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Inklusion von Lernenden mit DaZ? Anfangsunterricht und Schriftspracherwerb in sprachlich heterogenen Lerngruppen
Many children speak German as a second language in German schools. Research (e. g., Stanat et al. 2022) points to the fact that there is a huge inequality between these children and children who speak German at home in terms of the achievement of learning goals. Educational policy debates about inclusive learning environments tend not to consider the specific needs and resources multilingual children bring to learn in a German speaking classroom and therefore additional resources are only allocated for children with almost no knowledge of German. In this paper, the author highlights the importance of recognising the needs of multilingual children in inclusive learning environments to grant resources for these children and to focus on their learning. Using literacy acquisition as an example, the author describes different ways of supporting multilingual children in the classroom.
Viele Kinder an deutschen Schulen wachsen mehrsprachig auf. Während eine Verständigung im Alltag oft gelingt, belegen Bildungsberichte (z. B. Stanat et al. 2022) eine Chancenun- gleichheit im deutschen Bildungssystem für mehrsprachige Lernende. In schulpolitischen Entscheidungen und Diskussionen um inklusive Schule spielen mehrsprachige Kinder selten eine Rolle. Zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen für diese Lerngruppe im Sinne eines inklusiven Bildungsangebots würden zu mehr Chancengleichheit beitragen. Ebenso sollten die sprachlichen Ressourcen der Kinder in ihren Herkunftssprachen für das Lernen genutzt werden. Am Beispiel des Schriftspracherwerbs werden in diesem Beitrag einige be-hindernde Faktoren für das Lesen- und Schreibenlernen bei mehrsprachigen Kindern dargestellt und Möglichkeiten der Unterstützung im Sinne des Scaffoldings (Gibbons 2015) aufgezeigt
Schriftsprachaneignung bei Kindern im mehrsprachigen Kontext: Empirische Befunde und Implikationen für Theorie und Praxis
Since multilingualism is often seen as a cause for difficulties in the acquisition of writing skills and spelling in particular, we review different studies which compare spelling skills in multilingual and monolingual learners. The aim is to investigate possible differences in orthographic deviations between the learner groups in both quantitative (error frequency) and qualitative (specific error types) terms. We also critically ask whether “multilingual” or “German as a Second Language” are constructive categories with regard to the demand for inclusive education.
Vor dem Hintergrund, dass Mehrsprachigkeit immer wieder als Ursache für Schwierigkeiten beim Schrift- und Rechtschreiblernen herangezogen wird, werden in diesem Beitrag verschiedene Studien zusammengestellt, die den Schriftspracherwerb und die Rechtschreibfähigkeiten mehrsprachiger Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu einsprachigen untersuchen. Es soll herausgearbeitet werden, inwiefern sich einerseits in quantitativer Hinsicht – im Sinne von Fehlerhäufigkeiten – und andererseits in qualitativer Hinsicht – im Sinne spezifischer Fehlertypen – Unterschiede zwischen Lernenden mit einsprachigem und Lernenden mit mehrsprachigem Hintergrund ergeben. Kritisch beleuchtet wird dabei die Frage, ob die Kategorisierung „mehrsprachig“ oder „Deutsch als Zweitsprache“ überhaupt zielführend ist im Hinblick auf einen inklusiven Beschulungsanspruch
Schreibkompetenz-Profile in der beruflichen Bildung: heterogen, individuell und schwer interpretierbar?
In the context of digitalisation, literacy skills have become increasingly important in both personal and professional settings. However, studies show that students in vocational education and training (VET) often struggle with literacy tasks. This poses a challenge for educators in terms of addressing the diverse language backgrounds and abilities of learners and individualising teaching approaches. The research project Förderung der allgemeinen Schreibkompetenz nach Lernendenprofilen aims to systematically assess the quality of VET students’ texts, to identify profiles of writing competence and to provide needs-oriented and inclusive teaching recommendations based on these profiles. It relies on a corpus of 1472 texts written by VET students and employs both automated linguistic analysis and expert ratings to identify clusters of students with similar writing competence profiles. The research design, challenges and initial findings of the project are presented in the present paper, highlighting the potential of empirical evidence to shape our understanding of text quality in the specific VET context, and to challenge prevailing narratives about learners’ language background and their literacy skills.
