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Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse der Studie "Lehramtsstudierende in Arbeit und Beruf: Organisation, Ressourcen, Aufgaben in Hessen" (LABORA-HE) der lehrkräftebildenden Hochschulen in Hessen im Wintersemester 2024/2025
Lehramtsstudierende arbeiten nicht nur wie andere Studierende regelmäßig neben dem Studium, sondern sie tun dies in hohem Maße bereits in dem Berufsfeld, für das sie sich noch in der Qualifizierung befinden. Dies geschieht jenseits der im Lehramtsstudium vorgesehenen Praktika und wirft Fragen etwa nach der Begleitung dieser Studierenden, nach Chancen und Risiken für die Professionalisierung der angehenden Lehrkräfte oder auch nach der Rolle und Funktion des Lehramtsstudiums auf. Obwohl diese Fragen drängend sind und die Arbeit von Lehramtsstudierenden als Unterstützungs- und Vertretungslehrkräfte auch die Qualität des Unterrichts direkt oder mittelbar betrifft, gibt es noch relativ wenige Studien zu diesem Thema. Mit der im Wintersemester 2024/2025 durchgeführten Erhebung "Lehramtsstudierende in Arbeit und Beruf: Organisation, Ressourcen, Aufgaben in Hessen" (LABORA-HE) liegt nun die derzeit größte Studie in Deutschland zur Erwerbstätigkeit von Lehramtsstudierenden insbesondere an Schulen vor.
LABORA-HE ist das Resultat der erfolgreichen Kooperation von sechs lehrkräftebildenden Hochschulen in Hessen. Den Anstoß für diese Studie gab das Projekt "PraxisFlex" (2023–2025) am Zentrum für Lehrkräftebildung der Philipps-Universität Marburg, das gefördert aus QuiS-Mitteln des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) als "MarFlex"-Teilprojekt die Flexibilisierung des Lehramtsstudiums in den Blick nimmt. Im Austausch mit den weiteren lehrkräftebildenden Standorten in Hessen (Darmstadt, Frankfurt, Fulda, Gießen und Kassel) wurde deutlich, dass eine landesweite Erhebung großes Potenzial hat und im Sinne des Programms "QuiS_Flex" des HMWK die Kooperation und gemeinsame Entwicklung von Flexibilisierungsmaßnahmen in der Lehre an Hochschulen stärkt. Die Erhebung wurde daher koordiniert über "PraxisFlex" in enger Kooperation aller Standorte entwickelt und im Wintersemester 2024/2025 mit den Lehramtsstudierenden der beteiligten Standorte umgesetzt.
In der hier vorliegenden Broschüre werden zunächst die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst (Kap. 2). Im Anschluss wird das Erhebungsdesign erläutert (Kap. 3), um dann die zentralen Ergebnisse von LABORA-HE ausführlicher darzustellen (Kap. 4). Abschließend werden die Ergebnisse der Studie im Hinblick auf den aktuellen Forschungsstand und die Situation in Hessen diskutiert und eingeordnet (Kap. 5).
Im zugehörigen Skalenhandbuch findet sich eine umfassendere Aufbereitung der Gesamtdaten: https://doi.org/10.17192/openumr/310
Bei Rückfragen o. ä. wenden Sie sich gerne an: [email protected]
Toxic inner ear leasion during viral otitis media with subacute mastoidits: a retrospective study regarding therapy and CT-morphology
Eine Otitis media acuta kann infolge eines viralen Infektes der oberen Atemwege
auftreten. Eine bekannte Komplikation der Entzündung der Mittelohrräume stellt
die toxische Innenohrläsion dar. Hierbei kommt es, durch Übertreten von toxischen
Substanzen aus dem Paukenerguss ins Labyrinth, zu einer sensoneurinalen Hörstörung. Die toxische Innenohrläsion soll gehäuft bei der viralen Otitis media auftreten.
In der Literatur wird die Rundfenstermembran vorherrschend als Übertrittsregion
für eine ganze Reihe von toxische Substanzen beschrieben. Darüber hinaus wurde
auch eine ossäre Diffusion über Schwachstellen im knöchernen Labyrinth diskutiert.
Anlass für diese Überlegung gaben histologische Arbeiten, welche stark ausgeprägte kanalartige Strukturen in der knöchernen Struktur des Innenohres nachweisen
konnten. Andere Untersuchungen konnten die Fissula ante fenestram als zumindest
semipermeable Verbindung zwischen Mittelohr und Innenohr ausmachen. Eine vorangegangene Arbeit sammelte darüber hinaus erste Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen einer verminderten Knochendichte und dem Auftreten einer toxischen
Innenohrläsion.
Ein spezifisches Therapieschema für die akute Otitis media mit toxischer Innenohrläsion gibt es bis heute nicht. Trotz vorherrschender konservativer Therapie, finden sich in der Literatur auch Publikationen zu operativen Behandlungserfolgen.
In dieser Arbeit wurden drei konservative Therapieschemata vergleichen, sowie die
konservative Therapie mit der chirurgischen Therapie gegenübergestellt.
Um weitere Erkenntnisse über anatomische Besonderheiten in diesem Patientenkollektiv zu erlangen, wurden CT-Datensätze erfasst und auf Unterschiede in ihrer
Knochenstruktur sowie weiterer anatomischer Merkmale hin untersucht.
Bezüglich der drei konservativen Therapieschemata ließen sich in der Auswertung der
einzelnen Frequenzen nur geringe Unterschiede feststellen. Insbesondere im Vergleich der gemittelten Differenzbeträge, welche als Parameter für die Gesamthörerholung
herangezogen werden sollte, zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Nichtsdestotrotz zeigten alle konservativen Therapiegruppen eine deutliche Verbesserung der Innenohrleistung.
Im Vergleich der operativen mit der konservativen Therapie konnten statistische Unterschiede im Verlauf festgestellt werden. Im vorliegenden Patientenkollektiv wurde
die chirurgische Behandlung als eine Art Salvage-Therapie bei stagnierender Hörerholung im klinischen Verlauf herangezogen. So zeigte die statistische Untersuchung,
dass beide Gruppen zu Beginn der Behandlung noch gleichauf waren. Die Patienten, welche später zur chirurgischen Gruppe gezählt wurden, fielen im Verlauf aber
deutlich zurück, sodass die Entscheidung zur Mastoidektomie gefällt wurde. In der
Folge kam es in dieser Gruppe zu einer starken Erholung des Hörvermögens. Dadurch erzielten die Patienten im konservativen als auch im operativen Therapiearm
vergleichbare Ergebnisse.
