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Engagement oder Widerstand? Eine Analyse der Wechselwirkung von Schüler:innen-Agency und Autonomieunterstützung durch die Lehrperson.
Engagement oder Widerstand? Eine Analyse der Wechselwirkung von Schü-ler:innen-Agency und Autonomieunterstützung durch die Lehrperson.
Einleitung
Unter der Annahme der Ko-Konstruktion tragen Schüler:innen und Lehrpersonen gemeinsame Ver-antwortung für die Entwicklung von Unterricht (z.B. Vieluf et al. 2020). Die wechselseitigen Einflüsse zwischen Schüler:innen und Lehrpersonen wurde in der Forschung bisher jedoch weitgehend ver-nachlässigt. (vgl. Nurmi et al., 2015).
Schüler:innen zeigen im Sportunterricht häufig eigene Initiativen die auf das Mit-machen, Anders-machen oder Anderes-machen abzielen. (Kamper, 2015). Diese können im Einklang mit den Zielen der Lehrperson stehen, aber auch Ausdruck von Widerstand und Opposition sein. (Mameli et al. 2023).
Agentic Engagement beschreibt jene proaktiven Handlungen von Schüler:innen mit denen sie versu-chen ihre Lernbedingungen zu verbessern, indem sie ihre Lehrperson im Unterricht beeinflussen (Reeve, 2013). Unterstützen die Lehrpersonen ihre Schüler:innen in diesem Engagement, so kann dies zu einem positive Feedbackloop zwischen Schüler:innen und Lehrpersonen führen. (Jang et al., 2023; Matos et al., 2018).
Andererseits, wenn Schüler:innen versuchen ihr Bedürfnis nach Autonomie durch oppositionelles Verhalten zu verteidigen, wird angenommen, dass Lehrpersonen verstärkt Kontrolle ausüben und Disziplin einfordern (Rajala et al., 2016) und damit eine negative Verstärkung bewirken. (Van Pete-gem et al. 2015)
Diese Studie trennt konstruktive und disruptive Initiativen der Schüler:innen und untersucht deren Wechselwirkungen mit dem Lehrpersonenverhalten im Sportunterricht der Primarschule mittels einer längsschnittlichen Analyse.
Methode
Angehende Lehrpersonen (n = 39) und ihre Schüler:innen (n = 732) wurden in der ersten und vierten Woche eines Vollzeit-Praktikums, im letzten Semester der Ausbildung an der Pädagogischen Hoch-schule, mittels Fragebogens befragt. Die Schüler:innen-Selbsteinschätzungen umfassten Agentic Engagement (α = .70/.76) (Agentic Engagement Scale (AES); Reeve, 2013), intrinsisch motiviertes oppositionelles Verhaltens (α = .81/.84) (Eigenentwicklung in Anlehnung an Aelterman et al. 2016), wahrgenommene Autonomieunterstützung (α = .56/.76) (Students’ motivation in Physical Education (SMoPE), Kohake & Heemsooth, 2021), sowie inhaltsbezogene Lernfreude (α = .88/.91) (adaptiert nach Achievement Emotion Questionnaire (AEQ-S), Bieleke et al. 2020). Längsschnittliche reziproke Einflüsse wurden durch ein latentes Cross-Lagged-Panel Modell (Χ2(664) = 1103.824, p < 0.001; CFI = .936, RMSEA = .030, SRMR = .051) überprüft.
Ergebnisse
Die Ergebnisse bestätigten den positiven Einfluss autonomieunterstützenden Lehrpersonenvehal-tens auf das Agentic Engagement der Schüler:innen, sowie den erwarteten negativen Einfluss auf oppositionelles Verhalten. Ebenso wurde ein positiver Effekt auf die Lernfreude gemessen. Die vor-hergesagten reziproken Einflüsse der Schüler:innen auf die Autonomieunterstützung durch die Lehr-personen konnten jedoch weder für Agentic Engagement, noch für oppositionelles Verhalten gefun-den werden. Die Ergebnisse zeigen, dass autonomieunterstützendes Lehrpersonenverhalten konstruktive Schü-ler:innenbeteiligung fördern kann und abweichendes Verhalten minimiert. Es wird diskutiert wie auch positive reziproken Einflüsse der Schüler:innen auf ihre Lehrpersonen gelingen können.