Vor dem Hintergrund der Digitalisierung gewinnen schriftsprachliche Kompetenzen sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld zunehmend an Bedeutung. Studien zeigen jedoch, dass das Lesen und Schreiben von Texten für Lernende in der beruflichen Bildung oft eine Herausforderung darstellt und dass Lehrpersonen Schwierigkeiten haben, das Sprachlehren und -lernen so zu individualisieren, dass es den unterschiedlichen Sprachbiografien und Sprachkompetenzen der Lernenden gerecht wird. Das Projekt Förderung der allgemeinen Schreibkompetenz nach Lernendenprofilen setzt sich zum Ziel, die Qualität von Texten von Berufsschüler:innen systematisch zu erheben, Schreibkompetenzprofile zu identifizieren und bedarfsorientierte und inklusive didaktische Empfehlungen auf der Grundlage dieser Profile zu geben. Den Kern des Projekts bildet ein Korpus von 1472 Berufsschüler:innen-Texten, welche maschinell analysiert und von geschulten Rater:innen evaluiert wurden, um Gruppen von Lernenden mit ähnlichen Schreibkompetenzprofilen zu identifizieren. Der vorliegende Beitrag präsentiert das Forschungsdesign, die Herausforderungen und erste Ergebnisse des Projekts. Er zeigt das Potenzial empirischer Grundlagen für ein besseres Verständnis von Textqualität im spezifischen Kontext der beruflichen Bildung auf und stellt Narrative über den Zusammenhang zwischen sprachlichem Hintergrund und schriftsprachlichen Kompetenzen in Frage
Elektronische Laborbücher in ingenieurwissenschaftlichen Praktika – mehr als nur Werkzeuge zur Dokumentation?
Die Anwendung elektronischer Laborbücher in der Lehre ist ein aufkommendes Thema, nicht nur im Umfeld der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur. An der Technischen Universität Clausthal wird im Praktikum zur Hochspannungstechnik das elektronische Laborbuch eLabFTW genutzt. Über die reine Dokumentation hinaus werden den Studierenden Aspekte nahezu des gesamten Forschungsdaten-Lebenszyklus vermittelt. Hierzu werden Angebote zum Eigenstudium von Forschungsdatenmanagement-Grundlagen gemacht, deren Inhalte bei den jeweiligen Versuchen direkt eingesetzt werden sollen. Dies geschieht parallel zum traditionellen Praktikumsablauf mit aufeinander aufbauenden Versuchen, die einem klassischen Forschungsprozess nachempfundensind. Theoretische Inhalte werden so direkt mit der Praxis verknüpft. Das Konzept wurde von Mitarbeitenden des Instituts für Elektrische Energietechnik und Energiesysteme entworfen und wird gemeinsam mit der Servicestelle Forschungsdatenmanagementkontinuierlich evaluiert. Nachdem die ersten beiden Jahrgänge das Praktikum absolviert hatten, wurden die teilnehmenden Studierenden im Rahmen einer Umfrage um eine Evaluation gebeten. Die Fragen thematisierten die Nutzung des elektronischen Laborbuchs, aber auch das Forschungsdatenmanagement. Es wurden die Antworten von 11 Studierenden ausgewertet. Eine statistische Signifikanz ist somit nicht gegeben, es werden keine allgemeingültigen Aussagen formuliert. Die Umfrageergebnisse,die direkt geäußerten Kritikpunkte sowie die darauf basierenden Überlegungen werden im Rahmen dieses Artikels vorgestellt. Zusätzlich wird sich daraus ableitbares Verbesserungspotenzial aufgezeigt
Forschungsdatenmanagement in der Forschungsförderung: Austausch der UAG Datenmanagementpläne der DINI/nestor-AG Forschungsdaten mit Vertreter:innen der Forschungsförderer
Die Anforderungen an gutes und nachhaltiges Forschungsdatenmanagement steigen stetig, die Angebote, nicht zuletzt durch den Aufbau der NFDI, werden zahlreicher und auch die Forschungsförderer verlangen in der Antragsphase immer detailliertere Angaben. Um die Beratung der Forschenden bei der Antragstellung zu verbessern, haben sich die Mitglieder der Unterarbeitsgruppe „Datenmanagementpläne“ in der DINI/nestor AG Forschungsdaten mit Vertreter:innen der Forschungsförderer zu Hintergrundgesprächen getroffen. Die Ergebnisse der ersten Austauschrunden mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen mit dem Projektträger Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum, Vertreter:innen der Generaldirektion der Europäischen Kommission, Research and Innovation zusammen mit der Kooperationsstelle EU der Wissenschaftsorganisationen sowie den Förderreferent:innen der VolkswagenStiftung werden im Artikel dargestellt und anschließend diskutiert