Im Vergleich der erkrankten Felsenbeine mit denen von ohrgesunden Kontrollen,
konnten mehrere anatomische Auffälligkeiten aufgezeigt werden. Zum einen zeigten
die Felsenbeine mit toxischer Innenohrläsion eine deutlich verminderte Pneumatisation. Zum anderen konnten deutlich engere anatomische Verhältnisse im Aditus ad
antrum der Erkrankten nachgewiesen werden. Im Verlauf des lateralen Bogenganges
konnte ein ausgedünnter Knochen statistisch bestätigt werden. Die Flächenauswertung der Houndsfield Units am Labrinthblock ergab deutlich niedrigere Werte an
der Fissula ante fenestram sowie an der Präcochlea, was sich insofern mit den vorangegangenen Vermutungen um Schwachstellen in diesem Bereich deckt.
In dieser Untersuchung konnte gezeigt werden, dass besonders Therapieversager unter konservativer Therapie eine deutliche Hörerholung durch die operative Therapie
erfahren können. Bezüglich der hier untersuchten konservativen Therapieschemata konnten jedoch keine relevanten Vorteile einer Variante festgestellt werden. Um
einen potentiellen neuen Standard für die Behandlung dieses Patientenkollektives zu
etablieren, bedarf es noch weiterer Untersuchungen. Die in dieser Arbeit gewonnen
Erkenntnisse zu den Mikrostrukturen am Felsenbein von Patienten mit toxischer Innenohrläsion sollten ebenfalls Anlass sein, weitere Untersuchungen durchzuführen.
Die Rolle des Kanalsystems, bestehend aus chondro-ossären und Volkmann Kanälen, im knöchernen Labyrinth bleibt bis heute unklar. Auch über die konkrete Funktion der Fissula ante fenestram konnten bisher nur Vermutungen angestellt werden.
Zusammenhänge mit weiteren Ohrerkrankungen, wie der Otosklerose, bleiben Bestandteil der aktuellen Diskussion.An acute otitis media can occur because of a viral infection of the upper respiratory
tract. A known complication of middle ear inflammation is toxic inner ear damage,
where toxic substances from the middle ear effusion enter the labyrinth, causing
sensorineural hearing loss. Toxic inner ear damage is more likely to occur in cases
of viral otitis media. The round window membrane is predominantly described in
the literature as the passage region for a variety of toxic substances. Additionally,
there have been discussions about osseous diffusion through weak points in the bony
labyrinth, supported by histological studies showing pronounced canal-like structures in the innerear bony structure. Other studies have identified the Fissula
ante fenestram as a semi- permeable connection between the middle ear and inner
ear. Previous research has also provided initial evidence of a relationship between
reduced bone density and the occurrence of toxic inner ear damage.
There is currently no specific treatment regimen for acute otitis media with toxic
inner ear damage. Despite the prevailing conservative therapy, there are publications
in the literature reporting successful surgical treatments. This study compares three
conservative therapy regimens and compares conservative therapy with surgical therapy.
To gain further insights into anatomical features in this patient population, CT
datasets were obtained and examined for differences in bone structure and other
anatomical characteristics.
Regarding the three conservative therapy regimens, the analysis of individual frequencies revealed only minor differences. Specifically, when comparing the averaged
difference values, which should be used as parameters for overall hearing recovery,
no statistically significant differences were observed. Nevertheless, all conservative
therapy groups showed a significant improvement in inner ear function.In the comparison of surgical and conservative therapy, statistical differences in the
course of treatment were identified. In this patient population, surgical treatment
was considered a salvage therapy in cases of stagnant hearing recovery in the clinical
course. The statistical analysis showed that both groups were initially comparable
at the start of treatment. However, the patients later classified in the surgical group
experienced a significant decline over time, leading to the decision for mastoidectomy. Subsequently, this group exhibited a significant recovery of hearing ability.
As a result, patients in both the conservative and surgical therapy arms achieved
comparable results.
When comparing the affected petrous bones with those of healthy ear controls, several anatomical abnormalities were identified. The petrous bones with toxic inner
ear damage showed significantly reduced pneumatisation. Furthermore, significantly
narrower anatomical conditions in the Aditus ad antrum of the affected individuals
were observed. A statistically confirmed thinning of bone was found in the course
of the lateral semicircular canal. The analysis of Hounsfield units on the labyrinth
block revealed significantly lower values at the Fissula ante fenestram and the precochlea, which aligns with the previous assumptions about weak points in this area.
This study demonstrated that patients who fail to respond to conservative therapy
could experience significant hearing recovery through surgical treatment. However,
no significant advantages were found among the investigated conservative therapy
regimens. Further research is needed to establish a potential new standard for the
treatment of this patient population. The findings of this study regarding the microstructures of the petrous bone in patients with toxic inner ear damage should also
prompt further investigations. The role of the canal system, consisting of chondroosseous and Volkmann canals, in the bony labyrinth remains unclear to this day.
Speculations have also been made about the specific function of the Fissula ante
fenestram. Connections with other ear diseases, such as otosclerosis, remain part of
the current discussion
Recommendations for the primary prevention of atherosclerotic cardiovascular disease in primary care: a systematic guideline review
Introduction: This study systematically reviews and synthesizes recommendations from national and international clinical practice guidelines (CPGs) regarding the primary prevention of atherosclerotic cardiovascular disease (ASCVD) in adults in primary care settings.
Methods: CPGs were retrieved from MEDLINE, Trip, guideline repositories, and websites of guidelines-producing societies. Two reviewers independently screened the guidelines for eligibility, assessed their quality, and extracted study characteristics and relevant recommendations for further consistency analysis. Recommendations, with their strength and evidence level, were thematically coded and clustered around clinical questions using ATLAS.ti.
