RegionaliaOpen Badische Landesbibliothek
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    Wieblinger Ortsmuseum um Landwirtschaft erweitert

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    In der Ausgabe 2020 dieses Jahrbuchs erschien ein Bericht zur Eröffnung des Wieblinger Ortsmuseums. Dort hieß es: „Außerdem ist eine Erweiterung des Museums geplant, durch die die Landwirtschaft stärker berücksichtigt werden soll“. Diese Erweiterung ist nun abgeschlossen. Der Landwirtschaftsraum befindet sich außerhalb des Museums – hinter dem Alten Rathaus schräg gegenüber dem Helbinghaus im ehemaligen Mannschaftsraum der Freiwilligen Feuerwehr Wieblingen. (Ähnlich ist es in Kirchheim, wo dem Museumsgebäude genau gegenüber die Landwirtschaft in einer alten Scheune untergebracht ist.) Der Grund für die besondere Berücksichtigung der Landwirtschaft ist naheliegend: Wieblingen war wie alle hiesigen Dörfer früher stark landwirtschaftlich geprägt. Eine Besonderheit wie den Weinbau in Rohrbach oder die Steinbrüche in Dossenheim kann Wieblingen nicht aufweisen. Aus einer Wandtafel in der Ausstellung geht hervor, dass 1905 hier noch 76 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig waren; heute sind es 0,25 %! Dieser Strukturwandel ist also noch wesentlich stärker als im gewerblichen Bereich

    "Fasse dich kurz!"

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    Die Erfindung des Telefons und dessen konsequente Weiterentwicklung bis zur Praxistauglichkeit veränderte ausgangs des 19. Jahrhunderts das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in einem damals nicht vorhersehbaren Ausmaß. Endlich ist es möglich geworden, mit einem Geschäftspartner oder einem Freund ohne zeitlichen Versatz, also »live«, in Kontakt zu treten, was bislang mit Briefen oder Telegrammen nicht möglich war. Gewerbetreibende erkannten die neuen Möglichkeiten, die ihnen das Telefon bot, recht schnell. Sie waren die ersten, die diese Vorteile für sich nutzen wollten, während Privatpersonen, teils aus Kostengründen, aber auch aus Zurückhaltung allem Neuen gegenüber, eher verhalten reagierten. Ludwigsburg machte da keine Ausnahme. Mitte 1886, nur rund fünf Jahre nachdem in Deutschland die ersten Telefonnetze eingerichtet wurden, »klingelte« auch hier das erste Telefon. Ein guter Anlass, die Entwicklung dieser in der Stadtgeschichte bisher immer nur am Rand gestreiften bedeutenden technischen Errungenschaft ausführlich darzustellen, wobei auf die nähere Erläuterung technischer Geräte und deren Funktionen verständlicherweise verzichtet wird

    Die "Große Ravensburger Handelsgesellschaft"

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    Denkt man an Ravensburg, das etwa 20 Kilometer im nördlichen Hinterland des Bodensees liegt, könnten gleich zweierlei Assoziationen damit verknüpft sein: zum einen die Ravensburger Spiele und zum anderen die Große Ravensburger Handelsgesellschaft. Während es sich bei ersterem um ein gegenwärtiges, weltweit bekanntes Standortunternehmen handelt, ist die Große Ravensburger Handelsgesellschaft längst Geschichte geworden. Doch genau diese Geschichte bestimmt bis heute in nicht unwesentlichem Maß das lokale Identitätsbewusstsein vieler Ravensburger. Dass dieses Thema seit exakt 130 Jahren auch die Wissenschaft nicht losgelassen hat, zeugt von einem Faszinosum, das nachfolgend mit kritischem Blick und neuen Ansätzen durchleuchtet werden soll

