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Multimodality of bilingual messenger interaction in virtual exchange
Multimodale Aspekte der Messenger-Interaktion stellen ein nicht zu unterschätzendes Steuerungsinstrument der Teilhabe an mehrsprachigen Paar- oder Gruppenarbeitsprozessen im virtuellen Raum dar. Dieser Beitrag präsentiert Befunde zur Multimodalität der Messenger-Interaktion von bilingualen Teams (N=73) in zwei virtuellen Austauschprojekten. Diese wurden 2020 und 2022 zwischen neuseeländischen DaF- und deutschen Englisch-Lehramtsstudierenden durchgeführt. Dafür nutzten die Teilnehmenden verschiedene Kommunikationswege, u.a. Messenger-Nachrichten. Der Beitrag geht der Frage nach, welche multimodalen Aspekte der Messenger-Kommunikation bei dieser bilingualen Interaktion von Bedeutung sind, welche Besonderheiten die multimodale Messenger-Interaktion von Sprachenlernenden aufweist und welche Funktionen die Multimodalität innerhalb dieser Interaktionen erfüllt. Dafür greift die Studie auf den Ansatz der interaktionalen Multimodalitätsanalyse zurück und adaptiert ihn für die Fremdspracheninteraktionsforschung. Das Datenkorpus bildet die Messenger-Interaktion von drei Fokusteams, welches insgesamt 570 Interaktionsereignisse umfasste. Aus den Ergebnissen der Studie lassen sich Schlussfolgerungen für die stärkere Bewusstmachung multimodaler Aspekte innerhalb interaktionaler Sprachlernaktivitäten im virtuellen Raum und deren Potenziale für die Beschäftigung mit Sprache ableiten.The integration of multimodal elements in messenger interactions plays a significant role in enabling participation in multilingual virtual collaboration. This paper presents findings on the multimodality of messenger interactions among bilingual teams in two virtual exchange projects conducted in 2020 and 2022. These projects involved New Zealand-based German as a Foreign Language students and German English teacher students, who utilized various communication channels such as messenger services. The study’s focus is on relevant multimodal aspects of bilingual messenger communication, the multimodal messenger interaction of language learners, and the functions that multimodality serves within these interactions. The data corpus consists of messenger interactions from three focus teams, comprising a total of 570 turns. Data were analysed using interactional multimodal analysis adapted for foreign language interaction research. Findings underscore the importance of recognizing and harnessing multimodal dimensions within virtual language learning activities for language development
Interactions between the language classroom and the lifeworld: Introduction to the fourth issue of ZIAF
Der L2-Erwerb stellt sich als ein komplexes Zusammenspiel von unterrichtlichen und außerunterrichtlichen Aktivitäten und Prozessen dar: Einerseits prägen lebensweltliche Interaktionserfahrungen, persönliche Interessen, Gewohnheiten und Strategien das Wahrnehmen des Unterrichtsgeschehens und die Erwartungen hinsichtlich der Aneignung neuen Wissens. Andererseits können die im Unterricht erworbenen Kenntnisse und Kompetenzen auf die außerunterrichtlichen Lebenswelten der Lernenden zurückwirken. Der Beitrag führt zum einen in die Thematik „Wechselwirkungen zwischen Unterricht und Lebenswelt im Kontext von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache“ ein und erläutert zum anderen die Struktur der vierten Ausgabe der Zeitschrift für Interaktionsforschung in DaFZ (ZIAF): Die darin versammelten Aufsätze werden vorgestellt und in das Rahmenthema eingeordnet.L2 acquisition is a complex interplay of classroom and extracurricular activities and processes. On the one hand, lifeworld interaction experiences, personal interests, habits and strategies influence the perception of what happens in class and the expectations regarding the acquisition of new knowledge. On the other hand, knowledge and competences acquired in language classes have an impact on the learners\u27 life outside the classroom. This paper provides an introduction to the topic of “Interactions between the language classroom and the lifeworld” as well as a brief outline of the papers put together in the fourth volume of the Zeitschrift für Interaktionsforschung in DaFZ (ZIAF)