Results: We included 26 CPGs from which we extracted 581 recommendations on risk assessment, non-pharmacological, and pharmacological interventions. Twenty-one guidelines (81%) were rated as having “very good” methodological quality. We categorized the recommendations into 124 clusters. Forty-four clusters (35%) included consistent recommendations, but only four of them (3%) included highly consistent recommendations. These clusters emphasized avoiding routine prescriptions of nicotinic acid, aspirin, and fibrates for primary ASCVD prevention alone, and recommending 20 mg/day of atorvastatin for high-risk ASCVD patients. The recommendations also highlighted the importance of adhering to a Mediterranean-type diet, patient-centered counseling, and standardized risk assessment for patients over the age of 40.
Discussion: This review underscores the heterogeneity in primary ASCVD prevention recommendations and the importance of personalized strategies for at-risk individuals.Gefördert durch den Open-Access-Publikationsfonds der UB Marburg
Analysis of ADAM8 in glioblastoma microenvironment based on a mouse model
Das Glioblastoma multiforme (GBM) stellt die am häufigsten auftretende Form des primären Hirntumors bei Erwachsenen dar. Es zeichnet sich durch ein lokal invasives Wachstum aus und ist mit einer äußerst ungünstigen Prognose assoziiert. Die Entwicklung neuer therapeutischer Maßnahmen ist daher nach wie vor von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang gewinnt die Tumormikroumgebung (TMU) als komplexes Netzwerk von tumorassoziierten Zellen zunehmend an Aufmerksamkeit. Ziel dieser Arbeit war es, das Vorkommen sowie die Bedeutung der A disintegrin and metalloprotease 8 (ADAM8) in der Mikroumgebung des GBM genauer zu beleuchten, wobei die Expression von ADAM8 im GBM bekanntermaßen mit einer erhöhten Invasivität assoziiert ist.
Im Rahmen dieser Arbeit konnte ADAM8 sowohl im humanen GBM-Gewebe als auch im Gliom-Gewebe verschiedener Mausmodelle in morphologisch unterschiedlichen Zelltypen nachgewiesen werden. Es ergaben sich Hinweise darauf, dass ADAM8 nicht nur in Tumorzellen, sondern auch in Zellen der Tumormikroumgebung des GBM vorkommt und folglich eine entscheidende Rolle im komplexen Netzwerk der TMU spielen könnte.Glioblastoma multiforme (GBM) is the most prevalent primary brain tumor in adults, exhibiting highly invasive growth patterns and dismal prognosis. Consequently, the development of new therapeutic measures remains an important issue. In this regard, the tumor microenvironment (TME), which consists of a complex network of tumor-associated cells, has garnered increased attention. The objective of this thesis was to further elucidate the role of A disintregrin and metalloprotease 8 (ADAM8) in the GBM tumor microenvironment. This investigation was undertaken because the expression of ADAM8 in GBM is associated with tumor invasiveness.
Consequently, the expression of ADAM8 was observed in both human GBM-tissue and glioma tissue derived from mouse models. This observation was made in different cell types, suggesting that ADAM8 ist not only present in tumor cells but also in immune-competent cells of the GBM tumor microenvironment.
Consequently, ADAM8 has the potential to fulfill a pivotal function in the reciprocal intercations between the various cell types, thereby promoting the development of GBM
Validierung und Feldtestung des Evaluierten Fragebogens Anästhesie (EFA) und Klärung möglicher Einflussfaktoren auf dessen Ergebnisse
In der multizentrisch angelegten Studie konnten wir den Evaluierten Fragebogen
Anästhesie nach dessen Pilotphase in 2008 einem erneuten praktischen Einsatz am
Klinikum Stuttgart und an der Universitätsklinik Marburg unterziehen. Die Verteilung
und Auswertung der Fragebögen war ohne großen personellen und mit bewältigbarem
zeitlichen Aufwand durchführbar. Der Fragebogen wurde von den meisten Patienten gut
angenommen. Die Erhebung der anästhesiespezifischen Daten ließ sich problemlos
anhand der Tagesprotokolle der jeweiligen Abteilungen durchführen. Die rein
praktische Durchführung und Anwendung des Fragebogens lässt sich somit
abschließend als unkompliziert bewerten.
Auf Basis der Parallelanalyse extrahierten wir 6 Faktoren für die Faktorenanalyse. In
der initialen Faktorenanalyse zeigten sich einige grenzwertige Ladungen und unklare
Ladungsverhältnisse. Auch die im Anschluss durchgeführte konfirmatorische
Faktorenanalyse produzierte lediglich akzeptable Modell-Fit-Indizes. Inhaltlich ergab
sich jedoch ein schlüssiges Gesamtbild.
Mittels Itemanalyse konnten im Anschluss kritische Items detektiert werden. Nach
sorgfältiger inhaltlicher Abwägung und auf statistischer Grundlage konnte die Löschung
der kritischsten Items erfolgen. Das dadurch erzeugte neue Modell mit 6 Faktoren
zeichnete sich mit deutlich verbesserten Ladungen und klarer Ladungszuordnung aus.
Dies spiegelte sich in der abschließenden CFA in guten Modell-Fit-Indizes wider.
In der Itemanalyse zeigte sich eine gute Itemqualität mit guter interner Konsistenz und
damit guter Korrelation der Faktoren mit den zugehörigen Items. Die
Itemschwierigkeiten waren gut verteilt und deckten das gesamte Spektrum von
schwierig bis einfach ab.
Die Gesamtpunktzahl des Fragebogens war gegenüber äußeren Einflüssen robust. Die
demographischen und anästhesiespezifischen Daten zeigten kleine Einflüsse auf
Dimensionsebene. Aus diesem und mehreren vielschichtigen Gründen sollte daher von
Vergleichen auf Dimensions- bzw. Faktorenebene abgesehen werden.
Ein Einsatz als Vergleichsinstrument zwischen verschiedenen Institutionen ist aufgrund
der gegebenen Ausgewogenheit des Fragebogens möglich. Jedoch sollten hier
Einflussgrößen wie die Populationsverteilung, Anzahl der elektiven Eingriffe im
Vergleich zu Notfalleingriffen, Anästhesie-Art und weitere Größen mitbedacht werden.
Der Haupteinsatzbereich sollte für die Evaluation der eigenen erbrachten Leistung
gesehen werden. Ein Einsatz als Benchmark-Tool zwischen verschiedenen Kliniken
oder Abteilungen muss mit großer Vorsicht erfolgen. Dies gilt im Besonderen für
Vergleiche zwischen verschiedenen Fachbereichen.
