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Wie aus Opfern Täter wurden : Die Transformation politischer Häftlinge zu Systemkollaborateuren im DDR-Strafvollzug
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Phänomen der Systemkollaboration politischer Häftlinge in den Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit sowie in den Strafvollzugseinrichtungen der DDR und wurde von 2021 bis 2024 verfasst. Erstmals kommen im Rahmen einer breit angelegten qualitativen Interviewforschung Betroffene zu Wort, die während ihrer politischen Haft in das Fadenkreuz des MfS geraten sind und zu sogenannten Zelleninformatoren bzw. Häftlings-IM (Inoffiziellen Mitarbeitern) transformiert wurden. Deren Selbstzeugnisse werden mit der Aktenlage im Stasi-Unterlagen- bzw. Bundesarchiv kontrastiert und multiperspektivisch analysiert. Im Zuge dieser Analyse entfaltet sich ein "dynamisches Feld der Systemkollaboration", welches die Facetten dieses Phänomens besser verstehen lässt, Schwarz-Weiß-Denken auflöst und die klassische Täter-Opfer-Dichotomie in Frage stellt. Dabei haben sich Handlungsmuster und -typen herauskristallisiert, die den engen Entscheidungsrahmen aller Betroffenen verdeutlichen und aufzeigen, wie politische Häftlinge erneut zu Opfern wurden und wie es ihnen zuweilen dennoch gelang, unter schwierigsten Bedingungen ihre Integrität zu bewahren bzw. sie wiederzuerlangen. Zudem werden das Vorgehen und die Mechanismen des MfS, politische Gefangenen zu Systemkollaborateuren zu transformieren, offengelegt sowie in den politisch-historischen Zusammenhang der Verfolgung und Repression im SED-Staat gestellt, um die Ergebnisse der Arbeit auch für die weitere Forschungs- und Bildungsarbeit zugänglich zu machen
Amtliche Bekanntmachungen, 55. Jahrgang, Nr. 54
Beschluss des Fakultätsrats der Agrar-, Ernährungs- und Ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 2. Juli 2025 zum Außerkraftsetzen der Prüfungsorganisationsordnung 2020 sowie von Prüfungsordnungen der Agrar-, Ernährungs- und Ingenieurwissenschaftlichen Fakultä
Regenerative Parodontalchirurgie und kieferorthopädische Zahnbewegung bei Stadium IV Parodontitis : Ergebnisse klinischer Studien
Parodontitis im Stadium IV ist charakterisiert durch schweren Verlust an parodontalem Attachment, vertikale Knochendefekte und pathologische Zahnwanderung (PTM). Die Komplexität des Krankheitsbildes aufgrund von PTM - gekennzeichnet durch Elongationen, Auffächerungen und Lückenbildungen in Verbindung mit sekundärem okklusalem Trauma, bis hin zu Bisskollaps und mastikatorischer Dysfunktion - erfordert eine komplexe interdisziplinäre Therapie, um Funktion und Ästhetik sowie Lebensqualität der Patienten wiederherzustellen.
In zwei retrospektiven Studien wurde anhand einer großen Patientenkohorte untersucht, ob die kombinierte Therapie von regenerativer Parodontalchirurgie intraossärer Defekte mit anschließender kieferorthopädischer Zahnbewegung zum Zahnerhalt und Wiedereinordnung der pathologisch gewanderten Zähne in die Zahnreihe in der Praxisrealität einer parodontologischen Fachzahnarztpraxis möglich ist. Es konnte gezeigt. werden, dass die kombinierte Therapie zu einer statistisch signifikanten Verbesserung des radiologischen Knochenniveaus und Taschenelimination führt, die auch nach 10 Jahren zu langzeitstabilen parodontalen Verhältnissen und langfristigem Zahnerhalt und von mehr als 95 % der ehemals schwer parodontal vorgeschädigten Zähne führte, wenn die Patienten an einer engmaschigen UPT teilnahmen. Weiterhin wurde im Rahmen einer prospektiven multizentrischen randomisierten Studie die Auswirkung des Zeitpunktes des Beginns der kieferorthopädischen Zahnbewegung nach regenerativer Therapie auf die parodontale Heilung untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass ein Jahr nach regenerativer Therapie keine statistisch signifikanten Unterschiede bei frühem (4 Wochen) oder verzögertem (6 Monate) Beginn der kieferorthopädischen Zahnbewegung in Bezug auf CAL-Gewinn oder Taschenelimination beobachtet werden konnten. Der frühe Beginn der kieferorthopädischen Zahnbewegung nach regenerativer Therapie führte nach 24 Monaten sogar zu weiterem, statistisch signifikant höherem Attachmentgewinn und gleichzeitig die Behandlungsdauer für die Patienten verkürzt. Zahnerhalt und Wiedereinordnung der pathologisch gewanderten Zähne in die Zahnreihe werden aufgrund der Rekonstruktion von Funktion und Ästhetik von Patienten mit Parodontitis im Stadium IV als deutliche Verbesserung ihrer Mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität (OHrQL) wahrgenommen. Die Ergebnisse der retrospektiven und der prospektiven Studie waren maßgeblich an den Empfehlungen der europäischen S3-Leitlinie zur Therapie der Parodontitis im Stadium IV der kombinierten regenerativ-parodontalchirurgischen Therapie intraossärer Defekte mit anschließender kieferorthopädischer Zahnbewegung beteiligt.