Schreib-Interaktionen im DaZ-Förderunterricht der Grundschule: Eine medialitäts- und methodenintegrierende Fallstudie
Ausgangspunkt dieses Beitrags ist die Feststellung, dass es in der didaktisch-empirischen Forschung bisher nur wenige Arbeiten gibt, die Schreib-Interaktionen unter Berücksichtigung der mündlichen Interaktionsgestaltung und des parallelen Schreibprozesses sowie des entstehenden bzw. zu überarbeitenden Textprodukts betrachten. Vor diesem Hintergrund und dem Potential, welches der Mündlichkeit als ‚Brücke‘ zur Schrift zugesprochen wird, werden hier Schreib-Interaktionen während der Textproduktion zwischen einer Lehrkraft und Grundschüler*innen im DaZ-Förderunterricht untersucht. Die methodenintegrierenden (Gesprächsanalyse und Schreibforschung) Fallstudien auf Basis einer multimodalen Datenkonstellation (u.a. Prozess- und Produktdaten von mündlichen Schreib-Interaktionen und schriftlichen Textproduktionen in Form von Videos, Fotos und Transkripten) ergeben interessante Befunde in Bezug auf die Interaktionsgestaltung und relevante Schnittstellen zwischen der mündlichen und der schriftlichen Textproduktion sowie (damit einhergehende) zielsprachliche Herausforderungen. Neben einer forschungsorientierten Bilanz schließt der Beitrag mit Implikationen für eine ressourcenbasierte, diversitätssensible und partizipationsorientierte Sprach- bzw. Schreibdidaktik.This article starts from considering empirical findings on the potential links or ‘bridges` between speech and writing for language learning and the observation that the field of evidence-based language didactics is lacking research which takes into account aspects of the oral interaction as well as the writing process and its product. Therefore, a case study is conducted on so-called writing-interactions between a teacher and several multilingual pupils in remedial language lessons of a German primary school. The analyses combine different methodological approaches (conversation analysis and writing research) and a body of multimodal empirical data (e.g. videos, pictures and transcripts of the oral interaction, the writing process and the written text). The results reveal principles of how the teacher organizes the writing-interaction, links between the pupils’ oral and written text-production and challenges of the second-language writing process. The article ends with discussing implications for future research and for language and writing didactics that take into account learners’ ressources, diversity and participation
Interactional Competence in Additional Languages: In Search for Constructive Alignment in Teaching and Teacher Education
Gegenstand dieses Vortrags ist die Beschreibung der interaktionalen Kompetenz (in Zweitsprachen) als ein Konstrukt, das sich über das Sprachenlernen, den Unterricht und die Lehrerausbildung erstreckt. Dabei stütze ich mich dabei auf Datenbanken von Lerner-Lerner- und Lehrer-Lerner-Interaktionen sowie auf Daten aus Lehrerbildungskontexten. Ich vertrete die Auffassung, dass interaktionelle Kompetenz sowohl für Lehrende als auch für Lernende ein wichtiges Konstrukt sein kann, das sowohl Erstausbildung als auch in der Lehrerausbildung berücksichtigt werden sollte. Obwohl wir noch viel mehr Forschung benötigen, um zu klären, was es für Lernende und Lehrende bedeutet, interaktional kompetent zu sein, gibt es bereits einige vielversprechende Ergebnisse aus der longitudinal angelegten korpusbasierten konversationsanalytischen Forschung. Die praktischen Implikationen dieser Forschungslinie aus Untersuchungen zum Lernen, Lehren und zur Lehrerausbildung müssen jedoch aus der Perspektive eines prinzipiengeleiteten Ansatzes in der Bildung (z. B. constructive alignment) zusammengestellt und diskutiert werden. Die Präsentation wird mit einem Hinweis auf zukünftige Forschung und Lehrerbildungspraktiken schließen.In this presentation, I describe interactional competence (in second languages) as a construct that spans over language learning, teaching, and teacher education, drawing on databases of learner-learner and teacher-learner interactions as well as data from teacher education contexts. I argue that interactional