Durch die Möglichkeit, die erreichten Punktwerte als Z-Wert auszulesen, ist der
Evaluierte Fragebogen Anästhesie auch mit anderen Zufriedenheits-Scores vergleichbar
und leicht zu interpretieren.
Zusammengefasst ist der Evaluierte Fragebogen Anästhesie ein valides und reliables
Instrument zur Messung der Zufriedenheit mit den vielschichtigen Leistungen der
Anästhesie.
Im deutschsprachigen Raum gibt es als qualitativ vergleichbares Instrument lediglich
den Heidelberg Peri-anaesthetic-Questionnaire. Andere Fragebögen decken zwar in
Teilen ähnliche Aspekte der Anästhesie-Qualität ab, können aber inhaltlich und vom
methodischen Standard her nicht mit den beiden Instrumenten mithalten.
Während der Heidelberger Fragebogen eine größere Probandengröße in der
Entwicklung und mittlerweile eine gewisse Anwendungshistorie im praktischen Einsatz
mitbringt, ist der Evaluierte Fragebogen Anästhesie in mehreren Punkten überlegen.
Zum einen ist der Validierungsprozess des EFA deutlich umfangreicher, statistisch
aufwändiger und moderner gestaltet worden.
Zum anderen wurde der EFA zu verschiedenen Zeitpunkten praktisch getestet und
validiert, wenn auch die Hauptvalidation mit der vorliegenden Arbeit erfolgt ist. Die
Ergebnisse der beiden Testzeitpunkte waren dabei vergleichbar, sodass hier von einer
Test-Retest-Reliabilität gesprochen werden kann.
Einen Vorteil sehen wir auch in der geringeren Item-Anzahl (38 vs. 31), da der
Fragebogen damit deutlich schneller zu beantworten ist. Dies sollte der Bereitschaft,
den Fragebogen auszufüllen, zugutekommen und damit für eine höhere Akzeptanz und
Benutzerfreundlichkeit sorgen.
Durch die Z-Transformation ist der Fragebogen deutlich besser vergleichbar mit
anderen Zufriedenheits-Messinstrumenten und zudem einfacher zu interpretieren.
Ferner konnte in dieser Studie gezeigt werden, dass es keine relevanten Einflussfaktoren
auf die Ergebnisse gab. Eine Korrektur der Ergebnisse muss damit für den EFA nicht
erfolgen, was ihn etwas einfacher in der Auswertung gegenüber dem Heidelberger
Fragebogen macht.
Der Evaluierte Fragebogen Anästhesie bildet damit ein neues, qualitativ hochwertiges
Messinstrument der Patientenzufriedenheit mit den Leistungen der anästhesiologischen
Abteilungen.
Eine regelmäßige statistische Re-Evaluation sollte trotz der bereits vorhanden
statistischen Qualität erfolgen, um die Robustheit auch bei größeren Stichprobengrößen
zu beweisen.In this multicenter study, we reintroduced the Evaluierte Fragebogen Anästhesie
(Evaluated Anesthesia Questionnaire), originally piloted in 2008, into routine clinical
use at Klinikum Stuttgart and the University Hospital Marburg. The distribution and
evaluation of the questionnaires required minimal staffing and a manageable time
investment. The questionnaire was well accepted by the majority of patients.
Anesthesia-specific data were easily obtained from departmental daily records, and the
overall implementation of the questionnaire proved to be straightforward and practical.
Based on parallel analysis, six factors were extracted for exploratory factor analysis.
The initial analysis revealed some borderline item loadings and ambiguous factor
structures. Likewise, the subsequent confirmatory factor analysis (CFA) yielded only
moderate model fit indices. However, from a content perspective, the overall factor
solution appeared coherent and conceptually sound.
Item analysis then identified several critical items. Following careful content-based
evaluation and statistical review, the most problematic items were removed. The revised
model, still consisting of six factors, demonstrated significantly improved loadings and
clearer factor-item associations. These improvements were confirmed by the final CFA,
which showed good model fit indices.
The questionnaire items exhibited strong internal consistency, indicating good
correlations between each factor and its associated items. Item difficulty was well
distributed across the full range from easy to challenging.
Total questionnaire scores were robust against external influences. Demographic and
anesthesia-specific variables showed only minor effects at the dimensional level.
Therefore, comparisons at the factor or dimension level should be interpreted with
caution.
Due to its balanced structure, the questionnaire is suitable for use as a comparison or
benchmark tool between institutions. However, influencing variables—such as
population differences, the proportion of elective versus emergency procedures, types of
anesthesia, and other contextual factors—must be taken into account. The primary use
case remains internal performance evaluation. Benchmarking between institutions or
departments should be approached with great caution, particularly across different
medical specialties.
Thanks to its Z-score transformation, the EFA is also compatible with other satisfaction
measurement tools and remains easy to interpret.
In summary, the Evaluated Anesthesia Questionnaire is a valid and reliable tool for
measuring patient satisfaction with the multifaceted services provided by anesthesia
departments.
Among German-language instruments, the only tool of comparable quality is the
Heidelberg Peri-anaesthetic Questionnaire. While other tools may cover individual
aspects of anesthesia quality, they do not match the EFA and the Heidelberg
questionnaire in terms of content or methodological rigor.
Although the Heidelberg questionnaire benefits from a larger development sample and a
longer track record of clinical use, the EFA surpasses it in several key areas. Notably, its
validation process was more comprehensive, statistically sophisticated, and aligned with
modern standards.
Additionally, the EFA was tested and validated at multiple time points. Although the
main validation occurred in this study, the comparable outcomes across both testing
phases support the questionnaire’s test-retest reliability.
Another advantage lies in the smaller number of items (31 vs. 38), which shortens
completion time. This likely increases response rates and improves user acceptance and
practicality.
The use of Z-scores enhances comparability with other satisfaction metrics and
simplifies interpretation. Moreover, the study demonstrated no significant influencing
variables on the results, eliminating the need for adjustment—a clear advantage over the
Heidelberg questionnaire in terms of data analysis.
Overall, the Evaluated Anesthesia Questionnaire represents a new, high-quality
instrument for assessing patient satisfaction with anesthesia services.