Als Alternative zur Multibandtherapie wurde der Einsatz neuerer, herausnehmbarer kieferorthopädischer Aligner Schienen bei der kombinierten Therapie bei Stadium IV Parodontitis nachuntersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass die Alignertherapie eine mögliche Option zur Multibandtherapie ist, um pathologisch gewanderte Zähne nach regenerativer Therapie wieder in die Zahnreihe einzuordnen. Allerdings ist der positive Einfluss auf die parodontalen Parameter in Bezug auf Gewinn an radiologischem Knochenniveau und Taschenelimination nach Abschluss der kieferorthopädischen Therapie geringer als mit festsitzenden Multibandapparaturen
On the X-ray Emission of Massive Binary Stars
This thesis is dedicated to the theoretical investigation of massive binary systems consisting of a normal star and a neutron star or black hole as a companion. The initial focus lies on the mass transfer from an evolved star to a compact companion, analyzed through numerical simulations using a stellar evolution code. The objective is to examine the influence of the hydrogen/helium gradient in the envelope of the massive star on the mass transfer process. To this end, stellar models are constructed with variations in the H/He gradient and the mass of the hydrogen-rich envelope. These models are then used to simulate behavior under constant mass loss and during mass transfer to a compact object.
The simulations indicate that the presence of a hydrogen/helium gradient in the outer layers of a massive star increases the mass–radius exponent, contributing to the stabilization of the mass transfer. It is demonstrated that mass transfer on a nuclear timescale can remain stable, even in systems with a large mass ratio between the components. Furthermore, it is shown that such stabilized mass transfer may be followed by a common-envelope phase. A comparison with observed X-ray binaries supports the theoretical predictions.
A second major focus concerns the detectability of compact companions to massive stars. The goal is to develop a methodological framework that enables the identification of previously undetected companions. This is achieved by simultaneously analyzing X-ray and radial velocity signatures associated with a potential companion to a given massive star. The result is a set of diagnostic diagrams that can be readily applied to single-lined spectroscopic binaries and apparently single massive stars to infer the presence and nature of a companion.
Various models for X-ray emission in massive binary systems are compiled, including a method to estimate whether an accretion disk can form around a black hole. The findings suggest that significant X-ray emission can be expected only if such a disk is present, providing a basis for observational detectability.
The developed methodology is applied to selected massive stars. The analysis suggests that several apparently single Wolf–Rayet stars may host a black hole companion with X-ray emission too faint to have been detected thus far. Evidence also indicates that the single-lined binary VFTS 234 likely contains such a faint X-ray black hole companion. Similar conclusions are drawn for VFTS 514 and VFTS 779.
The overall findings suggest that massive stars can host faint X-ray black hole companions, provided their wind velocities are sufficiently high. These results lend support to the hypothesis of a large, previously undetected population of stellar black holes as companions to massive stars, as predicted by various theoretical studies
Verlust und Glück beim Prozess des Übersetzens : Eine Studie über Günther Debon (1921–2005) und seine Übersetzungen klassisch-chinesischer Dichtkunst
In den letzten zwei Jahrhunderten wurden sowohl die Übersetzungstheorie als auch die Übersetzung zwischen dem deutsch-chinesischen Sprachpaar intensiv erforscht. Im Hinblick auf die Übersetzung zwischen den beiden Sprachen konzentrierte sich die Forschung jedoch meist auf die bekanntesten Vertreter, wie z. B. Richard Wilhelm (1873-1930). Viele Übersetzer, die ebenfalls bedeutende Leistung erbracht haben, belieben hingegen unbeachtet. Vertreter davon ist der deutsche Sinologe und Übersetzer Günther Debon (1921-2005).