The verb-pronoun-enclitics in the direct speech of Early New High Ger-man and Middle Low German narrative texts: The influence of grammatical context on the use of cliticised forms in the translation process
Die mittelniederdeutsche Syntax wurde in der älteren Forschungsgeschichte nur unzureichend behandelt, da – zu Unrecht – angenommen wurde, dass sich kaum Unterschiede zu den hochdeutschen Satzstrukturen finden lassen. Die Annäherung an historische Mündlichkeit, die aus heutiger Perspektive nicht unmittelbar zu erfassen ist, stellt ein weiteres Desiderat dar. Eine Kombination dieser beiden Forschungsansätze findet sich im folgenden Beitrag, der anhand eines Parallelkorpus aus frühneuhochdeutschen und mittelniederdeutschen Prosatexten des 15. Jahrhunderts die Verwendung der Verb-Pronomen-Klise der 2. Person Singular Nominativ in der literarischen Wiedergabe von direkter Rede untersucht. Die Übersetzungstexte mit bekanntem Abhängigkeitsverhältnis ermöglichen dabei einen Vergleich dieser beiden nah verwandten Sprachen, um zu überprüfen, inwiefern die Klisen im Übersetzungsprozess erfasst und bearbeitet werden. Im Fokus steht dabei die Aufbereitung und Auswertung der entsprechenden Belegstellen sowie die exemplarische Diskussion zweier konkreter Phänomene (Topik-Drop, Pronomen in Wackernagelposition); zugleich bietet der Beitrag aber auch einen Einblick in die grundlegende Vorgehensweise und Methodik des zugehörigen Dissertationsprojektes. Darüber hinaus wird auch der Fragestellung nachgegangen, ob es sich bei der Pronominalenklise um einen dezidierten Ausdruck inszenierter Mündlichkeit oder um eine im 15. Jahrhundert allgemein verbreitete grammatikalisierte Form handelt. Abschließend wird aufgezeigt, welche Aspekte in Bezug auf die Klisenbildung im Textkorpus bislang offen geblieben sind und noch einer weitergehenden Untersuchung bedürfen.Middle Low German syntax has received relatively little attention within the older history of research, as it was assumed – wrongly – that there were hardly any differences to High German sentence structures. The approach to historical orality, which cannot be grasped directly from today’s perspective, represents a further desideratum. A combination of these two research approaches can be found in the following article, which uses a parallel corpus of Early New High German and Middle Low German prose texts from the 15th century to analyse the use of the verb-pronoun-enclitics of the 2nd person singular nominative in the literary construction of direct speech. The translation texts with their well-known relationship of dependency provide a special opportunity to compare these two closely related languages in order to examine the extent to which the clitics are recognised and edited in the translation process. The focus here is on the preparation and evaluation of the relevant evidence as well as the exemplary discussion of two specific phenomena(topic drop, pronouns in Wackernagel position); beyond that, the article offers an insight into the basic approach and methodology of the associated dissertation project. In addition, the question of whether the pronominal clitics are an intentional expression of staged orality or a grammaticalised form that was generally used in the 15th century is investigated. Finally, it is shown which aspects of the formation of clitics in the text corpus have so far remained open and require further investigation
Münster’s Sociolect Masematte – from Secret Language to Common Language?