Nonetheless, regular statistical reevaluation is recommended to ensure continued
robustness—especially as the tool is applied to larger sample sizes in the future
Der Einfluss der psychopharmakologischen Behandlung auf die Gestikverarbeitung bei Patient:innen mit Schizophrenie, Depression und Bipolarer Störung
Menschen sind als soziale Wesen auf Kommunikation mittels Sprache, welche oftmals von Gestik begleitet wird, angewiesen. Die Fähigkeit zur gelingenden Interaktion mit Anderen und dabei auch Prozesse der Gestikproduktion und Gestikperzeption, sind bei diversen psychischen Erkrankungen beeinträchtigt, wodurch das Sozialleben und die Lebensqualität von Betroffenen erheblich eingeschränkt sind. Insbesondere bei der Schizophrenie spielen Gestikprozesse eine große Rolle für den Verlauf und die Symp-tomschwere der Erkrankung. In dieser Arbeit wurden erstmals die diagnoseübergrei-fenden Zusammenhänge zwischen psychopharmakakologischer Behandlung und Gestikverarbeitung bei Schizophrenie, Depression und Bipolarer Störung untersucht. Insbesondere mögliche Effekte von Antipsychotika wurden genauer betrachtet. Dafür wurden Daten von 133 Testpersonen im Alter zwischen 18 und 62 Jahren untersucht, die im Zeitraum von 2015 bis 2020 am Universitätsklinikum Marburg erhoben wur-den. Zur objektiven Gestikbeurteilung führten die Personen eine Sprach-Gestik-Matching-Aufgabe durch, bei der angeben werden musste, ob die Gestik zum Sprachinhalt passend oder unpassend ist. Die subjektive Gestik-Selbstbeurteilung er-folgte mittels des Fragebogens „Brief Assessment of Gestures“ (BAG), welcher zwölf Aussagen zum Gestikverhalten enthält. Auch demographische und klinische Variablen zu Symptomatik und Medikation wurden erhoben, anhand derer Äquivalenzdosen für Antipsychotika und Antidepressiva berechnet sowie Rezeptorbindungsprofile und Ne-benwirkungsprofile codiert wurden. Es zeigte sich, dass Testpersonen, die atypische Neuroleptika einnahmen, schlechtere Leistungen in der Sprach-Gestik-Matching-Aufgabe erzielten als Testpersonen, die eine andere Therapie erhielten (p < 0,001). Nach Kontrolle für den Einfluss von Störfaktoren zeigte sich ein solcher Zusammen-hang nur noch im Trend (p = 0,093). Außerdem ging eine höhere Neuroleptikaäquiva-lenzdosis ebenfalls mit schlechteren Leistungen in der Sprach-Gestik-Matching-Aufgabe einher (p < 0,001), was nach Kontrolle für die Störfaktoren nur noch im Trend nachweisbar war (p = 0,055). Jedoch zeigten sich explorativ weiterhin signifikante Zusammenhänge zwischen der Psychopharmakologie und den Ergebnissen in der Ges-tik-Aufgabe sowie im Fragebogen. Dies deutet darauf hin, dass sich Effekte der Medi-kation auf die Gestikverarbeitung nicht klar von dem Einfluss anderer Faktoren, wie Diagnose, Symptomatik und Nebenwirkungen trennen lassen. Zukünftig bedarf es wei-teren Studien, um mögliche Kausalzusammenhänge nachzuweisen und die Befunde dieser Arbeit zu bestätigen.As social beings, humans are dependent on communication by means of language, which is often accompanied by gestures. The ability to interact successfully with others, including the processes of gesture production and perception, is severely im-paired in various mental illnesses, which significantly restricts the social life and qua-lity of life of those affected. In schizophrenia in particular, gesture processes play a major role in the course and symptom severity of the illness. This study was the first to investigate the cross-diagnostic relationships between psychopharmacological trea-tment and gesture processing in patients with schizophrenia, depression and bipolar disorder. In particular, possible effects of antipsychotics were analysed in more detail. To this end, data from 133 patients aged between 18 and 62 years was analysed, which was collected at Marburg University Hospital between 2015 and 2020. For an objective gesture assessment, the subjects performed a speech-gesture matching task in which the patients had to push a button to indicate whether the arm and hand gestures played in a video clip were appropriate or inappropriate for the speech content. The subjective gesture self-assessment was carried out using the "Brief Assessment of Gestures" (BAG), which contains twelve statements on gesture behaviour. Demographic and cli-nical variables on symptoms and medication were also collected, which were used to calculate the individual equivalent doses for antipsychotics and antidepressants, as well as prescription binding profiles and side effect profiles.