Debon widmete sich der Übersetzung und Untersuchung klassisch-chinesischer Dichtkunst. Während er durch das Fachgebiet in deutschsprachigen Raum anerkannt ist, ist er im chinesischen wissenschaftlichen Diskurs bis heute kaum bekannt. Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Dissertation einer vertiefenden Untersuchung zu Günther Debon und seinen Übersetzungen klassisch-chinesischer Dichtkunst.
Theoretisch stützt sich die Arbeit auf den übersetzerischen hermeneutischen Auffassungen. Hermeneutik ist ein umfangreicher Begriff, um diesen umfassenden Begriff mit meiner Arbeit enger zusammen zu verbinden, wurden die vertretenden Auffassungen von Hans Georg Gadamer (1900–2002), Paul Ricoeur (1913–2005), Emilio Betti (1890–1968) ausgewählt. Weil ihre hermeneutischen Auffassungen zum Teil direkt mit der Sprache und der Übersetzung zu tun haben. Methodisch wird die Untersuchung im Rahmen der Textanalyse durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigen: Übersetzen bedeutet nicht, mithilfe eines zweisprachigen Lexikons einen Text aus der Ausgangssprache in den einer Zielsprache zu übertragen. Übersetzen heißt, etwas zu wissen; um einen Text wie diesen zu übertragen, bedarf es Dreierlei: 1. der Kenntnis der fremden Kultur; 2. der Kenntnis der eigenen Kultur; 3. der Kenntnis von Kultur als einem interkulturellen Geschehen (Kubin 2020: 84; 101); im Hinblick auf Debons Übersetzung spielt die ästhetische Wiederherstellung statt der inhaltlichen Wiedergabe bei Debon die wichtigste Rolle. Der wesentliche Unterschied zwischen den Übersetzungen von Debon und anderen Übersetzern liegt darin, dass das Fremde in der Übersetzung beibehalten und die Interpretation streng metrisch formuliert wird
Robotics in Horticulture: From Sensor Data to Autonomous Harvesting
Our agricultural production system has to cope with an increased demand for food, feed, fuel, and fiber in a range between 30% and 60% caused by a rapidly growing world population, set to reach 10 billion in 2050, and changing life style. At the same time, we need to overcome a set of challenges caused by climate change and our unsustainable farming practices. First, unsustainable agricultural practices, such as the intensive use of agrochemicals, led to salinization, desertification, and soil erosion, resulting in a substantial loss of arable land. Second, developed countries have been increasingly concerned about labor scarcity due to an ageing workforce paired with a low number of new entrants in the sector. As a result, our farming system would need to increase the yield per area unit relying on seasonal workers, often largely represented by migrant labor. Within such a frame, the need to rethink our entire production systems in terms of sustainability and automation stands out clearly.
Robotic systems offer an alternative perspective to standard agricultural practices along the whole production line.
Robots can take over labor-intensive tasks for which finding workers is getting harder and harder, such as pruning and harvesting;
robots can reduce agrochemical inputs by means of targeted weeding instead of uniformly spraying the entire field;
robots can continuously monitor fields at a large scale to provide measurements about the state of plants that breeders can use to develop more resilient crop varieties.
Finally, robots can facilitate the implementation of different growing techniques, such as vertical farming, to increase yield per unit area and reduce transportation from farmers to customers.
Labor shortage is one of the main concerns in horticultural production systems for high-quality crops, which strongly rely on human workers. To date, human workers are still more productive and efficient of robotic solutions in tasks such as pruning, thinning, and harvesting due to the challenging environment and the dexterity needed to handle plants without harming them.
To be effective across such a diverse list of tasks, robots need robust and accurate perception systems able to cope with domain-specific challenges to improve the robot's awareness of its surroundings. To name a few, agricultural environments are naturally cluttered, meaning obtaining a complete observation of the robot's surroundings is challenging. Additionally, agricultural environments present a large number of variations caused by plant growth, light conditions, soil state, and growing techniques used by the farmers. Such challenges represent a limitation for the widespread adoption of robotic technologies as their efficacy differs based on the ability of the robot to perceive its working environment.