Die münsterische Sondersprache Masematte ist ein Rotwelsch-Dialekt, der in vier Stadtvierteln bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gesprochen wurde. Über einen langen Zeitraum galt die Masematte als weitgehend in Vergessenheit geraten, in der jüngeren Vergangenheit gewinnt sie in Münster jedoch zunehmend an Präsenz in der sprachlichen Öffentlichkeit. Im vorliegenden Beitrag sollen in einem ersten Schritt Vorkommen von Masematte-Schriftlichkeit in Münsters Linguistic Landscape dokumentiert werden. Dabei zeigt sich, dass die Masematte fast ausschließlich im Marketing Verwendung findet. In einem zweiten Schritt soll daher analysiert werden, welche Funktionen die Masematte als PR-Strategie erfüllt bzw. erfüllen soll. Grundlage für die Analyse sind Daten aus Leitfadeninterviews mit Vertretern ausgewählter Unternehmen, welche Masematte in ihrem Marketing gebrauchen. Es wird deutlich, dass die Verwendung von Masematte insbesondere lokale Identität ausdrücken und bei der Zielgruppe erzeugen soll. Gleichzeitig fungiert die Masematte offenbar auch als eine Art Unique Selling Point der Unternehmen.Münster’s sociolect Masematte is a Rotwelsch dialect that was spoken in four districts of the city until the end of World War II. Over a long period of time Masematte was considered almost forgotten but in the recent past it has become more and more present in Münster’s linguistic landscape, as shown in the first analysis of this paper. It becomes evident that Masematte is nearly exclusively used for marketing purposes. As a second step, we analyze which functions Masematte has or aims to have as a PR strategy. The basis for this analysis is data from semi-structured interviews with representatives of selected enterprises that use Masematte in their marketing. It becomes apparent that Masematte is particularly used to express local identity and evoke such among the target group. At the same time, Masematte obviously also serves as a kind of unique selling point of the enterprises
Was zählt als Argument? Belege und Begründungen bei medizinischen Entscheidungen
Entscheidungen in Medizin und Gesundheitsversorgung sind ohne einen Bezug zur Evidenzbasierten Medizin (EbM1) kaum noch denkbar. Dieser Begriff steht für einen sorgfältigen, ausgewogenen und ausdrücklichen Bezug auf einschlägige klinische Studien (Sackett et al. 1996). Geht es um die Rechtfertigung medizinischer Maßnahmen, ist die Unterscheidung von zwei Arten von Entscheidungen zentral: der a) Repertoire- und der b) klinischen Entscheidung. Die erstere trifft eine Behörde bei der Marktzulassung eines Medikaments oder ein Gesundheitssystem in Bezug auf die Kostenübernahme einer Technologie. Aber auch Praxen und Krankenhäuser müssen ihr Repertoire an diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen festlegen. Dieses stellt für die klinische Entscheidung an der einzelnen Patientin nur den Hintergrund dar. Es sind die Argumentationen über Repertoire-Entscheidungen, welche sich durch die Etablierung der EbM grundlegend verändert haben. Die Etablierung der EbM hat zu Machtverschiebungen geführt. Da Studien, welche den Kriterien der EbM genügen, sehr teuer sind, hat dies die Rolle von pharmazeutischer und Medizinprodukt-Industrie gestärkt und zu einer Oligopolisierung geführt. Traditionelles persönliches Wissen hat heute gegenüber digitalen Datenbasen, Zeitschriften und Lehrbüchern eine geringere Bedeutung. Studien im Sinne der EbM sind Voraussetzung für die Entwicklung von Entscheidungshilfen, mit welchen sich Patientinnen an Entscheidungen über ihre Behandlung beteiligen können. Vor dem Hintergrund kontroverser Diskussion um die EbM ist vor allem die weitgehende Akzeptanz der EbM-Standards bemerkenswert
For several decades, Evidence-based Medicine (EBM) has become the most important frame of reference for decisions in health care. It denotes “the conscientious, explicit, and judicious use of current best evidence in making decisions about the care of individual patients” (Sackett et al. 1996). Good patient care requires decisions at two levels: a) the medical repertoire; b) the individual clinical decision. The former must be made by an authority granting market access or by the health care system regarding coverage. Hospital departments, practices and individual clinicians must also decide which components should be part of their repertoire. For the individual clinical decision, the repertoireof available treatment options provides only thebackground. It is for the repertoire decision for which EBM has fundamentally changed what counts as an argument and what does not. The global spread of EBM has resulted in shifts of power and authority. Since trials meeting the methodological requirements of EBM are very expensive, the pharmaceutical and device industry has become a more powerful player in an oligopolistic market. Traditional personal academic knowledge and influence have been superseded by impersonal sources of knowledge, such as electronic databases, journals, and textbooks. Studies as favoured by EBM are necessary to develop decision aids aiming at involving patients for decisions affecting their health care. That the standards of EBM are almost universally accepted worldwide is most remarkable
Alzheimer und Agency: Eine kulturlinguistische Analyse zur sprachlichen Aushandlung von Handlungsmacht im Kontext medizinischer Risikovorhersagen
Dieser Beitrag stellt eine kulturlinguistische Analyse zum Thema der Risikovorhersage der Alzheimer Demenz dar. Anhand von Gesprächsdaten und textuellen (Medien-)Diskursbeiträgen werden kommunikative Praktiken der individuellen und öffentlich-medialen Zuschreibung von Handlungsmacht untersucht. Ein genauer Blick auf Agency – als Metapraktik mit kultureller Bedeutsamkeit – beleuchtet den individuellen und gesellschaftlichen Umgang mit probabilistischem Wissen sowie prädiktiven und präventiven Möglichkeiten. Auf der Basis einer linguistischen Analyse kann das Absprechen von Agency um typische Praktiken der Fremd- und Selbstzuschreibung ergänzt werden, die im Wechselspiel der Dimensionen Kontrolle und Verantwortung stehen: die indirekte Aufforderung, der deutliche Appell, die konkrete Handlungsanleitung sowie die Forderung nach Handlungsempfehlung.
