021 war er Ortsvorsteher des Stadtteils Staffort. Ludwig-Wilhelm Heidt war der ältere von zwei Söhnen des Stafforter Land- und Schwanenwirts Wilhelm Heidt (1926–1976) und dessen Ehefrau Ingeborg geb. Hauth (1928–2011).
Nach seiner Schulausbildung in Staffort und Karlsruhe erhielt er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei L’Oréal in Karlsruhe mit anschließender
Übernahme in das Angestelltenverhältnis. Nach seiner Einberufung zur Bundeswehr entschied sich Fallschirmjäger Heidt, als Zeitsoldat und später als Berufssoldat zu dienen. Er war 1993 als "Blauhelm" im Auslandseinsatz in Somalia und absolvierte während seiner 34-jährigen Dienstzeit diverse Auslandsaufenthalte mit zahlreichen Anerkennungen. Am 31. Oktober 2004 schied Heidt als Oberstabsfeldwebel aus der Bundeswehr aus. Der langjährige Gemeinderat der Freien Wähler der Stadt Stutensee (1989-2019) und Ortschaftsrat des Stadtteils Staffort wurde 2004 zum Ortsvorsteher
von Staffort gewählt. Sein Mandat wurde 2009, 2014 und 2019 jeweils um weitere fünf Jahre verlängert
Ostfränkische Sammlungen von Dichtung im 9. Jahrhundert
Wenn ein kultivierter Mensch des 9. Jh. den Blick zurück auf seine Bildungslaufbahn
warf, wird er sich kaum einer Zeit erinnert haben können, in der ihn
nicht Dichtung in irgendeiner Form beschäftigte. Die Dichtung des Alten Testaments,
die Psalmen, waren die ersten lateinischen Texte, mit denen die Schüler
die gelehrte Sprache lesen und schreiben lernten. Fabelschreiber wie Avian und
Moralschriftsteller wie Ps.-Cato waren die ersten Begleiter der Schüler in die Welt
des klassischen Lateins. Die großen christlichen Dichter der Spätantike, die
biblische Themen in klassische Formen gebracht hatten, waren unverzichtbare
Studienbücher der lernenden Jugend.
Schon früh wurde darauf Wert gelegt, dass die Schüler das Latein nicht nur
lesen, sondern schreiben und sprechen konnten. Ekkehard IV. hat uns in seiner
Fortsetzung der Casus St. Galli eine Anekdote aufbewahrt, mit der er aus einer
hundertjährigen Distanz die »gute alte Zeit« in der St. Galler Klosterschule zurückruft:
Salomo III., Bischof von Konstanz und Abt von St. Gallen und selbst
einst dort Schüler unter Notker Balbulus, ist zu Beginn des 10. Jh. zu Besuch im
Kloster und visitiert die Schule. Die Schüler setzen ihn aus Spaß als ihren Lehrer
ein, woraufhin er sie mit einer scherzhaften Strafe belegt, aus der sie sich befreien
müssen: »[Und als er dagegen fragte]: ›Wie das?‹, redeten ihn die ganz Kleinen nach ihrem
Wissen lateinisch an, die Mittleren rhythmisch, die übrigen aber metrisch, ja gar rhetorisch
wie für die Rednerbühne.«
Daraufhin freut Salomo sich, dass die Studien immer noch so gedeihen, wie sie es
in seiner Jugend getan haben; er fühlt sich offenbar an die eigene Schulzeit
erinnert. Die erzählende Quelle stimmt mit den Befunden der Handschriften
überein, wie im Kapitel zu St. Gallen gezeigt werden wird: Nach dem Elementarunterricht
lernten die Schüler zuerst rhythmische, dann klassisch-quantitative
Dichtung und zwar bis zur aktiven Kompetenz in beiden Formen. Nicht nur
Dichtung, sondern das Dichten selbst wurde gelehrt, wie man an den extemporierten
Versen der Schüler sieht. Auch von solchen Schülergedichten sind eine
Handvoll erhalten geblieben. Die Verwendung von Rhythmik und Metrik in der
Schule ist kein Phänomen vom Ende des Jahrhunderts, die Kontinuität des
Curriculums reicht viel weiter zurück: Schon in einer schulnahen Handschrift\ud
vomBeginn des 9. Jh. findet sich diese charakteristische Kombination. Salomos
Schulerfahrung und die der Schüler zu Beginn des 10. Jh. ist also Teil einer alten
St. Galler Tradition
Der Waldfriedhof am Hessenberg
Eigentlich ist er gar kein richtiger Friedhof, der Waldfriedhof. Die Anwohner der umliegenden Gehöfte im Geisberg-Gebiet nennen den Ort „`s Friedhöfli“. Fünf behauene Steine mit zum Teil kaum lesbaren Inschriften gruppieren sich auf einer geebneten kleinen Anhöhe oberhalb des Wegs, im Halbkreis von einem Altfichtenbestand eingefasst. Auf der gegenüberliegenden Wegseite laden ein Tisch mit Bänken unter einer Eiche und ein plätschernder Brunnen zum Rasten und zum Genießen der Aussicht ins Kinzigtal