It was found that patients taking atypical neuroleptics performed worse in the speech-gesture matching task than patients receiving other therapies (p < 0.001). After con-trolling for the influence of confounding factors (such as diagnosis, symptoms and side effects), such a correlation was only found a trend level (p = 0.093). In addition, a higher neuroleptic equivalent dose was also associated with poorer performance in the speech-gesture matching task (p < 0.001), which was no longer detectable after con-trolling for confounding factors (p = 0.055). However, exploratory results still showed significant correlations between the psychopharmacological treatment and the results in the gesture task and the questionnaire. From this we conclude that there are effects of medication on gesture processing, but these cannot be clearly separated from the influence of other factors such as diagnosis, symptoms and side effects. Further stu-dies need to be conducted in the future to prove possible causal relationships and con-firm our findings
Zusammenhang von FOXP2 mit sprachlicher Leistung und Gehirnstruktur
Psychische Störungen betreffen etwa 10% der Weltbevölkerung. Neben diagnosespezifischen Symptomen fallen bei psychischen Störungen wie Depression (MDD), Bipolare Störung (BD) und Schizophrenie (SZ) sprachliche Auffälligkeiten auf, welche sich auch als formale Denkstörungen (FTD) äußern können. Strukturelle Veränderungen des Gyrus temporalis superior sind mit FTD assoziiert und es wird vermutet, dass sie durch gestörte glutamaterge und dopaminerge Transmittersysteme entstehen. Mutationen des Transkriptionsfaktors FOXP2 (forkhead-box P2) können zu veränderten Strukturen in Gehirnregionen führen, die an Sprache und Sprechen beteiligt sind. Diese Arbeit untersuchte die Zusammenhänge zwischen zwei SNPs (rs7799109, rs1456031) von FOXP2 und der kognitiven Funktion sowie zwischen den beiden SNPs und den Volumina der grauen Substanz bei Gesunden (HC) und Patienten mit psychischen Störungen (MDD, BD, SZ, schizoaffektive Störung (SZA)). Es ergaben sich Unterschiede im verbalen episodischen Gedächtnis (BD, rs7799109), der lexikalischen Wortflüssigkeit (BD, rs1456031) und im verbalen Arbeitsgedächtnis (MDD, BD, alle Patienten, rs1456031). In Bezug auf die Gehirnmorphologie wurden Volumenunterschieden im Gyrus praecentralis medialis links (HC, rs7799109), Thalamus/Basalganglien (alle Patienten, rs7799109) und im linken Temporallappen (SZ und SZA, rs1456031) beschrieben. FOXP2 könnte bei der Entwicklung von FTD eine Rolle spielen, indem es glutamaterge oder dopaminerge Transmittersysteme beeinflusst und sich dadurch auf die Hirnmorphologie auswirkt. Weitere Forschungsarbeiten sind erforderlich, um weitere mögliche Mechanismen für die Entwicklung von FTD zu ermitteln und präventive, diagnostische und therapeutische Optionen für Patienten und Risikopersonen zu entwickeln.Psychiatric disorders affect around 10% of the world's population. In addition to diagnosis-specific symptoms, mental disorders such as depression (MDD), bipolar disorder (BD), and schizophrenia (SZ) are associated with linguistic abnormalities, which can also manifest as formal thought disorders (FTD). Structural changes in the superior temporal gyrus are associated with FTD and are thought to be caused by impaired glutamatergic and dopaminergic transmitter systems. Mutations in the transcription factor FOXP2 (forkhead-box P2) can lead to altered structures in brain regions of speech and language. This study investigated the relationships between two SNPs (rs7799109, rs1456031) of FOXP2 and the cognitive function, as well as between the two SNPs and gray matter volumes in healthy controls (HC) and patients with psychiatric disorders (MDD, BD, SZ, schizoaffective disorder (SZA)). Differences were found in verbal episodic memory (BD, rs7799109), lexical word fluency (BD, rs1456031), and verbal working memory (MDD, BD, all patients, rs1456031). In terms of brain morphology, volume differences were found in the left medial precentral gyrus (HC, rs7799109), thalamus/basal ganglia (all patients, rs7799109), and left temporal lobe (SZ and SZA, rs1456031). FOXP2 may play a role in the development of FTD by influencing glutamatergic or dopaminergic transmitter systems and through this effect in brain morphology. Further research is required to identify other potential mechanisms for the development of FTD and to devise preventive, diagnostic and therapeutic options for patients and individuals at risk
Security Strategies in International Business History : German Companies in Asia in the 20th Century
This edited volume explores how German companies managed security challenges in Asia from the late 19th to the late 20th century. Through case studies in Japan, China, India, Malaysia, and Southeast Asia, it examines how firms in sectors like pharmaceuticals, electronics, banking, and trade adapted to colonial legacies, decolonization, and Cold War tensions. The book adopts a security- focused framework that goes beyond standard risk analysis, highlighting how businesses responded to political instability, cultural differences, and regulatory shifts. Drawing from rarely used German and Asian archives, contributors uncover the strategies companies used to maintain stability in uncertain environments. Aimed at business historians, scholars of international business, and those studying colonialism, diplomacy, and development, the volume also appeals to students and researchers in Asian, German, international relations, and security studies. By offering a comparative and cross- sectoral approach, it fills key gaps in understanding German- Asian economic ties and offers fresh theoretical insights into business resilience. The rich empirical material makes it a valuable resource for teaching and research on how international firms shaped and adapted to the global changes of the 20th century.Gefördert durch den Open-Access-Publikationsfonds der UB Marburg
Die Rolle von Hydroxycinnamoyltransferasen und CYP98 bei der Formung des Profils an Phenolischen Stoffen in Sarcandra glabra
In the development of angiosperms, the Chloranthaceae are placed at a branching point, since the family already belongs to the angiosperms but is still situated together with the Magnoliids before the switch that later separates monocotyledons from dicotyledons. Sarcandra glabra, which is native to South Asia, is one of a few members of the Chloranthaceae, and used in Traditional Chinese Medicine. The anti-inflammatory and antioxidant effects of the herbal drug have been studied in animal models and have been linked to the presence of various natural products. Among the at least twenty known phenolic substances are rosmarinic acid (RA), chlorogenic acid (CA) and caffeoyl-5-O-shikimic acid as well as their derivatives. CA, caffeoyl-5-O-shikimic acid and RA are produced in plants by the esterification of 4-coumaric acid with quinic acid, shikimic acid or 4-hydroxyphenyllactic acid, followed by one or two hydroxylations in meta-position, respectively. The former reaction is catalyzed by a hydroxycinnamoyltransferase (HCT) from the BAHD superfamily, whereas the hydroxyl moieties are introduced by CYP98.
In the present study four HCTs and one CYP98 from Sarcandra glabra were characterized in detail with regard to their catalytic properties in vitro. SgHST showed the highest catalytic efficiency among the HCTs with p-coumaroyl-CoA and a constant concentration of shikimic acid. It is therefore assumed that SgHST is mainly responsible for the formation of p-coumaroyl-5-O-shikimic acid despite its low expression. Furthermore, high affinity to 3-hydroxyanthranilic acid was found, of which the in vivo significance is unclear. SgHQT1 was able to catalyze the acylation of quinic acid with high catalytic efficiency, leading to direct formation of CA or the precursor p-coumaroyl-5-O-quinic acid. Interestingly, the acylation of all three hydroxyl moieties of shikimic acid was observed. Additionally, SgHQT1 was able to transfer a p-coumaroyl moiety to a wide range of (di)hydroxybenzoic acid derivatives, indicating a relaxed selectivity. In contrast, SgHQT2 catalyzed the formation of cryptochlorogenic acid (cCA) and its precursor regiospecifically. The low catalytic efficiency and low transcript levels in the plant parts of Sarcandra glabra justify the low abundance of cCA. Furthermore, tests with SgHQT2 demonstrated the synthesis of caffeoyl-4-O-shikimic acid by acylation of shikimic acid at C4-OH. The formation of the RA precursor p-coumaroyl-4’-hydroxyphenyllactic acid was observed in enzyme tests with SgRAS. The preferential conversion of p-coumaroyl-CoA over caffeoyl-CoA and 4-hydroxyphenyllactic acid over 3,4-dihydroxyphenyllactic acid was derived from the catalytic efficiencies of the respective combinations.