    Die St. Galler Familie Zollikofer in Frankreich und Spanien

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    Die Zollikofer aus St. Gallen gehörten zu den frühen großen, international orientierten Kaufleuten der Schweiz. Um der lateinischen Aussprache entgegenzukommen, wurde der Name in nicht einheitlich geschriebenen Sol(l)icof(f )re geändert. Die weitläufige Familie betrieb ab etwa 1500 neben der Schweiz und anderen Ländern auch in Frankreich und Spanien einen florierenden Handel, anfänglich vorwiegend mit Leinen und Wolltüchern aus der Heimatstadt. Bald kam Safran aus Spanien dazu, ein begehrter Artikel, der für die dynamische Familie weitere Verdienstmöglichkeiten eröffnete. In der vor über 100 Jahren erschienenen Geschichte der Familie wird auf ihre Tätigkeit in Frankreich und in Spanien am Rande eingegangen. Diese wurde in einem neu erschienen Werk von Stefan Sigerist ergänzt. Die Anfänge ihrer Aktivitäten liegen im Dunklen, eine grosse Rolle dürfte die Übernahme der Firma Mötteli vor 1500 gespielt haben. Nach 1450 gründeten die Brüder Rudolf und Lütfrid († 1481) Mötteli aus Buchhorn bei Friedrichshafen in St. Gallen ein Fernhandelsunternehmen, sie waren bis dahin bei der Großen Ravensburger Gesellschaft in führender Stellung tätig gewesen. Lütfrid erwarb das St. Galler Bürgerrecht 1454. Das Unternehmen betrieb Handel mit Südfrankreich und Spanien, die Gründer hatten bereits die Lehre bei einem Onkel in Spanien absolviert und kannten daher die Verhältnisse vor Ort. Der Geschäftsgang war ausserordentlich gut, die beiden Mötteli wurden vermögend. Unter ihren Angestellten in Spanien war Kaspar Zollikofer, es dürften auch weitere Schweizer darunter gewesen sein. Der nächsten Generation war das Kaufmannsleben zu beschwerlich, das Unternehmen verkümmerte, vermutlich übernahm die Familie Zollikofer das Geschäft. In Frankreich wurden über eigene Niederlassungen in Lyon und in Marseille früh bedeutende Umsätze getätigt. Henry IV. (Regierungszeit 1574–1610) bestätigte 1582 seinen »chers amys Simon et Jacques Solicoffre« im Zusammenhang mit Soldverträgen freies Geleit im ganzen Königreich, die davon umgehend Gebrauch machten

    Ein Pfarrer denkt sich Märchen aus

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    Unter badischen Pfarrern fanden sich immer auch Schriftsteller. Hebel ist natürlich zuerst zu nennen, aber auch Emil Frommel (1828–1896), Adolf Schmitthenner (1854–1907), Karl Hesselbacher (1871–1943); von neueren zum Beispiel Karl Hagner (1913–1945), Heinrich Wilhelm Preuß (1910–2000) oder Thomas Weiß (geboren 1961). Auf einen bisher unbekannten schriftstellernden Pfarrer stieß ich durch einen Zufall. Eine Mitbewohnerin im Wohnstift, in dem ich wohne, gab mir, weil sie weiß, dass ich aus Weinheim stamme, ein Märchenbuch zur Ansicht. In dessen Vorwort steht, dass es von einem in Weinheim geborenen Johann Jakob Rutz Anfang des 19. Jahrhunderts verfasst wurde. Johann Jakob Rutz, geboren am 16. Juni 1800 in Weinheim, studierte evangelische Theologie, war Pfarrer in Neunstetten, Linkenheim und Mauer. Er starb am 1. Oktober 1851 und wurde in Mauer beerdigt. Er veröffentlichte 1826 ein Märchenbuch: "Schneeglöckchen – Ein Mährchenkranz für Kinder“, allerdings nicht unter seinem Namen, sondern unter dem Pseudonym J. J. Rudolphi

    Wie viel Einheit braucht die Ökumene?

