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Das Sprachenportrait in der Mehrsprachigkeitsforschung
Seit über 25 Jahren werden so genannte Sprachenportraits in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen eingesetzt, um – durch die zeichnerische Visualisierung des sprachlichen Repertoires anhand eines vorgegebenen Körperumrisses – Prozesse der Sprachreflexion in Gang zu setzen und Sensibilität im Umgang mit Mehrsprachigkeit zu fördern. Darüber hinaus hat sich das Sprachenportrait in den letzten Jahren auch zunehmend als Forschungsinstrument etabliert, insbesondere wenn es um Fragestellungen geht, die sich für Erlebensperspektiven und Subjektpositionierungen interessieren und das Konzept des sprachlichen Repertoires in den Vordergrund rücken. Zwar erfreuen sich Sprachenportraits insbesondere im Bildungsbereich großer Beliebtheit, sie stoßen aber – wie andere kreative Methoden – auch auf Skepsis und sind mitunter gar dem Vorwurf mangelnder Wissenschaftlichkeit ausgesetzt. Dieser Beitrag setzt sich zum Ziel, das Sprachenportrait als Forschungsinstrument einer kritischen Überprüfung zu unterziehen, die wissenschaftlichen Grundlagen dieses Zugangs zu diskutieren sowie sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was das Sprachenportrait zu leisten im Stande ist und welche methodischen Implikationen mit seiner Anwendung verbunden sind.
(Neo-)Linguizistische Praxen in der Migrationsgesellschaft und ihre Bedeutung für das Handlungsfeld ‚Deutsch als Zweitsprache‘
Sprache ist nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern korrespondiert auch mit einer symbolischen gesellschaftlichen Position(ierung): Jenseits vom Inhalt des Gesagten findet eine Verhältnissetzung von Sprecher_innen zu Sprecher_innen anderer Sprachen und Sprechweisen (Stichwort: Dialekt, Soziolekt, Akzent) statt. Diese Differenzsetzungen werden diskursiv vermittelt und weisen Bezüge zu linguizistischen Traditionen auf. Ausgehend von kolonialen linguizistischen Praxen zeigt der Artikel auf, wie anhand (neo-)linguizistischer Praxen in der gegenwärtigen amtlich deutschsprachigen Migrationsgesellschaft Österreich mit neuen sprachlichen Differenzsetzungen Ausschlüsse erzeugt werden. Dabei wird die machtabhängige Beweglichkeit symbolischer Markierungen von Sprecher_innen skizziert. Auf dieser Basis wird schließlich die Involviertheit des Professionalisierungsbereichs ‚Deutsch als Zweitsprache‘ in (neo-)linguizistische Differenzsetzungen diskutier
„Hier aber wollen wir alle Deutsch lernen“: Praktiken und Positionierungen zu Sprache(n) im Unterricht mit neu zugewanderten Schüler*innen
Vor dem Hintergrund bestehender Zuwanderung nach Deutschland betrachtet der vorliegende Beitrag den Umgang mit Mehrsprachigkeit im Unterricht mit neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen. Es wird die Frage bearbeitet, in welchen Einzelsprachen oder Varietäten sprachliche Handlungen vollzogen werden und wie dieser Sprachgebrauch ausgehandelt wird. Durch Prestige der Einzelsprachen bedingte Machtverhältnisse wirken sich ebenso aus wie spezifisch schulische Anforderungen, die mit dem Konzept der Bildungssprache gefasst werden. Unterrichtsbeobachtungen zeigen, wie die (Il-)Legitimität von Einzelsprachen sozial hergestellt wird. Sanktioniert wird die Verwendung der Herkunftssprachen der Schüler*innen besonders in der Unterrichtsinteraktion selbst. Die Unterrichtspraktiken werden mit Aussagen der Lehrkräfte verbunden, um Positionierungen zu Mehrsprachigkeit herauszuarbeiten.
A community of emotions: pastoral care meetings in Conservative Laestadianism
This article studies Conservative Laestadianism, a Lutheran revival movement group located mainly in Finland. The focus of this article is so called pastoral care meetings which took place in the 1970s. The meetings were internal examinations of members’ belief with the intention of correcting spiritual errors and missteps of the members of the community and guiding them in the right direction. One important implicit purpose of the meetings was also to maintain the unanimous nature of the community. The article analyzes the emotional responses to these meetings; how the meetings were experienced by those who were forced to participate in them. Theoretically, the theme of emotions will be elaborated; how emotions could help in understanding and analyzing spiritually and religiously motivated violence and pressure. Empirically the presentation relies on collected narratives, internet material, interviews as well as documents, newspapers and official material provided by the Laestadian community
Aufbau und Bekanntmachung von Informationsangeboten über Forschungsdatenmanagement für Forschende
Forschende stehen zunehmend vor der Herausforderung, sich mit dem Thema Forschungsdatenmanagement auseinander setzen zu müssen. Um sie dabei adäquat zu unterstützen, etablieren Zentraleinrichtungen wie Bibliotheken, Forschungsdezernate oder Rechenzentren Dienstleistungen und bieten Informationen zum Umgang mit Forschungsdaten an. Der Umfang dieser Informationsangebote hängt jedoch von den Kapazitäten und Kompetenzen der jeweiligen Serviceanbieter ab. Die nachfolgende Empfehlung informiert über potenzielle Dienstleistungen, deren Ressourcenaufwand sowie beteiligte Personen oder Einrichtungen. Die zugehörigen Erfahrungsberichte geben darüber hinaus einen praktischen Einblick in den Aufbau von Informationsangeboten zum Forschungsdatenmanagement
Subjektorientierte Forschung "Deutsch für den Beruf": Zur epistemischen Kraft narrationsanalytischer Arbeiten
Der vorliegende Beitrag thematisiert die Auswirkungen einer instrumentellen und essentialistischen Sicht von Sprache auf staatlich finanzierte Angebote zur Aneignung der deutschen Sprache für den Beruf sowie sprachbedarfsanalytische Forschungsarbeiten als ihrer empirischen Basis. Auf der Grundlage der Soziokulturellen Theorie in der Zweitsprachenerwerbsforschung wird datenbasiert und mittels der Narrationsanalyse dargestellt, dass diese Sicht zum einen der komplexen Beziehung zwischen Sprachen und der historisch-biographischen Subjektivität nicht gerecht wird und zum andern die sozial eingebettete Tätigkeit nicht in den Blick nimmt. Ausgehend davon wird für eine Ausweitung von empirischen Arbeiten plädiert, welche sich explizit im interpretativen Paradigma verorten und ein nachvollziehendes Verstehen, eine sinnverstehende Analyse von Aneignungsprozessen anstreben