Literatur
Aelterman, N., Vansteenkiste, M., Soenens, B., & Haerens, L. (2016). A dimensional and person-centered perspective on controlled reasons for non-participation in physical education. Psychology of Sport and Exercise, 23, 142–154. https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2015.12.001
Bieleke, M., Gogol, K., Goetz, T., Daniels, L., & Pekrun, R. (2021). The AEQ-S: A short version of the Achievement Emo-tions Questionnaire. Contemporary Educational Psychology, 65, 101940. https://doi.org/10.1016/j.cedpsych.2020.101940
Jang, H.-R., Basarkod, G., Reeve, J., Marsh, H., Cheon, S. H., & Guo, J. (2023). Longitudinal reciprocal effects of agentic engagement and autonomy support: Between- and within-person perspectives. Journal of Educational Psychology. https://doi.org/10.1037/edu0000815
Kamper, S. (2015). Schüler im Sportunterricht: Eine empirische Untersuchung zur Aufdeckung und Beschreibung von Schülerpraktiken. Feldhaus Eddition Czwalina.
Kohake, K., & Heemsoth, T. (2021). Need support, need satisfaction and types of motivation in Physical Education for chil-dren aged 8 to 13. Development and preliminary validation of the German SMoPE-instrument. Current Issues in Sport Science (CISS), 6, 005. https://doi.org/10.36950/2021ciss005
Mameli, C., Grazia, V., & Molinari, L. (2023). Student agency: Theoretical elaborations and implications for research and practice. International Journal of Educational Research, 122, 102258. https://doi.org/10.1016/j.ijer.2023.102258
Matos, L., Reeve, J., Herrera, D., & Claux, M. (2018). Students’ Agentic Engagement Predicts Longitudinal Increases in Perceived Autonomy-Supportive Teaching: The Squeaky Wheel Gets the Grease. The Journal of Experimental Educa-tion, 86(4), 579–596. https://doi.org/10.1080/00220973.2018.1448746
Nurmi, J.-E., & Kiuru, N. (2015). Students’ evocative impact on teacher instruction and teacher–child relationships: Theoreti-cal background and an overview of previous research. International Journal of Behavioral Development, 39(5), 445–457. https://doi.org/10.1177/0165025415592514
Rajala, A., Kumpulainen, K., Rainio, A. P., Hilppö, J., & Lipponen, L. (2016). Dealing with the contradiction of agency and control during dialogic teaching. Learning, Culture and Social Interaction, 10, 17–26. https://doi.org/10.1016/j.lcsi.2016.02.005
Reeve, J. (2013). How students create motivationally supportive learning environments for themselves: The concept of agentic engagement. Journal of Educational Psychology, 105(3), 579–595. https://doi.org/10.1037/a0032690
Van Petegem, S., Vansteenkiste, M., Soenens, B., Beyers, W., & Aelterman, N. (2015). Examining the longitudinal associa-tion between oppositional defiance and autonomy in adolescence. Developmental Psychology, 51(1), 67–74. https://doi.org/10.1037/a0038374
Vieluf, S., Praetorius, A.-K., Rakoczy, K., Kleinknecht, M., & Pietsch, M. (2020). Angebots-Nutzungs-Modelle der Wirkweise des Unterrichts. Ein kritischer Vergleich verschiedener Modellvarianten. In A.-K. Praetorius, J. Grünkorn, & E. Klieme (Hrsg.), Empirische Forschung zu Unterrichtsqualität. Theoretische Grundfragen und quantitative Modellierungen (S. 63–80). Beltz Juventa.Schweizerischer NationalfondsPublishe
Digital Technologies and Online Learning in Primary Education (Switzerland): Primary Education
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Beziehungen – Strukturen – Rechnenlernen (BeSTeR): Förderung in Tandems von Kindern mit besonderen Schwierigkeiten in Mathematik
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Instrumente zur Erfassung der exekutiven Funktionen: Das Potential von digitalen Apps für das Dialogische Lesen – PoDiA
Dialogisches Lesen ist eine Methode der Bilderbuchbetrachtung, bei der Beiträge der Kinder ausdrücklich erwünscht sind
(Whitehurst et al. 1994). In zahlreichen Studien konnte bestätigt werden, dass sich das dialogische Lesen förderlich auf emergent literacy skills wie Wortschatz (Flack, Field & Horst, 2018) und das Verständnis der Geschichte (z.B. Grolig et al., 2020) auswirkt.