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    Allerorten ist heutzutage zu lesen, dass der ökumenische Prozess zurzeit vor allem aufgrund der uneindeutigen bzw. bleibend differenten Zukunftsvorstellungen, kurz: an den unvereinbaren Modellen einer Einheit der Kirche(n) ins Stocken geraten ist. Damit ist er nicht nur wieder an seiner Ausgangsfrage angelangt – der Frage nach dem Kirchesein und seinen Kriterien –, sondern er ist zusätzlich gekennzeichnet von einer immer deutlicher werdenden Profilierung der jeweiligen ekklesiologischen Grundansätze, die auf den ersten Blick schlicht unvereinbar erscheinen. Die römisch-katholische Option plädiert bekanntlich für das Modell einer sichtbaren Einheit und fordert dazu nachdrücklich konkrete Kriterien wie die am Bischofsamt festgemachten ekklesialen Strukturen ein, weil sie diese als vom katholischen Selbstverständnis sich nahelegenden ‚Platzhalter‘ für das versteht, was die Kirche Jesu Christi in ihrer geschichtlichen Verwirklichung zu Recht kennzeichnen soll und damit auch als unverzichtbares Kennzeichen der ‚einen‘, der ‚wahren‘ Kirche zu gelten hat (… bis hin zur Unterscheidung von ‚eigentlichem‘ und ‚nicht-eigentlichem‘ Kirchesein [vgl. Dominus Iesus]). Dahinter steht das historische Konstrukt einer auch an ‚äußeren‘, formalen Kriterien festzumachenden Identität der wahren Kirche: Die eine Kirche Jesu Christi bewahrheitet sich durch eine (möglichst ungebrochene), auch strukturelle Kontinuität zu ihrem Ursprung. Diese Idee gerät zwar im Gefolge des Historismus im 19. Jh. unter Druck, weil sie sich historisch einfach nicht halten lässt, nichtsdestotrotz wird sie dort aber mit allen Mitteln verteidigt und gerinnt so zur ekklesialen Geschichtspolitik. Will man also manche ‚Eigenarten‘ des Katholizismus heute verstehen, muss man das 19. Jh. zu verstehen lernen. Die Aporien dieses Versuches, die die Katholische Kirche zu Beginn des 20. Jh. in die sogenannte Modernismuskrise führen, und die damit verbundene Identitätskrise sind bis heute nicht bewältigt. In ökumenischer Perspektive wird schnell deutlich: Wie ist diese Frage der Kontinuität – in ekklesiologischer Perspektive spricht man in der Regel von ‚Apostolizität‘ – in Bezug auf die reale Verwirklichung von Kirche konkret zu beantworten, wie kann dabei zugleich die theologisch notwendige kritische Hinterfragung jeder geschichtlich verwirklichten Gestalt auf das Wesen von Kirche zur Geltung gebracht werden und wie sind die Kontinuitätskriterien dann in der Frage einer zukünftigen Kircheneinheit in Anschlag zu bringen? Gibt es nur eine gültige Form der Erfüllung der Kriterien

    Einführung in die Ausstellung "Aus der Trennung heraus!"

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    Sehr geehrte Frau Präsidentin des Landtags, sehr geehrter Herr Präsident des Landesarchivs, sehr geehrter Herr Landesbischof, lieber Herr Zimmermann, sehr geehrte Teilnehmende an dieser Ausstellungseröffnung vor Ort und zu Hause, gestatten Sie mir eine persönliche Erinnerung zu Beginn: Mein Einstieg in die badische Kirchengeschichte verdankt sich dem 175. Geburtstag der badischen Landeskirche im Jahre 1996. Mir war die Aufgabe übertragen worden, zu diesem Anlass eine Geschichte der evangelischen Kirche in Mannheim neu zu erarbeiten. Gewissermaßen als Nebenprodukt der Arbeiten kam dann noch eine Ausstellung hinzu, die unter dem Titel "Heylige Eintracht“ die konfessionellen Verwerfungen und Einigungsbemühungen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert aufzeigte. Die Ausstellung wurde in der Konkordienkirche gezeigt, auch ihr Name ein Programm, der sich unmittelbar auf die Union von 1821 bezieht. Heute, 25 Jahre später, verlassen wir mit der Jubiläums-Ausstellung und einer umfangreichen Begleitpublikation bewusst den Raum der Kirche, wenn wir in der Kooperation mit dem Landesarchiv Baden-Württemberg die gesellschaftliche Dimension eines kirchengeschichtlichen Themas und Anliegens einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen und zugänglich machen möchten. Die Ausstellung zu 200 Jahren Evangelischer Landeskirche in Baden, die wir heute eröffnen, ist in sechs Themenkreise untergliedert. Der erste befasst sich mit dem Anlass der Ausstellung, der Union von 1821. Der zweite Abschnitt nimmt das Verhältnis von Kirche und Staat in den Blick, der dritte befasst sich mit der Stellung und dem Wirken der Frauen in der Kirche, der vierte wirft einen Blick auf die vielfältigen Erscheinungsformen der Glaubensausübung und Frömmigkeit, der fünfte gilt der Zuwendung der Kirche zu den Bedürfnissen der Welt und der letzte Abschnitt mit einem Blick auch über badische Grenzen hinaus ist der Ökumene gewidmet