The main contributions of this thesis are novel perception systems for agricultural robots across different tasks with a strong focus on horticulture. First, we introduce computer vision algorithms for estimating the 3D shape of plants and fruits when only a partial and often noisy observation is available. Second, we develop techniques to better understand and monitor plants and fruits by finding data associations in point clouds obtained at different points in time. Third, we propose an approach to adapt image segmentation models that distinguish pixels belonging to different semantic classes to new, unseen environments. Finally, we integrate these novel vision techniques to complete 3D shapes in a robotic harvesting pipeline implemented on a vertical farm.
In summary, this thesis contributes to different research directions, including semantic, geometric, and temporal interpretation of sensor data in agricultural robotic systems. Such contributions culminate with the integration of advanced perception techniques into an autonomous robotic harvesting pipeline that proved more general and more robust than the current state-of-the-art. The computer vision approaches presented in this work allow for a more precise estimation of 3D plants and fruits geometry, as well as improving spatio-temporal understanding of their development while showing how to adapt such vision systems to new environments. The techniques presented in this thesis contribute to robotic systems that can more robustly deal with the challenges posed by agricultural environments. Thus, they make a concrete step toward a food production system that relies less on human workers and more on autonomous systems
Advances in Machine Learning Approaches for Biostatistical Learning
This habilitation thesis summarized current state-of-art advances in machine learning for biomedical applications. The first contribution was the development of a framework for tuning KDSN to increase prediction performance (Welchowski and Schmid, 2016). KDSN are a computational efficient alternative to backpropagation-based artificial neural network techniques with comparable prediction performance on biomedical tabular data that allow layer-wise closed form solutions. The proposed model-based tuning framework is much shorter in terms of computation time than grid-based search strategies. This work was extended to SKDSN that includes variable selection, dropout and regularization to make KDSN more flexible (Welchowski and Schmid, 2019). SKDSN modifications improved upon the performance of KDSN, but could not match the performance of ensemble methods applied to biomedical tabular data sets, especially when the number of covariates was high. IML methods provide tools to gain further insights from those black-box models. A case study in ecology highlighted strength and weaknesses of IML methods that quantify magnitude of effects and their interactions (Welchowski et al., 2022). In particular, graphical tools showed their limits to investigate higher order interaction effects. Previous approaches for inference of model-agnostic interaction effects were limited to few comparisons of covariates sets due to computational runtime intensive resampling and prediction model refitting. The follow-up article Welchowski and Edelmann (2024) then developed a model-agnostic interaction hypothesis test to detect interaction effects to address these shortcomings. Simulations showed control of type I error and reasonable power levels were achieved with approximately few hundred observations. Furthermore due to the derived asymptotic distribution the test is far more computational runtime efficient than previous approaches and can be flexibly specified to covariate sets of interest.Diese Habilitationsschrift fasste den aktuellen Stand des maschinellen Lernens für biomedizinische Anwendungen zusammen. Der erste Beitrag war die Entwicklung eines Frameworks zur Optimierung von KDSN zur Verbesserung der Vorhersageleistung (Welchowski und Schmid, 2016). KDSN stellen eine rechnerisch effiziente Alternative zu Backpropagation-basierten künstlichen neuronalen Netzen dar und bieten vergleichbare Vorhersageleistung für biomedizinische Tabellendaten, die schichtweise geschlossene Lösungen ermöglichen. Das vorgeschlagene modellbasierte Optimierungsframework ist deutlich rechenzeitsparender als gitterbasierte Suchstrategien. Diese Arbeit wurde auf SKDSN erweitert, das Variablenauswahl, Dropout und Regularisierung umfasst, um KDSN flexibler zu gestalten (Welchowski und Schmid, 2019). SKDSN-Modifikationen verbesserten die Leistung von KDSN, erreichten jedoch nicht die Leistung von Ensemble-Methoden