Geschichten für Kinder gibt es nicht nur als gedruckte Bücher, sondern auch als Bilderbuch-Apps. Im Gegensatz zu gedruckten Bilderbüchern enthalten Apps oft interaktive Elemente wie Hotspots, Animationen, Sounds oder gar Aufgaben und Spiele. Studien, die untersucht haben, wie sich das Format auf die Interaktion zwischen erwachsener Person und Kind, die Aufmerksamkeit und Beteiligung des Kindes sowie auf dessen emergent literacy skills auswirkt, zeigen gemischte Befunde (Christ, Wang, Chiu & Cho, 2019; Richter & Courage, 2017; Strouse & Ganea, 2016; Krcmar & Cingel, 2014). Weiter scheinen neben dem Format Merkmale der erwachsenen Person sowie des Kindes die genannten Variablen zu beeinflussen (Richter & Courage, 2017; Reich, Yau & Warschauer, 2016; Takacs, Swart & Bus, 2015). In diesem Zusammenhang werden u.a. die exekutiven Funktionen des Kindes genannt (Richter & Courage, 2017). Es wird vermutet, dass Kinder mit ausgereifteren exekutiven Funktionen die Aufmerksamkeit auch bei komplexeren Situationen und mehreren Informationskanälen aufrechterhalten und sich auf die wesentlichen Elemente der Geschichte fokussieren sowie Ablenkung durch irrelevante Elemente unterdrücken können (Richter & Courage, 2017; Blair & Razza, 2007).
Hier setzt das SNF-Projekt «Das Potential von digitalen Apps für das Dialogische Lesen – PoDiA» an. Es geht u.a. der Frage
nach, wie sich das Format und die Art der eingebetteten Elemente auf die Interaktion zwischen erwachsener Person und Kindern im Alter von 4 – 5 Jahren, die Beteiligung sowie die emergent literacy skills der Kinder auswirken und inwiefern Merkmale der Kinder, wie die exekutiven Funktionen, die genannten Variablen beeinflussen. Der theoretische Rahmen bildet ein AngebotsNutzungsmodell (Helmke, 2012), das an die Situation der dialogischen Bilderbuchbetrachtung angepasst wurde.
Die Stichprobe besteht aus Studierenden von Pädagogischen Hochschulen sowie Kindern im Alter zwischen 4 – 5 Jahren. Die Studierenden werden zufällig den Konditionen zugeteilt (gedrucktes Bilderbuch, App) und erheben die Daten zu zwei
Zeitpunkten. Zum ersten Messzeitpunkt werden der geschichtenbezogene Wortschatz und Merkmale des Kindes (u.a. exekutive Fähigkeiten) sowie der Familie erhoben. Die exekutiven Funktionen werden mittels dreier Erhebungsverfahren erfasst, die Teilbereiche Arbeitsgedächtnis, Inhibition sowie kognitive Flexibilität (Miyake et al., 2000) abdecken. Drei bis sieben Tage später schaut der oder die Studierende mit dem Kind die Geschichte an und erhebt nochmals den geschichtenbezogenen Wortschatz sowie das Geschichtenverständnis des Kindes. Zum Abschluss wird das bereichsspezifische Wissen der Studierenden erhoben.
Im geplanten Beitrag werden zunächst das Projekt sowie das auf das dialogische Lesen angepasste Angebots-Nutzungs-Modell vorgestellt. Anschliessend werden die Erhebungsinstrumente zur Erfassung der exekutiven Funktionen näher erläutert, sowie erste Zwischenresultate diskutiert.
Bibliography
Helmke, A. (2012). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Seelze: Klett Kallmeyer.
Reich, S. M., Yau, J. C. & Warschauer, M. (2016). Tablet-based ebooks for young children: what does the research say? Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics, 37, 585-591.
Richter, A. & Courage, M.L. (2017). Comparing electronic and paper storybooks for preschoolers: Attention, engagement, and recall. Journal of Applied Developmental Psychology, 48, 92–102.