    Jacob Friedrich Schön und die Niger-Expedition 1841

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    Jacob Friedrich Schön war wahrscheinlich der erste Deutsche, der die Region besuchte, die später den Namen "Nigeria“ erhielt, sicherlich war er der erste Deutsche, der eine Beschreibung eines Teiles des späteren Nigeria veröffentlichte: sein "Journal of the Niger Expediton" (1842). Er war der erste Erforscher der Hausa-Sprache und übersetzte Teile der Bibel in verschiedene westafrikanische Sprachen. Jacob Friedrich Schön wurde am 28. Dezember 1803 in Oberweiler im Großherzogtum Baden geboren. Der Ort ist heute ein Stadtteil von Badenweiler. Er war das dritte von fünf Kindern des Tagelöhners Johann Jakob Schön und seiner Frau Anna Katharina geb. Reinhardt. Nach Besuch der Grundschule erlernte er den Beruf des Schneiders

    "Sämtliche Juden sind von hier weggebracht worden"

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    Wenn in Südwestdeutschland der Verfolgung der Juden gedacht wird, steht dies fast immer im Zusammenhang der Erinnerungen an den 22. Oktober 1940, nach dem jüdischen Kalender den 20. Tishri 5701. An diesem Tag wurden nahezu sämtliche Juden Badens, der Pfalz und des Saarlandes aus ihrer Heimat herausgerissen, viele Monate bevor die Deportationszüge aus Württemberg und den anderen Ländern des Deutschen Reichs nach Riga und später in die Vernichtungslager Auschwitz, Sobibor und Treblinka rollten. Der Befehl, alle transportfähigen Juden Badens, der Pfalz und des Saarlandes nach Frankreich abzuschieben, kam von Adolf Hitler. Vermittelt durch die Reichsführung der SS unter Heinrich Himmler und des Leiters des Sicherheitsdienstes Reinhard Heydrich setzten der badische Gauleiter Robert Wagner und der Pfälzer Gauleiter Josef Bürckel den Führerbefehl im Voraus eilenden Gehorsam um. Nach Jahren der Anfeindung, Ausgrenzung und Benachteiligung im nationalsozialistischen Deutschland wurde die jüdische Bevölkerung am 22. Oktober 1940 in Zügen an die Demarkationslinie zwischen dem seit Sommer 1940 deutsch besetzten Norden und dem unbesetzten Süden Frankreichs gefahren. Für den Transport der insgesamt 6538 Personen, davon etwa 5590 aus Baden, 825 aus der Pfalz und 134 aus dem Saarland, stellte die Reichsbahn neun Sonderzüge bereit, die bei Mühlhausen (Elsass) den Rhein und bei Chalon-sur-Saône die Grenze zum unbesetzten Frankreich passierten. Diese Aktion wurde von Adolf Eichmann persönlich überwacht

    250 Jahre öffentlich

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    Im Januar 1771 öffnete unsere Bibliothek mit einem Angebot von ca. 11.000 Bänden ihre Türen für die Allgemeinheit. Aus Anlass dieses Jubiläums zeichnen wir aus, was Sinn und Zweck unserer Institution ist: die Nutzung durch die Öffentlichkeit. Für die Badische Landesbibliothek ist das ein besonderes Datum, denn für unsere mehr als 500 Jahre alte Bibliothek gab es anders als für andere Landes- und Universitätsbibliotheken keinen eigentlichen Gründungsakt, dessen Jubiläum wir in Abständen begehen könnten. Es ist schon seltsam: Mit Ausnahme der ersten Monate nach dem 3. September 1942, als die Bibliothek nach einem Bombenangriff dem Erdboden gleichgemacht und ihr Bestand zu 98 % vernichtet war, ist die Badische Landesbibliothek in diesen 250 Jahren niemals irregulär geschlossen gewesen. Vor diesem historischen Horizont lässt sich ermessen, was es für sie bedeutet, der Öffentlichkeit aufgrund der Corona-Pandemie im Jubiläumsjahr ihre Dienste so weitgehend versagen zu müssen. Am 31. Dezember 1770 erließ Markgraf Karl Friedrich von Baden (Abb. 1) für seine Hofbibliothek im Karlsruher Schloss eine erste Benutzungsordnung. 1765 hatte er die Bücher der ehemals Baden-Durlachischen Hofbibliothek in ein gerade fertiggestelltes Nebengebäude des Karlsruher Schlosses bringen lassen. Als er 1771 die Markgrafschaft Baden-Baden erbte, holte er auch die Bücher der Rastatter Hofbibliothek nach Karlsruhe. Der gemeinsame Bestand wurde auf 20.000 Bände geschätzt, das war für die damalige Zeit recht ansehnlich. Als aufgeklärter Landesherr förderte Karl Friedrich Bildung, Kultur und Wissenschaft in besonderem Maße

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