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An der Schnittstelle von Fach- und Informationswissenschaft:: Das INF-Projekt des SFB 980 “Episteme in Bewegung. Wissenstransfers von der Alten Welt bis in die frühe Neuzeit”
In bewusst enger Verzahnung von Fach- und Informationswissenschaft entwickelt und implementiert das INF-Projekt des an der Freien Universität Berlin angesiedelten Sonderforschungsbereichs 980 "Episteme in Bewegung: Wissenstransfers von der Alten Welt bis in die frühe Neuzeit" in der gegenwärtigen Förderphase unter dem Titel „Bücher auf Reisen. Informationstechnologische Erschließung von Wissensbewegungen in vormodernen Kulturen” zum einen ein zentrales Forschungsdatenrepositorium für den SFB und betreibt zum anderen gemeinsame Forschung und Entwicklung mit derzeit vier ausgewählten Teilprojekten. Der vorliegende Beitrag skizziert, wie die Kollaboration von Geisteswissenschaften, Computerphilologie und Informatik sowohl innerhalb des INF-Projekts als auch im Zusammenspiel mit den Pilotprojekten ausgestaltet wird, welche Herausforderungen bei gemeinsamer Forschung entstehen und welche Rolle das INF-Projekt eines großen geisteswissenschaftlichen Verbundes in den Nachhaltigkeitsüberlegungen der Heimatinstitution spielen kann
Bedarfsgesteuerte Entwicklung einer Forschungsdateninfrastruktur am Beispiel des generischen Repositoriums RADAR
RADAR[1] (Research Data Repository) bietet akademischen Einrichtungen und Forschenden eine generische Infrastruktur zur langfristigen Archivierung und Publikation digitaler Forschungsdaten. Das Forschungsdatenrepositorium wird von FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur [2] betrieben.Die DINI/nestor-AG Forschungsdaten [3] lud im Januar 2019 im Rahmen der Workshop-Reihe "FDM am Standort: von der initialen Idee zum dauerhaften Service" in Kooperation mit dem Projekt UNEKE [4] der Universitätsbibliothek Duisburg-Essen und dem IT Center der RWTH Aachen [5] zum Workshop "Bedarfserhebungen - Grundlage für passgenaue Infrastrukturen?" ein.Dort wurde die bedarfsgesteuerte Entwicklung von RADAR während der Projektphase und im Produktivbetrieb vorgestellt. Darüber hinaus wurde über die grundlegenden Funktionalitäten und Dienstmerkmale der Forschungsdateninfrastruktur sowie über Pläne für deren zukünftige Weiterentwicklung informiert.
[1] https//www.radar-service.eu (geprüft: 13.09.2019) [2] https://www.fiz-karlsruhe.de (geprüft: 13.09.2019)[3] https://dini.de/ag/dininestor-ag-forschungsdaten/ (geprüft: 13.09.2019)[4] https://uneke.de (geprüft: 13.09.2019)[5] http://www.itc.rwth-aachen.de (geprüft: 13.09.2019)
 
„Einfach wieder offen reden“? Populistische Diskursmanöver und Anti-political-correctness rechter Parteien in Deutschland und Großbritannien.
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit dem Anti-political-correctness-Diskurs deutscher und britischer Parteien und mit der Frage, inwieweit es sich dabei um einen populistischen Diskurs handelt. (Rechts)populistische Elemente des Anti-pc-Diskurses finden sich in der Behauptung, pc werde von Eliten perpetuiert und ‚das einfache Volk‘ dabei an der freien Rede gehindert und in der Konstruktion eines durch pc bedrohten ‚Heartlands‘ sowie in der Darstellung von pc als irrational und krankhaft. Durch den vergleichenden Blick auf die britische und die deutsche Rechte wird gleichzeitig empirisch verdeutlicht, dass Anti-pc als zentrales diskursstrategisches Manöver eine wichtige Rolle im Diskurs der politischen Rechten spielt. Bei der Analyse zeigt sich auch, dass Anti-pc sich kaum auf konkreten Sprachgebrauch bezieht, sondern auf den öffentlich-politischen Diskurs als solchen und auf Fragen politischer und kultureller Repräsentation
Gegenöffentlichkeit revisited: Rechtspopulistische Medienkritik und der Ruf nach objektiver Berichterstattung
In diesem Beitrag werden Forderungen nach Gegenöffentlichkeit aus verschiedenen Jahrzehnten verglichen. Während Gegenöffentlichkeit in den 1970er Jahren aus politisch linken Positionen herausgefordert wurde, ist es heute in erster Linie die politische Rechte, die sich in den Massenmedien unzureichend vertreten sieht. Neben formalen Übereinstimmungen in der argumentativen Begründung der Notwendigkeit von Gegenöffentlichkeit zeigen sich erhebliche inhaltliche Unterschiede: Wurden die früheren Forderungen theoriebasiert untermauert, werden die aktuellen Forderungen nach Gegenöffentlichkeit mit einer moralisierenden Kritik an den sogenannten Mainstream Medien begründet, die z. T. verschwörungstheoretischen Charakter hat
Politisierung in rechtspopulistischen Medien: Wortschatzanalyse und Word Embeddings