Takacs, Z.K., Swart, E.K. & Bus, A.G. (2015). Benefits and pitfalls of multimedia and interactive features in technologyenhancend storybooks. A metha-analysis. Review of Educational Research, 85, 689 – 739.
Whitehurst, G. J., Arnold, D. S., Epstein, J. N., Angell, A. L., Smith, M., & Fischel, J. E. (1994). A picture book reading
intervention in day-care and home for children from low-income families. Developmental Psychology, 30(5), 679-689.Schweizerischer NationalfondsPublishe
Native English Speakers in the English Classroom: Do the writing skills of learners with a target language background differ from those of their classmates at secondary level in Switzerland?
Do the writing skills of learners with a target language background differ from those of their classmates at secondary level in Switzerland?Publishe
Longitudinal effects of basic psychological need support on the development of intrinsic motivation and perceived competence in physical education: A multilevel study
Background: Grounded in self-determination theory, this article deals with a multidimensional measurement of the support of the basic psychological needs and the individual and combined effects on the development of intrinsic motivation and perceived competence in physical education. In addition to the supportive teacher behaviors of autonomy support, competence support and relatedness support, peer relatedness support is examined as an additional factor.
Methods: A total of 1,047 students from 72 classes from various German-speaking Swiss cantons took part in the study. The hypothesized four factorial structure was analyzed using multilevel confirmatory factor analyses. Longitudinal measurement invariance testing of intrinsic motivation and perceived competence indicates scalar measurement invariance. Multilevel regression analyses were specified to analysis the longitudinal effects on the development of intrinsic motivation and perceived competence, whereby both the effects of the individual factors as well as the adjusted effects under the inclusion of all predictors were examined.
Results: Results of multilevel confirmatory factor analysis indicate that the hypothesized four-factor model (e.g., CFI = 0.97; TLI = 0.96; RMSEA = 0.04; SRMR between = 0.11) is to be favored over alternative models at both levels. Regarding the prediction of the development of intrinsic motivation and perceived competence our study underlines the predictive value of basic psychological need support. The models that examine the effects of the individual predictors indicate that the effects are largely consistent with expectations at both the class and individual level. At class level, however, autonomy support appears to be no significant predictor for the development of intrinsic motivation (p < 0.10), but for perceived competence (p < 0.05). Peer relatedness support is a significant predictor for both outcome variables at both levels of analysis. Regarding the simultaneous integration of all predictors, only the effects of peer relatedness support remain significant for both outcome variables.
Discussion: The empirical support of the multidimensionality of the instrument is particularly interesting in the context of the common conceptualization of a unidimensional measurement of autonomy support or a composite factor of psychological need support, whereby only few studies have adequately tested the factorial validity. Although significant effects of supportive teacher behaviors can be demonstrated in the multilevel regression analyses, it is also indicated that the different dimensions lack of incremental predictive validity. Particularly noteworthy is the rarely investigated role of peer relatedness support, which has been shown to be a meaningful predictor, even when supportive teacher behaviors are taken into account.Schweizerischer NationalfondsPublishe
Multilingualism and multidialectalism in movies: A language policy perspective
This keynote explores the dynamics of multilingualism in movies from a perspective grounded in language policy analysis. It begins by drawing parallels between the treatment of multilingualism—encompassing different languages, dialects, and other varieties—in the study of cinematic texts and in language pedagogy. This includes a consideration of some basic tenets of current European language policy, with focus on the notion of comprehensibility and the facilitation of intercultural communication. To illustrate these concepts, the lecture examines the example of multilingual and multidialectal dialogue, accompanied by subtitles in various national languages, in the 2023 Swiss comedy Bon Schuur Ticino (‘Hello Ticino’; dir. Peter Luisi). The film portrays characters from diverse linguistic backgrounds grappling with the imposition of a new and dystopic language policy, following a controversial popular vote resulting in the country being declared monolingual with French as the sole official language. These insights lead into a discussion of how university teaching can effectively blend generic and applied disciplinary content for a variety of professions, including future teachers and translators.Staatssekretariat für Bildung, Forschung und InnovationPublishe
Entwicklung professioneller Kompetenzen während der Weingartener Qualifizierung zur „Fachkraft Sprache und Kommunikation“
Publishe