competence can be a key construct for teachers and learners alike and can inform both initial and in-service teacher education. Although we need much more research to explicate what it means to be interactionally competent for a learner and a teacher, there are already some promising findings from longitudinal and collection-based conversation analytic research. The practical implications of this line of research investigations into learning, teaching, and teacher education, however, need to be compiled and discussed from the perspective of a principled approach in education (e.g. constructive alignment). I will end the presentation by pointing to future research and teacher education practices
Verpasste Chancen? Didaktik der Schriftvermittlung im Rückblick
From the various disciplines that were involved in the beginnings and the continuation of teaching reading and writing in schools in the 1960s and 1970s, many contributions could still be read with benefit today: they range from the end of the method dispute on first reading to the emphasis on the linguistic nature of learning to read, and span the internationalisation of research, the revaluation of writing, the recognition of language barriers, the consideration of multilingualism, halting at the futile initiation of re-articulating-while-reading in the continuation of initial instruction. Unfortunately, much of what needs to be continued in order to meet the current challenges has been forgotten. Reasons for this can be found as well in institutional developments of teacher education as in gaps in language didactic theory formation. The current article offers a critical overview of findings and forgotten facts from more than 50 years of research with a view to its relevance for the present.
Aus den verschiedenen Disziplinen, die in den 1960er und 1970er Jahren mit den Anfängen und der Weiterführung der schulischen Schriftvermittlung befasst waren, stammen Beiträge, die man heute noch mit Gewinn lesen könnte: Sie reichen vom Ende des Methodenstreits zum Erstlesen über die Betonung der Sprachlichkeit des Lesenlernens, die Internationalisierung der Forschung, Aufwertung des Schreibens, das Erkennen von Sprachbarrieren, das Berücksichtigen von Mehrsprachigkeit bis zur vergeblichen Anbahnung eines re-artikulierenden Lesens in der Weiterführung des Anfangsunterrichts. Der Beitrag bietet einen kritischen Überblick über Erkenntnisse und Vergessenes aus mehr als 50 Jahren Forschung mit Blick auf dessen Relevanz für die Gegenwar
„Zwischen den Stühlen“. Spannungsfelder des Datenmanagements im Kontext multidisziplinärer Wissenschaftszweige am Beispiel der Ratgeber-Forschung
Zur Eröffnung der vorliegenden Sonderausgabe widmet sich dieser Überblicksbeitrag Aspekten des Forschungsdatenmanagements (FDM) aus der Perspektive des Forschungszweigs der „Ratgeber-Forschung“, in welcher Entstehung, Distribution und Rezeption jener populären Medien analysiert werden, welche Rat bzw. Orientierung zu Themen aller Art versprechen. Dazu gehören z. B. Wegweiser zur „richtigen“ Erziehung oder Ernährung, Handreichungen zur Rhetorik, Apps zu Karrierestrategien, Podcasts zum Lernverhalten u.v.m. Die Ratgeber-Forschung dient im vorliegenden Kontext als Beispiel für eine von vielen Forschungsrichtungen, die sich primär über ein gemeinsames thematisches Interesse definieren. Sie umfasst verschiedene Fachdisziplinen, arbeitet mit verschiedenen Theorien, unterschiedlichen Daten sowie variierenden Methoden – und ist nicht unter einem institutionellen Dach gebündelt. Der Beitrag spielt anhand der grundlegenden Phasen eines Forschungsprozesses durch, welche Spannungsfelder sich im Rahmen der Ratgeber-Forschung mit Fokus auf den Umgang mit den sog. ‚Daten‘ in den Schritten von Vorbereitung und Planung, Erhebung und Auswertung, Verarbeitung und Sicherung sowie Verbreitung und Nachnutzung jeweils ergeben können. Sicherlich ist ein verlässliches Datenmanagement in allen Bereichen der Forschung mit Herausforderungen verbunden, doch zeigen die vorliegenden Ausführungen, dass sich insbesondere multidisziplinäre Wissenschaftszweige mit geringerem Institutionalisierungsgrad dabei u. U. in einer Position „zwischen den Stühlen“ der vorliegenden Konzepte des FDM wiederfinden