Ausgehend von der politischen Selbstverortung von PI-NEWS und COMPACT Online werden mittels Topoi-Analyse diese Medien als Orte der Aufklärung und des Widerstands gegen Bedrohungen des Volkes bestimmt. Dies mündet im Beitrag in ein vorläufiges Rechtspopulismuskonzept. Ein Korpus aus diesen rechtspopulistischen Medientexten und ein Korpus aus Texten deutscher Orientierungsmedien werden so aufeinander bezogen, dass in Wortschatzanalysen und Word Embedding-Modellen spezifische Politisierungen im Wortgebrauch nachweisbar sind. Im Ergebnis kann mithilfe von Kollokationsberechnungen gezeigt werden, dass im Sprachgebrauch des Rechtspopulismus auch politisch völlig unspezifische Wörter kontextuell eindeutig ideologisch politisiert werden
no volver a repetir lo mismo pa’ tras : [V para atrás] als Konstruktion im Sprachkontakt
Die Kombination bestimmter Verben mit para atrás ‚(nach) hinten, rückwärts‘ wie z.B. llamar para atrás ‚zurückrufen‘ wird als typisch für bilinguale Sprecher des Spanischen und Englischen in den USA erachtet. Uneinigkeit besteht in der Kontaktlinguistik allerdings darüber, inwiefern das Englische als (syntaktische oder idiomatische) Vorlage dient (vgl. call back) bzw. ob eine sprachinterne Entwicklung des Spanischen anzunehmen ist. Die vorliegende Korpusstudie, die [V para atrás] als Konstruktion auf einer mittleren Abstraktionsebene im Repertoire bilingualer hispanics in den USA im Vergleich zum europäischen Standardspanisch analysiert, zeigt dagegen, dass ein kognitiv-konstruktionsgrammatischer Zugang einen differenzierteren Blick erlaubt: So können intra- wie inter-linguale Vererbungsrelationen auf bzw. zwischen verschiedenen Abstraktionsebenen im konstruktionellen Netzwerk erfasst werden, was eine kognitiv angemessenere Modellierung des Sprachwissens bilingualer Sprecher ermöglicht.
Situierte Konstruktionen: das Indefinitpronomen "man" im Kontext der Aushandlung von Einstellungen zu migrationsbedingter Mehrsprachigkeit
Dieser Beitrag richtet den Fokus auf das Sprechen über Sprachen, genauer auf die Formen der Versprachlichung von Spracheinstellungen im Kontext migrationsbedingter Mehrsprachigkeit. Eine solche Perspektive auf die Beschreibung der sprachlichen Seite von Einstellungsäußerungen ist neu. Noch neuer ist dabei ein Zugang, der die Semantik und Pragmatik von Spracheinstellungsäußerungen mit der Analyse der Formebene verbindet, d.h. die sprachlichen Mittel und ihre Verwendung im interaktionalen Gesprächskontext untersucht, um die grammatische Struktur, die Bedeutung und die Funktion sprachlicher Muster im Sprechen über Sprache(n) aufzudecken und so zu einer systematischen linguistischen Beschreibung des metasprachlichen Sprechens beizutragen. Da sowohl Spracheinstellungen als auch sprachliche Muster ihre Genese in der sprachlichen Interaktion haben, ist es sinnvoll, eine spezifische Konstruktion näher in den Blick zu nehmen und in einem für die Sprachreflexion zentralen Kommunikationszusammenhang zu analysieren. Das Untersuchungsinteresse liegt dabei auf dem Indefinitpronomen man. Die Interaktionale Konstruktionsgrammatik (Imo 2015a) liefert den theoretischen Beschreibungsansatz. Die Datenbasis für diesen empirisch fundierten Beschreibungsversuch der Konstruktionen mit man bildet ein von den AutorInnen erhobenes Korpus mit Daten von qualitativen Interviews, in denen SprecherInnen mit und ohne Migrationshintergrund über ihre Sprachbiographien und Spracheinstellungen reflektieren. Auf der Grundlage dieser Daten wird eine Differenzierung in vier Konstruktionstypen von man vorgeschlagen und so ein Beitrag geleistet zum Aufbau eines Inventars von sprachlichen Schematismen im Sprechen über Sprachen – und darüber hinaus.
„Der Große Austausch ist kein Mythos, er ist bittere Realität.“: Populismus und Verschwörungstheorien aus linguistischer Perspektive
Der vorliegende Artikel beschäftigt sich aus linguistischer Sicht mit Verbindungen zwischen Populismus und Verschwörungstheorien. Es wird den Fragen nachgegangen, inwiefern in Äußerungen der als rechtspopulistisch anzusehenden Partei Alternative für Deutschland (AfD) auf verschwörungstheoretische Versatzstücke zurückgegriffen wird und auf welche Weise sich der Rückgriff in der sprachlichen Ausgestaltung niederschlägt. Nicht nur im Grundsatzprogramm und im Bundestagswahlprogramm 2017 der AfD tritt verschwörungstheoretisches Gedankengut auf, sondern auch viele Parteimitglieder selbst bedienen sich – insbesondere in Textsorten der sozialen Medien – verschiedener Verschwörungstheorien. Mit der Umvolkungs-Verschwörungstheorie nehmen wir eine auch in rechtsextremen Kreisen weit verbreitete Theorie exemplarisch in den Blick. Auf der Grundlage zahlreicher Aussagen von PolitikerInnen der AfD, die auch ein Gutachten des Verfassungsschutzes als bedenklich einstuft, werden Besonderheiten der Lexik und Argumentation herausgearbeitet. Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass es sich bei der AfD nicht nur um eine rechtspopulistische, sondern um eine rechtsextrem(istisch)e Partei handelt