This article provides a cultural linguistic analysis concerning the risk prediction of Alzheimer’s dementia. On the basis of conversation data and textual (media) discourse contributions, various linguistic practices of individual and societal attributions of agency are identified. A closer look at agency – as meta practice of cultural significance – sheds light on the individual and societal handling of probabilistic knowledge as well as predictive and preventive possibilities. The results of this linguistic analysis show that the negative attribution of agency can be complemented by emerging attributions of active agency which interact with the dimensions of control and responsibility: the indirect request, the clear appeal, the concrete instructions for action and the demand for recommendations for action
Religiöse Sprache in der Bioethik: Überlegungen zu einer Topologie ethischer Rede
Der Beitrag befasst sich mit der Verwendung religiöser Sprache in (bio)ethischen Kontexten. Dazu wird die Unterscheidung unterschiedlicher „Ebenen“ ethischer Diskurse eingeführt. Damit sind unterschiedliche Kontexte und Funktionen ethischer Rede bezeichnet. Sie dienen der lebensweltlichen „Orientierung“, der wissenschaftlichen „Begründung“ oder der „Beratung“ in Entscheidungssituationen. Religiöse Sprache verlangt auf diesen Ebenen unterschiedliche Verwendungsweisen. In Rückgriff auf die Ethik und Religionstheorie Friedrich Schleiermachers (1768-1834) wird der eigentümliche Sinn und die ethische Bedeutung religiöser Rede ermittelt und auf diese verschiedenen Verwendungsweisen bezogen. Dies führt zu der These einer in der religiösen Sprache aufgehobenen Individualitätsfunktion, welche auf den verschiedenen Ebenen ethischer Rede unterschiedliche „Übersetzungen“ im Sinne von Habermas ebenso benötigt wie auch ermöglicht.
The article deals with the use of religious language in (bio)ethical contexts. To this end, the distinction between different “levels” of ethical discourse is introduced. This refers to different contexts and functions of ethical discourse. They serve to provide “orientation” in everyday life, scientific “justification” or “advice” in decision-making situations. Religious language requires different uses on these levels. With recourse to the ethics and theory of religion of Friedrich Schleiermacher (1768-1834), the peculiar meaning and ethical significance of religious speech is identified and related to these different uses. This leads to the thesis of an individuality function of religious language, which both requires and enables different “translations” in Habermas’ sense on the various levels of ethical speech
Über das bedeutsame \u27Nichts\u27: Schweigen in Messenger-Kommunikation
Digitale Kommunikationsmöglichkeiten, und damit auch Messenger, nehmen in der mediatisierten Welt von heute eine besondere Stellung ein. Wo mehr Reden bzw. Schreiben möglich ist, ist automatisch auch mehr Schweigen möglich – und diesem bedeutsamen ‚Nichts‘ widmet sich dieser Beitrag. Dabei wird nicht nur darauf eingegangen, dass und warum Schweigen in vielerlei Hinsicht ein Grenzgänger-Phänomen ist, sondern es wird insbesondere anhand authentischer Daten gezeigt, welche Funktionen es haben kann und welche Interventionsstrategien in Chat-Interaktionen angewendet werden, um es zu brechen. Obwohl Schweigen in Redekulturen, zu denen auch Deutschland zählt, primär negativ markiert und dispräferiert ist, zeigt sich im Korpus jedoch, dass es auch als Mittel der Höflichkeit eingesetzt wird, was sich – zumindest hypothetisch – auch auf das sogenannte Ghosting, also den einseitigen und plötzlichen Kontaktabbruch, übertragen lässt.