für biomedizinische Tabellendatensätze, insbesondere bei hoher Anzahl an Kovariablen. IML-Methoden bieten Werkzeuge, um weitere Erkenntnisse aus diesen Black-Box-Modellen zu gewinnen. Eine Fallstudie aus der Ökologie verdeutlichte die Stärken und Schwächen von IML-Methoden zur Quantifizierung des Ausmaßes von Effekten und ihrer Wechselwirkungen (Welchowski et al., 2022). Insbesondere grafische Werkzeuge zeigten ihre Grenzen bei der Untersuchung von Interaktionseffekten höherer Ordnung. Frühere Ansätze zur Inferenz modellagnostischer Interaktionseffekte beschränkten sich aufgrund rechenintensiver Resampling- und Modellanpassungen auf wenige Vergleiche von Kovariablen. Der Folgeartikel von Welchowski und Edelmann (2024) entwickelte daraufhin einen modellagnostischen Interaktionshypothesentest zur Erkennung von Interaktionseffekten, um diese Defizite zu beheben. Simulationen zeigten eine Kontrolle des Fehlers erster Art und ein angemessenes Trennschärfeniveau mit etwa einigen hundert Beobachtungen. Darüber hinaus ist der Test aufgrund der abgeleiteten asymptotischen Verteilung weitaus rechenzeiteffizienter als frühere Ansätze und kann flexibel an die jeweiligen Kovariablen angepasst werden
Studie zur medikamentösen Therapie und zum klinischen Outcome von Hämodialysepatienten mit Vorhofflimmern aus einem deutschen Benchmark-Register
Bei Patienten mit chronischer Hämodialyse (HD) tritt häufig zusätzlich Vorhofflimmern (AF) auf. Aufgrund des erhöhten Schlaganfallrisikos von AF-Patienten empfehlen die aktuellen ESC-Guidelines für die Allgemeinbevölkerung unter Berücksichtigung des individuellen Insultrisikos (CHA2DS2-VASc Score) und des Blutungsrisikos (HAS BLED Score) eine orale Antikoagulation (OAK), bevorzugt mit NOAKs (Neue Orale Antikoagulanzien). Bei bisher unklarer Evidenz wurde für HD-Patienten mit AF bisher keine Therapieempfehlung gegeben. Ziel dieser Studie war es, die Versorgungsrealität der medikamentösen Therapie und das klinische Outcome von HD-Patienten mit AF in Deutschland mittels einer retrospektiven Analyse einer großen Datenbank (2013 - 2018) zu evaluieren.
Neben einer 48,6-prozentigen Verordnung von Betablockern erhielten ca. 1/3 der Patienten keine aktive und ca. 2/3 der Patienten eine aktive antithrombotische Therapie: 1/3 wurde mit einer OAK-Therapie (31,7 % Marcumar, 0,5 % NOAKs) versorgt. Das restliche Drittel erhielt ein atypisches Regime mit nur antithrombozytärer Therapie (26 %) oder Heparin-Therapie (11,6 %). Trotz keiner evidenzbasierten Leitlinien zeigte sich von 2013 bis 2018 ein signifikanter Anstieg der OAK-Therapie (Marcumar und NOAKs) bei signifikantem Abfall der nicht-aktiven Therapie. Initial hatten die Patienten hohe Werte im CHA2DS2-VASc Score und HAS BLED Score, allerdings ohne Differenz zwischen den aktiven und nicht-aktiven antithrombotischen Therapien. Zusätzlich fanden sich deutlich niedrigere de-novo-Eventraten an ischämischen Schlaganfällen und systemischen Thrombembolien als vom CHA2DS2-VASc Score prognostiziert und es bestand auch hier kein signifikanter Unterschied zwischen den aktiven und nicht-aktiven Therapieregimen. Auch in der Blutungsrate ließ sich kein signifikanter Unterschied zwischen einer Marcumar- Therapie und der nicht-aktiven antithrombotischen Therapie feststellen. Somit sind die für die Allgemeinbevölkerung etablierten Risikoscores bei HD-Patienten ohne spezifischen Prognosewert und sollten nicht verwendet werden. Es bedarf der Validierung passender Risikoscores für HD-Patienten. Das klinisch dominante Event der HD-Patienten mit AF besteht primär in der 10-fach erhöhten Sterblichkeit (ca. 10 %/Jahr) und weniger in Thrombembolien (< 1 %/Jahr) oder schweren Blutungen (< 1 %/Jahr). Dies sollte bei der Patientenaufklärung und der Diagnostik/Therapie stärker berücksichtigt werden. Wir fanden ein signifikant besseres Überleben unter einer Marcumar-Therapie und einer nur antithrombozytären Therapie im Vergleich zur nicht-aktiven antithrombotischen Therapie, weshalb nach unserer Langzeitstudie eine nicht-aktive Therapie eher nicht zu empfehlen ist. Daneben zeigte sich kein Unterschied in dem Überleben unter der Marcumar- und der nur antithrombozytären Therapie. Neben der gewählten Therapie stellten sich das männliche Geschlecht, das niedrige Serumalbumin, der hohe CCI (Charlson Comorbidity Index) und das hohe Alter als unabhängige mortalitätssteigernde Risikofaktoren dar. Diese Faktoren sollten entsprechend in der klinischen Therapieentscheidung eine stärkere Rolle spielen. In der Literatur zeigen sich bezüglich der Morbidität und Mortalität von HD-Patienten mit AF unter verschiedenen Therapien uneinheitliche Ergebnisse, wahrscheinlich durch