Investigations of SgCYP98A235 showed the enzymatic hydroxylation in meta-position of precursors of RA, CA, cCA and caffeoyl-5-O-shikimic acid under consumption of NADPH and O2. Both, caffeoyl-4’-hydroxyphenyllactic acid and p-coumaroyl-3’,4’-dihydroxyphenyllactic acid were converted to RA by hydroxylation of the respective moiety. Biochemical characterization revealed a high affinity for p-coumaroyl-4’-hydroxyphenyllactic acid and thus a preferential C3-hydroxylation. High transcript levels of SgRAS and SgCYP98A235 were made accountable for RA concentrations of up to 3.6 % of the plant dry weight.
Further isoforms of HCTs and CYP98s were investigated, whereby in tests with SgHCT-F an involvement in the biosynthesis of benzyl 2-β-glucopyranosyloxybenzoate was expected, as well as the hydroxylation of 4-coumaric acid esters by SgCYP98A234, neither of which could be confirmed. Independent studies have suggested the involvement of [RAS] Cluster in the formation of RA, but in addition to the lack of typical conserved amino acid motifs of HCTs, no catalytic activity was observed in enzyme assays.
Overall, this work demonstrates the involvement of SgHCTs and SgCYP98s in phenolic metabolism in Sarcandra glabra by identification and isolation of the coding sequences, heterologous synthesis of the proteins and biochemical characterization of the respective enzymes. In particular, SgHQT2 was shown to be a key enzyme in the selective formation of cCA. In addition, different relative transcription rates of the enzymes in eight plant parts showed a correlation with the content of phenolic compounds. The biosynthesis of RA, CA, and caffeoyl-5-O-shikimic acid in Sarcandra glabra was proven to be analogous to already established theories in the most important points, despite the evolutionary distance of the Chloranthaceae to other angiosperms. However, phylogenetic studies of SgRAS suggest a common evolutionary ancestor of the enzyme with hydroxycinnamoyl-CoA:spermine/spermidine hydroxycinnamoyltransferases. The findings obtained here represent a piece of the puzzle that further completes the big picture of specialized plant metabolism.In der Entwicklung der Bedecktsamer befinden sich die Chloranthaceae an einem Verzweigungspunkt, da die Familie bereits zu den Bedecktsamern zählt, sich aber noch zusammen mit den Magnoliiden vor der Weiche befinden, die später Einkeimblättrige von Zweikeimblättrigen Pflanzen trennt. Die in Südasien beheimatete Sarcandra glabra ist einer von wenigen Vertretern der Chloranthaceae und findet in der Traditionellen Chinesischen Medizin Verwendung. Die entzündungshemmenden und antioxidativen Wirkungen der pflanzlichen Droge wurden in Tiermodellen untersucht und konnten mit der Präsenz verschiedener Naturstoffe in Verbindung gebracht werden. Unter den mindestens zwanzig isolierten phenolischen Substanzen befinden sich Rosmarinsäure (RA), Chlorogensäure (CA) und Caffeoyl-5-O-shikimisäure sowie deren Derivate. CA, Caffeoyl-5-O-shikimisäure und RA werden in Pflanzen durch die Veresterung von 4-Cumarsäure mit Chinasäure, Shikimisäure oder 4-Hydroxyphenylmilchsäure gefolgt von einer bzw. zwei Hydroxylierungen in meta-Position hergestellt. Die erstgenannte Reaktion wird durch eine Hydroxycinnamoyltransferase (HCT) aus der BAHD-Superfamilie katalysiert, während die Hydroxylgruppen durch CYP98 eingeführt werden.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurden vier HCTs und ein CYP98 aus Sarcandra glabra hinsichtlich ihrer katalytischen Eigenschaften in vitro detailliert charakterisiert. SgHST zeigte die höchste katalytische Effizienz unter den HCTs mit p-Cumaroyl-CoA und einer konstanten Konzentration von Shikimisäure. Daher wird davon ausgegangen, dass SgHST trotz einer geringen Expression maßgeblich für die Bildung von p-Cumaroyl-5-O-shikimisäure verantwortlich ist. Weiterhin wurde eine hohe Affinität zu 3-Hydroxyanthranilsäure festgestellt, deren Bedeutung in vivo nicht klar ist. SgHQT1 war in der Lage, die Acylierung von Chinasäure mit hoher katalytischer Effizienz zu katalysieren, was zur direkten Bildung von CA oder der Vorstufe p-Cumaroyl-5-O-chinasäure führte. Interessanterweise wurde die Acylierung dreier Hydroxylgruppen der Shikimisäure beobachtet. SgHQT1 konnte außerdem eine p-Cumaroyl Gruppe auf eine breite Palette von (Di)hydroxybenzoesäurederivaten übertragen, was auf eine entspannte Selektivität schließen lässt. Im Gegensatz dazu katalysierte SgHQT2 regiospezifisch die Bildung von Cryptochlorogensäure (cCA) und ihres Vorläufers. Die geringe katalytische Effizienz und niedrige Transkriptmengen in Sarcandra glabra begründen, dass cCA nur in Spuren in den Pflanzenteilen gefunden wird. Weiterhin konnte in Tests mit SgHQT2 das Auftreten von Caffeoyl-4-O-shikimisäure durch Acylierung von Shikimisäure an C4-OH nachgewiesen werden. Die Bildung des RA-Vorläufers p-Cumaroyl-4‘-hydroxyphenylmilchsäure konnte in Enzymtests mit SgRAS beobachtet werden. Die bevorzugte Umsetzung von p-Cumaroyl-CoA gegenüber Caffeoyl-CoA und 4-Hydroxyphenylmilchsäure gegenüber 3,4-Dihydroxyphenylmilchsäure wurde aus den katalytischen Effizienzen der jeweiligen Kombinationen abgeleitet.