Digital communication, and therefore also messengers, take a special position in today\u27s mediatised world. Where more talking or writing is possible, more silence is automatically possible – and this article is dedicated to this significant \u27nothing\u27. It not only addresses the fact that and why silence is a borderline phenomenon in many respects, but also uses authentic data to show which functions it can have and which intervention strategies are used in chat interactions to break it. Although silence in speech cultures, which also include Germany, is primarily negatively labelled and dispreferred, the corpus shows that it is also used as a means of politeness, which – at least hypothetically – can also be transferred to so-called ghosting, i.e. the unilateral and sudden termination of contact
Texte ohne Worte - an den Grenzen von Sprache und bildender Kunst, Literatur und Musik
Was macht etwas Wahrnehmbares zum Ausdruck einer kommunikativen Absicht, zum Mittel der Realisierung einer sozialen Funktion, was macht es zu einem Text? In diesem Beitrag werden Werke der Literatur, aber auch aus der bildenden Kunst und der Musik analysiert, die als Versuche beschrieben werden können, die Grenzen von Kommunikation auszuloten. Warum sind Felix Mendelsohn-Bartholdys Lieder ohne Worte Lieder, warum lesen wir Christian Morgensterns Fisches Nachtgesang als Gedicht, ist John Cages Organ2/ASLSP ein musikalisches Werk? Untersucht wird hier, wie das Nicht-vorhanden-Sein von Wörtern, Abbildungen, Klängen im Umfeld von Zeichen anderer semiotischer Modalitäten und einem Kontext, der von den an der Kommunikation Beteiligten kognitiv geteilt wird, als Leerstelle nicht nur wahrnehmbar, sondern auch als Text oder Realisation anderer Genres verstanden wird und damit erst entsteht.
What renders something perceptible an expression of communicative intent, a means of realizing a social function, what makes it a text? This article analyzes works of literature, as well as those from the visual arts and music, which can be described as attempts to explore the boundaries of communication. Why, for instance, are Felix Mendelssohn Bartholdy\u27s Lieder ohne Worte (‘Songs without words’) considered songs, why do we interpret Christian Morgenstern\u27s Fisches Nachtgesang (‘Fish’s night song’) as poetry, is John Cage\u27s Organ2/ASLSP a musical composition? The paper examines how the absence of words, images, sounds in the context of signs of other semiotic modalities and a cognitive context which is shared among communication participants is perceived not only as a void but also understood as a text or realization of other genres, thus bringing them into existence in the first place
Textverweigerung als literarisches Verfahren - Versuch einer Typologie.
Der Beitrag fokussiert fehlende literarische Texte bzw. fehlende Texte in literarischen Werken mit dem Versuch einer Typologie solcher ‚kein Text‘-Phänomene für den Bereich der Literatur. Aufbauend auf dem ‚Leerstellen‘-Konzept der Rezeptionsästhetik werden im Folgenden ausgewählte literarische Beispiele aus der Epik untersucht, die zeigen, dass es verschiedene Ausformungen des ‚kein Text‘-Phänomens in der Literatur gibt. Von Heinrich von Kleist, über E.T.A. Hoffmann hin zur zeitgenössischen Literatur von Jonathan Safran Foer, Jenny Erpenbeck und Katharina Hacker zeigt sich, dass es sich bei ‚kein Text‘ um ein überzeitliches literarisches Phänomen handelt. Neben fehlenden Roman(teilen) ist vor allem die ‚leere Seite‘ als eine spezifische Variante von ausgelassenen Text(passagen) instruktiv, weil an ihr besonders augenfällig wird, dass die seitens der Literaturproduktion verweigerten Texte auf der Ebene der Textrezeption appellativ wirken: Leser werden durch die Auslassung zum Mitproduzenten von Text.
This article focuses on missing literary texts or missing texts in literary works in an attempt to create a typology of such ‘no text’ phenomena in the field of literature. Building on the ‘blank space’ concept of reception aesthetics, selected literary examples from epic poetry are examined below, which show that there are various forms of the ‘no text’ phenomenon in literature. From Heinrich von Kleist and E.T.A. Hoffmann to contemporary literature by Jonathan Safran Foer, Jenny Erpenbeck and Katharina Hacker, it becomes clear that ‘no text’ is a timeless literary phenomenon. In addition to missing (parts of) novels, the ‘blank page’ is particularly instructive as a specific variant of omitted text (passages), because it makes it particularly obvious that the texts refused by literary production have an appellative effect at the level of text reception: readers become co-producers of text through the omission