die klinische Varianz der Patientenkollektive, der Datenbasis und der kürzeren Follow-Up Zeiten in Studien, die oft auf US-Medicare-Daten basieren. Drei kleine randomisierte klinische Studien konnten zuletzt zweimal eine Nichtunterlegenheit (Apixaban) und einmal eine Überlegenheit (Rivaroxaban) der NOAKs verglichen mit Vitamin K-Antagonisten beobachten. Zudem zeigen erste Studien ein gutes Outcome nach Vorhofohrverschluss in dieser Hochrisikokohorte. Aktuell fehlen leider valide prospektive Vergleichsstudien, sodass unsere Outcome-Daten einer großen deutschen Kohorte eine pragmatische Orientierung für eine individuell passende antithrombotische Therapieentscheidung für HD-Patienten mit AF sein können und ein therapeutischer Nihilismus ohne aktive Therapie erscheint nicht mehr gerechtfertigt
Doing more with less - Identifying opportunities for sustainable agricultural intensification with Life Cycle Assessment
Sustainable intensification of agriculture is the challenge of the coming decades. For example, the United Nations state that demand for food will rise by 60% until 2020. The challenge is to produce "more crop per drop" while lowering GHG emissions and halt biodiversity loss from cropland expansion and from agrochemical pollution. The overall goal of the dissertation is to contribute to the development of policies and scientific methodologies to support sustainable agricultural intensification. Core methodology for this contribution is the Life Cycle Assessment (LCA) methodology. LCA is a well-established method to assess the environmental impacts of products over their complete life cycle. The first policy that required a LCA for each product batch from the producer was the EU Renewable Energy Directive. Several calculation tools were developed by market players to help farmers and processing industry to compile these LCAs. However, it was not known if a producer would get the same result from each tool when entering the same production data. In chapter 2 we make a systematic comparison between the two main tools on the market. We show that results of both tools differed up to 50% for the same production pathway. This means that producers may be able to improve their GHG balance by choosing a different tool without any actual improvements in the process. These findings show a policy gap, a regulatory gap that needs to be addressed by policy makers in order to guarantee a level playing field on the market and to create an incentive to improve the GHG performance of crop production. The findings of this thesis are of high relevance for national authorities that oversee implementing the EU renewable energy directive and in general for policy makers that would like to make a policy of this kind (LCA-policy connection). Global LCA studies on impacts of agricultural production exist, however they often do not sufficiently take site-specific conditions into account. We look in the third chapter at individual producers in Mexico to assess if and how biofuels can be produced in Mexico without aggravating water scarcity, reducing greenhouse gas (GHG) emissions and avoiding indirect land-use changes
Evaluation einer strukturierten neurootologischen Befunderhebung in der interdisziplinären Schwindelabklärung
Befundberichte neurootologischer Funktionsdiagnostik im Rahmen der interdisziplinären Schwindelabklärung werden meist als Freitextbefunde ("free text reports", FTR) formuliert. Diese unterliegen häufig einer großen Variabilität, sodass hier Informationsverluste möglich sind. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Befundvollständigkeit strukturierter Befunde ("structured reports", SR) und die Zuweiserzufriedenheit im Rahmen der neurootologischen Funktionsdiagnostik zu evaluieren.
Material und Methoden
Retrospektiv wurden konsiliarisch durchgeführte neurootologische Funktionsdiagnostiken (n=88) ausgewertet. Anhand der vorliegenden Rohdaten erfolgte mittels einer spezifischen Befunderhebungsmaske für neurootologische Funktionsdiagnostik die Erstellung korrespondierender SR zu den FTR aus der klinischen Routine. FTR und SR wurden auf Vollständigkeit und die Zufriedenheit der zuweisenden Ärzte (n=8) mittels eines Fragebogens mit visueller Analogskala (VAS) untersucht.
Ergebnisse
Im Vergleich zu den FTR zeigten die SR eine signifikant erhöhte Gesamtvollständigkeit (73,7 vs. 51,7 %; p
Schlussfolgerung
Neurootologische SR ermöglichen eine deutlich gesteigerte Vollständigkeit der Befunde bei höherer Zufriedenheit der Zuweiser im Kontext der interdisziplinären Schwindelabklärung. Darüber hinaus eignen sich SR ideal zur wissenschaftlichen Datenanalyse, insbesondere im Rahmen von Big-Data-Analysen