Untersuchungen von SgCYP98A235 zeigten die enzymatische Hydroxylierung in meta-Position von Vorläufern der RA, CA, cCA und Caffeoylshikimisäure unter Verbrauch von NADPH und O2. Sowohl Caffeoyl-4‘-hydroxyphenylmilchsäure als auch p-Cumaroyl-3‘,4‘-dihydroxyphenylmilchsäure wurden durch Hydroxylierung des entsprechenden Molekülteils zu RA umgesetzt. Durch die biochemische Charakterisierung wurde eine hohe Affinität zu p-Cumaroyl-4‘-hydroxyphenylmilchsäure und somit eine bevorzugte C3-Hydroxylierung gezeigt. Hohe Transkriptmengen von SgRAS und SgCYP98A235 wurden für RA-Konzentrationen von bis zu 3,6 % des Trockengewichts der Pflanze verantwortlich gemacht.
Weitere Isoformen von HCTs und CYP98s wurden untersucht, wobei in Versuchen mit SgHCT-F eine Beteiligung an der Biosynthese von Benzyl-2-β-glucopyranosyloxybenzoat erwartet wurde, ebenso wie die Hydroxylierung von 4-Cumarsäureestern durch SgCYP98A234, was beides nicht bestätigt werden konnte. Unabhängige Studien haben die Beteiligung von [RAS] Cluster an der Bildung von RA nahegelegt, aber zusätzlich zum Fehlen typischer konservierter Aminosäuremotive von HCTs wurde in Enzymtests keine katalytische Aktivität beobachtet.
Insgesamt zeigt diese Arbeit die Beteiligung von SgHCTs und SgCYP98s am Phenolstoffwechsel in Sarcandra glabra durch Identifikation und Isolierung der codierenden Sequenzen, heterologe Synthese der Proteine und biochemische Charakterisierung der jeweiligen Enzyme. Insbesondere SgHQT2 erwies sich als Schlüsselenzym bei der selektiven Bildung von cCA. Darüber hinaus zeigten unterschiedliche relative Transkriptionsraten der Enzyme in acht verschiedenen Pflanzenteilen eine Korrelation mit dem Gehalt an phenolischen Verbindungen. Die Biosynthese von RA, CA und Caffeoyl-5-O-shikimisäure in Sarcandra glabra erwiesen sich in den wichtigsten Punkten analog zu bereits etablierten Theorien, trotz der evolutionären Entfernung der Chloranthaceae zu anderen Bedecktsamern. Phylogenetische Untersuchungen von SgRAS deuten jedoch auf einen gemeinsamen evolutionären Vorfahren des Enzyms mit Hydroxycinnamoyl-CoA:Spermin/Spermidin Hydroxycinnamoyltransferasen hin. Die hier gewonnenen Erkenntnisse stellen ein Puzzleteil dar, das das große Bild des Spezialisierten Pflanzenmetabolismus weiter vervollständigt
Photoluminescence spectroscopy of charge transfer excitons for analysing the interface quality of type II heterostructures
In der vorliegenden Arbeit wurde die Fragestellung untersucht, inwiefern die Grenzflächenmorphologie die Rekombinationseigenschaften des Typ-II-Materialsystems (Ga,In)As/GaAs/Ga(As,Sb) beeinflusst und welche Wachstumsparameter zu einer Optimierung beitragen können. Zusätzlich wurde der Ansatz erforscht, ob sich die strahlende Rekombination räumlich getrennter Ladungsträger durch eine Grenzfläche zurzerstörungsfreien Analyse der Grenzflächenqualität eignet. Zu diesem Zweck wurden zwei verschiedene Probensets hergestellt, bei welchen die Wachstumsparameter variiert wurden. Dafür wurde in der aktiven Zone das Wachstum für 10 s bis 120 s unterbrochen und die Materialzusammensetzung während dieser Zeit im Reaktor verändert, um die Grenzflächenmorphologie gezielt zu manipulieren. In der Literatur sind Wachstumsunterbrechungen eine gängige Methode, um die Rauigkeit von Oberflächen und die Ordnung von schon gewachsenen Schichten zu verbessern. Um sowohl die Grenzflächen von (Ga,In)As als auch von Ga(As,Sb) mit Wachstumsunterbrechungen (WU) behandeln zu können, wurde auch die Reihenfolge des Wachstums der unterschiedlichen Materialien verändert. So konnten sowohl die Grenzfläche (Ga,In)As/GaAs als auch die Grenzfläche von Ga(As,Sb)/GaAs untersucht werden. Abschließend lässt sich festhalten, dass sich bestätigen konnte, dass die Grenzflächenmorphologie einen Einfluss auf die statischen sowie dynamischen optischen Eigenschaften eines Typ-II Materialsystems haben. Dabei lassen sich optimale Wachstumsparameter
bestimmen, die zu einer Optimierung der strahlenden Rekombination führen. Des Weiteren konnte gezeigt werden, wie hoch die Sensibilität der Typ-II Systeme gegenüber der Anregungsleistung und den damit verbundenen Bandverbiegungseffekten ist. Es lies sich bestätigen, dass Typ II Ladungstransferexzitonen einen vielversprechenden Zugang zu inneren Grenzflächen und deren Morphologie bieten.This study investigated the extent to which the interface morphology influences the recombination properties of the type II material system (Ga,In)As/GaAs/Ga(As,Sb) and which growth parameters can contribute to optimisation. In addition, the approach was investigated as to whether the radiative recombination of spatially separated charge carriers through an interface is suitable for non-destructive analysis of the interface quality. For this purpose, two different sample sets were produced, in which the growth parameters were varied. To do this, growth in the active zone was interrupted for 10 s to 120 s and the material composition was changed in the reactor during this time in order to specifically manipulate the interface morphology. In the literature, growth interruptions are a common method for improving the roughness of surfaces and the order of already grown layers. In order to be able to treat both the interfaces of (Ga,In)As and Ga(As,Sb) with growth interruptions (GI), the sequence of growth of the different materials was also changed. This made it possible to investigate both the (Ga,In)As/GaAs interface and the Ga(As,Sb)/GaAs interface. Structural investigations of the layer surfaces showed that different growth interruption conditions must apply to each material in order to have a positive effect on the interface. In conclusion, it was confirmed that the interface morphology has an influence on the static and dynamic optical properties of a type II material system. Optimal growth parameters can be determined that lead to an optimisation of radiative recombination. Furthermore, it was shown how sensitive Type II systems are to excitation power and the associated band bending effects. It was confirmed that Type II charge transfer excitons offer a promising approach to inner interfaces and their morphology